Karlsefni

Karlsefni
Thorfinn Karlsefnis Expedition nach Vinland 1=Norwegen, 2=Island, 3=Ostsiedlung (Grönland), 4=Westsiedlung (Grönland), 5=Helluland (Baffinland), 6=Markland (Labrador) 7=Bjarney (Neufundland), 8=Vinland (Sankt-Lorenz-Golf)

Thorfinn Karlsefni (isländisch: Þorfinnur Karlsefni) war ein isländischer Seefahrer und Händler, der um 1010 mit 160 Siedlern auf drei Wikingerschiffen nach Vinland aufbrach. Unter den Siedlern befanden sich unter anderem seine Frau Guðríður Þorbjarnardóttir, Freydis Eriksdóttir und Thorvald Eriksson, die Halbschwester bzw. der Bruder von Leif Eriksson.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Geboren ist er, wie die Saga von Erik dem Roten erzählt, am nordisländischen Skagafjörður in der Ortschaft Reynines als Sohn des Thórdar Hesthöfðar (Pferdekopf) und seiner Frau Thorunn. Die Familie wird als sehr reich und von großem Einfluss beschrieben. Um 1009 reiste er mit seiner Schiffsbesatzung an den Hof Erik des Roten in Grönland und heiratete dort die Witwe von Eriks Sohn, Þórstein Eiríksson, die Isländerin Guðríður.

In Vinland

Im Jahr nach der Hochzeit beschlossen er und Snorri Thorbrandsson mit mehreren Schiffen und 140 Mann nach Vinland zu fahren. Die kleine Wikingerflotte landete der Saga nach auf der südöstlich von Markland gelegenen Insel Bjarney. Dort beobachteten die Männer Bären und benannten die Insel nach ihnen. Die Seereise hatte bis dahin von Grönland ausgehend zwei Tage und zwei Nächte in Anspruch genommen. Nach weiteren 2 Tagen sichteten sie ein Kap an einer hafenlosen Küstenlinie, auf dem sie einen Schiffskiel fanden, und tauften die Landzunge Kjalarnes (Kielhalbinsel). Die Beschreibung der langgezogenen Küste erinnert stark an die im Sankt-Lorenz-Golf liegenden Magdalenen-Inseln, einer Inselgruppe auf der es viele Schiffswracks aus den letzten Jahrhunderten gibt. Auch ähnelt die Form der Inseln sehr stark einem Schiffskiel aus der Wikingerzeit.

Furðustrandir - Die Nordküste der Prince Edward Island bei Cavendish

Auf der südwärts führenden Route segelte Thorfinn an einem langen Sandstrand, in der Saga steuerbordseitig, ostwärts entlang. Unterbrochen wurde er nur von einigen großen Prielen und sie nannten diese Landschaft „Furðustrandir“, auf deutsch Wunderstrand, weil er so lang war, wie es ihn sonst an den Ufern des Nordatlantik so nicht gibt.

Das Land wurde im Osten der Insel erkundet, und man suchte für den bevorstehenden Winter eine geeignete Stätte für das mitgebrachte Vieh und, die Nahrung für sie selbst bot. Den Meeresarm benannten sie Straumsfjorður und die in der Mitte befindliche Insel Straumsey, auch wegen der starken Gezeitenströmung.

Hóp

Hier verbrachte man den Winter. Thorfinn beschloss, für einen mehrjährigeren Verleib in Vinland eine geeignetere Stelle für eine Niederlassung zu finden. Andere wollten wieder zurück zum „Furðustrandir“, und so trennte sich das Schiff von Thorhall von den übrigen. Er wurde nach Westen verschlagen, kam nach Irland, wo man ihn tötete. Es wurde nun im kommenden Frühjahr diese Südküste entlang gesegelt.

Der Restigouche am Ausgang des Sees mit Campbellton

Sie segelten eine zeitlang, bis sie einen Fluss erreichten, der vom Land herunterkam und in einen See floß und dann ins Meer. Es waren große Inseln in der Flussmündung und man konnte nicht in den Fluß gelangen, es sei den in der Zeit des Tidenhöchststandes. Thorfinn segelte mit seinen Leuten zur Flussmündung und nannte das Land Hóp. Dort fanden sie Felder mit wilden Weizen, wo immer das Land flach war, und Wein wuchs dort, wo der Boden begann rauer zu werden. Alle Bäche waren voll Fisch, und sie gruben Gräben in den seichten Strandzonen, warteten die Flut ab und bei Ebbe fanden sie Heilbutt in den Löchern vor. Zudem bot der Wald eine große Anzahl von wildlebenden Tieren. Sie errichteten ihre Siedlung oberhalb des Sees.

Skraelinger

Stammesgebiet und Teilvölker der Mi'kmaq im 18.Jahrhundert

Thorfinns Leute blieben drei Jahre in Hóp und erkundeten in diesen Jahren auch per Schiff das weiträumige Umfeld. Die Leute bewirtschafteten das Land um den See herum in nun mehreren dorfähnlichen Niederlassungen, so die Saga. Zu Kontakten mit den Ureinwohnern kam es gleich im ersten Sommer.

Der Kontakt Thorfinns mit den Skraelingen gestaltete sich von Jahr zu Jahr schwieriger. Im ersten Sommer verlief der Tauschhandel nach anfänglichen Kommunikationsproblemen friedlich. Im nächsten Jahr waren die Ureinwohner aber über einen von Thorfinns aufgestörten aggressiven Bullen so in Schrecken versetzt worden, dass sie den Handelsort fluchtartig verließen. Der dritte Sommer war von Anfang an kriegerisch. Die Nordmänner empfingen die Indianer in vorausschauender Weise in Schlachtordnung, und es kam zum Kampf. Zwei Grönländer und vier Indianer wurden getötet und die Skraelinger in die Flucht geschlagen. In dieser Auseinandersetzung tat sich auch Freydis, die Tochter Eriks des Roten, besonders hervor.

Rückreise

Nun beschlossen Thorfinn und seine Leute, dass das Land alle zwar Möglichkeiten einer ständigen Besiedlung in hervorragender Weise biete, der Terror mit den Skraelinger aber nicht aufhören würde und die Anzahl der Nordmänner hierfür zu gering sei. Es wurden nun Vorbereitungen für die Rückfahrt nach Grönland und Island getroffen. Beladen wurden die Schiffe auch mit den Gütern die den Siedlern auf Grönland und Island nicht zur Verfügung standen - Hartholz, Vinland-Wein und Pelze.

Die Schiffe kamen in Grönland und Island wohlbehalten an. Thorfinns Familie ließ sich auf Island in der Nähe seines Heimatortes Reynines nieder und errichtete ein Gut in Glaumbær. Auch mit den neu erstandenen Gütern aus Vinland wurde Handel weiter betrieben, der die Familie wohlhabend und einflussreich machte. Wann die Vinland- und Grönlandfahrten der Isländer aufhörten, ist nicht bekannt. Der Familie entstammen einige der ersten Bischöfe Islands und zu Beginn des 12. Jahrhundert wurde ein zweiter isländischer Bischofssitz im abgelegenen Hólar gegründet. Auch ist im 18. Jahrhundert noch von einem Beamtengeschlecht aus Reynines, den Reinisstadgeschlecht die Rede.

Quellen

  • „Die Geschichte von Erich dem Roten.“ In: Grönländer und Färinger Geschichten. Übertragen von Felix Nidner. Darmstadt 1965. S. 23-48.
  • „Die Erzählung von den Grönländern.“ In: Grönländer und Färinger Geschichten. Übertragen von Felix Nidner. Darmstadt 1965. S. 49-85.

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