Kleines Walsertal

Kleines Walsertal
Kleinwalsertal
Das Kleinwalsertal vom Gipfel des Widdersteins aus gesehen.
Das Kleinwalsertal vom Widdersteingipfel aus gesehen
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Vorarlberg
Bezirk: Bregenz
Fläche: 96,82 km²
Einwohner: 4.929
(Stand: 30. September 2004)
Bevölkerungsdichte: 50,9 Einwohner je km²
Höhe: 1086–1.215 m ü. A.
Postleitzahlen: Österreich:
6991 Riezlern
6992 Hirschegg
6993 Mittelberg
Deutschland:
87567 Riezlern
87568 Hirschegg
87569 Mittelberg
Vorwahl: Österreich:
05517
Website: www.kleinwalsertal.com
Karte
Geografische Lage: 47° 21′ N, 10° 10′ O47.34277810.16751215Koordinaten: 47° 21′ N, 10° 10′ O

Das Kleinwalsertal (auch: Kleines Walsertal) ist ein Tal im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Es ist Teil des Bezirks Bregenz und umfasst die Gemeinde Mittelberg. Das Kleinwalsertal hat aufgrund seiner geografischen Lage in den Allgäuer Alpen und der alpinen Geländestruktur keine direkte Straßenverbindung zum übrigen Vorarlberger Land. Das Tal ist per PKW nur über eine Straße auf deutschem Gebiet über die Nachbargemeinde Oberstdorf zu erreichen. Es handelt sich damit um eine sogenannte funktionale Enklave oder auch Pene-Enklave (vgl. auch Jungholz).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geografische Lage

Das Kleinwalsertal ist ein hochgelegenes V-Tal (Kerbtal) in den Allgäuer Alpen und befindet sich im Osten von Vorarlberg. Die Breitach zieht sich durch das gesamte Tal und wird von einigen Seitenbächen gespeist, die aus den Seitentälern des Kleinwalsertals stammen.

Berglandschaft

Das Kleinwalsertal wird fast vollständig von hohen Bergen umschlossen. Diese gehören zu den Allgäuer Alpen, die ein Teil der nördlichen Ostalpen sind. Deren höchste Erhebung ist der Große Widderstein (2.536 m). Von ihnen wird das Kleinwalsertal gegenüber dem übrigen Staatsgebiet Österreichs abgeschnitten. Eine Verkehrsverbindung besteht lediglich zum auf bayerischer Seite liegenden Oberstdorf (Enklave). Aus dieser geographischen Sonderstellung ergaben und ergeben sich eine Reihe von Besonderheiten, siehe Geschichte und Wirtschaft.

Weitere Berge sind der Hohe Ifen (2.230 m), die Kanzelwand (2.058 m), das Fellhorn (2.038 m) und das Walmendinger Horn (1.990 m)

Gliederung

Im Kleinwalsertal befinden sich drei Ortschaften (Mittelberg mit dem Ortsteil Baad, Hirschegg und Riezlern), die zu einer Gemeinde zusammengefasst sind. Der amtliche Name dieser Gesamtgemeinde lautet Mittelberg nach dem zuerst besiedelten Ort. Das Tal ist geprägt durch seine alpine Lage und den hohen Stellenwert des Tourismus.

Seitental Seitenbach Länge des Baches (in km) Ortschaft
Turatal Turabach 3,1 Baad
Derratal Derrabach 2,7 Baad
Bärgundtal Bärgundbach 1,5 Baad
Gemsteltal Gemstelbach - Mittelberg
Wildental Wildenbach 1,9 Mittelberg
Zwerenbach 2,0 Riezlern
Schwarzwassertal Schwarzwasserbach 6,2
Schmiedebach 2,3 Riezlern
Gatterbach Riezlern
Hörnlebach Riezlern

Geschichte

Das Kleinwalsertal wurde im Jahre 1270 von den Walsern besiedelt eine Volksgruppe, die aus der Schweiz zuwanderten. Diese alemannische Herkunft unterscheidet die Bewohner sprachlich noch heute von den Bewohnern der umliegenden Gemeinden. Ihr Dialekt wird dem höchstalemannischen zugeordnet, während man im Allgäu einen niederalemannischen Dialekt und im restlichen Vorarlberg einen hochalemannischen Dialekt (Vorarlbergerisch) spricht.

