Karl Wesseler

Karl Wesseler (* 11. April 1929 in Düsseldorf; † 26. April 2010 in Köln) war ein deutscher Schauspiel-, Fernseh- und Opernregisseur, Komponist, Autor, Schauspieler, Kabarettist und Hochschullehrer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Karl Wesseler wurde 1929 in Düsseldorf als Sohn eines Notars geboren, wuchs in Dormagen als Ältestes von sechs Kindern auf und besuchte das Hansagymnasium (Köln). Seine Schulzeit musste er unterbrechen, als er im letzten Kriegsjahr 1945 im Alter von 15 Jahren zur Wehrmacht einberufen und an die Front geschickt wurde. Nach dem Abitur besuchte er das Robert-Schumann-Konservatorium in Düsseldorf, absolvierte eine Schauspielausbildung mit anschließender Bühnenreifeprüfung und studierte an der Universität zu Köln Theater- und Musikwissenschaften, Germanistik, Philosophie und Betriebswirtschaftslehre. Er schloss 1954 sein Studium mit seiner Dissertation Untersuchungen zur Darstellung des Singspiels auf der deutschen Bühne des 18. Jahrhunderts mit magna cum laude ab.

Fortan arbeitete Karl „Charly“ Wesseler ab Mitte der 1950er Jahre als Schauspieler und Regisseur, als Pianist und Moderator, als Komponist und Autor für Theater, Film und Fernsehen, im Kabarett und im Konzertsaal. An vielen deutschsprachigen Bühnen – darunter das Staatstheater Darmstadt, Staatstheater Nürnberg, Staatstheater Wiesbaden, Hamburgische Staatsoper und die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg – hat er Schauspiele, Opern, Operetten und Musicals inszeniert, bewegte unter anderem als langjähriger Regisseur der meisten Willy Millowitsch-Übertragungen den Volksschauspieler auch zu einem Auftritt im Molière-Stück Der Bürger als Edelmann, war von 1978 bis 1983 Intendant am Rheinischen Landestheater Neuss und am Theater am Niederrhein Kleve und fusionierte diese 1981 und von 1983 bis 1989 Generalintendant an den Städtischen Bühnen Münster. 1984 wurde ihm der jährlich an jeweils einen prominenten Münsteraner vergebene Karnevalsorden „Mückenstich“ verliehen. Zu einem der erfolgreichsten Musicals in Münster avancierte 1989 das von ihm getextete und von Gerhard Jussenhoven komponierte Good Luck Bill oder Gut Holz Wilhelm, das Anfang der 1970er Jahre, lange vor der Uraufführung, noch zu scharfem Protest seitens des Hauses Hohenzollern geführt hatte.[1]

Für seine langjährige pädagogische Arbeit an der Staatlichen Musikhochschule Rheinland, unter anderem als Leiter der Opernschule, wurde Wesseler der Professorentitel verliehen. Sein besonderes Engagement gehört dem Kindertheater, er erzielte früh Erfolge mit eigenen Kinderstücken und entwickelte dabei auch eigene Formen des Mitspieltheaters, unter anderem Die Heinzelmännchen von Köln, Der Rattenfänger von Hameln, Columbus entdeckt Amerika und Columbus in der Neuen Welt. Seine große Kindertheaterrevue Columbus verzaubert den Mond inszenierte er 1993 am Friedrichstadtpalast in Berlin mit einem Ensemble von rund 200 Kindern. Er lebte mit seiner Frau, der Dramaturgin Dorothea Renckhoff, zuletzt in Köln und hat zwei erwachsene Kinder. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt im Oktober 2009 umrahmte Wesseler die Gedenk-Matinee für Peter Zadek im Schauspielhaus Hamburg musikalisch neben Klarinettist Giora Feidman und Sänger Udo Lindenberg als Pianist.

Karl Wesseler starb am 26. April 2010 in Köln und wurde am 4. Mai 2010 auf dem Melaten-Friedhof beigesetzt.[2][3][4]

Die FAZ würdigte Wesseler und dessen umfassende künstlerische Tätigkeit in ihrem Nachruf, indem sie ihn als „Alleskönner“ bezeichnete, der „scheinbar mühelos“ die Barrieren zwischen E(rnst) und U(nterhaltung) übersprang.[5]

Inszenierungen für das Fernsehen (Auswahl)

Inszenierungen für das Theater (Auswahl)

Arbeiten als Komponist (Auswahl)

Werke (Auswahl)

  • Columbus verzaubert den Mond (Kinderrevue)
  • Good Luck, Bill! oder Gut Holz, Wilhelm! (Musical, komponiert mit Gerhard Jussenhoven)
  • Columbus entdeckt Amerika (Mitspieltheaterstück für Kinder)
  • Columbus in der neuen Welt (Mitspieltheaterstück für Kinder)
  • Die Heinzelmännchen von Köln (Mitspieltheaterstück für Kinder)
  • Der Rattenfänger von Hameln (Mitspieltheaterstück für Kinder)
  • Clown in Afrika oder Wie man mit Lachäpfeln Affenräuber fängt (Musiktheater für Kinder)

Rollen als Schauspieler (Auswahl)

Lehrtätigkeiten

Mitgliedschaften

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Keiner will Wilhelm haben. In: Die Zeit, Nr. 23/1970
  2. stgereon.de
  3. nachrichten.rp-online.de
  4. musenblaetter.de
  5. Zadeks Zuspieler. In: FAZ, 8. Mai 2010, S. 36
  6. ngz-online.de

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