Kerguelen
Kerguelen-Archipel
Archipel de Kerguelen
Kerguelen-position.png
Basisdaten
Verwaltung: Französische Süd- und Antarktisgebiete
Forschungsstation: Port-aux-Français
Bewohner: rund 60, im Sommer: 120
Geographische Lage: 49° 20′ S, 69° 20′ O-49.33333333333369.333333333333Koordinaten: 49° 20′ S, 69° 20′ O
Fläche: 7.215 km²
höchste Erhebung: Mont Ross (1.850 m)
längster Fjord: Baie de Recques (21 km)
größter See: Lac Marville (25 km²)
größte Insel: Île Kerguelen / Grande Terre (6.675 km²)
größter Gletscher: Cook-Gletscher / Calotte Glaciaire Cook (500 km²)
Entdeckung: 12. Februar 1772, durch Yves Joseph de Kerguelen de Trémarec
Homepage: [1]
Kerguelen Map.png

Der Kerguelen-Archipel [kərˈgeːlən] ist eine subantarktische Inselgruppe im südlichen Indischen Ozean. Er liegt etwa 1.280 km östlich der Crozetinseln und 435 km nordwestlich des australischen Außengebiets Heard und McDonaldinseln. Die Inselgruppe ist Teil des französischen Süd- und Antarktisterritoriums. Der Archipel ist, mit Ausnahme der 1949 eingerichteten permanenten französischen Forschungsstation in Port-aux-Français am Golfe du Morbihan (Péninsule Courbet, im Osten der Hauptinsel), unbewohnt. Die Inselgruppe trägt seit dem 19. Jahrhundert den Namen ihres Entdeckers, des französischen Konteradmirals Yves Joseph de Kerguelen de Trémarec.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Lage

Der Archipel liegt im südlichen Indischen Ozean auf 49° südlicher Breite und 70° östlicher Länge, etwa 4.000 km von Australien, 3.800 km von der südafrikanischen Küste und 2.000 km von der Antarktis entfernt.

Die Inselgruppe bildet, wie viele der subantarktischen Inseln, eine der abgelegensten Regionen der Welt, die bis heute nur auf dem Seeweg erreichbar ist, denn bislang wurde keine Landebahn für Flugverbindungen zum Festland errichtet. Ohnehin sind aufgrund der relativen Unzugänglichkeit der Inseln die meisten Regionen nur mit dem Hubschrauber erreichbar. Von November bis März läuft das 1995 konstruierte Forschungs- und Versorgungsschiff Marion-Dufresne II von Réunion aus die Kerguelen-Inselgruppe, die Crozetinseln und die Inseln Saint-Paul und Amsterdam an. Die Überfahrt auf dem 120,5 m langen Schiff des Institut Polaire Français Paul-Émile Victor (IPEV) dauert im Schnitt acht bis zehn Tage.

Geologie

Der Kerguelen-Archipel gilt als eine der ältesten Inselgruppen der Welt. Er bildete sich vor etwa 40 Millionen Jahren aufgrund vulkanischer Aktivität, denn unter der Inselgruppe liegt im Erdmantel ein so genannter Plume. Die Inseln befinden sich auf dem Kerguelenplateau, einem unterseeischen Gebirge, das 3.700 m über den Meeresboden hinaus ragt. Die Insel ist eine der drei Stellen (mit den Heard- und McDonald-Inseln), an denen das Kerguelenplateau bzw. der größere Gaussberg-Kerguelen-Meeresrücken sich über die Wasseroberfläche erhebt. Die immense Vulkantätigkeit, die die Inseln im Verlauf der Erdgeschichte stets veränderte und ausformte, kommt seit Beginn des Quartärs zunehmend zum Erliegen.

Geologische Übersichtskarte der Kerguelen

Periodisch wiederkehrende Wechsel zwischen Eiszeiten und wärmeren Phasen, in denen sich ein dichterer Bewuchs entwickeln konnte, bestimmen seither die Voraussetzungen für jegliche Herausbildung von Leben auf den Kerguelen. Kohlefunde und Pflanzenfossilien wie versteinerte Baumreste lassen darauf schließen, dass unter klimatisch günstigen Verhältnissen im Quartär sogar Wälder wachsen konnten.

Der vulkanische Ursprung des Archipels zeigt sich vor allem in den etwa 85 Prozent des Archipels bedeckenden Basalttafeln, die teilweise eine Mächtigkeit von 1.000 m erreichen. Von Wind und Wasser erodiert, haben sich tiefe Talzüge, pyramidenartige Bergkuppen, Tafelberge oder Felsnadeln herausgebildet, die sich an vielen Orten der Inselgruppe finden lassen. Andere freigelegte vulkanische Intrusivgesteine wie Syenit bestimmen vor allem die geologische Zusammensetzung der südwestlichen Halbinsel Rallier du Baty.

Geographie

Südende des Cook-Gletschers (1983)

Die Gesamtfläche des Kerguelen-Archipels beträgt 7.215 km², wobei 6.675 km² von der Hauptinsel eingenommen werden. Die Ausdehnung des Archipels beträgt vom Îlot du Rendez-vous am nördlichsten Punkt bis zur Île de Boynes im Süden 174 Kilometer, die West-Ost-Ausdehnung von den Îles de la Fortune zum Cap Ratmanoff 158 Kilometer. Die durchschnittliche Höhe der Inselgruppe beträgt 300 m. Dennoch ist das Erscheinungsbild der Kerguelen von weiten Basalttafellandschaften von 400 bis 600 m Höhe geprägt, mit tief ins Inselinnere einschneidenden Fjorden und gewaltigen, teils vergletscherten Tälern, die von Steilhängen eingefasst werden. Zudem wird die Insel von zahlreichen Vulkangipfeln überragt, wie dem Mont Ross (Grand Ross: 1.850 m, Petit Ross: 1.721 m) auf der Halbinsel Gallieni, dem höchsten Berg des Archipels, der 1975 erstmalig bestiegen wurde.

Von der einst vollständigen Vergletscherung der Kerguelen haben sich heute nur noch einzelne Eiskappen erhalten. Die größte ist der den Westteil der Insel bedeckende Cook-Gletscher (Calotte Glaciaire Cook) mit einer Gesamtfläche von ca. 500 km² (7,5 Prozent der Fläche von Grande Terre), von dem sich zahlreiche Gletscherzungen in die umliegenden Täler und Buchten erstrecken. Auch um den Mont Ross im Massif Gallieni und um die Berggipfel auf der Halbinsel Rallier du Baty sind noch große Teile der Gebirgsmassive vergletschert.

