Andrea Chenier
Werkdaten
Titel: André Chénier
Originaltitel: Andrea Chénier
Originalsprache: italienisch
Musik: Umberto Giordano
Libretto: Luigi Illica
Uraufführung: 28. März 1896
Ort der Uraufführung: Teatro alla Scala, Mailand
Spieldauer: ca. 2 3/4 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Paris, vor und während der Französischen Revolution
Personen
  • Hauptrollen
    • Andrea (André) Chénier, ein Poet (Tenor)
    • Carlo (Charles) Gérard, ein Diener (Bariton)
    • Maddalena (Madeleine) di Coigny (Sopran)
  • Nebenrollen
    • Bersi, Madeleines Dienstmädchen (Mezzosopran)
    • Die Gräfin di Coigny (Mezzosopran)
    • Pietro Fléville, ein Novellist (Bass oder Bariton)
    • Der Abt, ein Poet (Tenor)
    • Ein Spitzel (Un Incredibile) (Tenor )
    • Roucher, ein Freund Chéniers (Bass oder Bariton)
    • Schmidt, ein Kerkermeister von St. Lazare (Bariton)
    • Madelon, eine alte Frau (Mezzosopran)
    • Fouquier Tinville, ein öffentlicher Ankläger (Bass oder Bariton)
    • Der Leiter des Haushaltes (Bass)
    • Damen, Herren, Musiker, Diener, Soldaten (Chor)

Andrea Chénier ist eine Oper in vier Akten des italienischen Komponisten Umberto Giordano. Das Libretto verfasste Luigi Illica, der später mehrfach für Giacomo Puccini als Librettist tätig war. Gelegentlich wird Andrea Chénier auch als musikalisches Drama bezeichnet. Im Mittelpunkt des Werkes stehen der französische Dichter André Chénier und die teilweise fiktiven Ereignisse bis zu seinem Tode 1794.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Die Handlung der Oper findet zwischen 1789 und 1794 statt, zur Zeit der Französischen Revolution und der Schreckensherrschaft der Jakobiner in und um Paris.

1. Akt

Der Dichter Andrea Chénier, der Hauptakteur begegnet dem Hörer zum ersten Mal in Mitten einer Adelsgesellschaft im Haus der Gräfin von Coigny auf dem Land. Obwohl er gegen den Adel und dessen dekadenten Lebensstil eingestellt ist, nimmt er an dieser Gesellschaft teil. Als er dazu aufgefordert wird, einige seiner Gedichte vorzutragen, weigert er sich charmant und wird erst durch spöttische Bemerkungen der jungen Grafentochter Madeleine dazugebracht, einige Verse zu rezitieren. In denen übt er harsche Kritik am Adel und dessen Lebensweise. Überraschenderweise empfindet Madeleine dies ebenso und ergreift die Partei des Dichters. In diese Situation platzt der Sohn des Gärtners, Charles Gérard - der Gegenspieler Chéniers - mit einigen hungrigen armer Leute hinein. Gérard, der von den Ideen der Revolution bereits sehr überzeugt ist und den Adel - bis auf Madeleine - hasst, wird zurückgedrängt und muss aus dem Dienst ausscheiden.

2. Akt

Andrea Chénier befindet sich nun in Paris und sieht sich und alle Pariser von Spionen, die im Dienste der Revolution stehen, beobachtet. Seine adelskritischen Werke haben ihn zu einem Mann gemacht, der von den Revolutionären gefeiert wurde. Doch die Zeiten haben sich geändert und mittlerweile wird er kritisch wegen seiner Beziehungen zum Adel betrachtet und gerät mehr und mehr unter Verdacht, nicht mehr voll hinter den Ideen der Revolution zu stehen. Sein Freund Roucher rät ihm zur Flucht. Doch halten ihn die geheimnisvollen Liebesbriefe einer Unbekannten, die sich als Madeleine entpuppt, davon ab, zu fliehen. Es kommt zu einer Liebesszene, die von einem Spitzel (Un Incredibile) beobachtet wird. Der Spitzel benachrichtigt Gérard, der mittlerweile zum Sekretär der Revolution aufgestiegen ist. Zwischen Gérard und Chénier kommt es zu einem Duell, bei dem Gérard schwer verwundet zusammenbricht.

