Andrew Keen
Andrew Keen 2007

Andrew Keen (* 1960 in Hampstead (London)) ist ein britisch-amerikanischer Unternehmer, Autor und Internet-Kritiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Keen erwarb an der University of London einen Bachelor in Geschichte, studierte weiter an der Universität Sarajevo und schloss an der University of California, Berkeley mit dem Master in Politikwissenschaft ab.

Er lehrte an der US-amerikanischen Tufts University, Northeastern University (Boston) und University of Massachusetts. 1995 gründete er im Silicon Valley audiocafe.com.[1] Er arbeitete für Medienunternehmen wie SLO Media, Santa Cruz Networks, Jazziz Digital oder Pure Depth. 2005 gründete er AfterTV.[2] Heute lebt er mit seiner Familie in Berkeley (Kalifornien).[3]

Andrew Keen schreibt einen Weblog und publiziert auch einen Podcast bei AfterTV.

Kritiker des Internets

In seinem Buch The Cult of the Amateur (deutsch: Die Stunde der Stümper, Original 2007, deutsch 2008) kritisiert Keen mehrere aktuelle Entwicklungen des Internets, darunter auch freie, kollaborativ erstellte Webangebote wie Wikipedia. Keen wirft der Internetentwicklung unter anderem vor, durch Amateurinhalte die Kultur zu trivialisieren. Nach Ansicht von Keen fehlt vielen Benutzern des Internets die nötige gesunde Portion an Misstrauen gegenüber Dingen, die im Internet stehen. Dadurch verbreiten sich so, so Keen, Fehler und Lügen im Web wie Bakterien. In dem Zusammenhang befürchtet Keen auch, dass PR-Leute und Lobbyisten durch geschicktes Marketing eine zu große Kontrolle im Internet erlangen.

Neben dieser Kritik an der Entwicklung des Web 2.0 geht Keen in seinen Schriften zum Thema auch auf mögliche Urheberrechtsverletzungen und der Verbreitung von freier Software im Internet ein. Er beschreibt die positiven Vorstellungen vom Web 2.0, dass jeder am Internet mitwirken kann, als große Utopie ähnlich den Gesellschaftsvorstellungen von Karl Marx. Nach Ansicht von Keen wird das Internet allerdings entgegen dieser Utopie vor allem zur Selbstdarstellung (Narzissmus) genutzt. Die Technologie habe sich weiterentwickelt, der Mensch mit seinen Eigenschaften allerdings nicht.[4] Keen erklärt in Interviews allerdings, dass er absichtlich polemisiere (übertreibe) um die Probleme des Internets deutlich zu machen.[5]

Keen wendet sich in letzter Zeit der Problematik der sozialen Netzwerke im Internet zu. Er kritisiert, dass viele Leute eigentlich davon genervt seien, es sei aber mittlerweile zum gesellschaftlichen Zwang verkommen, in solchen Netzwerken mitzuwirken.

Rezeption

Die Reaktionen auf das Werk von Keen waren sehr polarisiert. In vielen Rezensionen wurde gelobt, er thematisiere berechtigte Kritikpunkte. Insbesondere Keens pauschale Kritik an Amateurinhalten und der angeblich weitläufigen Verbreitung von illegalen Inhalten im Internet wurde jedoch oft widersprochen, und seine Einstellung teils als elitär und althergebracht bezeichnet.

Die New York Times rezensierte das Buch positiv und nannte es „a shrewdly argued jeremiad“[6] („ein scharfsinnig dargelegtes Klagelied“). Der Spiegel bezeichnete es als „vielbeachtete 200-Seiten-Polemik“,[7] laut Deutschlandradio führt „seine Zivilisationskritik […] den geistigen Weltuntergang als Showdown vor. Amerikanisch eben.“[8]

Kritiker aus der Blogosphäre werfen Keen vor, mit substanzlosen und wenig strukturierten Provokationen Aufmerksamkeit erregen zu wollen, um den Marktwert seiner Person und seines Buches zu steigern.[9] [10] [11] [12]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. von Biografie
  2. Selbstdarstellung von About AfterTV
  3. Robert Balicki: Blogging Berkeley. The Daily Californian, 21. Februar 2007
  4. Andrew Keen: Web 2.0; The second generation of the Internet has arrived. It's worse than you think.. In: The Weekly Standard, 16. Mai 2006
  5. siehe Interview auf Spiegel Online, 24. April 2009
  6. www.nytimes.com
  7. Jedem sein eigenes Netzwerk. In: Der Spiegel. Nr. 29, 2007 (online).
  8. dradio.de Deutschlandradio
  9. netzpolitik.org
  10. cooperative.wordpress.com
  11. connectedmarketing.de
  12. planet9.wordpress.com

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Andrew Keen — (born circa 1960Saracevic, Alan T. (October 15, 2006). [http://www.sfgate.com/c/a/2006/10/15/BUG4KLP3CL1.DTL Debate 2.0 / Weighing the merits of the new Webocracy.] San Francisco Chronicle (“Age: 46”)] ) is a British American entrepreneur, author …   Wikipedia

  • Keen — steht für: Commander Keen, Computerspiel Serie Keen (Schuhe), ein US amerikanischer Outdoor Schuhhersteller Keen ist der Nachname folgender Personen: Andrew Keen (* 1960), britisch amerikanischer Unternehmer, Autor und Internet Kritiker David… …   Deutsch Wikipedia

  • Andrew Kepple — (born December 18 1979), also known on the Internet as Too Much Spare Time or simply TmsT and sometimes King Sluggy [ [http://tmst.twu.net/sluggy/ Planet TmsT dot com ] ] , is an animator and cartoonist from New Zealand. He had his start as a… …   Wikipedia

  • Andrew Maher — Andrew Andy Radar Mahery Maher (born 1965 in Victoria, Australia) is an Australian media personality, having had multiple roles in Australian newspapers, television and radio.Andy s nickname Radar , is due to his resemblance to the character… …   Wikipedia

  • Andrew Crosse — (June 17 1784 July 6, 1855) was a British amateur scientist who was born and died at Fyne Court, Broomfield, Somerset.cite book |title=Portrait of the Quantocks |last=Waite |first=Vincent |authorlink= |coauthors= |year=1964 |publisher=Robert Hale …   Wikipedia

  • Andrew Cantrill — is a British born organist and choral director.He was born in 1971 and educated at Reigate Grammar School, Barnard Castle School and the University of Durham. His organ teachers have included the late Susi Jeans, James Lancelot, Peter Wright and… …   Wikipedia

  • Andrew Clarke (actor) — Andrew Clarke (born 1954) in Adelaide, South Australia, Australia, is an Australian actor most known for his television work. Andrew Clarke was one of the most popular Australian actors in the 1980s and 1990s. He is also a two time Logie winner.… …   Wikipedia

  • Andrew Lawrence-King — (born in Guernsey September 3, 1959) is a harpist and early music specialist, and is currently the director of The Harp Consort. He also is also a conductor who directs from one of several continuo instruments, including harp, organ, harpsichord… …   Wikipedia

  • Andrew Marvell — (31 March 1621 ndash; 16 August 1678) was an English metaphysical poet, and the son of a Church of England clergyman (also named Andrew Marvell). As a metaphysical poet, he is associated with John Donne and George Herbert. He was a colleague and… …   Wikipedia

  • Andrew Waterman — is a poet. Born in London in 1940, Waterman grew up in Woodside and Croydon, and at the age of eleven won a scholarship to the Trinity School of John Whitgift. He left before sitting his A levels, and after six years of clerical and manual jobs… …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”