Andreas-Vesalius-Gymnasium
Andreas-Vesalius-Gymnasium
Schultyp Gymnasium
Gründung 1853
Ort Wesel
Koordinaten 51° 39′ 30,3″ N, 6° 36′ 45,3″ O51.6584176.6125847Koordinaten: 51° 39′ 30,3″ N, 6° 36′ 45,3″ O
Schüler etwa 1150
Website www.avg-wesel.de

Das Andreas-Vesalius-Gymnasium (AVG) ist eines der beiden Gymnasien im Großraum Wesel. Gegenwärtig wird es von rund 1200 Schülern der Jahrgangsstufen 5 bis 13 besucht, die von etwa 70 Lehrern unterrichtet werden. Es unterhält eine der größten Oberstufen im Land Nordrhein-Westfalen. Die Schule ist benannt nach dem belgischen Anatom Andreas Vesalius (1514–1564).

Geschichte

Die Grundform des heutigen Andreas-Vesalius-Gymnasiums ist mehr als 150 Jahre alt, der erste Unterrichtstag ist der 7. Januar 1853. Gemischter Unterricht wird damals allerdings nicht praktiziert, so ist der Name der Schule noch Evangelische höhere Töchterschule zu Wesel.

Die Schule bekommt regen Zulauf, und so zieht der Schulbetrieb nach nur einem Jahr um in einen Neubau. Jedoch plagt die Schule stets die Geldsorge, die Lehrkräfte sind gezwungen, ihre Wochenstundenanzahl zu maximieren bei einem sehr bescheidenen Gehalt. Auf Anordnung der Schulaufsicht in Düsseldorf wird die Evangelische Höhere Töchterschule 1878 umbenannt in Städtische höhere Mädchenschule. In nur 25 Jahren hat sich die Zahl der Schülerinnen auf 150 verdreifacht.

Die Tendenz, Mädchenbildung an den Bedürfnissen des Mannes zu orientieren und die Frau auf die Rolle der „gebildeten“ Hausfrau und Mutter zu fixieren, spiegelt sich auch in der Geschichte der Schule. Erst 1912 wird sie per Erlass Städtisches Lyzeum, 1928 Städtisches Oberlyzeum, in dessen Lehrplan die naturwissenschaftlichen Fächer nun stärker hervortreten, so dass dieser mit dem der Jungengymnasien weitgehend identisch ist. Mit elf Schülerinnen steuert die Schule ihre erste Reifeprüfung an, und mit ihrer Abnahme 1930 ist sie „wissenschaftliche Vollanstalt“.

Nachdem 1933 die Nationalsozialisten die Regierung übernommen haben, ändert sich der Weg der Schule und des Lehrplans völlig: Im Gleichschritt Marsch ist die Devise ab 1933, mit Flaggenhissung und Schulungskursen zwecks Indoktrination, Beschränkung des wissenschaftlichen Unterrichts zugunsten von Körperertüchtigung – Mädchenbildung im Dienst des Vaterlandes – mit zunehmender Kriegsdauer immer häufiger Luftangriffe, Fliegeralarm, Flucht in den Keller, am Ende fast täglich, bis zu dem Tag, der die Geschichte von Wesel für immer verändern sollte: Am 16. Februar 1945 greifen englische Bomber Wesel an. Danach gleicht die Innenstadt einer Mondlandschaft, nur noch der Dom steht. Das Schulgebäude erhält am 16. Februar zwei schwere Volltreffer, „an dem Tag, an dem in der Mittagsstunde Wesel in Trümmer sank“, so berichtet ein unmittelbar betroffener Lehrer.

Nur fünf Monate später erfolgt mit Billigung der Alliierten die Wiederaufnahme des Unterrichts im Ausflugslokal Haus Eder in Blumenkamp, zusammen mit dem Jungengymnasium. Nach fünf Jahren der Umzug in das Staatliche Gymnasium am Herzogenring. Nach drei Jahren dort trennen sich nun die Wege des Jungengymnasiums und dem der Mädchen: die Schule zieht zum letzten Mal um, in ein neues Schulgebäude an der Ritterstraße, wo es bis heute steht. Städtisches Mädchengymnasium mit Frauenoberschule heißt es nun, doch bis das Gebäude seine heutige Form erhält, sollen noch einige Jahre und mehrere Umbauten vergehen. Trotzdem kann man auf den alten Fotos bereits erkennen, um welche Gebäudeteile es sich handelt.

