Andrew Stuart Tanenbaum
Andrew S. Tanenbaum

Andrew Stuart „Andy“ Tanenbaum (* 1944 in New York City) ist Professor für Informatik an der Freien Universität Amsterdam (Niederlande). Tanenbaum forscht in den Bereichen Compiler, Betriebssysteme, Netzwerke sowie lokal verteilte Systeme. Bekannt wurde er vor allem als Entwickler des UNIX-artigen Systems Minix und als Autor mehrerer Fachbücher zu diversen Themen der Informatik.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang und Auszeichnung

Andrew Tanenbaum auf der FrOSCon 2008

Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in White Plains (New York) und studierte danach am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Nachdem er dort den Bachelor erhalten hatte, promovierte er 1971 an der University of California in Berkeley, Kalifornien.

Nach der Heirat zog er mit seiner niederländischen Frau in ihre Heimat (behielt aber die US-amerikanische Staatsbürgerschaft) und begann als Professor für Informatik in Amsterdam zu arbeiten, wo er bis heute Vorlesungen hält, Doktoranden betreut und Leiter des Fachbereiches ist. Er war außerdem bis zum 1. Januar 2005 technischer Direktor der ASCI, der Advanced School for Computing and Imaging. Andrew S. Tanenbaum ist weiterhin Mitglied der Association for Computing Machinery (ACM), des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) und der Königlich-Niederländische Akademie der Wissenschaften.

Tanenbaum erhielt im Jahr 1994 den ACM Karl V. Karlstrom Outstanding Educator Award, 1997 verlieh man ihm den ACM/SIGCSE Award for Outstanding Contributions to Computer Science Education. Für seine Lehrbücher erhielt er schließlich 2002 den TAA Texty Award sowie 2003 den TAA McGuffey Award.

Fachbücher

Tanenbaum ist bekannt für seine Informatik-Lehrbücher zu den Themen Rechnerarchitektur, Computernetze und Betriebssysteme. Als Vorteil seiner Werke gegenüber anderen Werken zu den gleichen Themen gilt die Verknüpfung eines hohen Informationsgehalts mit guter Lesbarkeit und einem teilweise als humoristisch zu bezeichnenden Schreibstil. Viele seiner Bücher enthalten am Ende eines Kapitels Übungsaufgaben zum Selbststudium. Nach eigenen Angaben schrieb er 13 Bücher; die wichtigsten davon sind:

Computerarchitektur. Strukturen – Konzepte – Grundlagen (5. Aufl. ISBN 3-8273-7151-1)
In diesem Buch schreibt Tanenbaum zusammen mit James Goodman über den grundsätzlichen Aufbau von Computern. Um dies anschaulich darzustellen verwenden sie ein Ebenenmodell, welches detailliert beschrieben wird. Zunächst aber wird die Geschichte der Computerarchitekturen abgehandelt, bevor auf die Organisation von Computersystemen eingegangen wird. Im Folgenden beschreiben die Autoren die einzelnen Ebenen der digitalen Logik, der Mikroarchitektur, der Assemblersprache und der konventionellen- bzw. Betriebssystem-Maschine. Schließlich gehen die Autoren noch auf die Archtitekturen von Parallelrechnern ein.
Computernetzwerke (ISBN 3-8273-7046-9)
Dieses Buch konzentriert sich auf Netzwerkprotokolle. Tanenbaum gibt eine allgemeine Einführung in die Netzwerkwelt, wo auch das TCP/IP- und das OSI-Referenzmodell vorgestellt werden. Basierend auf den Modellen, sind die folgenden Kapitel gemäß den in den Modellen definierten Schichten eingeteilt. So beschreibt der Autor zunächst die Bitübertragungsschicht, wo es um die physische Übertragung der Informationen geht. Anschließend wird die eine Ebene höher liegende Sicherungschicht besprochen; hier findet sich u. a. eine Abhandlung zur Fehlererkennung bei der Übertragung und zur Verifizierung von Protokollen. Insgesamt werden folgende Schichten behandelt: die Bitübertragungsschicht, die Sicherungsschicht, die MAC-Teilschicht, die Vermittlungsschicht, die Transportschicht, und die Anwendungsschicht. Das Buch schließt mit umfangreichen Ausführungen zur Sicherheit in Netzen (u. a. zur Kryptographie, zu Signaturen, zur Sicherheit im Web und zu sozialen Themen).
Moderne Betriebssysteme (ISBN 3-8273-7019-1)
Tanenbaum stellt hier den aktuellen Stand in der Entwicklung von Betriebssystemen dar. Zahlreiche Abbildungen und viele Beispiele sorgen für ein besseres Verständnis der vorgestellten Theorien und Konzepte. Dieses Buch behandelt unter anderem die Aspekte Prozesse und Threads, Speicherverwaltung, Dateisysteme, Mehrprozessorsysteme sowie IT-Sicherheit. Weiterhin wird auf Unix, Linux und Windows eingegangen. Es findet sich auch ein Kapitel über den Entwurf von Betriebssystemen.
Verteilte Systeme: Grundlagen und Paradigmen (ISBN 3-82737-057-4)
In Zusammenarbeit mit Maarten van Steen beschreibt Tanenbaum in diesem Werk zunächst allgemein sieben wichtige Prinzipien, welche die Grundlage aller verteilten Systeme bilden. Anschließend werden verschiedene Paradigmen und verteilte Systeme beschrieben. Dabei werden u. a. folgende Systeme behandelt: CORBA, DCOM, NFS, WWW.
Operating Systems Design and Implementation (ISBN 0-13638-677-6)
In diesem englischsprachigen Buch geht Tanenbaum zusammen mit Albert S. Woodhull zunächst auf allgemeine Prinzipien von Betriebssystemen ein. Anschließend wird der Quellcode des von Tanenbaum geschriebenen Unix-ähnlichen Minix ausführlich diskutiert.

