Andessner

Irene Andessner (* 1954 in Salzburg) ist eine österreichische Bildende Künstlerin.

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Leben und Wirken

Irene Andessner studierte 1978/79 an der Accademia di Belle Arti in Venedig bei Emilio Vedova und von 1979 bis 1984 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Arnulf Rainer und Max Weiler.

Ihr Hauptthema ist seit 1988 das Selbstporträt, das sie ursprünglich in Form von Malerei und ab Mitte der 90er Jahre in Tableaux vivants, Foto- und Videoinszenierungen umsetzt. „Das Gesicht ist nur zufällig meines“ sagt Irene Andessner 1992.

Danach tritt die Selbstinszenierung mit Rollenspiel an die Stelle des gemalten Selbstporträts. Nachbilder von kunst- und zeitgeschichtlichen Vorbildern wie Sofonisba Anguissola oder Frida Kahlo entstehen, auch heilige und fiktive Personen sowie moderne Mythen (Marlene Dietrich). Im Projekt „I.M.Dietrich“ geht die Rollenidentifikation bis zur Annahme des Familiennamens des Vorbildes durch eine reale Heirat. Als „Wanda“ (re)produziert sie das Idealbild, das Leopold von Sacher-Masoch von der Frau hatte. 2006 interpretiert sie die überlieferten, in ihrer Authentizität fragwürdigen Mozart-Porträts („I.A. Mozart(?)“). Den „Saal der berühmten Männer“ im Café Florian in Venedig verwandelt sie in einen „Salon der illustren Frauen“, den Paternoster im Wiener Haus der Industrie in eine „Maternoster“ (mater nostra).

Das Bild der Frau, seien es überlieferte, erinnerte, vorgestellte, idealisierte, selbst wahrgenommene Bilder, sei nach Andesser, immer ­fiktiv sowohl in den Augen des Betrachters wie der Gesellschaft. Nicht „I was“, sondern „I am“ (wie sie ihr Produktionsteam nennt) ist das Motto der Künstlerin, ein Credo, mit dem sie selbst historische Gestalten sehr gegenwärtig zum Ausdruck bringt und eine Art Gegen-Gegenwart anbietet – im Sinne: Ich ist eine/bin eine Andere.

Werke

„Mumien, Dämonen, Totenköpfe, Portraits“ (1982–85), „Gotische Kirchenfiguren“ (1985/86), „Die Kämpfer“ (1986–88), „Selbstportraits“ (seit 1989–92), „Portraits“ (1993/94), „Neue Selbstportraits“ (1994/95), „Mein Murano“ (1995), „Vorbilder“ (1996–98), „Malerhut“ (1997), „Cyberface“ (1998), „Barbara Blomberg“, 1998), „Frauen zu Salzburg“ (1999), „Wasserfest“ (1999), „Irma Troll-Borostyáni“ (2000), „Milli Stubel-Orth“/„Irrlichter“ (2000), „Portrait – Détrait“ (2000), „I.M. Dietrich“ (2001), „Portraitprojekt I.A.“ (2001 ff), „Wanda SM“ (2003), „Donne illustri“ (2003), „I.A. Mozart(?)“ (2005/2006), „Maternoster“ (2006), „I.A.M. Ida/Artemis/Merian“ (2007), „Citylights [Wiener Frauen]“ (2008), „Virgen del Arte“ (2008/2009)[1]

Projekte

Ida Pfeiffer, Maria Sibylla Merian, Artemis sind gegenwärtig in Arbeit, die Produktion „Wiener Frauen“ und „Virgen del Arte“ (für Malaga) in  Vorbereitung. Parallel läuft das „Portrait Project I.A.“, in dessen Rahmen Irene Andessner Künstlerkollegen mit der Herstellung ihrer Selbstporträts „beauftragt“; das Gesicht ist in den „Portraitprojekt“-Ergebnissen ganz offensichtlich – nur zufällig ihres.

Einschätzungen

In den Augen von Peter Sloterdijk markieren ihre Porträts als „Détraits“ die Auflösung und damit die Austauschbarkeit der bildnerischen Darstellung von Persönlichkeit. [2] .

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Werke im virtuellen kunsthistorischen Katalog
  2. in: Sphären I, 1998)

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