Der Rückgang der Gletscherflächen seit dem Ende der letzten Eiszeit hat zahlreiche, sehr langgestreckte Seen hinterlassen, wie z. B. den Lac d’Entr’Aigues (9 km²), den Lac Bontemps (7 km²), den Lac Hermance (6 km²) sowie den Lac Sibelius (alle im Plateau Central zwischen den Halbinseln Courbet und Jeanne d’Arc). Der flächenmäßig größte See ist mit 25 km² der Lac Marville am nordöstlichen Ende der Halbinsel Courbet. Die abnehmenden Eisflächen haben zudem von vielfach verzweigten Flüssen durchzogene, weite, sandige Talflächen hinterlassen, die sich vor allem auf der Halbinsel Rallier du Baty und um die Ausläufer des Cook-Gletschers erstrecken.

Insgesamt umfasst der Archipel etwa 400 Inseln, von denen neben Grande Terre („Großes Land“) die Île Foch und die Île Saint-Lanne Gramont im nördlichen Teil der Inselgruppe die größten sind. Die Küsten sind überwiegend steinig und von steilen Abhängen eingerahmt, die im Durchschnitt bis zu 200 m aufragen, teilweise aber sogar Höhen um 800 m erreichen können, wie am Cap des Aiguilles (dt. Nadelkap) und am Cap du Challenger (beide an der Südküste der Halbinsel Jeanne d’Arc).

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Geographische Gliederung

Halbinseln

1 Péninsule Courbet 2 Péninsule Rallier du Baty
3 Péninsule Gallieni 4 Péninsule Loranchet
5 Presqu'île Jeanne d'Arc 6 Presqu'île Ronarc'h
7 Presqu'île de la Société de Géographie 8 Presqu'île Joffre
9 Presqu'île du Prince de Galles 10 Presqu'île du Gauss
11 Presqu'île Bouquet de la Grye 12 Presqu'île d'Entrecasteaux
13 Presqu'île du Bougainville 14 Presqu'île Hoche

Inseln

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Île Kerguelen (Grande Terre) 1 Île Foch
2 Île Saint-Lanne Gramont 3 Île du Port
4 Île de l’Ouest 5 Île Longue
6 Île Howe 7 Île Mac Murdo
8 Île Australia 9 Îles Nuageuses

(Île de Croÿ, Île du Roland)

10 Îles Leygues

(Île de Castries, Île Dauphine)

11 Îles du Prince de Monaco
12 Île Violette 13 Île Haute
14 Île Gaby 15 Île Altazin

Île Kerguelen (Grande Terre)

Satellitenfoto der Kerguelen (NASA)

Die Hauptinsel Île Kerguelen (auch Grande Terre) erstreckt sich über eine Fläche von 6.675 km², das entspricht etwa 92,5 Prozent der Gesamtfläche der Inselgruppe. Somit ist Kerguelen etwas kleiner als beispielsweise die französische Insel Korsika (8.680 km²). Die Insel misst etwa 134 Kilometer von Osten nach Westen und hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 120 Kilometern.

Auffällig ist vor allem die stark zerklüftete Gestalt der Insel, die ein zerschnittenes Gebilde aus mehreren gewaltigen Ausläufern in Form von Halbinseln – die teilweise nur durch äußerst schmale Isthmen mit der Hauptinsel verbunden sind – und dem Festland vorgelagerten Inseln bildet. Aufgrund der zerklüfteten Küstenlinie ist kein Ort auf der Insel weiter als 21 Kilometer vom Meer entfernt.

Péninsule Courbet

Die Halbinsel Courbet[1] ist die flächenmäßig größte und weist in ihrer Topographie eine sehr unterschiedliche Oberflächengestaltung auf. Während im gebirgigen Westen Höhen bis zu 979 m (Mont Crozier) erreicht werden und tief einschneidende Täler die Höhenzüge zergliedern (Val Studer, Val de l’Ouest), reicht die durchschnittliche Höhe im Osten nur gering über den Meeresspiegel hinaus, und die teils sandigen oder kiesbedeckten Ufer bilden breite Strände wie am Cap Ratmanoff. Der an der Ostküste gelegene See Lac Marville bildet neben unzähligen weiteren die größte Wasserfläche der Halbinsel.

Die sich über 54 Kilometer erstreckende Halbinsel wird im Norden vom Golfe des Baleiniers (dt. Walfängerbucht) und im Süden von der weiten, durch etwa fünfzig größere und kleinere Inseln (z. B. Île Australia, Île Haute) zergliederten Bucht des Golfe du Morbihan begrenzt. Der Golfe du Morbihan (700 km²) ist vor dem rauen Klima des Archipels relativ geschützt und besitzt mit der bis zu acht Kilometer breiten Meeresstraße der Passe Royale einen Zugang zum Indischen Ozean.

Die geschützte Lage bedingte die Einrichtung der permanenten französischen Forschungsstation Port-aux-Français am Golfe du Morbihan im Jahre 1949. Bis 1976 kam es zu Erweiterungen der Station, die der umfassenden wissenschaftlichen Erforschung der Insel dient. Zudem befinden sich innerhalb der Station auch die Kirche Notre-Dame des Vents sowie ein Krankenhaus. Etwa 60 Menschen leben und arbeiten das ganze Jahr über in der Station. Während des Sommers (Dezember bis März) liegt die Zahl der Beschäftigten bei annähernd 120 Personen. In und um die Station verlaufen einzelne Schotterstrecken, die einzigen Straßen der Insel.

Presqu’île Jeanne d’Arc

Volcan du Diable, Plateau Central
Golfe du Morbihan
Péninsule Rallier du Baty

Die Halbinsel Jeanne d’Arc[2] ist nur über eine etwa 500 m breite Landenge mit der Hauptinsel Grande Terre verbunden und bildet den südlichen Abschluss des Golfe du Morbihan.

