Kanbun
Beispiel wie ein klassischer chinesischer Text in Japanisch gelesen wird. Die arabischen Zahlen geben die Reihenfolge der Lesung an.

Kanbun (漢文, deutsch „Han-Schrift“, auch „Han-Text(e)“) bezeichnet in chinesischen Schriftzeichen verfasste Literatur in Japan. Zudem handelt es sich dabei um klassisches Chinesisch.

Sehr alte Texte in Japan waren komplett oder größtenteils auf Chinesisch verfasst, wenngleich sich mit den Man'yōgana auch sehr frühe Versuche zeigen, die Schriftzeichen nur mit dem Lautwert zur Bezeichnung der Aussprache des damaligen Japanisch zu gebrauchen. Später wurde Kanbun fast nur noch in religiösen Zusammenhängen genutzt, war aber weiterhin wichtig, um mit Chinesen zu kommunizieren. Da die japanischen Kanji weitestgehend den chinesischen Langzeichen entsprechen, können diese Texte (theoretisch) auch von Japanern gelesen werden. Allerdings ist die japanische Grammatik eine völlig andere als die chinesische. Das betrifft auch die Wortstellung, im Japanischen ist das Verb am Ende des Satzes.

Um die Wörter in die japanische Reihenfolge zu bringen, werden zu den Schriftzeichen Markierungen hinzugefügt, die die Lesereihenfolge kennzeichnen. Folgender Satz des Han Fei:

楚人有鬻盾與矛者

Wird folgendermaßen markiert:

楚人有盾與一レ矛者

Und im Endeffekt von Japanern so gelesen:

楚人盾矛與鬻者有

Inhaltsverzeichnis

Historische Entwicklung

Früheste überkommenen japanische Werke, wie das Nihon Ryoiki (um 820) und die Reichsgeschichten sind ganz im chinesischen Stil abgefasst (sogenannte Hakubun 白文 „weiße Texte“). Später kamen die Lesehilfen, von den sich mehrere Systeme herausbildeten. Anfangs die kaeriten (返点, „Umdrehungspunkte“), zur Bestimmung der Wortreihenfolge. Bei den okoto-ten (ヲコト点) wurden hauptsächlich die Symbole „“, „“, „“ und „“ in bestimmter Weise um die Schriftzeichen herum oder zwischen ihnen angeordnet. Dann stellten sie eine bestimmte japanische Silbe dar, vorrangig grammatische Partikel. Weiterhin Kuntenbun (訓点) – Texte mit Anweisungszeichen, von denen es wiederum etliche Varianten gab. Ein einheitliches Kanbun als solches gab es nicht. Weiterhin wurden Zeichen auch nach ihrem Lautwert wiedergegeben, z. B. 陀羅尼 da-ran-ni für das aus dem Sanskrit stammende Dharani (= Mantra).

Noch in der Meiji-Zeit schrieben japanische Gelehrte Kanbun. Gesetzestexte wurden noch bis zum Ende des zweiten Weltkriegs in diesem Stil herausgeben.

Siehe auch

Lehrbücher

  • Astrid Brochlos: Kanbun 漢文の基礎 – Grundlagen der klassischen sino-japanischen Schriftsprache. Harrassowitz, Wiesbaden 2004, ISBN 3-447-04902-2 ; Serientitel: Asien- und Afrika-Studien der Humboldt-Universität zu Berlin, 16, ISSN 0948-9789
  • Sydney Crawcour: An introduction to Kanbun. University of Michigan, Ann Arbor 1965
  • Inge-Lore Kluge, Hannelore Eisenhofer-Halim (Hrsg.): 漢文 Kanbun – Ein Lehr- und Übungsbuch. Peter Lang, Frankfurt 1997, ISBN 3-631-31412-4 ; Serientitel: Europäische Hochschulschriften Reihe 27, Band 62, ISSN 0721-3581
  • Bruno Lewin: Abriß der japanischen Grammatik. Harrassowitz, Wiesbaden 1959
  • Jan Pierson: Key to Classical Japanese – a List of Inflected and Uninflected Suffixes and Particles of th 7th and 8th Century. Brill, Leiden 1956

Weblinks


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