Minix

Andrew S. Tanenbaum schrieb Minix, ein einfaches, POSIX-konformes und Unix-ähnliches Betriebssystem zu Lehrzwecken, das Linus Torvalds zur Entwicklung von Linux brachte. Minix, Version 3 ist seit dem April 2000 unter der modifizierten BSD-Lizenz lizenziert.[1] Damit ist Minix, Version 3 freie Software und kompatibel zur GNU-GPL.[2]

Linux-Kritik

Aufsehen erregte Andrew Tanenbaum auch durch ein Posting[3] in der Usenet-Gruppe comp.os.minix im Januar 1992. Mit LINUX is obsolete übte er harsche Kritik an dem neuen Betriebssystem. Er meinte, dass der monolithische Kernel von Linux technisch überholt sei und moderne Betriebssystemarchitekturen auf einen Mikrokernel setzen sollten, um Erfolg zu haben. Außerdem sei Linux fest mit der x86-Prozessor-Architektur verbunden, während ein vernünftiges Betriebssystem portabel sein müsse.

Ein Ausschnitt aus der inzwischen in die Geschichte eingegangenen Debatte verdeutlicht die Unterschiede in den Meinungen über das verteilte Programmieren:

„Ich denke, dass die Koordination von 1000 Primadonnen, die überall auf der ganzen Erde leben, genauso einfach ist wie Katzen zu hüten […] Wenn Linus die Kontrolle über die offizielle Version behalten will und eine Gruppe fleißiger Biber in verschiedene Richtungen strebt, tritt das gleiche Problem auf. Wer sagt, dass eine Menge weit verstreuter Leute an einem komplizierten Stück Programmcode hacken können und dabei die totale Anarchie vermeiden, hat noch nie ein Softwareprojekt gemanagt.“

Andrew Tanenbaum[4]

„Nur damit niemand seine Annahmen für die volle Wahrheit nimmt, hier meine Stellungnahme zu ‚Kontrolle behalten‘ in 2 Worten: I won't. (dt. etwa: Ich werde [es] nicht [tun])“

Torvalds[4]

In anderen Kritikpunkten, wie monolithischer Kernel oder mangelnde Portierbarkeit, musste man Tanenbaum damals durchaus recht geben, auch wenn sie auf das heutige Linux schon lange nicht mehr zutreffen.

Siehe dazu auch: Geschichte von Linux

Literatur

  • Glyn Moody: Die Software-Rebellen: die Erfolgsstory von Linus Torvalds und Linux. Verl. Moderne Industrie, Landsberg/Lech 2001, ISBN 3-47838-730-2

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Homepage von minix3.org: License
  2. vgl. Internetseite von gnu.org: Various Licenses and Comments about Them
  3. comp.os.minix: Linux is obsolete
  4. a b comp.os.minix: Unhappy campers

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