Weite Hochplateaus überragen schmale, feuchtnasse, langgestreckte Täler. Am Südrand fällt die Halbinsel in einer mit zahlreichen Klippen und Felsnadeln gesäumten Steilküste zum Meer hin ab und endet am Cap du Challenger im südlichsten Punkt der Hauptinsel. Die höchsten Erhebungen bilden der Mont Tizard (844 m) an der Baie des Licornes und der Mont Evans (718 m) an der Baie Sauvage (dt. Wilde Bucht). Im Westen begrenzt die Halbinsel die Baie des Swains mit den zwei größeren Inseln Île Altazin und Île Gaby.

Am Nordwestende der Halbinsel liegt Port-Jeanne d’Arc, eine 1908 von norwegischen Walfängern gegründete Fang- und Verarbeitungsstation. Die heute völlig verfallene Siedlung besteht aus vier Wohngebäuden mit Wellblechdächern und Holzwänden, einem Stall, mehreren Heizkesseln und anderen technischen Anlagen. Eines der Wohngebäude wurde 1977 restauriert.

Presqu’île Ronarc’h

Auch die Halbinsel Ronarc’h[3] ist nur durch einen schmalen Isthmus, den Halage des Naufragés, mit der Halbinsel Jeanne d’Arc im Süden verbunden. Die Höhenzüge der Halbinsel fallen von den zentralen Erhebungen des Mont Wyville Thomson (937 m) und des Mont Rouge (529 m) zum Meer hin ab. Eine auffällige Erscheinung ist vor allem die 744 m hohe, kegelförmige Vulkanruine Le Pouce (dt. der Daumen). Am Nordrand der Ronarc’h befindet sich Port-Douzième mit einer Hütte und einer geomagnetischen Station.

Péninsule Gallieni

Südöstlich an die Hauptinsel schließt die Halbinsel Gallieni[4] an und erstreckt sich bis zu 34 Kilometer zwischen der Baie d’Audierne und der Baie des Swains in die Gewässer südlich der Inselgruppe. Den Nordrand der Gallieni bildet der Lac d’Entr’Aigues, der flächenmäßig zweitgrößte See der Kerguelen. Große Teile der Halbinsel sind vom hoch aufgeworfenen Massif Gallieni mit dem dominanten Doppelgipfel des Mont Ross, des Dôme du Père Gaspard (1.063 m) oder der Pyramide Noire (996 m) geprägt. Imposante Basaltformationen finden sich zahlreich auf dem Archipel. Eine der herausragendsten bildet am Westrand der Halbinsel in der Baie Larose den 235 m hohen Doigt de Sainte-Anne (dt. Finger der Heiligen Anna), zu dessen Füßen eine der bevölkerungsreichsten Königspinguinkolonien der Inseln nistet.

Péninsule Rallier du Baty

Südwestlich des Cook-Gletschers schließt die Halbinsel Rallier du Baty[5] an die Hauptinsel Grande Terre an. Sie wird eingefasst von der weiten Baie Bretonne und der von vielen zerklüfteten Halbinseln durchsetzten Baie d’Audierne. Der Westen ist mit bis zu 1.262 m (Mont Henri) hohen, teils vergletscherten Gebirgsmassiven überzogen, wohingegen im Ostteil der Halbinsel weite Täler und flache, von Flüssen durchzogene Moränenlandschaften das Landschaftsbild bestimmen. Der Rückgang der Gletscher hinterließ großflächige, sandige Ebenen (z. B. Vallée des Sables), die nur partiell von einzelnen Bergkuppen überragt werden.

Péninsule Loranchet

Die schwer zugängliche Halbinsel Loranchet[6] bildet den nördlichen Teil von Grande Terre und ist von tief ins Landesinnere einschneidenden und sich überdies noch vielfach verzweigenden Fjorden und Buchten (Baie de Recques, 21 km) durchzogen. Östlich wird die sich über etwa 54 Kilometer erstreckende Halbinsel durch schmale Meeresstraßen von der Halbinsel Société de Géographie und der Insel Saint-Lanne Gramont, im Nordwesten vom Chenal du J. B. Charcot von den Îles Nuageuses getrennt.

Am nördlichsten Punkt der Loranchet befindet sich in der Baie de l’Oiseau (dt. Vogelbucht) die historische geomagnetische Station Port-Christmas, in der James Cook Weihnachten 1776 vor Anker ging. Am Südostende der kleinen Bucht befand sich die einst berühmteste Felsformation des Archipels, der Arche des Kerguelen, ein natürlich geschaffener, frei stehender Brückenbogen, der aber inzwischen eingestürzt ist. Lediglich die immer noch beeindruckenden Felsstümpfe ragen noch empor.

Presqu’île de la Société de Géographie

Die 14 Kilometer lange und 11 Kilometer breite, nahezu kreisförmige „Halbinsel der Geographiegesellschaft“[7] wird eingefasst von der Halbinsel Loranchet und der Île Foch im Osten. Das teils vergletscherte Bergmassiv wird von den Gipfeln des Mont Richards (1.081 m) und des Mont Pietri (941 m) überragt.

Presqu’île Joffre

Fächerförmig breitet sich diese Halbinsel zwischen der Île Foch und der Île du Port in die westlichen Gewässer des Golfe des Baleiniers aus. Die starke Zerklüftung der Hauptinsel, durch die zahlreichen vorgelagerten Inseln und Klippen noch verstärkt, wird auf der Joffre[8]-Halbinsel besonders deutlich. Ihren höchsten Punkt erreichen die Höhenzüge der Halbinsel im Mont Dr. Récamier (451 m).

Presqu’île Bouquet de la Grye

Port-Couvreux, Presqu'île Bouquet de la Grye

Die kleinere Halbinsel Bouquet de la Grye[9] zwischen Cook-Gletscher und der Courbet-Halbinsel schließt zwischen sich und der Hauptinsel den drittgrößten See der Inseln, den Lac Bontemps ein.

Am Ostende der sich über 19 Kilometer erstreckenden Landzunge liegt die ehemalige Schafzuchtstation Port-Couvreux, die heute in einem ruinösen Zustand ist. Seit 1912 wurde hier zu Siedlungszwecken die Züchtung dieser Haustiere vorangetrieben, die aber 1931 endgültig eingestellt werden musste.

