Andres Serrano
Andres Serrano beim 25. Geburtstag der Village Voice (2010)

Andres Serrano (* 15. August 1950 in New York City) ist ein US-amerikanischer Fotokünstler, in dessen Arbeiten Religion und Sexualität eine wichtige Rolle spielen. Bekannt wurde er vor allem für die Verwendung von Körperflüssigkeiten, wie Blut, Urin und Sperma in seinen Werken sowie seine Fotografien von Leichen („The Morgue“, 1992)[1].

Inhaltsverzeichnis

Leben

Serrano ist halb hondurianisch, halb afrocubanisch und wurde römisch-katholisch erzogen. Er studierte von 1967 bis 1969 an der Brooklyn Museum and Art School. Vor seiner Karriere als Fotokünstler war er Maler und Bildhauer. Serrano lebt und arbeitet in New York.

Seine Arbeit wurde an vielen und an prestigeträchtigen Orten, wie der Episcopal Cathedral of Saint John the Divine in New York und dem Barbican Centre in London gezeigt.

Werke

Als eines seiner berühmtesten und zugleich kontroversesten Fotografien gilt „Piss Christ“ (1987), welches ein Kruzifix, getaucht in ein mit Urin befülltes Plexiglas-Gefäß zeigt[2]. Weitere Fotografien dieser Fotoserie zeigen klassische Statuetten die von diversen Flüssigkeiten, wie Milch, Blut und Urin umhüllt sind[3].

The Morgue

Für seine Fotoserie „The Morgue“, die aus fünfzig Bildern besteht, begab sich Serrano in ein Leichenschauhaus, um Fotos von den Verstorbenen zu machen. Er tat dies zwar mit Wissen und Einverständnis eines Gerichtmediziners, aber nicht der Angehörigen bzw. der Verstorbenen selbst. Deshalb sind die Leichen so porträtiert oder verhüllt bzw. ist der Bildausschnitt stets so klein gewählt, dass deren Identität nicht zu erkennen ist. So verraten auch die Titel der Bilder nicht den Namen, lediglich die Todesursache. Der Fokus seiner Kamera ist häufig auf Details gerichtet vor allem auf Körperöffnungen (wie Augen, Ohren, Mund) und auf Wunden, aber auch auf Hände und Füße. Als Hintergrund wurde schwarzer Stoff verwendet[4].

Bis auf das Platzieren von Tüchern hat Serrano die Leichen nicht einer bestimmten Art und Weise arrangiert, sondern sie so belassen wie er sie vorgefunden hat. Trotzdem unterscheiden sich die Fotografien deutlich von der rein forensischen Pathologiefotografie, die sehr klinisch und distanziert ist und nur eine rein technische Repräsentation darstellt. Serranos Bilder hingegen wirken viel persönlicher, subjektiver und zeugen von einer künstlerischen Perspektive, achtet man z.B. auf Faktoren wie Licht. In den Fotografien bleiben weder Gewaltanwendungen und deren Spuren wie Wunden und Blut noch die Begleiterscheinungen des Todes verborgen. Serrano will nicht den unversehrten schönen toten Menschen zeigen, seine Intention war es jedoch auch nicht zu schockieren, sondern dem Betrachter einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren, hinter denen sich jeder Mensch einmal wiederfindet[5].

Serranos künstlerische Fotografien von Leichen unterscheiden sich deutlich von der historischen Totenfotografie, die im eigenen Heim bzw. im Aufbahrungsraum stattfand und der Erinnerung an den Verstorbenen diente. Viel mehr werden hier andere Intentionen verfolgt, wie eine Auseinandersetzung mit dem Tod selbst[6].

Cover Art

Serrano ist für die Cover der beiden Metallica Alben Load (Album) und ReLoad verantwortlich. Für ersteres verwendete er sein Ejakulat und Rinderblut, welches er unter eine Glasplatte presste. Für das zweite Werk verwendete er Urin und erneut Rinderblut. Die Werke tragen die Namen "Blood and Semen III" und "Blood and Urine".

Literatur

  • Andres Serrano in Interviews mit Anna Blume. In: Sussler, Betsy (Hg.): Speak art! The best of BOMB magazine’s interviews with artists. New York 1997, S. 203-209.
  • Andres Serrano, Idosyncratic Iconography. In: Anette W. Balkema & Henk Slager (Hg.): The Photographic Paradigm. Amsterdam/Atlanta 1997. S. 106-110.
  • Jens Guthmann: Dem Tod ins Gesicht sehen – Bilder aus dem Leichenschauhaus in der zeitgenössischen Fotografie. Vortrag auf der 8. Jahrestagung der Europäischen Totentanz-Vereinigung vom 26. bis 28. April 2002 im Medizinhistorischen Institut und Museum der Universität Zürich.[7]
  • I. König: Die „objektiven“ Toten. Leichenfotografie als Spiegel des Umgangs mit den Toten. Diplomica Verlag 2008, Hamburg, ISBN 3-83666-435-6
  • Peter W. Williams: Perspectives on American religion and culture, Malden (1999), Wiley-Blackwell.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ina König: Die „objektiven“ Toten. Leichenfotografie als Spiegel des Umgangs mit den Toten, Hamburg 2008, S. 92.
  2. Andres Serrano, Idosyncratic Iconography. In: Anette W. Balkema & Henk Slager (Hg.): The Photographic Paradigm. Amsterdam/Atlanta 1997. S. 106-110.
  3. Peter W. Williams: Perspectives on American religion and culture, Malden 1999, S. 400.
  4. Ina König: Die „objektiven“ Toten. Leichenfotografie als Spiegel des Umgangs mit den Toten, Hamburg 2008, S. 92-95.
  5. Andres Serrano in Interviews mit Anna Blume. In: Betsy Sussler (Hg.): Speak art! The best of BOMB magazine’s interviews with artists. New York 1997, S. 203-209.
  6. Jens Guthmann: Dem Tod ins Gesicht sehen – Bilder aus dem Leichenschauhaus in der zeitgenössischen Fotografie. Vortrag auf der 8. Jahrestagung der Europäischen Totentanz-Vereinigung vom 26. bis 28. April 2002 im Medizinhistorischen Institut und Museum der Universität Zürich.
  7. http://www.jensguthmann.de/zuerich.pdf

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