24. Sinfonie (Mozart)

Die Sinfonie B-Dur KV 182 komponierte Wolfgang Amadeus Mozart 1773 in Salzburg. Nach der Alten Mozart-Ausgabe trägt die Sinfonie die Nummer 24.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Das Autograph ist datiert vom 3. Oktober 1773.[1] Mozart komponierte die Sinfonie kurz nach der Rückkehr von seiner Wien-Reise (Juli bis September 1773).[2] Wenige Tage später, am 5. Oktober 1773, schloss er die Arbeiten an der Sinfonie KV 183 ab. Bezüglich Entstehungsgeschichte und Kompositionsanlass vgl. Einleitung bei KV 162.

Von der dreisätzigen Form her entspricht das Stück dem italienischen Sinfonietypus, wobei die Sätze nicht wie bei KV 181, KV 184 und KV 318 ineinander übergehen, sondern separat stehen.

Zur Musik

Besetzung: zwei Flöten (diese nur im 2. Satz), zwei Oboen, zwei Hörner in B, zwei Violinen, Viola, Cello, Kontrabass. Zudem war es damals üblich, zur Verstärkung der Bassstimme ein Fagott und als Generalbass-Instrument ein Cembalo einzusetzen (sofern im jeweiligen Orchester vorhanden).[3]
Aufführungsdauer: ca. 8-10 Minuten.

Bei den hier benutzten Begriffen der Sonatensatzform ist zu berücksichtigen, dass dieses Schema in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entworfen wurde (siehe dort) und von daher nur mit Einschränkungen auf die Sinfonie KV 182 übertragen werden kann. – Die hier vorgenommene Gliederung der Sätze ist als Vorschlag zu verstehen. Je nach Standpunkt sind auch andere Abgrenzungen und Deutungen möglich.

1. Satz: Allegro spiritoso

B-Dur, 4/4-Takt, 146 Takte
Der Satz eröffnet mit einem signalartigen B-Dur – Dreiklangsmotiv im Forte, an das nach einer Pause eine Piano-Achtelbewegung der beiden Violinen mit Triller anschließt. Beide Motive sind zweitaktig, werden einmal wiederholt und bilden bis Takt 8 den ersten Teil des ersten Themas. Der zweite Teil (je nach Standpunkt auch andere Abgrenzung möglich) ist ebenso aus einmal wiederholten, jeweils zweitaktigen Forte- und Pianoabschnittten aufgebaut, die blockartig nebeneinander gesetzt werden. Im Forte-Teil spielen Bass und Viola unter auflockernden Synkopen der Violinen wiederum einen B-Dur – Dreiklang; die Piano-Passage ist nun durch eine mehr gebundene, abwärts gehende Figur gekennzeichnet. Der Überleitungsteil (Takt 17-36) besteht neben flächigem Tremolo aus zwei Motiven: Motiv 1 (Takt 17 ff.) mit einer Achtelreihe auf- und abwärts sowie Motiv 2 (Takt 26 ff.) mit einer schreitenden Viertelbewegung, wobei die 1. Violine wiederum mit Synkopen begleitet. Motiv 2 wird zweimal wiederholt (beim ersten Mal echoartig im Piano). Der Abschnitt endet mit einer kadenzartigen Akkordfolge (C-Dur, F-Dur) und einer Generalpause.

Das zweite Thema (Takt 37-48) steht in der Dominante F-Dur und wird von den Streichern im Piano vorgetragen. Es ist dreiteilig angelegt: Ein Einleitungtakt mit schreitendem Beginn im Bass, eine abgesetzte Bewegung mit punktiertem Rhythmus in den Violinen sowie eine Schlussfloskel. Diese insgesamt fünftaktige Struktur wird einmal wiederholt, hierbei wiederum mit einer Wiederholung der Schlussfloskel.

Der folgende Abschnitt bis Takt 75 kann als Miniatur-Durchführung angesehen werden: Motiv 1 tritt versetzt in den Streichern (2. Violine – Viola – Bass) auf, überlagert von Tremolo der 1. / 2. Violine. Dabei moduliert Mozart kurz nach g-Moll, d-Moll und A-Dur, gefolgt von einer auf ebendiesen Harmonien basierenden chromatischen Passage. Über fanfarenartiger Dreiklangsmelodik mit marschartig-punktiertem Rhythmus erfolgt die Überleitung zur Reprise. Diese setzt in Takt 76 mit dem ersten Thema ein und ist überwiegend ähnlich der Exposition aufgebaut. Der Überleitungsteil zum zweiten Thema ist jedoch erweitert und streift mit einem neuen Bassmotiv kurz G-Dur sowie c-Moll (Takt 96/97). Der Beginn vom Durchführungsteil mit Motiv 2 wird nochmals aufgegriffen, führt dann jedoch abrupt zu einer Coda mit dem Beginn vom ersten Thema (Takt 137 ff.).