Klima

Klimadiagramm

Das Klima ist kalt und windig, was eine Folge der globalen Nord-Süd-Asymmetrie ist (siehe Schiefe der Ekliptik und die Anmerkung bei Falklandinseln). Die durchschnittliche Temperatur des wärmsten Monats (Februar) liegt bei 7,5 °C, die der kältesten Monate (Juli/August) bei 2,0 °C. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 4,5 °C, wobei die Temperaturen im Sommer nur selten über 10 °C steigen oder im Winter unter -10 °C fallen. Damit haben die Kerguelen ein ausgesprochen ozeanisches Klima. Verglichen mit europäischen Verhältnissen sind die Wintertemperaturen milder als in Deutschland, die Sommertemperaturen hingegen deutlich kühler als auf Island. Die See ist meist rau, vor allem wegen der offenen Lage im südlichen Indischen Ozean und der beständig hereinbrechenden Westwinde der Roaring Forties. Die häufig auftretenden Niederschläge liegen bei etwa 708 mm im Jahresdurchschnitt, was im Vergleich zu anderen Regionen eher auf eine Niederschlagsmenge hinweist, die im gemäßigten Bereich liegt.

Die auffälligste Wettererscheinung ist der ständig vorherrschende Wind, der bei Sturm teilweise Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h und mehr erreicht. Die durchschnittliche Windstärke liegt bei 35 km/h, wobei an etwa 150 Tagen Stürme und an 41 Tagen im Jahr Orkane auftreten können.

Obwohl diese Zahlen auf extreme Witterungsbedingungen schließen lassen, entspricht das heutige Klima keineswegs mehr den während der Entdeckungsfahrten im 18. Jahrhundert vorherrschenden klimatischen Verhältnissen. Heute lassen sich vor der Küste des Archipels nur noch selten Eisberge beobachten und der vor etwa dreißig Jahren einsetzende Rückgang der Vergletscherung hat Regionen der Inseln zugänglich gemacht, die noch in den 1960er Jahren aufgrund der anhaltenden Vereisung einzelner Bergpässe völlig unzugänglich waren.

Fauna

Königspinguine (Aptenodytes patagonicus)

Seit den ersten Kerguelen-Expeditionen hat der Mensch das fragile Ökosystem des Archipels stark beeinflusst. Die rücksichtslose, auf eine stetige Produktionssteigerung ausgerichtete Ausbeutung der Fauna verringerte den Bestand der Robben und Pinguine auf ein Minimum. Erst mit der Einschränkung der unregulierten Fangaktionen im 20. Jahrhundert konnten sich die Populationen regenerieren und unterliegen heute strengen Schutzbedingungen.

Die Kerguelen werden von einer reichhaltigen und vielfältigen Vogelpopulation besiedelt. Darunter finden sich vor allem Pinguine, Sturmvögel, Albatrosse, Skuas und Kormoranarten wie die Kerguelenscharbe oder Seeschwalben wie die Kerguelenseeschwalbe. Schätzungen ergaben etwa 10 bis 20 Millionen Tiere, von denen rund 18 Prozent Pinguine sind.

Seeelefant auf den Kerguelen

Große Königspinguinkolonien nisten an den flachen Küstenabschnitten der Inselgruppe wie in der Baie Larose oder auf der Halbinsel Courbet am Cap Ratmanoff. Andere Arten wie die Goldschopfpinguine oder Felsenpinguine leben an den Berghängen oder in Felshöhlen in Meeresnähe.

Neben flugtüchtigen Arten wie den Raubmöwen oder dem Albatros findet sich auch die auf allen Inseln des Kerguelen-Archipels heimische Kerguelenente (Anas eatoni eatoni).

Unter den Säugetieren, die die Küsten des Archipels bevölkern, sind vor allem Seeelefanten und weitere Robbenarten hervorzuheben. Die Seeelefanten finden sich im Südsommer zur Fortpflanzung an den Stränden ein. Dabei kommt es unter den Männchen oft zu Kämpfen, die um die Befruchtung der Weibchen geführt werden. Außerdem leben in den Küstengewässern verschiedene weitere antarktische Robben, wie Seeleoparden, und Wale. Darunter finden sich vor allem Finnwale, Pottwale, Schwertwale und Delphine.

Auf der Inselgruppe finden sich mehrere flugunfähige Fliegen- und Schmetterlingsarten. Bedingt durch die häufigen starken Stürme erwies sich hier die Rückbildung der Flügel als Selektionsvorteil.

Mit der Entdeckung des Archipels wurden auch andere, nicht endemische Tierarten auf den Kerguelen eingeführt. Walfänger brachten im 19. Jahrhundert viele Haustiere wie Kaninchen oder Katzen mit. Erste Schafzuchtversuche misslangen zwar, doch seit den 1950er Jahren konnten erste Erfolge erzielt werden. Neben den Schafen wurden auch Rentiere aus Lappland eingeführt. Besonders die Katzen, deren Population auf rund 15.000 Tiere geschätzt wird, stellen für die Vögel eine Gefahr dar.

Flora

Auf den Kerguelen findet sich eine eher spärliche, tundrenartige Vegetation. Die ungünstigen klimatischen Bedingungen, besonders die stürmischen Wetterverhältnisse, lassen jeglichem Baum- und Strauchbewuchs keine Wachstumsmöglichkeiten. Die Küstengebiete, bis etwa 50 m über dem Meeresspiegel, werden hauptsächlich von dichten, niedrigen Grasflächen bedeckt. In höheren Lagen bestimmen verstreute, mit Moosen und Flechten bedeckte Tuffsedimentflächen das Landschaftsbild.

Mehr als 150 verschiedene Arten von Flechten , von denen etwa 60 einheimisch sind, sind die häufigsten auf den Inseln anzutreffenden Florenelemente. In flachem Gelände oder nahe von Bachläufen sind die Böden oft feucht und sumpfig. Dort wird die Vegetation von torfartigen Moosflächen dominiert. Die Moose bilden oft in sich geschlossene, gedrängte Oberflächen und bedecken bisweilen sehr lockeres, abschüssiges Terrain. Dieses birgt Gefahren, denn mitunter können die darunter verborgenen Wasserlachen derart tief sein, dass ein Wanderer bis zur Taille einsinken kann.

Sehr verbreitete Pflanzengattungen sind Stachelnüsschen (Acaena) und Azorella selago. Azorella selago ist wie die auf den Kerguelen endemische Lyallia kerguelensis (Montiaceae) eine polsterartige Geflechte bildende Pflanze. Die Azorellapolster können eine Dicke von einem Meter erreichen und sind hauptsächlich als zusammenhängendes, netzartiges Geflecht anzutreffen. Es gestaltet sich als äußerst schwierig, auf dieser weichen, lockeren Vegetation zu laufen und dabei nicht abzurutschen. Für die vielen Meeresvögel dagegen sind die Polster ideal zum Graben von Nestbauten, da sie eine schützende Umgebung für das Gelege bilden.

