Andreas von Österreich
Andreas Kardinal von Österreich

Andreas von Österreich (* 15. Juni 1558 auf Burg Bresnitz, Březnice, Böhmen; † 12. November 1600 in Rom) war Kardinal und Bischof von Konstanz und Brixen. Seine Eltern waren der Habsburger Erzherzog Ferdinand II., Landesfürst von Tirol und dessen Frau, die Augsburger Patriziertochter Philippine Welser.

Inhaltsverzeichnis

Kindheit und Jugend

Wie auch sein jüngerer Bruder Karl wurde er auf der Schwelle des elterlichen Schlosses in Böhmen als Findelkind gefunden und nachdem er von Philippine, seiner leiblichen Mutter, aufgehoben wurde, wurde er dadurch als ehelich erklärt. Nur enge Vertraute von Ferdinand II. und Philippine Welser wussten, dass die Beiden seine leiblichen Eltern und nicht nur Adoptiveltern waren. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder wuchs er erst in Böhmen, später in Tirol auf. Die beiden Söhne (ein jüngeres Zwillingspärchen starb bereits im Kindesalter) erhielten die besten Lehrer, waren aber an schulischen Dingen wenig interessiert, auch das Erlernen fremder Sprachen (der Vater beherrschte mehrere Fremdsprachen fließend) war ihnen verhasst. Andreas lehnte jegliche Gelehrsamkeit ab und mit seinem auffahrenden Wesen erfreute er sich kaum irgendwelcher Beliebtheit bei anderen Menschen, was ihn allerdings wenig störte, da er auch für Andere wenig übrig hatte und keinesfalls seiner liebenswürdigen und hilfsbereiten Mutter nachgeraten war.

Da aufgrund der unstandesgemäßen Mutter eine reiche Heirat nicht in Frage kam, mussten die Söhne anderweitig versorgt werden. Beide hatten sich zu attraktiven jungen Männern entwickelt, die in ihrer Umgebung Ambras (wo sie seit 1567 ansässig waren) als ausgezeichnete Reiter, treffsichere Jäger und hervorragende Fechter galten. Sie hatten sich beide zu reichen Nichtstuern entwickelt, die dem Vergnügen auf dem Tanzparkett und ausschweifenden Festen und Gelagen frönten und das Geld der Eltern mit vollen Händen verbrauchten.

Die Eltern beschlossen, dass Andreas die geistliche Laufbahn einschlagen sollte, obwohl dieser alles andere als ein regelmäßiger Kirchgänger war. Im März 1574 reiste er mit großem Tross nach Rom - zwölf hochbeladene Wagen mit Gold- und Silbergeräten, Seiden- und Damaststoffen waren dabei. Der zukünftige Kardinal sollte ja ein standesgemäßes Leben führen können. Für Papst Gregor XIII. hatte die Mutter eine Truhe mit Arzneien mitgeschickt, welche der Sohn beim ersten Zusammentreffen mit diesem überreichen sollte. Es verging allerdings geraume Zeit, bis es zu der Begegnung kam, da dem Papst diverse Gerüchte über den zweifelhaften Lebenswandel des jungen Mannes zu Ohren gekommen waren. Als er den inzwischen 17-jährigen schließlich zum Kardinal ernannte, meinte er, dass dieser diese hohe Auszeichnung einzig und alleine seinem Vater zu verdanken habe.[1]

Andreas von Österreich hatte zwei illegitime Kinder, Hans-Georg Degli Abizzi (*1583) und Susanna Degli Abizzi (1584-1653), die bei seinem Bruder Karl, Markgraf von Burgau aufwuchsen.

Ämter und Titel

Andreas von Österreich war Markgraf von Burgau (1578–1600) und in Vertretung seines Cousins, Kardinal Albrecht VII. von Österreich, Statthalter der Niederlande (1598–99). Weiterhin wurde er 1589 Bischof von Konstanz und 1591 Bischof von Brixen. Am 19. November 1576 wurde er von Gregor XIII. zum Kardinal der römisch-katholischen Kirche mit Titelkirche St. Maria Nuova ernannt.