3. Akt

Gérard ist wieder genesen, hat Chénier verhaften und vor Gericht stellen lassen. Im Sitzungssaal des Revolutionstribunals taucht Madeleine auf, um ihn zu retten. Gérard erkennt Madeleine und fühlt, wie seine Liebe zu ihr wieder aufflammt und stärker wird. Als Preis für Chéniers Rettung fordert er Madeleine und sie willigt aus Liebe zu Chénier ein. Sie hält eine ergreifende Rede über ihr Schicksal während der Revolution. Diese und ihre Bereitswilligkeit, "sich zu opfern", lassen Gérard seine Einstellung zu Chénier ändern. Chénier verteidigt sich glänzend und Gérard tritt für ihn ein und spricht sich gegen das Todesurteil aus. Dennoch kann er nicht verhindern, dass Andrea Chénier zur Guillotine verurteilt wird. Das Volk will es so.

4. Akt

Im Gefängnis von St. Lazarre verbringt Chénier seine letzten Stunden, wo er seinem Freund Roucher seine letzten Verse vorträgt. Madeleine fasst derweil den Entschluss, mit dem Mann, den sie liebt, zu sterben. Sie besticht den Gefängniswärter und besteigt so an Stelle einer verurteilten Deliquentin zusammen mit Chénier den Karren, der sie zum Schafott bringt. Die beiden Liebenden sind glücklich, gemeinsam in den Tod zu gehen. Gérard versucht, eine Begnadigung zu erwirken, doch es ist zu spät. Madeleine und Andrea sind im Tode vereint.

Entstehung

Andrea Chénier entstand in den Jahren 1894–95. Luigi Illica verfasste das Libretto zunächst für den Komponisten Alberto Franchetti, der dieses später aber an Giordano abtrat.

Rezeptionsgeschichte

Die Oper wurde am 28. März 1896 in der Mailänder Scala uraufgeführt. Weitere Aufführungen folgten, so bereits 1896 in New York City und am 28. Januar 1897 in Breslau. In Breslau wurde die Oper in der Textfassung von Max Kalbeck auf deutsch aufgeführt. Andrea Chénier wurde bis 1909 unter anderem auch ins Französische, Tschechische, Ungarische, Schwedische und Englische übersetzt. Auf Englisch wurde die Oper allerdings erst 1903 in Manchester und London inszeniert.

Giordanos Oper wird in relativ regelmäßigen Abständen aufgeführt. Größen der Opernwelt wie Franco Corelli, Plácido Domingo und José Carreras haben in den letzten Jahrzehnten den Part des Andrea Chénier übernommen.

Arien der Oper

  • "Un dì all'azzurro spazio" (Chénier, 1. Akt)
  • "Vivere in fretta" (Bersi, 2. Akt)
  • "La mamma morta" (Maddalena, 3. Akt)
  • "Nemico della patria" (Gérard, 3. Akt)
  • "Come un bel dí di Maggio" (Chénier, 4. Akt)

Aufnahmen/Tonträger

  • Andrea Chènier, Orchester und Chor Teatro alla Scala unter der Leitung von Oliviero De Fabritiis und Achille Consoli, Beniamino Gigli (Andrea Chènier), Maria Caniglia (Maddalena di Coigny), Gino Bechi (Carlo Gèrard), Giulietta Simionato (Gräfin Coigny), Vittoria Palombini (Madelon), Maria Huder (Bersi), Italo Tajo (Roucher), Giuseppe Taddei (Fouquier Tinville), Leone Paci (Mathieu), Adelio Zangonara (ein Abt, ein "Unglaublicher"), Gino Conti (der Meister des Haushaltes, Schmidt, Dumas). La Voce del Padrone, QALP 10069, 1954

Weblinks

Literatur

  • Rudolf Kloiber, Wulf Konold, Robert Maschka: Handbuch der Oper. 9. Auflage. Bärenreiter, Kassel 2002, ISBN 3761816057

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