Andrew Irvine

Andrew „Sandy“ Comyn Irvine (* 8. April 1902 in Birkenhead, England; † 8. Juni 1924 auf dem Mount Everest) war ein britischer Bergsteiger. Er kam beim Versuch der Erstbesteigung des Mount Everest um. Bis heute wird spekuliert, ob er den Gipfel erreichte, bevor er starb.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Andrew Irvine besuchte die Birkenhead- und die Shrewsbury-Schule und wechselte später auf das Merton College, Oxford. Er war ein begeisterter Sportler und vor allem ein exzellenter Ruderer. 1923 gewann er mit seiner Universitätsmannschaft die begehrte Trophäe des Oxford and Cambridge Boat Race.

Als ihm 1924 die Teilnahme an einer Mount-Everest-Expedition angeboten wurde, hatte der damals 22-Jährige sein Studium noch nicht abgeschlossen. Die Besteigung war damals der zweite ernsthafte Versuch, den Mount Everest zu besteigen. Ebenfalls Teilnehmer dieser Expedition war George Mallory, der bis heute als einer der Pioniere des Alpinismus gilt. Dieser war auch zwei Jahre zuvor bei der gescheiterten Expedition 1922 dabei.

Mit Andrew Irvine wählte man zwar nicht einen der erfahrensten Alpinisten aus, allerdings hatte der angehende Ingenieur und Hobbyfotograf in England durch seine körperliche Fitness und unkonventionelle Art zu klettern bei einer Spitzbergen-Expedition auf sich aufmerksam machen können. Hinzu kam, dass er sich auf Grund seines Studiums äußerst gut im Umgang mit den damals neu entwickelten Atemgeräten und Sauerstoffflaschen verstand. Noch während des Anmarsches und auch in den Hochlagern befasste sich Irvine mit Reparaturen und Verbesserungen an den damals noch recht neuen Ausrüstungen.

Expedition

Mount Everest
Nordwand des Mt.Everest
grün: Normalweg Nord, Hochlager bei 7700 und 8300 m
1922/24 ging die Route über das linke der Lager bei 8300m
(a) Finch 1922 ca. 8325m
(b) Norton 1924 ca. 8573m
?: Second Step, Schlüsselstelle auf dem oberen Nordostgrat
+1 = Fundort G. Mallory

Am Morgen des 8. Juni 1924 machten sich Mallory und Irvine vom letzten Hochlager (ca. 8.300 m) auf den Weg zum Gipfel. Zeit- und Erfolgsdruck ließ die beiden trotz nicht perfekten Wetters ihren Angriff starten. Das letzte Mal gesehen wurden sie vermutlich von Noel Odell gegen ca. 13 Uhr, mit großer Verspätung, an einer Felsstufe. Alles, was danach passierte, ist bis heute unbekannt. Andrew Irvine und George Mallory verschwanden in einer aufkommenden Wolke und kamen nie wieder zurück. Dadurch wurden sie wohl zu den ersten tragischen Helden des Mount Everest.

Die Frage, ob es die beiden auf den Gipfel schafften und somit 29 Jahre vor Tenzing Norgay und Edmund Hillary den Mount Everest erstbestiegen hätten, gilt als ein Mysterium und gibt der Welt des Alpinismus bis heute Anlass zu unzähligen Debatten und Diskussionen. Nahezu sämtliche führende Alpinisten spekulieren, ob es den beiden zur damaligen Zeit, mit den damaligen technischen Möglichkeiten und unter den bekannten Bedingungen überhaupt möglich gewesen sei, den Aufstieg zu bewältigen. Sir Edmund Hillary äußerte sich dahingehend nur einmal mit der Aussage, es sei Tatsache, dass er in jedem Fall der Erste gewesen sei, der auch wieder lebend vom Gipfel des Mount Everest zurückkehrte.

Erhoffte Aufklärung

In den 1960er Jahren – nach der chinesischen Besetzung Tibets – begann man von chinesischer Seite aus, den Nordgrat zu erschließen und den Gipfel zu ersteigen, unter anderem mit einer 1975 angebrachten Leiter am sogenannten Second Step, dem schwierigsten, nach Einschätzung damaliger Kletterfertigkeiten vielleicht unüberwindlichen Hindernis dieser Route. Der Chinese Wang Hongbao sah westlich des Grates angeblich die Leiche eines Bergsteigers. Dieser konnte in dieser Höhe nur Irvine oder Mallory sein, denn vor der chinesischen Expedition waren nur diese beiden so hoch gelangt und dann am Berg verschollen.

1986 und 1999 starteten Expeditionen nach Tibet in der Hoffnung, z. B. die Kamera Andrew Irvines zu finden und damit die Fragen um die beiden Bergsteiger zu klären. Am 1. Mai 1999 wurde in einer Höhe von 8.150 m George Mallorys durch die dünne Luft und die Kälte gut konservierte Leiche gefunden. Der Fund war eine weltweite Sensation. Ein Beweis, der wesentliche Fragen beantwortet hätte, blieb jedoch aus und man fand bei Mallorys Leiche keine Kamera.

Reaktionen

Danach bestimmten zahllose Theorien und Spekulationen namhafter Bergsteiger wie zum Beispiel Reinhold Messner die einschlägigen Medien und Fachliteratur. Manche versuchten aus Details der Fundstelle sowie der Leiche zum Beispiel auf einen Zeitpunkt des Todes zu schließen, um weitere Aufschlüsse zu gewinnen. Als sicher gilt nur, dass George Mallory auf dem Abstieg nach Einbruch der Dunkelheit bei einem Sturz starb. Die Leiche Andrew Irvines wurde vermutlich 1960 entdeckt, aber nicht identifiziert und ist seitdem verschollen.


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