Eine bemerkenswerte Pflanze ist der auf den Inseln gedeihende Kerguelenkohl (Pringlea antiscorbutica), dessen wissenschaftlicher Name auf seine Verwendung hinweist. Der Verzehr der Pflanzen diente den Seeleuten wegen des hohen Ascorbinsäuregehalts in früheren Zeiten als ein Mittel gegen Skorbut. Die Einführung von Landsäugern hat ernsthafte Konsequenzen für die Vegetation nach sich gezogen, denn Mäuse und Kaninchen reduzierten die einst großen Bestände des heimischen Kerguelenkohls und schufen durch den Verzehr der Samenkörner schlechte Ausgangsbedingungen für die natürliche Regeneration der Pflanze.

Im Gegensatz zur wenig entwickelten Vegetation an Land zeigt sich der Bewuchs der marinen Umgebung der Inseln eher üppig. Auffällig sind hierbei insbesondere die gigantischen Braunalgen Macrocystis (Macrocystis pyrifera), sowie die Durvillea (Durvillaea antarctica), die scheinbar undurchdringliche Algenteppiche bildet und große Teile der felsigen Küste bedeckt.

Geschichte

18. Jahrhundert

Yves Joseph de Kerguelen de Trémarec

Yves Joseph de Kerguelen de Trémarec

Die nachweisbare Erstentdeckung der Kerguelen erfolgte durch den französischen Seefahrer Konteradmiral Yves Joseph de Kerguelen de Trémarec (1734–1797) am 12. Februar 1772. Dessen erste Reise war bereits die zweite große französische Expedition im Indischen Ozean. Bereits am 25. Januar 1772 landete, vom Sturm abgetrieben, Marc-Joseph Marion du Fresne (1724–1772) auf den benachbarten Crozetinseln.

König Ludwig XV. beauftragte de Kerguelen, den unbekannten Südkontinent zu finden und Beziehungen zu dessen vermeintlichen Bewohnern aufzunehmen. De Kerguelen begann seine Expedition auf der Insel Île-de-France, dem heutigen Mauritius, von wo aus er mit den Schiffen Fortune und Gros Ventre am 16. Januar 1772 in See stach. Allerdings schien eine sichere Landung an der stürmischen Westküste der nur schwer zugänglichen Inseln unmöglich. Nur de Boiguehenneuc, dem Offizier der Gros Ventre, gelang es, an der Südwestspitze der Hauptinsel (in der Bucht Anse du Gros Ventre) an Land zu gehen und es in Besitz zu nehmen. In den extremen Wetterverhältnissen des Archipels verloren die Schiffe schließlich den Sichtkontakt und wurden getrennt. Am 27. März 1772 erreichte de Kerguelen, noch weit vor der Rückkehr der Gros Ventre, wieder französischen Boden.

De Kerguelen nannte, in der Überzeugung, er habe den lange gesuchten Südkontinent entdeckt, die Insel La France Australe (dt. Frankreich des Südens). Da er es dem König als ein reiches, dicht bevölkertes Land beschrieb, wurde ihm schließlich der Auftrag für eine zweite Mission erteilt, die er am 26. März 1773 antrat. Diesmal reiste de Kerguelen mit drei Schiffen, der Roland, der Oiseau und der Dauphine nach Austral-Frankreich, die am 28. Oktober 1773 schließlich den Hafen auf Réunion verlassen konnten, um ihr eigentliches Ziel anzufahren.

Am 30. Januar 1774 gelang es dem Leutnant de Rochegude in der Baie de l’Oiseau (benannt nach dessen Schiff) an Land zu setzen. Die ungünstigen klimatischen Bedingungen, Todesfälle und Skorbut zwangen de Kerguelen schließlich die Rückreise anzutreten, ohne die später nach ihm benannten Inseln je betreten zu haben. Am 7. September 1774 erreichten die Schiffe wieder Frankreich. De Kerguelen wurde wegen unterlassener Hilfeleistung und aufgrund der unrentablen Expeditionsergebnisse 1776 von einem Militärgericht verurteilt und verbrachte seitdem mehrere Jahre mit Unterbrechungen im Gefängnis. Er starb 1797 in Paris.

James Cook

Karte der Nordküste der Kerguelen (1784)

James Cook (1728–1779) erkundete auf seiner zweiten Südseeexpedition mit den Schiffen Resolution und Adventure auch den südlichen Indischen Ozean und konnte die Theorie der Existenz eines bewohnbaren Südkontinents endgültig widerlegen. Der deutsche Naturforscher, Ethnologe und Reiseschriftsteller Georg Forster (1754–1794) begleitete Cook mit seinem Vater Johann Reinhold Forster (1729–1798) an Bord der Resolution auf dieser Weltumsegelung. Ziel dieser Expedition waren unter anderem auch die neuentdeckten Inseln der subantarktischen Gewässer. Allerdings verfehlten die Schiffe in den widrigen Wetterverhältnissen die Kerguelen, wurden in dichtem Nebel sogar getrennt und setzten die Reise Richtung Neuseeland fort. Exemplarisch dazu die Reisetagebucheinträge Georg Forsters vom Februar 1773:

am 2. Mißlungener Versuch des Herrn von Kerguelens Eiland, in 48° 36' südl. Breite und 60° ± östl. Länge aufzusuchen.
am 8. die Adventure trennte sich, während eines Nebels, zum erstenmal, von uns.[10]

Die dritte Reise mit den Schiffen Resolution und Discovery führte erneut über den südlichen Indischen Ozean und steuerte ausgehend vom Kap der Guten Hoffnung über die Prinz-Edward-Inseln und Crozetinseln die Kerguelen an, wo Cook am 25. Dezember 1776 in der Baie de l’Oiseau vor Anker ging. Seinen Landeplatz benannte er nach dem Ankunftstag: Port-Christmas. Cook bezeichnet den Archipel als die Inseln der Verzweiflung (Islands of Desolation), gibt ihnen aber endgültig den Namen ihres Entdeckers:

„I could have very properly called the island Desolation Island to signalise its sterility, but in order not to deprive M. de Kerguelen of the glory of having discovered it, I have called it Kerguelen Land.“
(Logbucheintrag von James Cook, 1776)

Die Reise in das Südmeer diente vor allem wissenschaftlichen Zwecken. So wurden große Teile der Insel kartographiert und mindestens zwanzig einheimische Pflanzenarten entdeckt und erfasst.

