Andreas Heinrich Bucholtz
Andreas Heinrich Bucholtz (Kupferstich von Philipp Kilian, 1664)

Andreas Heinrich Bucholtz, auch latinisiert Andreas Henricus Bucholtz, (* 25. November 1607 in Schöningen; † 20. Mai 1671 in Braunschweig) war ein deutscher lutherischer Theologe und Schriftsteller des Barock.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Geboren als Sohn des Superintendenten von Schönigen Joachim Buchholtz, studierte Andreas Heinrich von 1628 bis 1630 an der Universität Wittenberg. Nach seinem Studienabschluss wurde er 1632 stellvertretender Rektor an der Stadtschule in Hameln, studierte aber ab 1634 an der Universität Rostock Theologie. Er war dort zudem als Lehrer für Philosophie und Moral engagiert. 1637 wurde er Rektor des Gymnasiums in Lemgo (Grafschaft Lippe). Die Kriegswirren des Dreißigjährigen Krieges zwangen ihn 1639, nach Rinteln umzusiedeln. Dort wurde er 1641 an der Universität Rinteln Professor der Philosophie und Dichtkunst, 1645 auch der Theologie. Im Jahre 1647 wechselte er als Koadjutor in den Kirchendienst nach Braunschweig und wurde 1663 ebenda Superintendent.

Bucholtz wurde durch seine Werke über Horaz, einen der bedeutendsten römischen Dichter der „Augusteischen Zeit“, bekannt. 1659-60 veröffentlichte er Herkules und Valiska, den ersten nicht auf ausländischen Vorbildern basierenden höfisch-historischen Roman der deutschen Literatur, um der seichten Unterhaltungsliteratur der Amadis-Romane durch eine christliche Moral entgegenzuwirken. Dennoch bietet dieser 1800 Seiten umfassende Kolossalroman kaum weniger blutrünstige Phantasie als die Konkurrenz. Sein zweiter Riesenroman, Herkuliskus und Herkuladisla von 1665, entbehrt der klaren Struktur des vorigen und verwirrt den Leser mit nicht weniger als 450 handelnden Personen.

Buchholtz hatte am 14. November 1646 in Hannover Katharina Magaretha, die Tochter des Georg von Windheim geheiratet. Aus dieser Ehe sind zwei Söhne und zwei Töchter hervorgegangen. Der jüngste Sohn verstarb als Kind.

Werke (Auswahl)

  • Verdeutschtes und mit kurtzen Noten erklärtes Odenbuch (Übersetzung von HorazOdarum liber), Rinteln 1639
  • Verteutschte und mit kurtzen Noten erklärte Poetereykunst (Übersetzung von Horaz’ Ars poetica), Rinteln 1639
  • Weihnachtsfreude, Rinteln 1639
  • Adventsgesang, Rinteln 1640
  • Psalter Davids, Rinteln 1640
  • Betrübtes und getröstetes Sion, Rinteln 1640
  • Alte und neue streitende Kirche, Rinteln 1642
  • Christliche Weihnachtsfreude und herzlicher Friedenswunsch, Rinteln 1643
  • Geistliche Teutsche Poemata, 2 Teile, Braunschweig 1651
  • Der frommen Kinder Gottes Zeitliches Leiden und ewige Herrligkeit, Braunschweig 1654 (Digitalisat)
  • Des christlichen teutschen Gross-Fürsten Herkules und … Valiska Wunder-Geschichte, Braunschweig 1659-1660 (Nachdruck hrsg. v. Ulrich Maché, Bern 1973-1979)
  • Des christlichen königlichen Fürsten Herkuliskus und Herkuladisla … Wunder-Geschichte, Braunschweig 1665 (Nachdruck hrsg. v. Ulrich Maché, Bern 1982)
  • Kräfftigster Glaubens-Trost, Braunschweig 1666 (Digitalisat)

Literatur

  • Gerhard Dünnhaupt: Andreas Heinrich Bucholtz (1607-1671). In: Personalbibliographien zu den Drucken des Barock. Band 2. Hiersemann, Stuttgart 1990, ISBN 3-7772-9027-0, S. 911–940 (Werk- und Literaturverzeichnis)
  • Ferdinand Spehr: Bucholtz, Andreas. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 478–480.
  • Willi Flemming: Bucholtz, Andreas Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, S. 709.
  • John Kenneth Sowden: The Herkules-Novel of Andreas Heinrich Bucholtz. Diss. Leicester 1962
  • Ingeborg Springer-Strand: Barockroman und Erbauungsliteratur. Studien zum Herkulesroman von Andreas Heinrich Bucholtz. Bern: Peter Lang 1975
  • Friedrich Stöffler: Die Romane des Andreas Heinrich Bucholtz. Diss. Marburg 1918
  • Johann Gottlob Wilhelm Dunkel: Historisch-Critische Nachrichten von verstorbenen Gelehrten und deren Schrifften. 1757, 3. Bd.

Weblinks


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