Knutt

Knutt
Knutt (Calidris canutus) im Brutkleid

Knutt (Calidris canutus) im Brutkleid

Systematik
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
Gattung: Strandläufer (Calidris)
Art: Knutt
Wissenschaftlicher Name
Calidris canutus
Linnaeus, 1758

Der Knutt (Calidris canutus), auch Knuttstrandläufer genannt, ist ein Vogel aus der Familie der Schnepfenvögel (Scolopacidae). Er wurde nach dem dänischen König Knut dem Großen benannt, dem Herrscher über die Nordseeländer, der versuchte, die Wellen zu bändigen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Knutt ist ein gedrungener, etwa amselgroßer Strandläufer (etwa 25 cm) mit kurzem Hals. Der Schnabel ist relativ kurz und gerade, die graugrünen Beine sind kurz. Im Ruhekleid ist die Oberseite des Vogels aschgrau mit hellen Federsäumen, die Unterseite weißlich mit schwacher grauer Streifung an Brust und Flanken. Im sommerlichen Brutkleid beider Geschlechter ist die Oberseite schwarz mit rötlichen Federsäumen, der Kopf und die Unterseite färben sich rostrot. Im Flug werden die weißen Flügelbinden und der graugesprenkelte Bürzel und Schwanz sichtbar. Die Jungvögel ähneln in der Gefiederfärbung dem Ruhekleid der Altvögel, doch die Oberseite ist bräunlich mit schwarz-weißen Federsäumen und dunklem Mittelstrich, die Flanken sind beigefarben. Die Beine sind olivgelb gefärbt.

Lebensraum

Der Knutt brütet überwiegend in Grönland, Kanada, Alaska und Sibirien auf der Tundra. Er ist ein extremer Langstreckenzieher und macht im Frühjahr und im Herbst im Wattenmeer an der Nordseeküste Zwischenstation. Sein Überwinterungsgebiet liegt in Süd-West-Afrika.

Unterarten und deren Verbreitung

Es gibt sechs Unterarten des Knutts (hier nach Größe geordnet)

  • C. c. roselaari (größter)
  • C. c. rufa
  • C. c. canutus
  • C. c. islandica
  • C. c. rogersi
  • C. c. piersmai (kleinster)
Verbreitungskarte und Zugwege der Unterarten

C. c. piersmai brütet in Nordsibirien und zieht, mit Rast im Delta des Gelben Flusses in China, nach Nordwest-Australien, wo er auf Schlammflächen an der Küste überwintert. C. c. rogersi brütet im äußersten Nordosten Sibiriens und zieht, ebenfalls entlang der chinesischen Küste, nach Südost-Australien und Nord-Neuseeland zum Überwintern. C. c. roselaari brütet im hohen Norden Alaskas und zieht über die Bucht von Delaware im Nordosten der USA in die Überwinterungsgebiete nach Florida. Es ist zurzeit nicht klar, ob diese Unterart auch entlang der amerikanischen Pazifikküste zieht, um möglicherweise in Mittelamerika zu überwintern. Die Unterart C. c. rufa brütet im Nordwesten Kanadas, rastet auf dem Durchzug ebenfalls in der Bucht von Delaware, um dann, mit einer weiteren, kurzen Rast in Brasilien, nach Argentinien zu ziehen. C. c. islandica brütet in Nordgrönland und fliegt, mit einem Stop in Island und möglicherweise auch in Norwegen, nach Großbritannien und Nordwesteuropa, wo diese Art im Wattenmeer auf den weiträumigen Schlammflächen überwintert. Das Brutgebiet von C. c. canutus liegt in Nordsibirien, jedoch westlich des Brutgebietes von der Unterart piersmai. C. c. canutus zieht nach Westafrika, wo er auf Schlammflächen entlang der Küste überwintert. Das Wattenmeer ist für diese Unterart ein wichtiges Rastgebiet.

Nahrung

Der Knutt verschluckt seine Beute komplett und zerbricht die Schalen im Muskelmagen. Im Brutgebiet ernähren sich Knutts von Bodenarthropoden.

Brutbiologie

Knutts im Ruhekleid

Knutts brüten in den großflächigen Tundragebieten Sibiriens, Grönlands, Kanadas und Alaskas. Die Vögel brüten vereinzelt, zum Teil mehrere Kilometer von einander entfernt. Das Weibchen legt drei bis vier Eier in eine mit Moos gepolsterte Mulde am Boden. Beide Eltern brüten auf dem Nest, allerdings verlässt das Weibchen das Nest, kurz bevor die Jungen schlüpfen. Die Küken sind Nestflüchter und ernähren sich vom ersten Tag an selbst. Sobald die Jungen flügge werden, beginnt auch das Männchen mit dem Rückzug in die Wintergebiete. Die Jungtiere folgen einige Tage oder Wochen später ohne die Adulttiere.

Anpassungen an eine extreme Lebensweise

Der Knutt ist eine der Vogelarten, die die längsten Strecken zwischen Brut-, Rast- und Überwinterungsgebieten non-stop zurücklegen. Diese Strecken können bis zu 5.000 Kilometer betragen. Um diese enorme Leistung zu vollbringen, hat der Knutt einige besondere Fähigkeiten und Merkmale ausgebildet. Vor einem solchen Langstreckenflug fressen Knutts auf Watt- oder Schlammflächen immense Mengen. Dadurch nehmen sie bis auf das Doppelte ihres Normalgewichtes zu. Überall im Körper werden Fettdepots angelegt, die dem Vogel während des Non-Stop-Fluges Energie spenden. Um im Körper Platz für diese enorme Fettreserve zu schaffen und überflüssigen Ballast zu vermeiden, verkleinern Knutts sogar ihre inneren Organe. So können Knutts die Größe ihres Muskelmagens verändern. Diese Veränderung wird durch die Art der Nahrung, die die Vögel aufnehmen, ausgelöst. Die Aufnahme von harter Nahrung, wie zum Beispiel Muscheln mit harter Schale, führt zu einer Vergrößerung und Verstärkung der Muskeln, die diese Muschelschalen knacken. Weiche Nahrung wie zum Beispiel Wattwürmer führen zu einer Verkleinerung des Magens und somit zu einer Verringerung des Gewichtes, was wiederum das Speichern von mehr Fettdepots und somit das Zurücklegen größerer Strecken ermöglicht.

Quellen

  • Shorebirds von Hayman, Marchant and Prater ISBN 0-395-60237-8
  • Piersma, T., de Goeij, T. P. & Tulp, I. 1993 An evaluation of intertidal feeding habitats from a shorebird perspective: towards relevant comparisons between temperate and tropical mudflats. Netherlands Journal of Sea Research 31, 503-512.
  • Piersma, T., Dietz, M. W., Dekinga, A., Nebel, S., van Gils, J. A., Battley, P. F. & Spaans, B. 1999 Reversible size-changes in stomachs of shorebirds: when, to what extent, and why? Acta Ornithologia 34, 175-181.
  • Tomkovich, P. S. 1992 An analysis of the geographic variability in knots Calidris canutus based on museum skins. Wader Study Group Bulletin 64 Supplement, 17-23.
  • Tomkovich, P. S. 2001 A new subspecies of Red Knot Calidris canutus from the New Siberian Islands. Bulletin of the British Ornithologists Club 121, 257-263.
  • Tulp, I., Schekkerman, H., Piersma, T., Jukema, J., de Goeij, P. & van de Kam, J. 1998 Breeding waders at Cape Sterlegova, northern Taimyr, in 1994. Zeist: WIWO - Report 61.

Weblinks


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