Kloster Echternach
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Territorium im Heiligen Römischen Reich

Reichsabtei Echternach
Wappen
Coat of arms echternach luxbrg.png
Herrscher/Regierung Fürstabt
Heutige Region/en LU-G, DE-RP
Reichsmatrikel 2 Reiter, 18 Fußsoldaten, 100 Gulden (1522)
Reichskreis niederrheinisch-westfälisch
Kreistag Reichsfürstenrat: 1 Kuriatsstimme auf der Rhein. Prälatenbank
Hauptstädte/Residenzen Echternach
Konfession/Religionen römisch-katholisch
Aufgegangen in 1795: Frankreich
1815: Luxemburg und Preußen

Die Reichsabtei Echternach war ein Benediktinerkloster und reichsunmittelbares Territorium im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und liegt heute in der luxemburgischen Stadt Echternach. Neben großen Teilen der Konventsgebäude ist von dem Kloster die rekonstruierte Basilika St. Willibrord erhalten. Als Freie Reichsabtei war es reichsunmittelbar, besaß ein reichsunmittelbares Territorium und erkannte immer nur drei Herren an, nämlich Gott, Papst und den römisch-deutschen Kaiser.

Klosterkirche Echternach

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gegründet wurde das Kloster vom Wandermönch und heiligen Willibrord im 7. Jahrhundert auf geschenktem Grund der Irmina von Oeren. Es war das erste iro-angelsächsische Kloster auf dem europäischen Festland. Bekannt wurde das Kloster durch seine Arbeiten im Skriptorium. Die ersten Werke, wie etwa das "Willibrordus Evangeliar" sind reich geschmückt nach der irischen Art der keltischen Kirche, in deren Tradition das Kloster Echternach stand. Im Jahre 751 wurde Echternach königliche Abtei der Karolinger. Während des Sachsenaufstandes von 782 verweilte der Bischof von Bremen, Willehad, zwei Jahre lang im Kloster. 785 bestätigte Karl der Große, der selbst das Kloster ein Jahr lang leitete, dem Kloster Echternach die von seinem Bruder Karlmann I. († 771) gemachte Schenkung der „villa Officinus“ an der Lieser, worüber aber keine Urkunde ausgestellt worden war (Goldenes Buch der Abtei Echternach).

Von 847 bis 973 leiteten Laienäbte das Kloster. Mit Abt Ravanger aus der Abtei Sankt Maximin wurde die Benediktinerregel wieder eingeführt und das Kloster gelangte wieder zu neuer Blüte. Nachdem 1016 die Abteikirche abgebrannt war, wurde am 19. Oktober 1031 durch Erzbischof Poppo von Trier die neue Abteikirche geweiht. Sie war eine romanische Basilika, deren Maße etwa denen der heutigen Kirche entsprachen.

Wilhelm, der 21. Bischof von Utrecht, verlieh dem Abt von Echternach in einer Urkunde vom 28. Dezember 1063 das Verfügungsrecht über die Hälfte der Einnahmen etlicher Kirchen in Holland, unter anderem die von Leimuiden sowie den benachbarten Siedlungen Woubrugge und Rijnsaterwoude.

Im Jahr 1148 bestätigte Papst Eugen III. dem Abt von Echternach den Besitz von Louvivelt mitsamt Kirche und allem Zubehör. Diese Bestätigung wurde 1161 vom Papst Viktor IV. erneuert.

Der letzte Abt von Echternach starb 1793. Es kam zu keiner neuen Abtwahl. General Colaud zog am 13. August 1794 mit den französischen Revolutionstruppen in Echternach ein. Die letzten Mönche des Klosters waren zuvor geflohen. Die Abtei wurde geplündert und Willibrords Grab wurde geschändet. Kloster und Klosterkirche wurden 1797 versteigert. Jean-Henri Dondelinger, der sie schließlich erwarb, richtete in den Gebäuden eine Steingutfabrik ein.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts stürzte der Chor der Basilika teilweise ein und sie drohte vollends zu verfallen. Daraufhin wurde 1862 in Echternach ein Kirchbauverein gegründet. 1868 war die Wiederherstellung der Abteikirche im Geist der Neuromanik vollendet und sie konnte neu geweiht werden. Seitdem ist sie Pfarrkirche von Echternach, seit 1939 im Rang einer päpstlichen Basilica minor.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Teile der Kirche gesprengt. Granateinschläge zerstörten, was stehen geblieben war.

