Andreas Kleber
Freiburg (Breisgau) Hauptbahnhof: Ausgangspunkt des Kleber-Express
Im Schwarzwald, Viadukt über die Ravennaschlucht, über die der Kleber-Express fuhr
Der Bahnhof Tuttlingen war wichtiger Halt des Kleber-Express
Der Bahnhof Herbertingen, Ausgangsbahnhofs der Kleber-Ersatzzuges Herbertingen–München 2003–2005
Der Bahnhof von Aulendorf war Halt des Kleber-Express
München Hauptbahnhof: Endstation für den Kleber-Express

Der Kleber-Express war ein täglich verkehrender Heckeneilzug, der zwischen 1954 und 2003 Freiburg im Breisgau mit München verband, in den letzten Jahren seines Bestehens verkehrte er unter der Zuggattung Regionalexpress.

Inhaltsverzeichnis

Geschichtliche Entwicklung

1937 machten sich etliche Hoteliers aus Bad Wörishofen und Titisee für eine tägliche Eilzugverbindung zwischen Freiburg und München stark, um den Schwarzwald und das Allgäu touristisch besser zu erschließen. Ziel war insbesondere eine Anbindung des Schwarzwaldes an München und des Allgäus an Baden. Der 1938 erfolgte Anschluss Österreichs machte bereits bestehende Pläne für einen solchen Zug jedoch zunichte. Die Fahrpläne wurden kurzfristig wieder zu Gunsten eines D-Zuges zwischen Stuttgart und Salzburg umgestellt.

Der Hartnäckigkeit von Andreas Kleber, einem Hotelier aus Saulgau, ist es zu verdanken, dass die Bahnverbindung am 23. Mai 1954 (mit dem Beginn des Sommerfahrplans) schließlich doch noch eingerichtet wurde. Schnell entwickelte sich der so genannte Kleber-Express zu einer touristischen Attraktion. Die Bewirtung im Zug übernahm die Gaststätte Kleber-Post in Saulgau. Die Ende der 1970er Jahre drohende Streckenstilllegung des Abschnitts KißleggHerbertingen hätte auch das Aus für den Kleber-Express bedeutet. Andreas Kleber setzte sich jedoch für den Erhalt der Verbindung ein und konnte so die Streckenstilllegung verhindern. Die Person Andreas Kleber ist so fest mit der Direktverbindung verknüpft und hat sich so stark für die Belange der Bahn eingesetzt, dass die Deutsche Bahn dem Zug den offiziellen Namen Kleber-Express gab.

Am 26. Dezember 1999 wurde der Zug Opfer des mit über 200 km/h über den Schwarzwald fegenden Orkans Lothar. Zwischen Hüfingen und Hausen vor Wald fuhr der Zug gegen 11.00 Uhr in umgestürzte Bäume. Die Lok und einige der Waggons entgleisten und rutschten eine Böschung hinab. Unter Lebensgefahr arbeiteten die Rettungskräfte bis zum späten Abend, um zu den rund 250 Fahrgästen vorzudringen, die ohne größere Verletzungen im Zug warteten. Durch den anhaltenden Orkan und umstürzende Bäume mussten die Rettungsarbeiten immer wieder unterbrochen werden. Zur Suche und Evakuierung der Verunglückten wurden auch Soldaten des französischen Infanterieregiments 110 der Deutsch-Französischen Brigade eingesetzt.

Im Dezember 2000 musste Kleber sein Hotel in Bad Saulgau schließen. Mit dem Rückzug ihres Namensgebers und Unterstützers verschwand auch die Direktverbindung München–Freiburg; am 17. Dezember 2003 wurde sie eingestellt. Als direkter Nachfolger verkehrte zwei Jahre lang ein Regionalexpress-Zugpaar zwischen Herbertingen und München, bevor auch dieser Langlauf im Dezember 2005 eingestellt wurde.

Streckenführung

Mitverantwortlich für die große Bekanntheit des Kleber-Expresses ist auch seine reizvolle Streckenführung. Von Freiburg aus führte sein Laufweg durch den Schwarzwald, den Naturpark Obere Donau, Oberschwaben und das Unterallgäu nach München.

Von Freiburg im Breisgau bis Donaueschingen nutzte der Kleber-Express die Höllentalbahn in ihrer ganzen Länge. Um einen Lokwechsel in Neustadt (Schwarzwald) zu sparen, war er der einzige Zug, der auch den elektrifizierten Abschnitt der Höllentalbahn mit einer Diesellok befuhr. Danach fuhr der Zug über die Donautalbahn weiter bis Herbertingen, ohne aber wie alle anderen Züge der Donautalbahn weiter nach Ulm zu fahren. Ab Herbertingen fuhr der Zug vielmehr über den südöstlichen Abschnitt der Zollernalbbahn bis Aulendorf, um dort die Württembergische Allgäubahn in ihrer vollen Länge bis Memmingen zu nutzen. Von Memmingen ging es weiter bis Buchloe, um ab dort über die Allgäubahn das letzte Stück bis München zurückzulegen.

Die Fahrtdauer von zuletzt noch über sechs Stunden machte den Zug für fernreisende Fahrgäste eher uninteressant, da Umsteigeverbindungen von Freiburg mit dem ICE bis Karlsruhe und von dort weiter mit IC bzw. EC über Stuttgart nach München nur zwischen vier und fünf Stunden dauern, und diese Verbindungen im Stundentakt angeboten werden, der Kleber-Express jedoch nur je einmal täglich zwischen Freiburg und München verkehrte. Von Vorteil war aber, dass man günstig und ohne Umsteigen von Freiburg nach München fahren konnte, insbesondere am Wochenende mit dem Schönes-Wochenende-Ticket.

Film

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