1799 erkundete Robert Rhodes im Auftrag der British East India Company an Bord des Robbenfängers Hillsborough acht Monate die Nordostküste der Kerguelen, er lieferte ergänzende und umfassende Aufzeichnungen und detailgenaue Karten zu den Küstengebieten der Inseln.

19. Jahrhundert

Mit der Entdeckung der Kerguelen kamen auch die ersten Wal- und Robbenfänger, um sich die reichen Fanggebiete zu sichern. Bereits 1791/92 landeten die ersten amerikanischen Walfänger mit den Schiffen Alliance, Asia und Hunter auf den Inseln, die aber nur wenige Monate blieben, um Pelzrobben zu jagen. 1804/05 folgten ihnen britische Robbenfänger und dezimierten die Population derart, dass bereits 1817 die Besatzung des britischen Seglers Beagle nur noch vier lebende Tiere vorfinden konnte.

Tran, den man vornehmlich aus dem Fettgewebe von Seetieren verarbeitete, war bis zur Verwendung von Petroleum ein wichtiger Rohstoff zur Herstellung von Lampenöl und Schmierstoffen. Nachdem die Trangewinnung aus Walspeck nicht die erhoffte Menge einbrachte, spezialisierte man sich auf den Blubber von Seeelefanten. Der britische Walfänger George Howe gewann 1835–1840 3.000 Barrel des wertvollen Öles, 1838–1840 konnten gar 3.700 Barrel von amerikanischen Fängern verarbeitet werden. Zum Erhitzen des Trans wurden lebende Pinguine oder deren Federn verwendet.

Die harten Lebensbedingungen dieser frühen Wal- und Robbenfänger forderten zahlreiche Opfer unter den Seeleuten. Viele der Gräber, teilweise auch ganze Friedhöfe sind heute nicht mehr erhalten oder unauffindbar. In der Baie Norvégienne befindet sich auf einer Landzunge die letzte Ruhestätte des Kapitäns der Duke of Portland, John Matley (†1810), der allerdings eines natürlichen Todes starb.

1840 landete James Clark Ross mit den Schiffen HMS Erebus und HMS Terror auf den Kerguelen. Auch er ging in der Baie de l’Oiseau vor Anker und blieb vom 5. Mai bis zum 29. Juli 1840 auf der Insel.

HMS Challenger

1874/75 besuchten vermehrt Forschungsschiffe die Inseln, um am 9. Dezember 1874 einen bevorstehenden Venustransit beobachten zu können, der den Wissenschaftlern die seltene Gelegenheit bot, die genaue Entfernung der Erde zur Sonne zu berechnen. In diese Zeit fällt die Errichtung mehrerer Observatorien. Eine amerikanische Expedition unter dem Kommando von G. P. Ryan errichtete am 7. September 1874 ein kleines Observatorium am Pointe Molloy im Südwesten der Halbinsel Courbet. Eine deutsche Forschungsreise mit dem Kriegsschiff SMS Gazelle unter Georg Gustav Freiherr von Schleinitz (1834–1910) gründete einen astronomischen und geomagnetischen Beobachtungsstützpunkt in der Anse Betsy (Nordwestküste der Halbinsel Courbet) am 26. Oktober 1874.

Vom 7. bis 31. Januar 1874 führte die britische Challenger-Expedition mit dem namensgebenden Dampfschiff unter dem Kommando von Kapitän George Nares (1831–1915) umfassende ozeanographische Forschungs- und Beobachtungsarbeiten unter anderem auch auf den Kerguelen durch. Die wissenschaftliche Leitung der Expedition übernahm der Zoologieprofessor Charles Wyville Thomson (1830–1882).

1877 unternahm man den Versuch, die auf der Insel vorhandenen Kohlevorkommen abzubauen, was aber aufgrund der schlechten Qualität der Kohle aufgegeben werden musste.

Die häufige Präsenz von Wal- und Robbenfangunternehmen britischer, amerikanischer und australischer Nationalität unterminierten die französischen Besitzansprüche auf die Kerguelen, die sich mit der 1772 erfolgten Erstentdeckung der Inseln begründen ließen. Um die Territorialansprüche zu untermauern, ordnete die französische Regierung die offizielle Inbesitznahme der Kerguelen an, die eine Expedition an Bord der L’Eure in der Baie de l’Oiseau am 1. Januar 1893 vollzog. Am 7. Januar erfolgte eine zweite Zeremonie mit der zusätzlichen Errichtung eines Versorgungspunktes für Schiffbrüchige.

20. Jahrhundert

1901–1903 waren die Inseln ein Ziel der Gauß. Das Schiff der deutschen Antarktis-Expedition unter Erich von Drygalski (1865–1949) errichtete eine geomagnetische und meteorologische Beobachtungsstation in der Baie de l’Observatoire (dt. Beobachtungsbucht). Die Station entstand teilweise aus den Balken und Brettern der zerfallenen Schutzhütte der englischen Forschungsreise, die den Venustransit von 1874 beobachtete.

Erich von Drygalski

Deren Leitung übernahm der deutsche Bergsteiger, Meteorologe und Expeditionsteilnehmer Josef Enzensperger (1873–1903), der in seinem Kerguelen-Tagebuch die teils harten Lebensbedingungen, widrigen Witterungsverhältnisse und physischen Leiden der Forscher beschreibt. Ungeachtet der Strapazen findet er auch positive Worte für die einzigartige subantarktische Landschaft. Die Ankunft mit dem zweiten Schiff Tanglin, welches unabhängig von der Gauss unterwegs war, beschreibt er wie folgt:

11. November [1901]. Es ist erreicht! Aber schwer haben wir es noch erkaufen müssen. Was wir an See am 7. dieses Monats sahen, ging ins Aschgraue, und alles, was auf dem Schiffe fuhr, meinte, solches nie gesehen zu haben. […] [D]iese unglaublichen Wellenberge! Ich maß solche von zwölf Meter Höhe. […] Dem Kapitän […] fiel wohl ein Stein vom Herzen, als aus dem dichten Nebel sich die Umrisse eines hohen Landes schälten, […] und bei prachtvollem Sonnenschein fuhren wir ein in eine wunderbar schöne Fjordlandschaft. […]
[…] Der Kontrast zwischen den unzähligen Inseln, dem blauen Wasser, das in unendlich viel Armen tief ins Land dringt, den steilen Kuppen der Basaltberge und dem eisbedeckten Innern der Insel ist überwältigend schön. Schade, daß das im Durchschnitt abscheuliche Wetter so selten dies Bild rein zu genießen gestattet! […] [11]
Reste von Bottichen und Kesseln zur Trangewinnung in Port-Couvreux

Enzensperger stirbt am 2. Februar 1903 an Beriberi, einer Krankheit, die durch Vitamin-B1-Mangel ausgelöst wird. Sein heute unauffindbares Grab befand sich in der Nähe der ehemaligen Station.

