Andreas Spengler

Andreas Spengler (* 10. Juni 1947 in Goslar) ist ein deutscher Psychiater und Psychotherapeut.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Spengler wuchs in Bad Gandersheim auf und lebte bis 1966 in Wuppertal. Nach einem Werksemester beim Evangelischen Studienwerk Villigst studierte er in Erlangen, Montpellier und Hamburg Medizin. Als Dissertation am Institut für Sexualforschung im Universitätskrankenhaus Eppendorf legte er 1976 in Hamburg die international erste empirische Erhebung über Sadomasochisten und ihre Subkulturen vor. 1986 habilitierte er dort im Rahmen eines Projektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft über Psychosexuelle Störungen bei Genitaloperationen. In Hamburg engagierte er sich in sozialpsychiatrischen Reformprojekten und beim Aufbau eines psychiatrischen Notdienstes. Von 1988 bis 2008 wirkte er als Ärztlicher Direktor am Niedersächsischen Landeskrankenhaus Wunstorf, dem heutigen Klinikum Region Hannover Wunstorf. Im Jahr 1989 wurde er an die Medizinische Hochschule Hannover umhabilitiert und 1994 zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Er ist Full Member der International Academy of Sex Research sowie Mitglied weiterer Fachgesellschaften und publiziert über psychiatrische Notfälle, Zwangseinweisungen, Forensische Psychiatrie, psychiatrische Versorgung. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sind die Psychiatrischen Institutsambulanzen, deren Entwicklung und Aufbau in Deutschland er für die Bundesdirektorenkonferenz von 1988 bis 2008 koordinierte. Er ist fachärztlich in der Nervenheilkunde, Psychotherapie und Forensischen Psychiatrie qualifiziert. Er engagiert sich ehrenamtlich und ist therapeutisch und als psychiatrischer Gutachter und Sachverständiger tätig. Seit 2008 ist er Vorsitzender des Niedersächsischen Ausschusses für Angelegenheiten der psychiatrischen Krankenversorgung. Er veranstaltete Symposien auf Fachkongressen und leitete Tagungen bei der Evangelischen Akademie Loccum in den Jahren 2004, 2006 und 2010.

Spengler initiierte die Ausstellung Elementarkräfte mit, die 2010 die Werke psychiatrieerfahrener Künstler in der Städtischen Galerie Kubus in Hannover zeigt. [1][2] Sie stellte Werke von über 35 Künstlern aus, darunter von Elfriede Lohse-Wächtler, Paul Goesch und Dorothea Buck.[3] Sein berufliches Wirken wurde in Fernsehbeiträgen gezeigt, darunter NDR III, 1988 "Die Seele brennt", 2 x 45 min. von Günter Seidenberg und Michael Herl und in 3sat, 2006 in "Forschungsreise in die Psychiatrie", 5.Folge von M. Biber und E. Rüther

Veröffentlichungen

  • Sadomasochisten und ihre Subkulturen. Campus, Frankfurt am Main und New York 1979, ISBN 3-593-32374-5.
  • Manifest Sadomasochism of Males: Results of an empirical Study. In: Archives of Sexual Behavior 6 (1977) 441-456. Ein Nachdruck erfolgte in: Weinberg, T.S., G.W. Kamel (Eds.): Studies on sexual dominance and submission. Prometheus Books Buffalo 1983.
  • Transsexualität - eine Krankheit im Sinne der RVO. In: Neue Juristische Wochenschrift 24 (1978) 1192-1193
  • Psychosexuelle Störungen nach Genitaloperationen. Habilitationsschrift. Fachbereich Medizin. Universitätskrankenhaus Eppendorf. Hamburg 1984
  • Maßregelvollzug – ungebremster Zuwachs. In: Deutsches Ärzteblatt 101 (2004) C 2208, A 2730 (8.Oktober 2004)
  • Factors influencing assignment of patients to compulsory admission. In: Social Psychiatry 21 (1986) 113-122
  • Andreas Spengler (Hrsg.): Institutsambulanzen in der psychiatrischen Versorgung. Vandenhoek und Ruprecht, Göttingen 1991, ISBN 3-525-45738-3.
  • Psychiatrische Institutsambulanzen – ein Überblick. In: Nervenarzt 74 (2003), S. 476-478.
  • Psychiatrische Institutsambulanzen. Funktionierende integrierte Versorgung. In: Deutsches Ärzteblatt 101 (12) A 767; PP 3, Ausgabe April 2004, Seite 162
  • Zwangseinweisungen in Deutschland – Basisdaten und Trends. In: Psychiatrische Praxis. 34 (2007), S. 191-195.[4]
  • Was geschehen ist – Das Beispiel Wunstorf. In: Nagel, E., C.Quarch, C.Begerau, C.v.Fritsch; Deutscher Evangelischer Kirchentag Hannover 2005. Dokumente. Gütersloher Verlagshaus.
  • Spengler, A., S. Neuenhausen, L.Schlieckau (2010) Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover (Hrsg.): Elementarkräfte – Schaffen und Werk psychiatrieerfahrener Künstler über 100 Jahre. Psychiatrie-Verlag, Bonn, ISBN 978-3-88414-599-9

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Friederike Gräff: „Nicht nur Teilhabe-Gerede“ In: die tageszeitung vom 11. Mai 2010
  2. Elementarkraefte.de
  3. Künstlerliste auf Elementarkraefte.de
  4. Mitteilung des Georg Thieme Verlags

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