Andrea Moda Formula
Andrea Moda
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Name Andrea Moda Formula
Unternehmen Andrea Moda Formula
Unternehmenssitz Ancona, Italien
Teamchef ItalienItalien Andrea Sassetti
Statistik
Erster Grand Prix Monaco 1992
Letzter Grand Prix Monaco 1992
Gefahrene Rennen 1
Konstrukteurs-WM
Fahrer-WM
Rennsiege 0
Pole Positions 0
Schnellste Runden 0
Punkte 0

Andrea Moda Formula war ein Formel-1-Team des Geschäftsmanns Andrea Sassetti, Betreiber einer italienischen Schuhfirma namens Andrea Moda aus Ancona. Die Geschichte des Teams war gekennzeichnet von Unvermögen und Skandalen, bis es schließlich seitens der FISA von der Weltmeisterschaft ausgeschlossen wurde.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Ende September 1991 kaufte sich Andrea Sassetti bei dem an Erfolglosigkeit und finanzieller Not leidenden Formel-1-Team von Coloni ein. Das italienische Team wurde für die verbleibenden Rennen der Saison 1991 zunächst von Enzo Coloni fortgeführt. Danach wurde das Austauschgeschäft mit Sassetti vollzogen. Der im Motorsport vollkommen unerfahrene Sassetti übernahm Colonis aktuelles Auto, den Coloni C4, dazu die verbliebenen Ersatzteile. All dies wurde in Andrea Sassettis Werkstatt in Ancona überführt, die künftig die Basis für den Formel-1-Einsatz werden sollte. Die Werkstätten von Coloni Racing in Passignano sul Trasimeno dagegen wurden nicht von Sassetti übernommen; sie blieben bei Enzo Coloni und dienten als Basis für dessen Neuanfang in der italienischen Formel 3.

Saisonverlauf 1992

Die ersten Schritte: Ein überarbeiteter Coloni C4 und ein Ausschluss

Für die Saison 1992 war geplant, das bekannte, bereits 1989 aufgebaute Auto von Coloni, den C4, mit einigen technischen Modifikationen erneut einzusetzen. Hierzu erwarb Sassetti zwei gebrauchte Judd GV-Zehnzylinder-Motoren, die 1991 in den Dallara-Rennwagen des Teams BMS Scuderia Italia gelaufen waren. Von BMS übernahm Sassetti auch die gesamte Hinterachse sowie das Getriebe. All dies wurde in den betagten Coloni C4 eingebaut. Das Auto wurde schwarz lackiert und erhielt die Bezeichnung Coloni C4B. Der französische Journalist Patrice Buchkalter berichtet, dass die notwendigen Konstruktionsänderungen von Studenten der Universität Perugia ausgearbeitet wurden. Diesen Weg war Enzo Coloni schon 1991 gegangen, als es darum ging, den C3C zum C4 umzubauen. Sassetti ließ den britischen Ingenieur Paul Burgess die Arbeit der Studenten überwachen; eigene Entwicklungsarbeiten aber leistete Burgess nach eigenem Bekunden nicht.

Als Fahrer wollte Sassetti zunächst Christian Danner und Gregor Foitek verpflichten. Foitek besuchte die Fabrik des Teams und sagte daraufhin kurzfristig ab. Er berichtete später, dass die Infrastruktur von Andrea Moda Formula nicht ansatzweise das Niveau eines Formel-1-Rennstalls erreiche. Letzten Endes verpflichtete Andrea Moda Formula die italienischen Rennfahrer Alex Caffi und Enrico Bertaggia mit den Startnummern 34 bzw. 35.

Ein erster Praxistest wurde im Februar 1992 von Alex Caffi durchgeführt. Über die Rundenzeiten ist nichts bekannt; Caffi ließ sich allerdings mit den Worten zitieren, dass das Auto im Wesentlichen brauchbar sei und auch der Judd-Motor gut zu dem Wagen passe, lediglich die Position des Schalthebels sei zu bemängeln.

Zum ersten Rennen der Saison in Südafrika erschien Andrea Moda Formula und meldete den Coloni C4B für Caffi und mit Bertaggia. Beim Einführungstraining am Donnerstag vor dem Rennen, das dem Zeittraining und der Qualifikation vorgelagert war, drehte Caffi einzelne Runden, Bertaggia hingegen erhielt keine Gelegenheit zum Fahren. Caffi erreichte keine Zeit, die im Bereich der Konkurrenzfähigkeit angesiedelt war. Zum Qualifying trat das Team indes nicht mehr an, da es am Freitag Morgen von der Weltmeisterschaft ausgeschlossen wurde.

Der erste Ausschluss des Teams

Die FISA war der Ansicht, dass es sich bei Andrea Moda Formula um ein neues Team handele und nicht lediglich um die Fortführung eines bisherigen Rennstalls. Daraus folgten reglementskonform zwei Ausschlussgründe:

  • Einerseits war nach Ansicht der FISA die Entrichtung der Einschreibegebühr erforderlich. Darauf hatte Sassetti unstreitig bislang verzichtet.
  • Daneben sei das Team nicht berechtigt, den alten Coloni C4 einzusetzen, da es sich hierbei um ein Auto handelte, das bereits von einem anderen Team (nämlich Coloni) eingesetzt worden war. Nach den Regularien der Formel 1 musste aber jedes Team mit einem eigenen Auto antreten.