Die Gebrüder Henry (1859–1941) und René Bossière (1857–1941) gründeten 1908 die Compagnie Générale des Îles Kerguelen, die zwischen 1908 und 1929 mit Unterbrechungen tätig war. Sie versuchten darüber hinaus, Schafe auf den Kerguelen zu züchten, was jedoch an den für die Tiere ungünstigen klimatischen Verhältnissen scheiterte.

Die Kompanie gewährte der norwegischen Walfanggesellschaft A/S Kerguelen die Fangrechte auf den Inseln, die 1908 eine Wal- und Robbenfangstation in Port-Jeanne d’Arc auf der gleichnamigen Halbinsel errichtete. Zwischen 1908 und 1911 wurden 442 Wale gefangen und lediglich 13.760 Barrel Öl gewonnen. Durch die Spezialisierung auf den Fang von Seeelefanten ließen sich höhere Erträge erzielen und so konnten 1911/12 17.000 Barrel Öl produziert werden.

Große Verdienste um die wissenschaftliche Erforschung des Archipels leisteten die Brüder Henri und Raymond Rallier du Baty, die 1908/09 eine eigene Expedition mit dem Schiff J. B. Charcot zu den Kerguelen leiteten. 1913/14 steuerte Raymond Rallier du Baty (1881–1978) mit der Curieuse die Inseln erneut an. Den eifrigen Brüdern verdankt man die ersten umfassenden Beschreibungen der Inselgruppe, denn sie sammelten wichtige und exakte hydrographische, geologische und geographische Daten, die im Wesentlichen zur Veröffentlichung der ersten vollständigen Karte der Kerguelen im Jahre 1922 beitrug.

1929/30 reiste eine britisch-australisch-neuseeländische Expedition unter Sir Douglas Mawson (1882–1958) mit der RRS Discovery zu den Kerguelen. Der Schweizer Edgar Aubert de la Rüe (1901–1991) ermöglichte durch seine Forschungsreisen mit der Austral zwischen 1928 und 1952 der Wissenschaft neue Erkenntnisse über die Morphologie, Geologie, Flora und Fauna der Inseln und veröffentlichte die Ergebnisse in seiner Studie Etude Géologique et Géographique de l'Archipel des Kerguelen (1932).

Zweiter Weltkrieg

Grab des 1940 verunglückten deutschen Soldaten Bernhard Herrmann

Auch die Kerguelen blieben von den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges nicht verschont. Die tief ins Inselinnere einschneidenden Fjorde und Buchten boten ideale Verstecke für deutsche Militärschiffe.

1940 steuerten die deutschen Hilfskreuzer Pinguin, Atlantis und Komet zu Versorgungszwecken und Instandsetzungsarbeiten die Kerguelen an. Bei Ausbesserungen an der Atlantis wurde der Matrose Bernhard Herrmann (1919–1940) tödlich verletzt und auf der Insel am Havre du Beau Temps (südlich der Presqu'île Bouquet de la Grye) beigesetzt. Seine Begräbnisstätte ist damit das südlichste deutsche Soldatengrab. Noch heute zahlt Deutschland zur Erhaltung des Grabes einen Kostenbeitrag an Frankreich.

Die Möglichkeit, dass auch deutsche Unterseeboote auf den Kerguelen stationiert werden könnten, veranlasste die Alliierten mit der HMAS Australia einige der Ankerplätze zu verminen, was die Deutschen von der Insel fern hielt und die relative Unberührtheit der Kerguelen bewahren konnte. Allerdings stellen einige der Buchten noch heute eine Gefahr für die Schifffahrt dar.

Teil des französischen Überseeterritoriums

1947 bis 1954 waren die Inseln regelmäßiges Ziel der Australian National Antarctic Research Expeditions (ANARE). Somit sah sich die französische Regierung genötigt, ihre ohnehin schon vorhandenen territorialen Ansprüche auf die Kerguelen dauerhaft zu sichern. Im Dezember 1949 errichteten die Franzosen unter Leitung von Pierre Sicaud (1911–1998) die permanente Forschungsstation in Port-aux-Français am Golfe du Morbihan. Wegen der enormen Distanz zu Frankreich wurde 1924 die Verwaltung der Inseln der französischen Regierung auf Madagaskar übertragen. Bereits vor der Unabhängigkeit des südostafrikanischen Inselstaats im Jahre 1960 bildete Frankreich 1955 ein Überseeterritorium (Terres Australes et Antarctiques Françaises) bestehend aus den Crozetinseln, der Île Saint-Paul, der Île Amsterdam, dem Kerguelen-Archipel und dem Terre Adélie auf dem antarktischen Kontinent.

Marion-Dufresne II

Den Hauptbestandteil der wissenschaftlichen Arbeiten auf den Kerguelen bilden Untersuchungen zur Geologie, Vulkanologie, Seismologie, Petrologie, Meteorologie, Ozeanographie und Hydrographie sowie medizinische, biologische, zoologische und ichthyologische Forschungen.

Zusätzlich zur Marion-Dufresne II als Haupttransport- und Versorgungsschiff nach Übersee dient den Wissenschaftlern ein kleineres Schiff des Institut Polaire Français Paul-Émile Victor (IPEV), die Curieuse N.O., zur logistischen Unterstützung der Forschungsprogramme an nur per Schiff erreichbaren Punkten des Archipels. Überdies bedient man sich Schlauchbooten, um geringere Entfernungen zu Wasser zurücklegen zu können. Neben Wissenschaftlern und Hilfskräften ist es auch einer bestimmten Anzahl von Touristen gestattet, die Fahrt der Marion-Dufresne II unter anderem auch zu den Kerguelen zu begleiten. Allerdings gestaltet sich diese Unternehmung als äußerst kostspielig[12] und aufwändig, da das Schiff nur von Réunion aus die französischen Antarktisterritorien anläuft.

