Anderssen - Lange, Breslau 1859
Max Lange

Max Lange (* 7. August 1832 in Magdeburg; † 8. Dezember 1899 in Leipzig) war ein deutscher Schachspieler, Verleger, Schriftsteller und Schachfunktionär.

Inhaltsverzeichnis

Lebensweg

Max Lange studierte (neben einer Reihe anderer Fächer) Rechtswissenschaft und Philosophie und promovierte in beiden Fächern. Seit 1864 war er Mitinhaber der Verlagsbuchhandlung Otto Spamer in Leipzig. Lange, der eine Tochter des bekannten Verlegers heiratete, wurde später nach dem Tode seines Schwiegervaters (1886) Alleininhaber der Verlagsbuchhandlung. Nach 1891 lebte er dann als Privatmann in Leipzig.

Neben der verlegerischen Tätigkeit war Lange ein produktiver Autor. So verfasste er populäre Lebensbilder über Abraham Lincoln (1866) und Kaiser Wilhelm I. („Wilhelm der Große“, 1888) und eine Reihe anderer Schriften, die zumeist schachliche Themen behandelten.

Schachautor

Bereits als Schüler gab er 1849 die Magdeburger Schachzeitung heraus, von der ein Jahrgang erschien. Sein „Lehrbuch des Schachspiels“ erlebte 1856 und 1865 zwei Auflagen und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Er verfasste weitere Schachbücher, unter anderem die erste Biografie über den amerikanischen Meister Paul Morphy. Von diesem Werk erschienen zwischen 1859 und 1894 drei Auflagen und eine englische Übersetzung (1860).

Von 1858 an war Max Lange mehrere Jahre lang Herausgeber und Redakteur der Berliner (späteren Deutschen) Schachzeitung.

Schachmeister

In den 1860er Jahren zählte er zu den stärksten deutschen Schachmeistern. 1862 gewann er in Düsseldorf das erste bedeutende deutsche Schachturnier. Auch aus den folgenden beiden Düsseldorfer Turnieren des Westdeutschen Schachbundes 1863 und 1864 ging er als Sieger hervor. 1868 siegte er im Turnier des Norddeutschen Schachbundes in Hamburg und teilte beim Aachener Kongress des Westdeutschen Schachbundes den zweiten und dritten Platz.

An Gründung und Aufbau dieser frühesten deutschen Schachverbände war Lange mitbeteiligt. Von 1894 bis zu seinem Tode war er schließlich Bundesverwalter des (1877 gegründeten) Deutschen Schachbundes (DSB). In seiner Amtszeit führten Streitigkeiten, darunter mit Siegbert Tarrasch, allerdings dazu, dass mehrere Vereine aus dem DSB austraten.

Auch die Eröffnungstheorie hat er bereichert. Im Zweispringerspiel im Nachzuge ist der verwickelte Max-Lange-Angriff nach ihm benannt und bis heute in allen Theoriebüchern zu finden. Er entsteht durch die Zugfolge 1.e2-e4 e7-e5 2.Sg1-f3 Sb8-c6 3.Lf1-c4 Sg8-f6 4.d2-d4 e5xd4 5.0-0 Lf8-c5 6.e4-e5.

In die Schachgeschichte eingegangen ist eine glanzvolle Kombination, welche einer tatsächlich gespielten Partie Langes zugeschrieben wurde. Der vermeintliche Partieverlauf kam aber nur „gelegentlich [in] einer analytischen Untersuchung zwischen Anderssen (Weiss) und M. Lange (Schwarz) zu Breslau 1859“ als denkbares Abspiel vor, entsprang also einer Analyse Anderssens und Langes.[1]

Kombination

a b c d e f g h
8 8
7 7
6 6
5 5
4 4
3 3
2 2
1 1
a b c d e f g h
Nach 13. … h7-h5!!

Analyse: Adolf Anderssen und Max Lange, Breslau 1859

1. e2-e4 e7-e5 2. Sg1-f3 Sb8-c6 3. Lf1-b5 Sc6-d4
Die Bird-Verteidigung der Spanischen Partie
4. Sf3xd4 e5xd4 5. Lb5-c4 Sg8-f6 6. e4-e5?! d7-d5 7. Lc4-b3 Lc8-g4 8. f2-f3 Sf6-e4!
Der Läufer darf wegen 9. … Dh4+ nicht geschlagen werden. Gegen das Damenschach sollte Anderssen nun 9. g3 ziehen.
9. O-O d4-d3!
Hemmungsopfer (der Läufer auf c1 wird „kaltgestellt“) und Räumungsopfer (Freilegen der Diagonale a7-g1) zugleich.
10. f3xg4?
10. De1! hätte die Kombination widerlegt.
10 … Lf8-c5+ 11. Kg1-h1 Se4-g3+!
Ein Standardmotiv: Die h-Linie wird unter Springeropfer geöffnet, wonach eine Schwerfigur auf dieser Linie sofort Matt setzt.
12. h2xg3 Dd8-g5
Es droht Dh6#
13. Tf1-f5 h7-h5!! (siehe Diagramm)
Nachdem der Tf5 das Matt der Dame auf h6 abwendet (Th5), wird der Turm auf h8 in den Angriff eingeschaltet, es droht hxg4 matt, weshalb die schwarze Dame nicht geschlagen werden darf.
14. g4xh5 Dg5xf5 15. g3-g4 Df5-f2
Weiß kann aufgeben, gegen Dh4+ gibt es keine vernünftige Verteidigung (16. g3 Dg3: 17. Df1 (sonst Dh3#) Dh4+ 18. Kg2 Dg4:+ samt Th5:+ und matt).

Schachkomponist

Als Verfasser des „Handbuchs für Schachaufgaben“ betätigte sich Max Lange auch auf dem Gebiet der Schachkomposition. Als neue Idee entwickelte er namentlich das Hilfsmatt.

Werke (Auswahl)

  • Lehrbuch des Schachspiels, Halle 1856 (2. Auflage 1865).
  • Sammlung neuer Schachpartien mit kritischen und historischen Noten. J. J. Weber, Leipzig 1857. Online bei Google Books
  • Paul Morphy. Skizze aus der Schachwelt. Veit & Comp., Leipzig 1859 (weitere Auflagen 1881 und 1894)
  • Handbuch der Schachaufgaben. Veit & Comp., Leipzig 1862. Online-Ausgabe (PDF-Datei)
  • Jahrbuch des Westdeutschen Schachbundes 1862 und 1863, (Reprint) Edition Olms, Zürich 1984. ISBN 3283001162 (Jahrbuch 1962 online bei Google Books)
  • Abraham Lincoln der Wiederhersteller der Nordamerikanischen Union und der große Kampf der Nord- und Südstaaten während der Jahre 1861-1865, Otto Spamer, Leipzig 1866. Online bei Google Books

Quellen

  1. Zitiert nach E. Winter: Chess Note 3888. An Anderssen loss (C.N.s 954, 3412 & 3885) (englisch)

Weblinks


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