Steinzeitfunde

Das Kleinwalsertal wurde schon in der Steinzeit bewohnt. Davon zeugen von Detlef Willand geführte Ausgrabungen am Gottesacker, bei denen unter anderem Schaber, Pfeilspitzen und Feuerstellen aus der Jungsteinzeit zu Tage kamen. Teile dieser Funde können in der Bergschau im Veranstaltungszentrum Walserhaus in Hirschegg besichtigt werden.

Am Widderstein und am Bärenkopf wurden zudem Radiolaritabbaustellen entdeckt. Vermutlich wurde in diesen steinzeitlichen Bergwerken mit Hirschgeweihhacken oder faustgroßen Hämmern das wertvolle Gestein abgetragen. Es wird noch untersucht, inwieweit die Steine weit über die Grenzen des Kleinwalsertals gehandelt wurden. [1] [2] [3]

Jüngere Geschichte

  • 1059: Die älteste urkundliche Erwähnung des Gebiets des Kleinwalsertals ist auf den 5. Februar 1059 datiert. Mit dieser Urkunde schenkte König Heinrich IV. dem Bischof Heinrich II. von Augsburg ein Gebiet, das an das heutige Kleinwalsertal grenzte. In dieser Urkunde wird auch zum ersten Mal der größte Bach, welcher durch das Tal fließt, mit seinem bis heute fast gleich gebliebenen Namen “praitahe” (Breitach) und der höchste Berg des Tals mit “widerostein” (Widderstein) erwähnt.
  • 1270–1300: Die ersten Bewohner des Kleinwalsertals kamen um etwa 1270 aus dem Oberwallis. Politische und wirtschaftliche Gründe veranlassten sie dazu, ihre Heimat zu verlassen. Fünf Walliser Familien unter der Führung von Hans Wüstner kamen damals über den Hochalppass in das noch unbewohnte Breitachtal. Das Tal gehörte zum Zeitpunkt der Einwanderung der ersten Walser dem Freiherrn von Rettenberg (Röthenberg). Den Walsern wurde die Rodung und Ansiedelung in dem zuvor nur zur Jagd benutzten Gebiet gestattet. Sie mussten lediglich einen Laib Käse pro Familie und Jahr an den Freiherrn abgeben. Erste urkundlich erwähnte Namen des Kleinwalsertals sind das Breitachtal, Mittelberg und das Tal zu den Wüstner. Anfangs bildete die Siedlung Mittelberg mit anderen Siedlungen, wie Lech, Zug, Warth und Krummbach die Kolonie Tannberg.
  • 1350/51: Tod des letzten männlichen Erben der Rettenberg. Das Tal kam in den Besitz von Adelheit von Waldburg welche das Breitachtal 1351 an die Gebrüder von Heimenhofen verkaufte.
  • 1451–1453: Die Walser nahmen Graf Ulrich von Werdenberg-Sargans und Hans von Rechberg, welche wegen einer unbekannten Streitigkeit auf den Tannberg kamen, gefangen und misshandelten sie. Herzog Sigmund von Tirol ersuchte um Entlassung der beiden. Dies wurde jedoch abgelehnt. Später wurde Ulrich von Werdenberg freigelassen. Hans von Rechberg blieb allerdings gefangen. Daraufhin befreite Herzog Sigmund Hans von Rechberg mit Waffengewalt und eroberte dabei die komplette Tannberger Kolonie. Die Tannberger verloren dabei all ihre Rechte, wie es aus einer Ergebungsurkunde vom 11. März 1453 hervorgeht. Die Tannberger und Mittelberger unterstanden nun dem Habsburger Herzog Sigmund und gehörten somit von diesem Tag an zu Österreich. Die Tannberger und Mittelberger wurden dem Gericht von Bregenz zugeteilt. Dieses für die Mittelberger Geschichte sehr bedeutende Ereignis führte auch zur ersten urkundlich auffindbaren Erwähnung über die Existenz der Walser im Kleinwalsertal.
  • 1460: Der bisherige Besitzer des Breitachtals, Jörg von Heimenhofen in Fischen, war natürlich nicht mit der Besetzung des Tals durch den Tiroler Herzog einverstanden. Aber da er mit Waffengewalt gegen den Herzog nichts ausrichten konnte, ließ er sich nach langen Verhandlungen am 28. Oktober 1460 auf einen Vergleich ein. Darin verzichtete er auf Tannberg und Mittelberg mit all seinen Rechten und begab sich in den Dienst des Herzogs. Dafür erhielt er als Entschädigung 1000 rheinische Gulden in bar.
  • 1500: Die Walser erlangten wieder die Patronatsrechte, die zuvor Erzherzog Maximilian ausübte. Damit hatten die Walser alle Rechte wieder erlangt, die sie 1453 verloren hatten.