Zwischen 1963 und 1981 wurden von der Péninsule Courbet (genauer: 49° 22' S, 70° 14' O) Forschungsraketen gestartet, hauptsächlich Arcas, Dragon und Eridan. Zudem unterhält die französische Raumfahrtagentur Centre national d’études spatiales (CNES) seit 1992 auf den Kerguelen eine Basis zur Steuerung der Ariane-Raketen, die vom Weltraumbahnhof Kourou (Französisch-Guayana) aus starten. Die Basis befindet sich etwa vier Kilometer von Port-aux-Français entfernt.

Sonstiges

Die Kerguelen-Inseln sind der Ausgangspunkt der Forschungsreise in Jules Vernes Roman Die Eissphinx. Dabei handelt es sich um eine fiktive Reise in die antarktischen Gebiete. Der Roman ist eine Fortsetzung zu Edgar Allan Poes Der Bericht des Arthur Gordon Pym.

Patrick O'Brian nutzt Cooks Namen der Hauptinsel Desolation Island in seinem gleichnamigen Buch (dt.: Sturm in der Antarktis). Die Insel dient hier als Zufluchtsort für seinen fiktiven Charakter, Jack Aubrey, um sein Schiff in Stand zu setzen.

Im U-Boot-Thriller Kilo Class von Patrick Robinson kommen die Kerguelen-Inseln ebenfalls vor. Taiwan hat dort einen geheimen Stützpunkt, um dort an einer Atombombe zu bauen, mit der China in Schach gehalten werden soll.

Die Einhandseglerin Isabelle Autissier erlitt mit ihrer 18-Meter-Jacht Ecureuil Poitou-Charante bei der BOC-Challenge 1995 etwa 1000 Seemeilen südlich des Kerguelen-Archipels Mastbruch, steuerte dann Port-aux-Francais an, erhielt dort einen neuen Mast, setzte ihre Fahrt fort, verlor jedoch einige hundert Seemeilen später das Schiff durch einen Rumpfschaden und musste per Hubschrauber gerettet werden.[13].

Während der Einhand-Nonstop-Regatta Vendée Globe 2008/2009 brach auf dem Boot Temenos des Schweizer Teilnehmers Dominique Wavre südlich des Kerguelen-Archipels die Kielaufhängung, so dass er am 13. Dezember 2008 das Rennen aufgeben musste und Port-aux-Francais ansteuerte, um die Aufhängung provisorisch zu reparieren und wenigstens bis Australien aus eigener Kraft weitersegeln zu können. Am selben Tag stellte der zweite Schweizer Teilnehmer Bernard Stamm auf seinem Boot Cheminées Poujoulat eine Beschädigung der Ruderaufhängung fest, die ihn ebenfalls dazu zwang, Port-aux-Francais anzulaufen. Beim Anlegen zog gerade eine Unwetterfront mit Sturmböen bis zu 60 Knoten über den Archipel hinweg und trieb das Boot auf die Felsen zu. Stamm rettete sich in die Rettungsinsel des Bootes, die Yacht schlug gegen die Felsen. Sie wurde am nächsten Tag schwer beschädigt geborgen. Der französische Teilnehmer Loïck Peyron erlitt zwei Tage zuvor – in Führung liegend – auf seinem von der LCF-Rothschild-Gruppe gesponserten Boot Gitana Eighty südlich des Kerguelen-Archipels Mastbruch, entschied sich aber dafür, statt Port-aux-Francais anzulaufen, mit einem Notsegel bis Perth zu segeln, um dort eine Reparatur des Mastes zu versuchen.

Literatur

  • Max Schmid, André Giret: Kerguelen. Birkenhalde Verlag, Winterthur 1998, ISBN 3-905172-17-8
  • Jeff Rubin: Antarctica. Lonely Planet Publications, Victoria 2000, ISBN 978-0-86442-772-4
  • Jean-Paul Kauffmann: The Arch of Kerguelen: Voyage to the Islands of Desolation. Four Walls Eight Windows, 2000, ISBN 1-56858-168-8
  • Robert Eyssen: HSK Komet – Kaperfahrt auf allen Meeren. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg, ISBN 3-7822-0856-0
  • Patrick Robinson: Kilo Class. Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG München, ISBN 3-453-19981-2
  • Alan Sillitoe: Verschollen – The lost flying boat. Gustav Lübbe Verlag Bergisch Gladbach 1987, ISBN 3-7857-0472-0

Anmerkungen

  1. Amédée-Anatole Courbet (1828–1885), französischer Admiral
  2. Jeanne d'Arc (1412–1431), französische Nationalheldin und Heilige
  3. Pierre Alexis Ronarc'h (1865–1940), französischer Admiral
  4. Joseph Simon Gallieni (1849–1916), französischer General und Kriegsminister
  5. Henri und Raymond Rallier du Baty (1881–1978), französische Seefahrer
  6. Jean Loranchet, erster Offizier der zweiten Kerguelen-Expedition unter Raymond Rallier du Baty
  7. Société de Géographie, gegr. 1821
  8. Joseph Jacques Césaire Joffre (1852–1931), französischer General
  9. Jean-Jacques Anatole Bouquet de la Grye (1827–1909), französischer Offizier und Präsident der Académie des sciences (1902)
  10. Johann Reinhold Forster, Georg Forster. Bemerkungen über Gegenstände der physischen Erdbeschreibung, Naturgeschichte und sittlichen Philosophie. Tagebuch der Reise um die Welt. 1772. 1783
  11. Josef Enzensperger. Alpine Aufsätze und Vorträge, Reisebriefe und Kerguelen-Tagebuch. In: Ein Bergsteigerleben. hg. vom Akademischen Alpenverein München, 2. vermehrte und veränderte Ausgabe, München: 1924, Reisebriefe, S. 255/256
  12. http://www.taaf.fr/spip/spip.php?article234
  13. http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-8929429.html?name=Isabelles+Freiheit

Weblinks

 Commons: Kerguelen – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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