Beim Wiederaufbau wurde eine Rückkehr zum romanischen Original angestrebt. Die Turmfassade wurde der von Paray-le-Monial nachgestaltet. Die erneute Weihe erfolgte 1953.

In Teilen der ehemaligen Klosteranlage ist heute das Lycée classique d'Echternach mit seinem angeschlossenen Internat untergebracht.

Äbte

Theofried von Echternach
  • Willibrord
  • Adalbert (739–775), 2. Abt
  • Beonrad (775–797), 3. Abt, Erzbischof von Sens
  • Reginar (864–870), Laienabt
  • Adalhard I. (bis 870), Laienabt
  • Karlmann (874–876), Sohn von Kaiser Karl dem Kahlen
  • Adalhard II. (bis 890), Laienabt
  • Hermann I. von Schwaben (926–949), Laienabt
  • Siegfried I. von Luxemburg (um 950), Laienabt
  • Ravanger
  • Humbert (1028–1051)
  • Reginbert (1051–1081)
  • Theofried (1081–1110)[1]
  • Godefridus (um 1143)
  • Ludwig (1173–1186), Abt von St. Matthias
  • Peter von Hübingen (Hubein, Hubyn, Hubeyn) (um 1419 bis 1426)
  • Colinus[2]
  • Burchard Poszwin von Neuerburg (1490–1506)
  • Robert von Monreal (1506–1539)
  • Antonius Hovaeus (Anton von Hove) († 1568)
  • Martinus Masius (um 1572)
  • Johannes Bertels (1595–1607)
  • Peter Richardot (1607–1628)
  • Petrus Fisch (1628–1657)[3]
  • Richard Paschasius (1657–1667)[4]
  • Philippe de la Neufforge[5]
  • Willibrord Hotton (1684–1693)[6]
  • Benoît Zender (1694–1717)[7]
  • Matthias Hartz (1717–1728)
  • Gregorius Schouppe (1728–1751)
  • Michael Hormann (1751–1775)
  • Emmanuel Limpach (1775–1793)
    • Prior Binsfeld

Klosterbibliothek und Skriptorium

Im Mittelalter war Echternach ein Zentrum der Buchmalerei. Zu den bekanntesten Werken zählen das Goldene Evangeliar von Echternach (lat. Codex Aureus Epternacensis) und das Goldene Evangelienbuch Heinrichs III. (lat. Codex Aureus Escorialiensis).

Das Skriptorium der Benediktinerabtei ist vor allem bekannt durch die Schriften, die Mitte des 11. Jahrhunderts für den Export produziert worden sind. Ein neu herausgegebener Katalog umfasst hingegen theologische, philosophische und pädagogische Handschriften aus der Klosterbibliothek, welche nur zum Teil in Echternach selbst entstanden sind. Auf fast 800 Seiten werden 89 Handschriften, 154 Fragmente und 18 gedruckte Bücher aus dem 7. bis dem 17. Jahrhundert beschrieben. Thomas Falmagne untersucht dabei erstmals die Geschichte der Klosterbibliothek, die um das Jahr 800 eine der größten des Abendlandes gewesen zu sein scheint und irische wie südeuropäische Einflüsse zeigt. Besonders erwähnenswert sind ein Blatt von Papst Gregor dem I. aus dem späten 7. Jahrhundert, ein Turm der Weisheit in einer Handschrift des Staatsarchivs aus dem 15. Jahrhundert, eine Abacus-Abbildung im Einband der Riesenbibel oder die Hisperica-Famina-Fragmente aus dem 9. Jahrhundert.[8]

