Klebebohrhaken

Klebebohrhaken
Ein Bohrhaken mit Karabiner.

Unter einem- Bohrhaken versteht man im Zusammenhang mit dem Bergsteigen einen Sicherungspunkt, der einerseits zum Einhängen des Sicherungsseiles während des Kletterns verwendet wird und andererseits als Fixpunkt, um seinen Kletterpartner und sich selbst sichern zu können. Dazu werden die Haken in eigens dafür gebohrte Löchern versenkt. Das Bohren erfolgt entweder mit Handmeissel und Hammer oder mit einer Akkubohrmaschine.

Im alpinen Raum wurden die ersten Bohrhaken 1944 im Wilden Kaiser gesetzt. Dabei handelte es sich um sogenannte Stift- oder Stichthaken. Im Elbsandsteingebirge wurden schon lange vorher gebohrte Ringhaken verwendet.

Prinzipiell gibt es zwei Kategorien von Bohrhaken:

Inhaltsverzeichnis

Reib- und Formschlüssige Systeme

Ein Expressanker mit Lasche.

Die bereits erwähnten Stift oder Stichtbohrhaken haben einen Schaft mit rechteckigem Querschnitt. Dieser wird in ein kleines, rundes Bohrloch geschlagen. Die Haltekräfte sind sehr gering.

In den 1970er Jahren wurden die ersten Kronenbohrhaken gesetzt. Da bei diesem System der Schaft aus gehärtetem Stahl bestehen muss ist es nicht korrosionsbeständig und deshalb problematisch.

Moderne Bohrhaken sind Einschlaganker (Reibschluss), Expressanker (Reibschluss), Hinterschnittanker (Formschluss) und Schraubanker (Formschluss), wobei die beiden letztgenannten Systeme keine große Verbreitung haben.

Klebebohrhaken

Ein Klebebohrhaken mit Ring.

Der sogenannte Klebebohrhaken (auch Verbundhaken oder Verbundanker) wird mit Zwei-Komponenten-Kleber (sogenannter Verbundmörtel) in ein um ca. ein bis zwei mm größeres Bohrloch gesetzt. Der Kleber dichtet das Bohrloch gegen Feuchtigkeit ab und verhindert so die bei reib- und formschlüssigen Systemen unvermeidliche Erosion.

Der sogenannte „Bühlerhaken“ stellt den ersten auf diese Weise versetzten Haken dar. Er wurde von Oskar Bühler erfunden und hat sich in seiner Grundform seither kaum bis gar nicht verändert.

Fachgerecht gesetzt gelten normgerechte Klebebohrhaken heute als die sichersten Bohrhaken[1]. Die Verarbeitung der Verbundmasse (Kleber) birgt allerdings viele Fehlerquellen.

Normen

Die Norm (DIN, UIAA) verlangt folgernde Qualitätsmerkmale:

  • axiale Zugfestigkeit: 1500 daN
  • radiale Zugfestigkeit: 2500 daN
  • Haltekraft muss unabhängig von der Bohrlochtiefe sein
  • Materialien müssen korrosionsbeständig sein

Die größtmögliche Sturzbelastung liegt beim Klettern bei etwa 1600 daN. [2]

Kontroverse um Bohrhaken

Bereits seit seiner Entwicklung wird um die kletterethische Zulässigkeit des Bohrhakeneinsatzes gestritten.

Viele bekannte Bergsteiger, darunter Reinhold Messner, lehnen den Einsatz von Bohrhaken als „Mord am Unmöglichen“ vollständig ab. Danach soll nur der Einsatz so genannter mobiler Sicherungsmittel (Klemmkeil, Friend, etc.) sowie klassische Felshaken zulässig sein. Die Absicherung mit mobilen Sicherungsmitteln hat insbesondere in Großbritannien und den USA Tradition. Die Verfechter dieses Kletterstils verweisen auf den großen Abenteuer- und Erlebniswert.[3]

Auf der anderen Seite ermöglichten erst die Bohrhaken das sichere und sportliche Klettern für eine Vielzahl von Menschen. Was einst mutigen und erfahrenen Vorsteigern vorbehalten blieb, wird mit Hilfe von Bohrhaken für jedermann möglich.[4] In diesem Sinne ist der Bohrhaken für den Breiten- und Spitzensport von großer Bedeutung.

In Europa, und zunehmend auch in anderen Kontinenten, setzte sich deshalb in der Regel der häufige Gebrauch von Bohrhaken durch.

Literatur

  • Chris Semmel: 1x1 der mechanischen Bolts. In: Berg&Steigen. Nr. 1, 2007, S. 70-75 (Online vorhanden).  Vorstellung der verschiedenen Bohrhakensysteme (ohne Verbundanker).
  • Chris Semmel: 15:2 - Klebehaken gegen Spreizanker. In: Berg&Steigen. Nr. 2, 2006, S. 24-29 (Online vorhanden).  Probleme mit Verbundankern.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hahm, Dietmar: Geklebte Bohrhaken (http://www.dietmar-hahm.de/sicherung/fixpunkt/fixpunkt_1.shtml) Zugriff: 16.1.2008
  2. http://www.ig-klettern.com/klettern/bohrhaken-skript.pdf
  3. Gürke, Jan: Den besten Stil beim Klettern anstreben. Interview mit Robert Jasper in: Wildernews 39. 2005 S.3 (http://www.mountainwilderness.ch/fileadmin/redaktion/mountain_wilderness/wildernews/mw_news39_def.pdf) Zugriff: 18.1.2008
  4. Känel, Jürg von: Zum Bohren und Sanieren von Plaisierrouten. Gedanken und Tipps rund um den Bohrhaken (http://www.filidor.ch/german/Tip/Bohren1.html) Zugriff: 16.1.2008

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