Die Rechtmäßigkeit des Ausschlusses ist umstritten. Für die gegenteilige Ansicht von Andrea Sassetti, nach der sein Rennstall Andrea Moda Formula lediglich die Fortführung des 1987 gegründeten Coloni-Teams mit anderem Namen sei und daher nicht als neues Team anzusehen sei. Auch gab es in den vorangegangenen Jahren einige Präzedenzfälle, in denen sich die FISA deutlich großzügiger gezeigt hatte. Als Beispiel sei der Rennstall Osella Corse genannt, der 1991 von Gabriele Rumi übernommen und unter dem Namen Fondmetal Corse bis 1992 weiterbetrieben wurde. Gleiches galt für das britische Toleman-Team, das ab 1986 unter dem Namen Benetton antrat.

Ein neuer Anlauf: Autos von Simtek

Nach einigen Tagen der Auseinandersetzung war ein Kompromiss gefunden: Andrea Moda Formula sollte wieder zur Formel-1-Weltmeisterschaft zugelassen werden, sobald es über ein neues Auto verfüge. Die Einschreibgebühr wurde im Gegenzug erlassen, ebenso wie eine Geldstrafe für das Auslassen eines oder mehrerer Großer Preise. Hierfür wurde die Rechtsfigur der „höheren Gewalt“ bemüht.

Das neue Auto

Ein neues Auto war schnell gefunden: der britische Formel-1-Zulieferer Simtek, einige Jahre später selbst Wettbewerber in der Formel 1, hatte bereits 1990 im Auftrag von BMW ein Formel-1-Auto gebaut, das BMW zunächst im Verborgenen getestet hatte, bevor man sich letztlich doch gegen einen Einstieg in die Formel 1 entschied. Diese Autos standen ungenutzt im Simtek-Werk und warteten gewissermaßen auf eine weitere Verwendung. Das Geschäft wurde vermittelt von Max Mosley, der einerseits seit 1991 Präsident der FISA, andererseits Miteigentümer des Unternehmens Simtek war.

Ende März 1992 übernahm Andrea Sassetti beide Autos und nannte sie künftig Andrea Moda S192 (nach anderen Quellen: S921). In den folgenden Wochen passten die Andrea-Moda-Mechaniker Riccardo Rosa und Silvio Romero den vorhandenen Judd-Motor in die Autos ein.

Die Personalie Perry McCarthy

Die Fahrerwahl erwies sich als problematisch. Weder Caffi noch Bertaggia wurden erneut benannt. Statt dessen verpflichtete Sassetti den brasilianischen Routinier Roberto Moreno. Daneben wurde der britische Newcomer Perry McCarthy verpflichtet, ein Fahrer, der nahezu keine Erfahrung im Umgang mit Monoposti hatte. McCarthy erhielt deshalb zunächst keine Superlizenz; erst nachdem er einige Formel-1-Runden nachweisen konnte, wurde ihm die Fahrerlaubnis erteilt. In der Zwischenzeit hatte allerdings Enrico Bertaggia neue Sponsoren gefunden und fragte bei Sassetti nach einem weiteren Einsatz nach. Sassetti wollte McCarthy daraufhin durch Bertaggia ersetzen, stieß aber auf erneuten – und diesmal anhaltenden – Widerstand der FISA, die ihn darauf verwies, dass er mit der Neubenennung zweier Fahrer bereits die erlaubte Zahl an Fahrerwechseln ausgeschöpft hatte. Andrea Sassetti musste daraufhin mit Perry McCarthy leben, der allerdings zum ungeliebten Kind des Teams wurde. McCarthy wurde konsequent vom Team benachteiligt: Mal wurde sein Auto nicht rechtzeitig zur (Vor-) Qualifikation fertiggestellt, mal wurde er zu spät, mit Regenreifen bei einem Trockenrennen oder mit vollständig gefülltem Tank auf die Piste gelassen, so dass er im Ergebnis zu keiner Zeit passable Ergebnisse einfahren konnte. Ziel war es augenscheinlich, McCarthy zum Aufgeben zu bewegen; der Brite hielt allerdings konsequent an seinem Fahrersitz fest.