Orgel

Die Orgel der Abteikirche wurde 1953 von der Orgelbaufirma Johannes Klais (Bonn) errichtet und 1991 vergrößert. Das Instrument hat 74 Register (Kegelladen) auf vier Manualen und Pedal. Die Trakturen sind elektropneumatisch. Die Trompeteria ist an alle Manuale und das Pedal einzeln ankoppelbar.[9]

I Schwellpositiv C–c4

Lieblich Gedackt 8’
Quintadena 8’
Salicional 8’
Principal 4’
Blockflöte 4’
Octave 2’
Sifflöte 1’
Scharff VI
Septimcymbel III
Krummhorn 8’
Vox humana 8’
Tremulant
II Hauptwerk C–c4
Principal 16’
Bordun 16’
Octave 8’
Holzgedackt 8’
Gemshorn 8’
Gamba 8’
Quinte 51/3
Octave 4’
Rohrflöte 4’
Hohlflöte 2’
Rauschpfeife II
Mixtur VI-VIII
Scharff IV-V
Cornett V 8′
Trompete 16’
Trompete 8’
III Oberwerk C–c4
Principal 8’
Rohrflöte 8’
Gedacktpommer 8’
Octave 4’
Quintadena 4’
Superoctave 2’
Waldflöte 2’
Gemsquinte 11/3
Sesquialtera II 22/3
Mixtur V-VI
Cymbel III
Dulcian 16’
Schalmey 8’
Kopftrompete 4’
IV Schwellwerk C–c4
Quintadena 16’
Principal 8’
Spitzgambe 8’
Vox coelestis 8’
Grobgedackt 8’
Octave 4’
Violflöte 4’
Nasat 22/3
Flachflöte 2’
Terz 13/5
Mixtur IV-VI
Fagott 16’
Trompete 8’
Clairon 4’
Tremulant


Trompeteria C–c4
Trompeta magna 16’
Trompeta de batalla 8’
Bajoncillo 4’-8’
Pedal C–g1
Untersatz 32’
Principalbass 16’
Subbass 16’
Zartbass 16’
Quintbass 102/3
Octavbass 8’
Gedacktbass 8’
Choralbass 4’
Bassflöte 4’
Nachthorn 2’
Hintersatz IV
Cornett V 8′
Contrafagott 32’
Posaune 16’
Fagott 16’
Trompete 8’
Clarine 4’
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, IV/I, I/II, III/II, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P
    • Trompeteriakoppeln: an alle Manuale und Pedal
  • Spielhilfen: 3 freie Kombinationen, eine freie Pedalkombination, Tutti, 64-fache Setzeranlage, Crescendowalze, diverse Absteller.

Ansichten

Literatur

Am 9. Februar 2010 hat die Bibliothèque nationale de Luxembourg öffentlich einen Katalog der Handschriften vorgestellt, der im Otto Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, in zwei Bänden herausgebracht werden soll.[10]

Einzelnachweise

  1. Franz Xaver Kraus: Theofried. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 37, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 716 f.
  2. http://regesten.regesta-imperii.de/index.php?rpk=13000000&i=5131&band=13009000&nr=197
  3. Archives nationales de Luxembourg, ANLux A-XXIX-1297. Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, S.360
  4. Archives nationales de Luxembourg, ANLux A-XXIX-1297. Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, S.634
  5. Archives nationales de Luxembourg, ANLux A-XXIX-1297
  6. Archives nationales de Luxembourg, ANLux A-XXIX-1297. Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, S.446
  7. Archives nationales de Luxembourg, ANLux A-XXIX-1297. Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, S.835
  8. Romain Hilgert: Aufstieg und Niedergang einer Klosterbibliothek. d'Lëtzebuerger Land,26. Februar 2010.
  9. Nähere Informationen zur Abtei-Orgel
  10. Bibliothèque nationale de Luxembourg: Présentation du catalogue des manuscrits d’Echternach. Regierungskommunikee 10. Februar 2010.

Weblinks


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