Andreaskreuz
Andreaskreuz
Der Heilige Andreas mit seinem Kreuz

Das Andreaskreuz (lateinisch crux decussata) ist ein Kreuz mit zwei diagonal verlaufenden sich kreuzenden Balken (x-förmig, nach dem griechischen Buchstaben Chi).

Der Name verweist darauf, dass der Apostel Andreas an einem solchen Kreuz gekreuzigt worden sein soll. Es ist zu seinem Attribut geworden und fand in der Religion und speziell in der Ikonographie seinen Niederschlag.

Inhaltsverzeichnis

Bildergalerie

Fachwerkbau

Zwei geschweifte Andreaskreuze neben einer Heiligennische (Mitte)

Das Andreaskreuz ist eines der Grundprinzipien in Fachwerkkonstruktionen: In Konstruktionen aus einzelnen Stäben mit gelenkigen Verbindungen müssen rechteckige Formen durch schräge Stäbe ausgesteift werden, damit sie sich nicht verformen können. Wenn die aussteifenden Bauteile nur Zugkräfte aufnehmen können (z. B. Stahlseile) oder nur Druckkräfte (z. B. traditionell verbundene Holzbalken), dann können durch eine Aussteifung in Form des Andreaskreuzes alle Horizontalkräfte in der Ebene des Elementes aufgenommen werden.
Im Fachwerk eines Fachwerkhauses ist das Andreaskreuz außerdem eine Schmuckform, die nur sekundär oder gar nicht zur Aussteifung des Gebäudes benötigt wird. Sie findet sich häufig in Brüstungsgefachen unterhalb der Fenster der oberen Stockwerke und wurde auch mit geschweiften Balken ausgeführt, dann wird sie auch als Feuerbock bezeichnet. Hauptsächlich in Fachwerkhäusern des 19. Jahrhunderts wurden auch geschosshohe Gefache mit Andreaskreuzen in hoher gestreckter Form ausgeführt.

Andreaskreuze als Brüstungsgefache kombiniert mit Lisenen und Kapitellen

Auch zur Kennzeichnung, der sogenannten Aufzählung der Bauhölzer (Zimmermannszeichen) im Fachwerksbau werden Andreaskreuze benutzt. Hier sind sie als Zahl 10 des Römischen Zahlensystems verbreitet.[1]

Gefahrsymbol

In der Chemie symbolisiert das Andreaskreuz als Gefahrensymbol reizende (Xi) oder gesundheitsschädliche (Xn) Stoffe.

Im Bergbau weisen Andreaskreuze auf die von Altmännern ausgehenden Gefahren hin.

Fahnen und Wappen

Burgunderkreuz

Eine Abwandlung ist das so genannte Burgundische Andreaskreuz. Es ist in der Heraldik auch als Burgunderkreuz verbreitet. Hierbei handelt es sich um die mehr oder weniger stilisierte Darstellung zweier gekreuzter, nur roh zugeschnittener Äste.

In der Wappenkunde wird das Andreaskreuz auch Schragen, bzw. Schragenkreuz genannt. Die kreuzweise angeordneten gemeinen Figuren liegen dann schragenweise. Das Kreuz kann auch als Heroldsbild im Wappen vorkommen und folgt der möglichen Darstellung von Kreuzen. Ein älterer heraldischer Ausdruck ist Schildzehner in Anlehnung an die römische Zehn (X), die die Form des Andreaskreuzes widerspiegelt. In einer schmalen und kleineren Ausführung verwendet der Heraldiker den französischen Begriff flanchis.

Verkehrszeichen

Das Andreaskreuz wird als Verkehrszeichen oder als Symbol auf Verkehrszeichen verwendet und zwar:

  • als Vorschriftzeichen (Zeichen 201 der StVO) unmittelbar vor Bahnübergängen mit der Bedeutung „Dem Schienenverkehr Vorrang gewähren“,
  • als Symbol auf dem Haltverbotszeichen (Zeichen 283 der StVO) mit der Bedeutung (absolutes) Haltverbot auf der Fahrbahn“ Zeichen 283.svg
  • als Symbol auf dem Gefahrzeichen (Zeichen 102 der StVO) mit der Bedeutung: Kreuzung oder Einmündung mit Vorfahrt von rechts“ Zeichen 102.svg
Zeichen 201 der StVO

