Andreas Koziol

Andreas Koziol (* 8. Januar 1957 in Suhl) ist ein deutscher Autor, Lyriker, Übersetzer und Nachdichter.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Nach Abitur und Armeedienst studierte Koziol Theologie in Naumburg und Berlin. Bis 1990 arbeitete er als Briefträger, Totengräber, Heizer und Hauslehrer. Koziol gehört mit Jan Faktor, Johannes Jansen, Uwe Kolbe, Frank-Wolf Matthies, Bert Papenfuß-Gorek, Stefan Döring und Ulrich Zieger zu den bedeutenden Autoren des Ostberliner Literatur- und Kunstszene des Prenzlauer Bergs. Koziol sagt über sein poetisches Konzept: „Es ging zunächst um nichts weniger Paradoxes, als sich mit einer sprachlichen Totalität von einer totalitären Sprache zu befreien.“ (Berliner Zeitung 20. Juni 2000)

Bis 1990 war er Mitherausgeber der Untergrundzeitschriften Ariadnefabrik (1986–1990, mit Rainer Schedlinski), dem wichtigsten essayistischen und theoretischen Sprachrohr der nicht staatlichen Literaturszene, und der Verwendung (1988–1990, mit Egmont Hesse und Ulrich Zieger), die 1990 den Calwer Hermann-Hesse-Preis erhielt. In der Begründung der Jury heißt es u. a.: „Mit Verwendung hat die Jury eine jener selbstverlegten und selbstgefertigten Zeitschriften ausgezeichnet, die unabhängig von den offiziellen Verlagen der DDR und gegen Widerstände der Behörden veröffentlicht wurden. [...] Verwendung hat sich vor allem um die zeitgenössische Lyrik und Prosa der DDR verdient gemacht und die Entwicklung neuer literarischer Ausdrucksformen gefördert.“

1990 gehört Koziol zu den Gründern des Lyrik- und Autorenverlags Druckhaus Galrev, an dem er bis 1992 mitarbeitete. Zahlreiche Übersetzungen und Nachdichtungen aus dem Russischen, Ungarischen und Englischen. Er lebt und arbeitet in Berlin. 2005 erhielt er die Eugen Viehof-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung

Werke

Bücher

Anthologien und Zeitschriften

  • Egmont Hesse (Hrsg.): Sprache und Antwort. Stimmen und Texte einer anderen Literatur aus der DDR. Frankfurt 1988. Collektion S. Fischer Bd. 58, ISBN 3-596-22358-X.
  • Kurt Drawert (Hrsg.): Die Wärme der Kälte des Körpers des Andern. Liebesgedichte. Berlin und Weimar 1988.
  • Heinz Ludwig Arnold, Gerhard Wolf (Hrsg.): Die andere Sprache. Neue DDR-Literatur der 80er Jahre. Sonderband Text+Kritik München 1990. ISBN 3-88377-360-3.
  • Torsten Metelka (Hrsg.): alles ist im untergrund obenauf. Eine Auswahl aus KONTEXT 1-7. Berlin 1990. ISBN 3-931337-02-2.
  • Peter Geist (Hrsg.): Ein Molotow-Cocktail auf fremder Bettkante. Lyrik der siebziger / achtziger Jahre. Leipzig 1991. ISBN 3-379-00694-7.
  • Klaus Michael, Thomas Wohlfahrt (Hrsg.): Vogel oder Käfig sein. Literatur und Kunst aus unabhängigen Zeitschriften in der DDR 1979–1989. Berlin 1992. ISBN 3-910161-10-3.
  • Peter Böthig, Klaus Michael (Hrsg.): MachtSpiele. Literatur und Staatssicherheit im Fokus Prenzlauer Berg. Leipzig 1993. ISBN 3-379-01460-5.

Beiträge in Zeitschriften, u.a. in Ariadnefabrik, Gegner, Kontext, Liane, Moosbrand Neue Texte, Schaden, Sinn und Form, Sklaven, Verwendung.

Übersetzungen

  • SLAM ! POETRY. Heftige Dichtung aus Amerika. Mit Texten von Paul Beatty, Neeli Cherkovski, Alan Kaufman, Dominique Lowell, Luis J. Rodriguez und Patricia Smith. Berlin 1994. ISBN 3-910161-47-2.
  • John Barton Epstein: Vega. Aus dem Englischen von Andreas Koziol, Vorwort von Uwe Kolbe, Gouachen von A. R. Penck. Berlin 1996, ISBN 3-928942-30-1.

Übersetzungen und Nachdichtungen u.a. von Queren Margalit, Géza Röhrig, Arseni Tarkowski.

Herausgaben

Literatur

  • Gerhard Wolf: Nachwort zum Außer der Reihe im Aufbau-Verlag herausgegebenen Gedichtband Mehr über Rauten und Türme von Andreas Koziol. Berlin 1990.
  • Bernd Heimberger: Bewegung und Beruhigung. John Barton Epstein: VEGA. Poem. In: Berliner Lesezeichen Nr. 11/1997.
  • Hannes Schwenger: Schildas Klassengesellschaft. Uwe Greßmanns Gedichte über die ältliche DDR der 60er Jahre. In: Der Tagesspiegel 15. August 1998.
  • Hannes Schwenger: Die Hölle vom Prenzlauer Berg. (Zu Andreas Koziol Lebenslauf). In: Die Welt 8. Juli 2000.
  • Cornelia Jentzsch: Mentaler Sprengstoff. Andreas Koziols „Lebenslauf“ und der Prenzlauer Berg. In: Frankfurter Rundschau 7. Dezember 2000.
  • Kristin Schulz: Andreas Koziol oder Die Gabe der zugespitzten Zunge. In Roland Berbig (Hrsg.): Zersammelt. Die inoffizielle Literaturszene der DDR nach 1990. Verlag Theater der Zeit, Berlin 2000.
  • Ingrid Sonntag: Laudatio auf Andreas Koziol. In: Ehrungen Berichte Dokumentationen. Deutsche Schillerstiftung von 1859. Weimar 2005.
  • Christoph Willmitzer: Andreas Koziol. In: Killy Literaturlexikon. 2., vollständig überarbeitete Ausgabe. Herausgegeben von Wilhelm Kühlmann in Verbindung mit Achim Aurnhammer, Jürgen Egyptien, Karina Kellermann, Steffen Martus und Reimund B. Sdzuj. Band 6. Berlin/ New York 2009, S.664.

Auszeichnungen

  • 1990 Förderpreis für deutschsprachige Literaturzeitschriften der Stadt Calw für die Herausgabe der Zeitschrift Verwendung (mit Egmont Hesse, Ulrich Zieger)
  • 2005 Eugen Viehof-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung

Weblinks


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