  • 1955, zwei Jahre nach dem Umzug, ist die Schülerinnenzahl bereits auf 460 gestiegen.
  • 1959 wird die Turnhalle eingeweiht.
  • 1969 wurde wieder angebaut, die Schule zählt nun fast 800 Schülerinnen und einige wenige Schüler.
  • 1984 erhält die Schule mit der Errichtung des naturwissenschaftlichen Traktes hervorragend ausgestattete Fachräume, nach einem jahrelangen Hin- und Her durch die abstraktesten Namenskreierungen erhält die Schule ihren endgültigen Namen: Andreas-Vesalius-Gymnasium
  • 1990 zählt die Schule über 1000 Schüler, in den nächsten Jahren pendelt sich die Zahl auf 1150 ein.

Heute

Das Unterrichtsangebot der Schule ist heute entsprechend der hohen Schülerzahl breit gefächert. Von einer zu geringen Anzahl von Schülern in der Oberstufe gewählte Kurse kommen aufgrund von Lehrermangel häufig jedoch nicht zustande. Beratungslehrerteams, in der Regel aus zwei Lehrkräften bestehend, begleiten die Schüler bei ihren Entscheidungen über die Schullaufbahn passiv. In jüngerer Zeit haben sich neben der traditionellen Unterrichtspalette neue Schwerpunkte zum Beispiel im Leistungskursbereich Informatik, Chemie und Kunst entwickelt.

Das Schulgebäude, durch seine besondere Lage etwas vom hektischen und lauten Treiben der Stadt abgeschirmt, liegt sehr zentral in der Innenstadt, keine zehn Minuten vom Bahnhof entfernt. Anders als bei zu sehr abgeschirmten Schulen haben hier die Schüler in den Freistunden die Möglichkeit, Besorgungen in der Einkaufszone zu tätigen oder sich um das leibliche Wohl zu kümmern.

Zum Teil im planmäßigen Unterricht, zum Teil in freiwilligen Arbeitsgemeinschaften in den Bereichen Musik, Kunst, Literatur, Theater, Sport setzt die Schule eine alte Tradition kreativer Tätigkeit mit neuen und veränderten Akzenten fort. Regelmäßige Theater-, Tanz- und Musikdarbietungen verschiedener Form und Stilrichtung sind integraler Bestandteil des Schulalltags.

Dass Schule auch als politischer Raum verstanden wird und wahrgenommen werden soll, manifestiert sich unter anderem im AVG-Forum, einer Plattform für Vorträge und Diskussionen über gesellschaftspolitisch und historisch relevante Fragen mit kompetenten Vertretern des öffentlichen Lebens, ferner in besonderer Weise im Schüleraustausch, der in einem Fall, dem Austausch mit dem Gymnasium in Ketrzyn (Polen) zielgerichtet im Jahr 2002 zu einer offiziellen Partnerschaft der Städte Wesel und Ketrzyn führt.

Zwischen Tradition und Fortschritt ist das Spektrum erzieherischer, allgemein bildender und wissenschaftlicher Arbeit angesiedelt, die seit den 50er Jahren bis heute geleistet wird. Es gibt auch in Zeiten des Umbruchs und radikaler Veränderungen Konstanten, Grundsatzpositionen, die wechselnde Moden überdauern und nicht der Beliebigkeit zum Opfer fallen. Eine dieser Konstanten formuliert das von allen Mitwirkungsorganen im Jahr 2000 einstimmig verabschiedete Schulprogramm so: „Unterricht (als zentrale Aufgabe der Schule) ist immer auch erziehender Unterricht, insofern er nicht allein kognitive Lernziele anstrebt, sondern eine ganzheitliche Bildung der Persönlichkeit…“

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