  • 1531: Am 15. Juli 1531 wird nach lagen Streitigkeiten zwischen Hugo von Montford (Immenstadt) und Sigmund (seit 1477 Erzherzog) und deren Nachfolger, der Mittelberg dem Kaiser Maximilian I. (aus der steirischen Linie der Habsburger und Adoptivsohn von Erzherzog Sigmund) ohne weitere Bezahlung zugeteilt. Von diesem Jahr an wurde die Zugehörigkeit von Mittelberg zu Österreich nicht mehr angefochten und verblieb unter dieser Herrschaft bis 1806.
  • 1563: Unter Kaiser Ferdinand I. (1521–1564; zweiter Sohn von Kaiser Maximilian und Nachfolger Maximilians in Österreich) erhalten die Walser ihr eigenes Gericht am 1. April 1563. Die Mittelberger unterstehen somit nicht mehr dem Gericht Tannberg.
  • 1806: In Folge der napoleonischen Kriege erlischt das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und durch den Pressburger Frieden wird Vorarlberg, einschließlich Mittelberg, dem Königreich Bayern zugeschlagen. Von diesem Zeitpunkt an hat Mittelberg unter einer enormen steuerlichen Abgabenlast zu leiden.
  • 1810: Das Mittelberger Gericht wird abgeschafft. Neuer Gerichtssitz ist das Landgericht Bezau im Bregenzerwald.
  • 1814: Am 7. Juli 1814 wird Vorarlberg wieder in das Habsburger Kaisertum Österreich eingegliedert. Im Tal wird dieser Staatenwechsel unter anderem mit einem Bergfeuer und brennenden Fässern, die unter allgemeinem Jubel der Bevölkerung von den Bergen gerollt werden, gefeiert.
Mittelberg, ca 1900
  • 1891: Durch die Konsolidierung des Königreiches Bayern und der k.u.k.-Monarchie Österreich-Ungarn und die Errichtung von Zollschranken wird das Wirtschaftsleben der Walser sehr stark erschwert. Wegen fehlender Straßenverbindungen zum übrigen österreichischen Staatsgebiet wird der Warenaustausch fast unmöglich gemacht. Die Hauptgeschäfte, mit landwirtschaftlichen Produkten wie Vieh, Käse, und Butter gemacht, waren bis dahin nach Bayern ausgeführt und dort verzollt worden. Ab 1878 verschärfte Bayern seine bisherigen Zollbeschränkungen und untersagte den Walser Landwirten den Viehverkauf im benachbarten Allgäu, obgleich dies seit Jahrhunderten üblich gewesen war. Die Landwirte waren nun gezwungen, ihr Vieh über Berge und Pässe zu den Vorarlberger Märkten zu treiben. Da das Zurücktreiben des Vieh zu aufwändig und unwirtschaftlich war, verkauften die Landwirte ihre Tiere zu aktuell gebotenen Preisen, die auch sehr ungünstig sein konnten. Fast das gesamte 19. Jahrhundert kämpften die Walser Bürger für eine Sonderwirtschaftszone und 1891 erreichten sie dieses Ziel. Die Gemeinde Mittelberg erhielt den lange ersehnten Status eines Zollausschlussgebiets. Damit war der freie Warenverkehr mit Deutschland wieder für landwirtschaftliche Produkte und andere wichtige Handelsgüter möglich. Von da an ging es im Tal wirtschaftlich wieder aufwärts.
  • 1918/19: Nach dem 1. Weltkrieg und der Auflösung des Vielvölkerreiches Österreich-Ungarn wurden auch die Bewohner des Tales zu Bürgern der neuen Republik Österreich (1918/19: Deutschösterreich).
  • 1930: Buslinie Oberstdorf - Mittelberg wird in Betrieb genommen.
  • 1938: Mit dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurden auch die Vorarlberger und damit die Walsertalbewohner zu reichsdeutschen Bürgern.
  • 1940: Der Parsennschlepplift in Riezlern geht als erster Skilift des Tales in Betrieb.
Mittelberg um 1965
  • 1945: Am 1. Mai 1945 überschritten Soldaten der 2. marokkanischen Infanteriedivision die Landesgrenze und marschierten im Kleinwalsertal ein, das restliche Vorarlberg wurde durch die 4. marokkanische Infanteriedivision besetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der zur Kapitulation der Wehrmacht und der Wiedererrichtung der Republik Österreich führte, wurden auch die Vorarlberger und die Bürger des Kleinen Walsertals wieder zu österreichischen Staatsbürgern.
  • 1950: Fertigstellung des Heuberg-Sessellift in Hirschegg.
  • 1972: Skigebiet Ifen-2000 fertiggestellt.

