Andreas von Riaucour
Wappen der Grafen von Riaucour
Riaucour-Epitaph in St. Sebastian (Mannheim)
Exlibris Graf Andreas von Riaucour

Andreas von Riaucour (* 10. Januar 1722, in Warschau; † 28. Oktober 1794, in München)[1] war ein Reichsgraf und Diplomat im Dienste des Kurfürsten von Sachsen.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Er wurde 1722 als einziger Sohn des Warschauer Bankiers und kursächsischen Kammerrates Peter Riaucour sowie dessen Gemahlin Franziska Witthoff geboren. Die bürgerliche Familie stieg erst 1741 in den erblichen Adelsstand auf.[2] Der Großvater väterlicherseits stammte aus Lothringen und wanderte nach Polen aus.[3]

Andreas von Riaucourt erhielt seine Erziehung im Jesuitenkolleg zu Lyon, studierte Jura, erwarb 1743 an der Universität Paris das Lizenziat der Rechtswissenschaften und ergriff daraufhin die Diplomatenlaufbahn.[4] 1748 wurde er Geschäftsträger des Kurfürsten von Sachsen am Kurpfälzischen Hof in Mannheim, 1750 Minister und 1752 Geheimer Rat und außerordentlicher Gesandter bei der Kurpfalz und in Kurtrier.[5] Er avancierte zu einem der der angesehensten und einflussreichsten bei Kurfürst Karl Theodor akkreditierten Diplomaten.

Am 1. Oktober 1754 erfolgte die Erhebung in den Reichsgrafenstand und im gleichen Jahr vermählte er sich mit Henriette Luise von Wrede, Tochter des kurpfälzischen Ministers Ernst von Wrede.[6] Dieser Ehe entstammten neben drei Töchtern nur ein als Kind verstorbener Sohn namens Adam Heinrich Peter Christian (geb. 1761, gest. 1762).

Bereits 1751 hatte der Diplomat Schloss Schmölln in Sachsen gekauft.[7] Am Kurpfälzer Hof residierte er u.a. im Gesandtenhaus zu Schwetzingen, 1772 erwarb er in Mannheim das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Palais N2, 4 (Palais Riaucour - später Palais Waldkirch), in dem er seine berühmte Gemäldesammlung aufbewahrte. Diese beinhaltete u.a. Werke von Cranach, Holbein, Rubens, Van Dyck, Rembrandt van Rijn, Tischbein).[8]

30 Jahre lang verweilte Andreas von Riaucour auf seinem Mannheimer Posten und übersiedelte 1778 mit der Regierung nach München. Seine nach Dresden geschickten Gesandtschaftsberichte, eine wichtige Quelle zur Geschichte der Kurpfalz unter Karl Theodor, wurden 1912 auszugsweise veröffentlicht. Er nahm als Vertreter Kursachsens 1790 an der Wahl und Krönung Kaiser Leopold II. in Frankfurt teil.[9]

Laut Jakob Baroggio in seinem Buch Die Geschichte Mannheims von dessen Entstehung bis 1861 (Mannheim, 1861, Seite 499) ruht Andreas von Riaucour in der Gruft der Pfarrkirche St. Sebastian (Mannheim).[10] Der in der Kirche erhaltene Marmorepitaph bezieht sich jedoch lediglich auf den einzigen, 1762 im Kindesalter verstorbenen Sohn Adam Heinrich Peter Christian, welcher darauf als "die große Hoffnung der Familie" bezeichnet wird. Die Eltern, in umfänglicher Titulatur, erscheinen auf dem Gedenkstein nur als trauernde Stifter.

In seiner Herrschaft Gaußig errichtete der Adelige testamentarisch eine Armenstiftung.[11] Andreas von Riaucour war Ritter des polnischen Ordens vom Weißen Adler,[12] des ebenfalls polnischen Sankt-Stanislaus-Ordens[13]und des kurpfälzischen Ordens vom Pfälzer Löwen, der auf nur 25 Inhaber beschränkt war.[14]

Das Wappen der Grafen von Riaucour zeigt im zweigeteilten Schild oben drei Rosen auf goldenem Grund und unten zwei silberne Querströme auf blauem Grund.

Das Grafengeschlecht Riaucour erlosch 1794 mit seinem Tod.

Nachkommen

Die ältere Tochter Henriette war mit dem Freiherrn Carl Theodor von Schall zu Bell verheiratet, der durch eine testamentarische Verordnung des Grafen Riaucour fortan den Namen "Graf von Schall-Riaucour" führte. Henriette erbte von ihrem Vater neben der Gemäldesammlung den in Sachsen und in der Oberlausitz gelegen Besitz. Dies waren u.a. die Orte Gaußig mit dem gleichnamigen Schloss, Crostau, Putzkau,[15] Diehmen, Golenz, Medewitz, Drauschkowitz, Guttau, Malschwitz, Brösang, welche ihr Vater im Jahr 1765 zu einem Fideikommiss zusammengefügt hatte. Überdies erhielt sie auch Burg Dauchstein im Odenwald, die der Vater bereits 1767 käuflich erwarb.[16]

Die jüngere Tochter Marianne, verehelicht mit Graf Clemens August von Waldkirch, erhielt den Süddeutschen Besitz, u.a. das Palais Riaucour und die Orte Binau, Kleineicholzheim (heute ein Ortsteil von Schefflenz) , Sindolsheim (heute ein Ortsteil von Rosenberg (Baden)) sowie die Hälfte des Dorfes Hillesheim (Rheinhessen).

Literatur

  • Ernst Heinrich Kneschke: Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart, Leipzig, 1853, Band II, Seite 369; Scan aus der Quelle
  • Friedrich Walter: Riaucours Gesandtschaftsberichte als Quelle zur Geschichte des Kurfürsten Karl Theodor, in: Mannheimer Geschichtsblätter, 8 (1907)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Quelle zu den Lebensdaten
  2. Quelle zu den Eltern und zur Familie
  3. Zu den Familienverhältnissen
  4. Quelle zum Lizenziat in Paris
  5. Quelle zur Gesandtentätigkeit bei den Regierungen in Mannheim und Trier
  6. Zur Ehefrau und ihrer Abstammung
  7. Webseite zu Schloss Schmölln, mit Erwähnung des Eigentümers Andreas von Riaucour
  8. Zum Mannheimer Palais Riaucour, mit Foto
  9. Zur Teilnahme an der Kaiserwahl von 1790
  10. Zur Grabstätte in Mannheim, St. Sebastian
  11. Quelle zur Armenstiftung in Gaußig
  12. Quelle zur Inhaberschaft des Weißen-Adler-Ordens
  13. Quelle zum Besitz des St.-Stanislaus-Ordens
  14. Zur Inhaberschaft des Ordens vom Pfälzer Löwen
  15. Zu Schloss Putzkau mit Erwähnung von Graf Riaucour
  16. Zum Besitz der Burg Dauchstein

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