Andreas-Hofer-Bund

Andreas-Hofer-Bund ist der Name verschiedener politischer Gruppen. Namenspatron ist Andreas Hofer, der Anführer der Tiroler Aufstandsbewegung von 1809.

Inhaltsverzeichnis

Andreas-Hofer-Bund Tirol

Der Andreas-Hofer-Bund Tirol (AHBT) wurde als Tiroler Volksbund 1905 in Innsbruck gegründet und 1919 in Andreas-Hofer-Bund Tirol umbenannt. Er arbeitete in den 1920er und 1930er Jahren eng mit dem Deutschen Schulverein zusammen, als es galt, den deutschen Geheimunterricht in Südtirol (Katakombenschule) zu finanzieren.

Seine Obmänner waren:

1919 Dr. Heinrich von Schullern (Gründungsobmann)
1921 Prof. Dr. Ferdinand Kogler
1925 Dr. Walter Pembauer
1925 Dr. Emil Klebelsberger
1925 Prof. Dr. Hans Lederer
1928 Dr. Walter Pembauer
1931 Prof. Dr. Alois Dollinger
1934 Msgr. Dr. Franz Kolb
1935 Dr. Eduard Reut-Nicolussi
(musste auf Druck der austrofaschistischen Regierung und auf Wunsch Italiens zurücktreten)
1937 Hofrat Dr. Oskar von Hohenbruck

Im Jahre 1938 erfolgte die Zwangsauflösung durch die Nationalsozialisten (NSDAP). Am 15. August 1994 wurde der Bund wiedergegründet. Seit dieser Zeit ist Ing. Josef Felder Obmann.

Zielsetzung

„Der Bund bezweckt das Gedenken an Andreas Hofer zu pflegen, der in seinem Leben und Werk sich für das ganze Tirol eingesetzt hat“ (aus der Selbstdarstellung). In der Satzung des Bundes steht: „Mit demokratischen Mitteln soll mit Ausdauer und Konsequenz für die Einheit und Freiheit Tirols gearbeitet werden. Hierbei sollen die Menschenrechte unter besonderer Berücksichtigung des Selbstbestimmungsrechtes für Südtirol die Grundlage bilden. Für Faschismus und Nazismus als die größten Feinde Tirols ist, obwohl dies von seinen Gegnern gerne behauptet wird, kein Platz im AHBT.“

Andreas-Hofer-Bund e.V. (München)

In den 1920er Jahren wurde in Deutschland ebenfalls ein Schutzbündnis für die Deutschen im südlichen Tirol gebildet, und dieser Verein nannte sich Andreas-Hofer-Bund mit Sitz in München. Der Andreas-Hofer-Bund (München) arbeitet heute eng mit dem „AHB-Tirol“, der „Union für Südtirol“ der „Süd-Tiroler Freiheit“ und dem „Gesamttiroler Schützenbund“ sowie der „Österreichischen Landsmannschaft“ zusammen.

Zielsetzung

Der Andreas-Hofer-Bund sieht sich als Interessen-Vertretung der deutschen und ladinischen Volksgruppe in Südtirol. Ziel des Bundes ist die Selbstbestimmung für Südtirol und die Wiedervereinigung Tirols (Selbstdarstellung).

Andreas-Hofer-Bund (Südtirol)

Diese Widerstandsbewegung gegen die Umsiedlung der Südtiroler ins Deutsche Reich formierte sich nach der Option im November 1939 aus Dableibern. Der Südtiroler Andreas Hofer Bund wurde von Friedl Volgger und Hans Egarter geleitet, auch Josef Mayr-Nusser und Erich Amonn gehörten ihm an. Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Südtirol 1943 wurden dessen Mitglieder verfolgt und drakonisch bestraft. Im Herbst 1943 bestand der aktive Kern des AHB nur mehr aus etwa 30 Personen. Zu diesem Zeitpunkt übernahm Hans Egarter die Leitung dieser bis zu diesem Zeitpunkt rein politisch-propagandistisch agierenden Organisation. Egarter wurde am 20. April 1909 am Stundelholf in Niederdorf geboren und wuchs dort auf. Er schrieb 1945: „Die Aufgabe des Andreas-Hofer-Bundes war es, gegen den Faschismus und den Nazismus zu arbeiten und zu deren Zerstörung beizutragen. Die Mitglieder der Gruppe wollten der Welt zeigen, dass es in Südtirol Männer gibt, die nichts mit den Nazi-Verbrechern gemeinsam haben und die durch ihre Arbeit gegen Nazismus und Faschismus zeigten, dass sie ihren Worten auch Taten folgen ließen und dass sie bereit waren, die schwersten Opfer zu bringen, um ihr Ziel zu erreichen.“

Egarter kam im Laufe der Zeit zu der festen Überzeugung, dass eine Befreiung Südtirols von NS-Unterdrückung und der italienischen Herrschaft nicht mit Hitler, sondern nur im Widerstand gegen das Hitler-Regime erreichbar wäre. Mit dieser Haltung stand er im offenen Gegensatz zu vielen seiner Landsleute. Ein Tagebucheintrag eines Südtirolers aus dem Jahre 1944 fasst die Stimmung der Südtiroler Mehrheit zusammen: „Wir haben voll auf die deutsche Karte gesetzt und müssen jetzt mit ihr siegen oder untergehen“. Die Gruppe um Egarter war pro-österreichisch und katholisch eingestellt und strebte nach einer Angliederung Südtirols an ein unabhängiges Nachkriegsösterreich. Für die Umsetzung dieses Zieles hatte die Gruppe um Egarter ab 1944 Kontakte zum französischen und zum britischen Militärgeheimdienst in die Schweiz. Aus diesem Bund ging 1945, zumindest teilweise, die SVP hervor.

Siehe auch: Option in Südtirol

Literatur

  • Gottfried Solderer (Hrsg.): Das 20. Jahrhundert in Südtirol. Autonomie und Aufbruch (1960–1979). Edition Rætia, Bozen 2002, ISBN 88-7283-183-0.
  • Gerald Steinacher: Südtirol und die Geheimdienste 1943-1945. Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte 15. Studien-Verlag, Innsbruck - Wien 2000, ISBN 3-7065-1346-3.
  • Gerald Steinacher (Hrsg.): Südtirol im Dritten Reich. NS-Herrschaft im Norden Italiens 1943–1945. Italienisch: L´Alto Adige nel Terzo Reich. L´occupazione nazista nell’Italia settentrionale 1943–1945. Studien-Verlag, Innsbruck - Bozen 2003, ISBN 3-7065-1914-3. (Beiträge teilweise deutsch, teilweise italienisch)
  • Leopold Steurer, Martha Verdorfer, Walter Pichler: Verfolgt, verfemt, vergessen. Lebensgeschichtliche Erinnerungen an den Widerstand gegen Nationalsozialismus und Krieg. Südtirol 1943–1945. Edition Sturzflüge, Bozen 1993, ISBN 3-900949-02-6.

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