Wirtschaft

Blick auf die Ortsmitte von Riezlern.

Das Tal lebt heute als drittgrößte Tourismusdestination Österreichs vorwiegend vom Tourismus.[4] Der jahrhundertelang bedeutendste Wirtschaftszweig war die Landwirtschaft, die aktuell nur mehr eine marginale Bedeutung hat. Schon 1960 erreichte die Nächtigungszahl erstmals eine Million. Im Tourismusjahr 2001/2002 gab es insgesamt 1.678.180 Übernachtungen bei einer Bettenkapazität von 12.000.

Der Wander- und Ausflugstourismus – vor allem auch von Familien mit kleineren Kindern und Senioren – ist sehr ausgeprägt. Die Auswahl an einfachen Spazierwegen und mäßig schwierige Wanderpfade ist entsprechend breit und gut ausgeschildert. Mit dem eng getaktet fahrenden Walserbus, der den Kurtaxe zahlenden Touristen als Inhabern der Walsercard kostenlos zur Verfügung steht, ist die Mobilität im Tal ohne PKW gewährleistet.

Zur starken Ausprägung des Tourismus verhalf auch die gute Verkehrsanbindung nach Norden. So benötigt man für die Strecke Stuttgart-Kleinwalsertal nur etwa 2 Stunden.

Im Jahr 2003 gab es am Ort 243 Gewerbebetriebe mit 1.573 Beschäftigten und 144 Lehrlingen; lohnsteuerpflichtige Erwerbstätige waren 2518 Personen.

Tourismus

Wintersport

Blick auf die Ortsmitte von Hirschegg.

Der große Stellenwert des Tourismus schlägt sich auch in der Wintersportinfrastruktur nieder. Das Tal bietet Urlaubern die Möglichkeit, 30 Schlepplifte, 6 Sessellifte und 2 Kabinenbahnen zu benutzen. Die erste Bergbahn des Tales, die Kanzelwandbahn, wurde 1955 in Riezlern fertiggestellt. Die 1989 erneuerte Bahn (6ZUB) befördert Wintersportler auf 1.957 m ü. A.. Das Skigebiet „Kanzelwand/Fellhorn“ umfasst 13, zum Teil hochmoderne, Anlagen:

  • drei 6er Sesselbahnen (6KSB)
  • zwei Gondelbahnen (PB)
  • eine 6er Kabinenbahn (6ZUB)
  • vier Schlepplifte
  • eine 4er Sesselbahn (4SB)
  • eine Doppelsesselbahn (2SB)
  • eine 8er Kabinenbahn (8EUB)

Das gesamte Skigebiet bietet über 25 präparierte Pistenkilometer. Zudem werden ein Funpark und ein Boarderpark angeboten.

Die im Jahre 1966 erbaute Walmendingerhornbahn in Mittelberg endet auf 1.951 m ü. A.. Sie befördert Wintersportler in das aus zwei Sesselliften (ein Zweisitzer und ein Viersitzer) bestehende Skigebiet. Die circa zehn Kilometer lange Piste (davon ca 2,4 km Abfahrt) richtet sich dabei eher an geübte Wintersportler. Das Skigebiet Hoher Ifen umfasst zwei Sessellifte und ein Schlepplift ab der Mittelstation. Es liegt im Schwarzwassertal in der Nähe des Gottesackers.

Des Weiteren gibt es etliche kleine Liftbetriebe im Tal, die durch den Walser-Skigleitweg zum größten Teil miteinander verbunden sind. Somit stehen im Kleinwalsertal insgesamt über 120 präparierte Pistenkilometer zur Verfügung. Hinzu kommen 42 Kilometer Langlauf-Loipen zwischen 1050 und 1.260 m ü. A. zur Verfügung sowie mehr als 50 km geräumte oder gespurte Winterwanderwege.