Die sportlichen Leistungen des Teams

Das Team Andrea Moda mit dem neuen S192 und den Fahrern Moreno und McCarthy meldete sich zwar zum zweiten Rennen der Saison in Mexiko; zu einem Einsatz kam es allerdings nicht, da die beiden neuen Autos noch nicht fertig gestellt waren. Beim dritten Saisonrennen in Brasilien konnte ein einzelnes Auto in der Nacht vor der Vorqualifikation aufgebaut werden. Fahren durfte dann indes nur Roberto Moreno, der sich mit dem ungetesteten und ihm unbekannten Auto nicht qualifizieren konnte. Zum Bestehen der Vorqualifikation fehlten ihm 15 Sekunden; der Rückstand auf die Zeit des Pole-Setters betrug 23 Sekunden. In Spanien waren dann beide Autos einsatzbereit. Das erste Auto mit Roberto Moreno blieb nach zwei Runden mit Elektrikdefekt auf der Piste stehen. Moreno wechselte in das zweite Auto, das kurz darauf den gleichen Defekt erlitt. In der Folge konnte McCarthy nicht fahren, obwohl er nunmehr mit einer Superlizenz ausgestattet war. In den folgenden Rennen änderte sich die Lage nicht. Moreno und – sofern er fahren durfte – auch McCarthy strandeten regelmäßig an der Vorqualifikation. Eine Ausnahme war der Große Preis von Monte Carlo: Wie schon drei Jahre zuvor im Coloni, gelang es Moreno auch diesmal, sich zum Rennen zu qualifizieren. Er ging als Letzter ins Rennen und schied nach elf Runden, an letzter Position liegend, mit Motorschaden aus. Danach sollte keine weitere Rennteilnahme mehr zu erreichen sein.

Die Zwischenfälle und Skandale

Andrea Moda Formula war neben sportlichen Defiziten auch für diverse Zwischenfälle und Skandale bekannt.

  • Anlässlich des Großen Preises von Kanada erschien das Team Andrea Moda ohne Motoren in der Boxengasse. Angeblich war die Kiste mit den Motoren auf dem Luftweg nach Kanada fehlgeleitet worden. Zutreffend dürfte gewesen sein, dass John Judd die Motoren gar nicht erst auf den Weg nach Kanada geschickt hat, weil noch einige Rechnungen von Andrea Moda ausstanden. Das Team musste sich daher von dem ebenfalls strauchelnden Brabham-Team einen baugleichen Motor leihen, den man in Morenos Auto einbaute. Moreno fehlten 23 Sekunden auf die Pole-Zeit und 17 Sekunden auf die Vorqualifikation. McCarthy durfte gar nicht erst fahren.
  • Der Große Preis von Frankreich fand zu einer Zeit statt, in der das Land von einem Fernfahrerstreik erfasst war. Allen Teams der Formel 1 gelang es gleichwohl, rechtzeitig in Magny Cours zu erscheinen. Nur die LKWs von Andrea Moda Formula blieben im Trubel der Streikauswirkungen gefangen, so dass das Team zu dem Rennen nicht antreten konnte.
  • Anlässlich des Großen Preises von Ungarn drohte die FISA mit einer Sperre des Teams, falls es beim folgenden Rennen in Belgien keine Anstrengungen unternehme, Perry McCarthy ein seriöses Training zu ermöglichen. Die Sperre wurde für den Großen Preis von Italien, das Heimrennen von Andrea Moda Formula, in Aussicht gestellt.
  • Beim Grand Prix in Spa-Francorchamps wurde der Teameigentümer Sassetti in der Nacht zum Sonnabend von der belgischen Polizei im Fahrerlager verhaftet und verbrachte eine Nacht im Gefängnis. Anlass war die Klage eines Kunden, Sassetti hätte ihn mit einem nicht gedeckten Scheck bezahlt. Diesen Vorgang nahm die FISA zum Anlass, Andrea Moda Formula unverzüglich von der Formel-1-Weltmeisterschaft auszuschließen. Zur Begründung wurde vorgetragen, das Verhalten des Teams sei geeignet, den Ruf der Formel 1 zu beschädigen.

Fazit

In der Formel-1-Saison 1992 trat Andrea Moda nur zu 9 von 16 Rennen an, konnte sich bei 16 Versuchen nur einmal für das Rennen qualifizieren und fiel in diesem einen Rennen aus. Damit zählt das Team neben Life Racing zu den missglücktesten Projekten der jüngeren Formel-1-Geschichte. Die britische Zeitschrift Autosport schrieb im Zusammenhang mit Andrea Moda:

„... motor racing should really be left to motor racing people, people who have a vague idea ... what they are doing.“
„Motorsport sollte wirklich Leuten überlassen werden, die eine vage Idee davon haben, was sie eigentlich machen.“

Wegen Privatteams wie Andrea Moda Formula, die von Leuten ohne viel Erfahrung oder Geld gegründet wurden und wenig später verschwanden, verlangte die FIA später von neuen Formel-1-Teams eine hohe Kaution.

Quellen

  • Henry, Alan: „Autocourse 1992/93“, London 1992 (Hazleton Securities Ltd.), ISBN 0-905138-96-1.
  • Buchkalter, Patrice und Galeron, Jean Francois: „Formula 1 – a complete guide to 1992“, Surrèsnes (Taillandrier) 1992, ISBN 2-87636-107-8.
  • motor sport aktuell, wöchentlich erscheinende Fachzeitschrift aus der Schweiz, mit diversen Artikeln und Notizen über Andrea Moda in den Heften des Jahrgangs 1992.

Weblinks

Bilder auf f1rejects.com (englisch)
Statistik auf F1Total.com (deutsch)


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