Andreas Musculus
Andreas Musculus

Andreas Musculus (auch: Andreas Meusel; * 29. November 1514 in Schneeberg; † 29. September 1581 in Frankfurt (Oder)) war ein evangelischer Theologe und Reformator.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Er besuchte die unter Hieronymus Weller stehende Lateinschule seiner Vaterstadt und ging im Sommersemester 1531 an die Universität Leipzig, wo er nach drei Jahren den Grad des Baccalaureus erlangte. Nachdem er einige Jahre als Hauslehrer zugebracht hatte, begab er sich 1538 nach Wittenberg, um sich zum Theologen ausbilden zu lassen.

An der Universität Wittenberg erwarb er den Magistergrad und wurde 1541 durch seinen Schwager, den Reformator Johannes Agricola, an die Universität Frankfurt (Oder) empfohlen. Da Alexander Alesius Frankfurt verließ, war dort kein Doktor der Theologie mehr vorhanden, und der Kurfürst forderte 1546 Konrad Cordatus aus Stendal auf, nach Frankfurt zu kommen, um Musculus und Johann Lüdecke zu promovieren.

Cordatus begab sich zwar auf die Reise, erkrankte aber und starb unterwegs. Statt seiner trat Theodor Fabricius aus Zerbst in die Lücke. Indessen begann Musculus, seinen Kollegen Lüdecke, seinen Lehrer Philipp Melanchthon und die Wittenberger Theologen anzugreifen. Lüdecke kam nach Stendal, Musculus rückte zum ordentlichen Professor auf und war lange der einzige Theologe in Frankfurt. Nach Agricolas Tode war er auch Generalsuperintendent der Mark Brandenburg.

Er lag sein Leben lang immer mit jemandem im Streit; mit Lüdecke, mit Francesco Stancaro, der aus Königsberg (Preußen) nach Frankfurt kam, mit dem Renegaten Friedrich Staphylus, zuletzt mit Abdias Prätorius, der den Standpunkt Philipp Melanchthons in der Frage der guten Werke vertrat. Diese letzte Auseinandersetzung schwankte jahrelang hin und her. Nach dem Tode Agricolas fiel Musculus die theologische Führung in der Mark zu. In scharfer Weise wandte er sich gegen die Philippisten und dementsprechend auch gegen den Calvinismus.

In seinen letzten Jahren arbeitete er am Brandenburgischen Corpus doctrinae und auch an der endgültigen Fassung der Formula Concordiae. Sein Landesherr Joachim II. zeigte ihm großes Vertrauen und unterstützte den oft übereifrigen, leidenschaftlichen Prediger und Kirchenführer.

Für die protestantische Frömmigkeit und Kirchenmusik prägend wurden seine Gebetbücher Precationes ex veteribus orthodoxis doctoribus und Betbüchlein von 1559, die die Tradition der pseudo-augustinischen Meditationen im Luthertum heimisch machten und viele Auflagen erfuhren. Heinrich Schütz hat aus der lateinischen Version fast die Hälfte der Texte für seine Cantiones sacrae (1625) entnommen,[1] wie auch Dietrich Buxtehude für seine Werke. In den Teufelbüchern, Theatrum Diabolorum, kritisiert er die Unsitten und Verderbtheiten seiner Zeit, die im alltäglichen Leben zu finden sind. Im Hosenteufel schimpft er über die Mode der Pluder- und Pumphosen, während er im Eheteufel die heruntergekommenen Beziehungen zwischen Mann und Frau anprangert. Zu seinem Erstlingswerk, dem Hosenteufel, wurde er durch ein öffentliches Ereignis angeregt. An einem Sonntag des Jahres 1555 hatte ein Kollege Musculus in der Kirche zu Frankfurt an der Oder eine Predigt gegen die verwerfliche Kleidung der Pluderhose gehalten und die Zuhörer ermahnt, diese frevelhafte Mode zu bekämpfen. Am nächsten Sonntag hing - zum großen Ärgernis von Musculus - gegenüber der Kanzel in der Kirche eine Pluderhose, die vermutlich von einem Studenten (besonders gern wurden die Pluderhosen von jungen Menschen getragen) dort angenagelt worden war. Daraufhin verfasste Musculus eine eindrucksvolle Predigt, die im gleichen Jahre noch gedruckt wurde: den Hosenteufel.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. A. A. Abert: Die stilistischen Voraussetzungen der „Cantiones sacrae“ von Heinrich Schütz. Wolfenbüttel 1935, S. 2

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