Zollausschlussgebiet

Seit 1891 ist das Kleinwalsertal Zollausschlussgebiet und somit deutsches Wirtschaftsgebiet. Das ermöglichte der Walser Bevölkerung zollfrei mit den benachbarten bayerischen Regionen zu handeln. Das erleichterte den Warenaustausch sehr, da damit zollfreier Handel nicht mehr nur zu Fuß über Berge und Pässe möglich war. Nach dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union 1995 verlor der Sonderstatus des Kleinwalsertal seine Bedeutung, da nun Österreich und Deutschland dem gleichen Wirtschaftsraum angehören. Folgende Sonderregelungen machten und machen das Zollausschlussgebiet einzigartig:

  • unter den Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft wurden keine Zölle erhoben,
  • die österreichischen Einwohner des Kleinwalsertals waren gleichberechtigte Unionsbürger (Stichwort: „Reisefreizügigkeit innerhalb der EG“),
  • Nicht-EG-Bürger, die sich im Kleinwalsertal vorübergehend oder dauerhaft aufhalten wollten, konnten in aller Regel ohne weitere Bedingungen oder Formalitäten die kontrollfreie Grenze zwischen Österreich und Deutschland überschreiten; weil beide Staaten Schengen-Staaten sind, waren die vertraglichen Vereinbarungen zwischen Bayern einerseits und Österreich andererseits zur Sonderstellung des Kleinwalsertals in praktischer oder rechtlicher Hinsicht weitgehend ohne besondere Bedeutung. Die letzte Sonderregelung des bundesdeutschen Rechts für das Tal, die nämlich in einer Durchführungsverordnung des deutschen Ausländerrechts enthalten war, entfiel mit ihrer ersatzlosen Aufhebung im Zuge des Erlasses der Aufenthaltsverordnung, die am 1. Januar 2005 zusammen mit dem Zuwanderungsgesetz in Kraft trat.[5]

Trotzdem gibt und gab es einige Besonderheiten, die manchen als Kuriositäten vorkommen mögen. Bis zum EU-Beitritt mussten Güter aus Österreich in Deutschland verzollt oder die Einfuhrumsatzsteuer bezahlt werden, während deutsche Güter abgabenfrei bezogen werden konnten. Die Steuern musste man bis zur Einführung des Euro an das österreichische Finanzamt in D-Mark bezahlen. Ferner galt bei der Post ein Sondertarif. Für Sendungen nach Österreich galten die Inlands-Porti der österreichischen Post, für Sendungen nach Deutschland die Inlands-Porti der bundesdeutschen Post. Alle Postämter führen zwei Stempel, einen mit österreichischer Postleitzahl und einen zweiten mit deutscher Postleitzahl. Eigentlich sollten die deutschen Postleitzahlen zum 31. Dezember 2006 abgeschafft werden, wurden jedoch nach Protesten beibehalten[6]. Die deutsche Telefonvorwahl hingegen wurde abgeschafft[7].

Noch heute dürfen Verhaftete von der Polizei nicht über Deutschland nach Vorarlberg zu Gericht gebracht, sondern müssen mit einem Hubschrauber ausgeflogen werden. Bei der einzigen noch verbliebenen Tankstelle im Tal wird für Treibstoff nach wie vor die Mineralölsteuer von Deutschland erhoben.

Bei einer Lieferung ins Kleinwalsertal (ob deutsche oder österreichische Postleitzahl) handelt es sich immer um eine innergemeinschaftliche Warenlieferung und ist somit von der Mehrwertsteuer befreit. Als Bestätigung hierfür ist eine gültige UID-Nummer ausreichend.

Verkehr und Infrastruktur

Walser Rettung

Seit 1996 hat das Kleine Walsertal eine eigene Rettungswache mit einem Rettungswagen (RTW) im Ortsteil Hirschegg. Der Rettungsdienst wird vom ausländischen Roten Kreuz Oberallgäu betrieben, da sich der nächste Rettungsdienst- und Krankenhausstandort im deutschen Oberstdorf befindet. Die Alarmierung des RTW erfolgt über die Vorarlberger Rettungs- und Feuerwehrleitstelle.

Referenzen

  1. http://untertage.com/forum/viewtopic.php?p=11896
  2. http://www.binsteiner.geophysik.de/radio.html
  3. http://www.fuehrer.oberstdorf-online.de/geschichte/ueberblick.htm
  4. http://www.kleinwalsertal.com/tal-walser/orte-umgebung.html
  5. Facharbeit von Stefan Heim.
  6. Kleinwalsertal behält deutsche Postleitzahlen
  7. Mitteilung über die Abschaltung der deutschen Vorwahlen zum 1. Juli 2003

Weblinks


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