Das Andreaskreuz am Bahnübergang besteht aus zwei gekreuzten weißen Balken mit roten Enden. Ein Blitzpfeil in der Mitte zeigt an, dass die Bahnstrecke eine elektrische Oberleitung besitzt. Ggf. zeigt ein Zusatzzeichen mit einem schwarzen Pfeil an, dass das Andreaskreuz nur für den Straßenverkehr in Richtung dieses Pfeils gilt. In Hafen- und Industriegebieten kann ein Zusatzschild mit der Aufschrift „Hafengebiet, Schienenfahrzeuge haben Vorrang“ oder „Industriegebiet, Schienenfahrzeuge haben Vorrang“ angebracht sein. An Bahnübergängen mit Andreaskreuz haben Schienenfahrzeuge Vorrang; der Straßenverkehr darf sich dem Bahnübergang nur mit mäßiger Geschwindigkeit nähern. Straßenfahrzeuge müssen vor dem Andreaskreuz warten, wenn

  • sich ein Schienenfahrzeug nähert,
  • rotes Blinklicht oder gelbe oder rote Lichtzeichen gegeben werden,
  • die Schranken sich senken oder geschlossen sind,
  • ein Bahnbediensteter Halt gebietet.

Bis zu 10 m vor dem Andreaskreuz ist das Halten unzulässig, wenn es dadurch verdeckt wird. Vor und hinter dem Andreaskreuz ist innerhalb geschlossener Ortschaften bis zu je 5 m, außerhalb geschlossener Ortschaften bis zu je 50 m das Parken unzulässig.

Wegzeichen

Das Andreaskreuz als häufiges Wegzeichen zur Markierung von Wanderwegen

Das Andreaskreuz wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts deutschlandweit als Wegzeichen bei der Markierung von überregionalen Wanderwegen und Hauptwanderstrecken verwendet. Erdacht hat dieses Symbol zur Markierung von Wanderwegen der Hagener Ingenieur Robert Kolb.

BDSM-Szene

Andreaskreuz in der BDSM-Szene

In der BDSM-Szene wird es im Rahmen von Bondage- und SM-Praktiken verwendet.

Das bis zu ca. 2,40 m hohe Kreuz wird aus Holz oder Metall gefertigt und hat an den Balkenenden Ösen oder Haken zur Fixierung von Armen und Beinen mittels Seilen, Ketten, Handschellen oder Ähnlichem. Die Konstruktionen sind teilweise zwecks leichteren Transports oder Platzersparnis zerlegbar, häufig sind sie auch mit Leder oder Kunstleder gepolstert. Andreaskreuze werden im BDSM-Bereich häufig an Wänden befestigt, es existieren aber auch Ausführungen, die frei im Raum aufgestellt werden können.

Siehe auch

Einzelnachweis

  1. Tabellenbuch für das Bau- und Holzgewerbe, Fachbuchverlag GmbH Leipzig, 1951

Weblinks

 Commons: Andreaskreuz (Saltire) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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  • Andreaskreuz — Andreaskreuz, 1) Kreuz aus 2 kreuzweise übereinander gelegten Schrägbalken, sogenannt weil der Apostel Andreas angeblich an einem solchen starb. 2) Wappen der Herzöge von Burgund, daher auch Burgundisches Kreuz. 3) (Anat.), A. der Basis des… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Andreaskreuz — (Geol. u. Bergb.), s.u. Kreuz gang 2) …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Andreaskreuz — (Crux decussata), ein Kreuz mit schräg gestellten Balken (X). Der Name rührt von dem Apostel Andreas her, der nach der Sage bei seiner Hinrichtung an ein solches Kreuz genagelt worden sein soll. Das A. stand in hoher Verehrung, da es zugleich… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Andreaskreuz — (Schrägkreuz, Abkreuzung, burgundisches Kreuz), die Kreuzspreizen zwischen Balken, in Fachwänden u.s.w …   Lexikon der gesamten Technik

  • Andreaskreuz — Andreaskreuz, s. Andreas (Apostel) …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Andreaskreuz — Sn Kreuz mit schräggestellten Balken per. Wortschatz fach. (16. Jh.) Onomastische Bildung. So benannt, weil an einem solchen der Apostel Andreas gekreuzigt worden sein soll. Das Wort wurde zunächst in Künstlerkreisen üblich.    Ebenso nndl. sint… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Andreaskreuz — An|dre|as|kreuz 〈n. 11〉 Kreuz aus gleich langen, weiß roten, diagonal verlaufenden Balken mit spitzen Winkeln nach oben u. unten (als Warnkreuz an Bahnübergängen) [nach dem Apostel Andreas, der an einem solchen Kreuz den Tod erlitten haben soll]… …   Universal-Lexikon

  • Andreaskreuz — An|d|re|as|kreuz …   Die deutsche Rechtschreibung

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  • Andreaskreuz (Philatelie) — 1850 Österreich rote 3Kr mit Andreaskreuz Als Andreaskreuz bezeichnet man in der Philatelie eine Besonderheit, die beim Bogendruck auftritt. Die ersten Andreaskreuze der Welt bei Briefmarken findet man bei der ersten österreichischen… …   Deutsch Wikipedia

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