Andreas Reyher

Andreas Reyher (* 4. Mai 1601 in Heinrichs bei Suhl; † 2. April 1673 in Gotha) war ein deutscher Pädagoge.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Reyher stammte aus einer Kaufmannsfamilie. Von 1621 bis 1625 studierte er Philologie und Theologie an der Universität Leipzig. 1627 erlangte er den Magisterabschluss. Danach begann er Vorlesungen zu halten. 1631 wurde er in die philosophische Fakultät der Leipziger Universität als Dozent aufgenommen. In diese Zeit fielen auch seine ersten Veröffentlichungen.

1632 wurde Reyher Leiter des Hennebergischen Gymnasiums in Schleusingen, 1639 in Lüneburg. 1641 ernannte man ihn zum Rektor des Gymnasiums in Gotha, wo er (auch als Berater Herzog Ernsts des Frommen) bis zu seinem Tode blieb. Seine Aufgabe in Gotha war die Reorganisation des Schulwesens im Herzogtum im Sinne der Lehre Wolfgang Ratkes.

1633 heirate Reyher die Tochter des Suhler Superintendenten Sebastian Abesser. Aus dieser Ehe ging der spätere Professor Samuel Reyher in Kiel hervor.

Leistungen

Die unter Reyhers Mitarbeit entstandenen Schulgesetze und methodischen Anweisungen für die Schulordnung waren eine wichtige Grundlage für ein einheitliches Bildungssystem der Unterstufenschulen. Durch Reyher wurde zum ersten Mal die allgemeine Schulpflicht als ein staatliches Gesetz für alle Untertanen in einem deutschen Herzogtum durchgesetzt. Durch ihn hielten Naturwissenschaften und Staatsbürgerkunde Einzug in die Volksbildung.

Große Verdienste für die Entwicklung des Schulwesens erwarb Reyher auch bei der Ausarbeitung von Lehrplänen und Lehrbüchern, die als Hauptlehrmaterial dem Unterricht zugrundegelegt wurden. Seine Lehrbücher waren in Deutschland und auch im europäischen Ausland verbreitet.

Das Schulwesen im Herzogtum Sachsen-Gotha war bis ins 18. Jahrhundert das einzige seiner Art in Deutschland und wirkte als Vorbild für das Bildungswesen anderer deutscher Kleinstaaten. Es wurde zum Sprichwort, dass des Herzogs Bauern gebildeter wären als die Edelleute in anderen Gegenden.

Der Name Andreas Reyhers ist auch mit der Gründung der ersten Druckerei in Gotha, einer der ältesten Druckereien in Thüringen, verbunden. Er war nicht nur der Verfasser zahlreicher Lehrbücher und anderer theoretischer Arbeiten, sondern auch sein eigener Verleger und Drucker.

Werke

  • Special- und sonderbahrer Bericht, wie nechst Göttlicher verleyhung die Knaben und Mägdlein auff den Dorffschafften und in den Städten die unter dem untersten Hauffen der Schul-Jugend begriffene Kinder im Fürstenthumb Gotha kurtz und nützlich unterrichtet werden können und sollen. Gotha 1642. Nachdruck Raschke, Zschopau 1883.
  • Realienbuch Gotha 1657.

Literatur

  • Annette Gerlach, Cornelia Hopf, Susanne Werner: Magister Andreas Reyher (1601–1673). Handschriften und Drucke. Bestandsverzeichnis. Forschungs- und Landesbibliothek, Gotha 1992.
  • Gerd Hohendorf: Über den Einfluß ratichianischer und comenianischer pädagogischer Theorien auf den Gothaer Schulmethodus des Andreas Reyher (1624). In: Gerd und Ruth Hohendorf: Diesterweg verpflichtet. Beiträge zur deutschen Bildungsgeschichte. Böhlau, Köln 1994, S. 36–43, ISBN 3-412-08393-3.
  • Paul Mitzenheim: Zu den Aus- und Nachwirkungen der Reformation im Henneberger Land sowie zur Wirksamkeit von Andreas Reyher als Rektor des Schleusinger Gymnasiums. In: Blätter des Verein für Thüringische Geschichte 7 (1997), 1, S. 20–28.
  • Manfred Weidauer: Andreas Reyher (1601–1673): Rechenbuchautor und Reformpädagoge. In: Rainer Gebhardt (Hrsg.): Rechenbücher und mathematische Texte der frühen Neuzeit. Tagungsband zum Wissenschaftlichen Kolloquium „Rechenbücher und Mathematische Texte der Frühen Neuzeit“ anlässlich des 440. Todestages des Rechenmeisters Adam Ries, vom 16.–18. April 1999 in der Berg- und Adam-Ries-Stadt Annaberg-Buchholz. Adam-Ries-Bund, Annaberg-Buchholz 1999, S. 323–330, ISBN 3-930430-31-2.
  • Andreas M. Reyher: Magister, Pädagoge, Schulreformer 1601–1673. Festschrift zum 400. Geburtstag am 4. Mai 2001. Suhl-Information, Suhl 2001.
  • Max Berbig: Reyher, Andreas. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 53, Duncker & Humblot, Leipzig 1907, S. 322–325.
  • Claus Bernet: Andreas Reyher. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 27, Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-393-2, Sp. 1121–1139.

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