Der Satz ist insgesamt gekennzeichnet „durch eine stark komprimierte Knappheit (…), die ihn in die Nähe einer barocken Einleitung zu einer Suite oder einem Divertimento rückt“,[2] zudem durch die Bass-Motivik über Tremolo in den Violinen.

2. Satz: Andantino grazioso

Es-Dur, 2/4-Takt, 60 Takte, Flöten anstelle der Oboen, Hörner in Es, Violinen mit Dämpfer
Durch das Austauschen der Oboen durch Flöten, die Dämpfung der Violinen und die Führung des Basses im Pizzicato entsteht eine Art Schäfer-Idylle, wie sie für manche Mittelsätze italienischer Opernsinfonien typisch ist. Scherliess (2005)[1] spricht von einer zarten, klanglich zurückgenommenen Rokokoszenerie.

Der Satz basiert auf zwei Themen, wobei insbesondere im mehr motivartigen zweiten Thema klangfarbenreiche Effekte durch den Dialog zwischen Streichern und Bläsern entstehen. Es wird folgende Struktur vorgeschlagen (je nach Standpunkt als Rondo interpretierbar):

  • A-Teil (Takt 1-8): Vorstellung des Hauptthemas, das aus je einem viertaktigen Vorder- und Nachsatz aufgebaut ist. Die ersten beiden Takte von Vorder- und Nachsatz basieren auf einem aufsteigenden Es-Dur-Dreiklang, die folgenden zwei Takte auf einer abwärtsgehenden, abgesetzten Sechzehntel-Bewegung. Stimmführend sind die Flöten sowie die 1. Violine. Der Abschnitt bis Takt 8 wird einmal wiederholt.
  • B-Teil (Takt 9-18): basiert auf einem Motiv mit vierfacher Tonwiederholung und seiner Fortspinnung, das versetzt zwischen den Streichern und ab Takt 15 auch im Dialog mit den Flöten auftritt.
  • A-Teil (Takt 19-26): Wie Takt 1-8.
  • B´-Teil (Takt 27-44): Das Tonwiederholungsmotiv tritt in verschiedenen Gestalten und Klangfarben auf. Der Abschnitt endet mit einem Solo für Flöten und Hörner.
  • A-Teil (Takt 45-51): Wie Takt 1-8.
  • C-Teil (Takt 52-60): Codaartiger Schluss mit Wechsel von aufsteigender Forte-Unisono-Passage und absteigender Antwort im Piano.

3. Satz: Allegro

B-Dur, 3/8-Takt, 132 Takte, Rondo
Dieser recht kurze Satz weist einen für diesen Sinfonietyp typischen „Kehraus-“ Charakter auf. Das einprägsame Hauptthema ist 16taktig mit jeweils acht Takten Vorder- und Nachsatz, wobei der Vordersatz „offen“ auf der Dominante F endet, der entsprechend gebaute Nachsatz „geschlossen“ auf der Tonika B (ebenso im 2. Satz). Kennzeichnend ist eine zweitaktige Struktur aus Akkordschlägen und Intervallsprung abwärts, die im echoartigen Wechsel von Forte und Piano aneinandergereiht wird. Der Abschnitt mit dem Hauptthema (Takt 1-16) wird einmal wiederholt.

Demgegenüber steht lediglich ein Couplet (wie im 2. Satz, B-Teil), das aus drei symmetrisch aufgebauten Motiven besteht:

  • B1: abgesetzte, tänzerische Figur aus 2x vier Takten, Piano;
  • B2: Lauf abwärts und Trillerfloskel, viertaktig und einmal wiederholt, forte;
  • B3: basiert auf abwärtsgehender Floskel aus drei Tönen, achttaktig, wird einmal mit Oboenbegleitung wiederholt.

Nach einer kurzen Überleitung (Takt 50 ff.) setzt wieder das Hauptthema ein (Takt 59 ff.), auf das ein leicht variierter B-Teil (Takt 75 ff.) folgt.Der Satz wird beendet mit einem codaartigen Schlussabschnitt (Takt 107 ff.) mit Tremolo, virtuosen Sechzehntel-Läufen und einer Variante des Hauptthemas (die zweitaktige Struktur durchschreitet einen vollständigen B-Dur-Dreiklang) im Forte-Unisono. Der Abschnitt von Takt 17 bis Ende wird wiederholt (was jedoch in vielen Einspielungen nicht eingehalten wird).

Einzelnachweise

  1. a b Volker Scherliess: Die Sinfonien. In: Silke Leopold (Hrsg.): Mozart-Handbuch. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2005, ISBN 3-7618-2021-6.
  2. a b Michael Kontarsky: Die „Salzburger“ Sinfonien KV 162-202. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Das Mozart-Handbuch, Band 1: Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007, ISBN 3-8900-7461-8, S. 28-43.
  3. Neal Zaslaw: Mozart’s Symphonies. Context, Performance Practice, Reception. Claredon Press, Oxford 1989, 617 S.

Weblinks, Noten

Siehe auch


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