Anaximenes von Lampsakos

Anaximenes von Lampsakos war ein griechischer Rhetor und Geschichtsschreiber im 4. Jahrhundert v. Chr.

Anaximenes, Sohn des Aristokles, studierte bei dem Kyniker Diogenes und soll ein Gegner des Theopompos von Chios gewesen sein. Er nahm auch am Feldzug des Makedonenkönigs Alexanders des Großen gegen Persien teil und soll Alexander davon abgebracht haben, Lampsakos wegen angeblicher Perserfreundlichkeit zu zerstören.[1]

Anaximenes galt als hervorragender Redner. Er verfasste wohl unter anderem Anklagereden und fingierte Reden als Lehrmittel. Schon in der Antike wurde er aber dafür kritisiert, nicht besonders tiefgründig gewesen zu sein.[2] Anaximenes war vielleicht der Autor großer Teile der vermutlich im 1. Jahrhundert v. Chr. zusammengestellten Lehrschrift über die Rhetorik (Rhetorica ad Alexandrum),[3] die lange Zeit fälschlicherweise Aristoteles zugeschrieben wurde.

Anaximenes verfasste auch mehrere historische Werke: Eine griechische Geschichte (Hellenika) in 12 Büchern, die bis 362 v. Chr. reichte, eine Geschichte über Alexanders Vater Philipp II. (Philippika) in mindestens 8 Büchern sowie ein Werk über Alexander. Von den Geschichtswerken sind nur wenige Fragmente erhalten.[4] Von der Alexandergeschichte ist keine verlässliche Buchzahl überliefert, sie dürfte nach Felix Jacoby aber recht umfangreich gewesen sein.[5] Anaximenes scheint außerdem Alexander in einem sehr positiven Licht dargestellt zu haben. Die Alexandergeschichte hat nach Ansicht mancher Forscher keinen größeren Einfluss ausgeübt.[6] Sicherlich waren aber die Geschichtswerke des Anaximenes durchaus recht bekannt, denn in Alexandria wurde er in den Kanon der zehn berühmtesten griechischen Historiker aufgenommen.[7]

Literatur

  • Julius Brzoska: Anaximenes 3). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,2, Stuttgart 1894, Sp. 2086–2098.
  • Waldemar Heckel: Who’s Who in the Age of Alexander the Great. Prosopography of Alexander’s Empire. Oxford 2006, S. 27.
  • Klaus Meister: Die griechische Geschichtsschreibung. Stuttgart 1990, S. 93f.
  • Lionel Pearson: The Lost Histories of Alexander the Great. New York 1960, S. 243–245.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Unzutreffend ist die Angabe der Suda (Alpha 1989), Anaximenes sei ein Lehrer Alexanders gewesen. Siehe dazu Heckel (2006), S. 27.
  2. Brzoska (1894), Sp. 2097f.
  3. Rita Riedl: TITAN statt RAK § 608? In: Bibliotheksdienst 30, 1996, Heft 6, S. 1081–1082 (online als PDF/als HTML).
  4. Die Fragmente der griechischen Historiker, Nr. 72.
  5. Felix Jacoby: Die Alexandergeschichte des Anaximenes. In: Hermes 58 (1923), S. 457f.
  6. Meister (1990), S. 94.
  7. Brzoska (1894), Sp. 2096.

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