Einzelnachweise

  1. Sigrid-Maria Größing, Leidenschaftliches Habsburg, Verlag A&M

Literatur

  • Constantin von Wurzbach: Habsburg, Andreas. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich.  Band 6. Verlag L. C. Zamarski, Wien 1856–1891, S. 148–149 (auf Wikisource).
  • Margot Rauch, Karl von Burgau und Kardinal Andreas von Österreich, in: Philippine Welser & Anna Caterina Gonzaga - die Gemahlinnen Erzherzog Ferdinands II. Ausstellungskatalog. Innsbruck 1998, 22, Kat.-Nr. 6.
  • Margot Rauch, Kardinal Andreas von Österreich, in: Ambras - Das Schloss der Philippine Welser. Dauerpräsentation. Innsbruck 2007, Objektnr. 21

Weblinks

 Commons: Andreas von Österreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Markus Sittikus von Hohenems Bischof von Konstanz
15891600
Johann Georg von Hallwyl
Johann Thomas von Spaur Bischof von Brixen
15911600
Christoph Andreas von Spaur

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Andreas von Sonnenberg — (auch Endress von Sonnenberg; † 10. Mai 1511) war kaiserlicher General und ein deutscher Adliger aus dem Haus Waldburg und Graf von Sonnenberg. Leben Andreas von Sonnenberg war Sohn des Grafen Eberhard I. aus der edlen Familie der Truchsessen von …   Deutsch Wikipedia

  • Andreas von Baumgartner — Andreas Freiherr von Baumgartner (* 23. November 1793 in Friedberg, Böhmen; † 30. Juli 1865 in Hietzing) war ein österreichischer Physiker und Staatsmann. Leben Andreas Freiherr von Baumgartner, Lithographie von Lieder …   Deutsch Wikipedia

  • Andreas von Töpper — Andreas Töpper Andreas Töpper, Lithographie von Franz Eybl, 1845 …   Deutsch Wikipedia

  • Andreas von Gunesch — Andreas Friedrich (Ritter von) Gunesch (* 6. März 1799 in Mediasch; † 7. August 1875 in Neuwaldegg) war ein österreichischer evangelisch lutherischer Theologe. Er war von 1862 bis zu seinem Tod Superintendent der Evangelischen Superintendentur A …   Deutsch Wikipedia

  • Andreas von Jerin — (* 1540 oder 1541 in Riedlingen an der Donau; † 5. November 1596 in Neisse, Oberschlesien) war Bischof von Breslau und kaiserlicher Gesandter. Andreas von Jerin um 1587 …   Deutsch Wikipedia

  • Andreas von Schneller — (* 1755 in Ödenburg (heute Sopron); † 16. März 1840 ebenda) war ein Geheimer Rat, Feldmarschalleutnant, Wirklicher General der Kavallerie, Großkreuzritter des Leopold Ordens, Inhaber des 5. Chevauxlegers Reg …   Deutsch Wikipedia

  • Andreas von Riedel — Maria Andreas Nicolaus Tolentin Riedel, ab 1792 Andreas Freiherr von Riedel, (* 12. September 1748 in Wien; † 15. Februar 1837 in Paris) war ein österreichischer Offizier und Mathematiker. 1791 arbeitete er einen Verfassungsvorschlag für ein… …   Deutsch Wikipedia

  • Andreas von Rinn — Anderl (Andreas) Oxner von Rinn war ein dreijähriger Junge, der nach einer Ritualmordlegende am 12. Juli 1462 im Nordtiroler Dorf Rinn von ortsfremden Juden im Zuge eines Rituales ermordet worden sein soll. Im Jahr 1475 wurden die Gebeine des… …   Deutsch Wikipedia

  • Johann von Österreich — Erzherzog Johann von Österreich (Gemälde von Leopold Kupelwieser, um 1840) Erzherzog Johann von Österreich (* 20. Jänner 1782 in Florenz; † 11. Mai 1859 in Graz), getauft auf die Namen Johann Baptist Josef Fabian Sebastian …   Deutsch Wikipedia

  • Flagge von Österreich — Nationalflagge Österreichs Vexillologisches Symbol …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”