Kokosinseln
Territory of the Cocos (Keeling) Islands

Kokosinseln

Flagge der Kokosinseln
Wappen der Kokosinseln
Flagge Wappen
Amtssprache Englisch
Hauptstadt West Island
Staatsform australisches Außengebiet
Staatsoberhaupt und Regierungschef Königin Elisabeth II.
Fläche 14 km²
Einwohnerzahl 596
Bevölkerungsdichte 44,9 Einwohner pro km²
Währung Australischer Dollar (AUD)
Zeitzone UTC +6½
Internet-TLD .cc
Telefonvorwahl +61 891
Cocos (Keeling) Islands in its region.svg
Kokosinseln.png

Die Kokosinseln, auch als Keelinginseln bekannt, (englisch Cocos Islands oder Keeling Islands) sind eine Inselgruppe im Indischen Ozean. Sie sind ein australisches Außengebiet und liegen auf dem Investigatorrücken. Im Jahr 2005 lag die Bevölkerungszahl bei 628 Einwohnern, bis Juli 2010 sank sie auf 596[1]. Die Fläche beträgt 14,2 km², das Wachstum der Bevölkerung 0,4 % (Stand: 2007). Unter den Bewohnern befinden sich etwa 450 Cocos Malays, eine Ethnie, die sich im Verlauf der Geschichte auf den Inseln bildete.

Die Hauptinsel mit Flughafen ist West Island. Dort leben etwa 150 Einwohner, etwa 450 leben auf Home Island. Die übrigen Inseln sind nicht dauerhaft bewohnt.

Die Inselgruppe liegt etwa 2.768 km nordwestlich von Perth, 3.685 km westlich von Darwin, 900 km südwestlich der Weihnachtsinsel und etwa 1.000 km südwestlich von Java und Sumatra entfernt. Der nächstgelegene Festlandspunkt Australiens ist das Kap Low Point auf der Halbinsel North West Cape, in einer Entfernung von 2109 km.

Inhaltsverzeichnis

Geologie

NASA-Astronautenbild der Kokosinseln

Die Kokosinseln bestehen aus den zwei Atollen North Keeling und South Keeling, die sich im Abstand von 24 Kilometern auf den Spitzen von etwa 5000 Meter hohen untermeerischen Vulkanen gebildet haben, die als Cocos Rise bezeichnet werden. Sie sind Teil eines Bergrückens, der sich bis zu der Weihnachtsinsel erstreckt. Die Atolle sind mit einem Platau verbunden, das in einer Meerestiefe von 700-800 Metern liegt. Charles Darwin besichtigte 1836 die Atolle (es waren die einzigen, die er je untersuchte) und entwickelte eine Theorie ihrer Bildung, die bis zum heutigen Tag anerkannt ist.

Die Atolle weisen eine Gesamtfläche von etwa 14 Quadratkilometern auf. Sie sind eben und flach, der höchste Punkt liegt lediglich 9 Meter über dem Meeresspiegel. Der Tidenhub beträgt nicht mehr als 2 Meter. Beide Atolle sind Koralleninseln, die sich im Durchschnitt 3 bis 5 Meter über den Meeresspiegel erheben und ringförmig eine seichte Lagune einschließen. Während sie an den Außenseiten relativ steil aus dem Meer aufsteigen, fallen sie zur Lagune hin sanft ab.[2]

Geographie

Das kleinere nördliche Atoll, North Keeling, besteht aus nur einer einzigen, c-förmigen Insel mit einer Länge von etwa 2,0 km und 1,3 km Breite. Sie steht seit 1986 unter striktem Naturschutz und ist Teil des Pulu-Keeling-Nationalparks.

Das südliche Atoll, South Keeling, besteht aus 26 Inseln, welche eine birnenförmige Lagune mit einem Durchmesser von etwa 9 Kilometern und einer Tiefe von bis zu 20 Metern umschließen. Die größte Insel, West Island, ist etwa 10 Kilometer lang und einen halben Kilometer breit. Auf den Inseln gibt es keine Flüsse oder Seen. Die einzigen Süßwasserressourcen sind flache unterirdische Wasserlinsen, die sich auf einigen der größeren Inseln durch Regenwasser bilden, das auf dem schwereren Salzwasser schwimmt.

Die Kokosinseln liegen nahezu antipodisch zur Kokos-Insel (Costa Rica).

Flora und Fauna

Der Palmendieb, der aufgrund seiner Größe Kokosnüsse knacken kann

Auf den Kokosinseln gab es vor der menschlichen Besiedlung aufgrund ihrer abgelegenen Lage keine Landsäugetiere. Es gibt zahlreiche Seevögel: Im Pulu-Keeling-Nationalpark wurden 24 Vogelarten gezählt, darunter der Rotfußtölpel mit mehr als 30.000 Brutpaaren, Bindenfregattvogel, Arielfregattvogel und die endemische Keeling-Bindenralle. Es gibt Suppenschildkröten und Echte Karettschildkröten. Die einzige Seeschlangenart, die auf den südlichen Atollen gesichtet wurde, ist die Plättchen-Seeschlange. Im Meer um die Inseln kommen zahlreiche Weichtiere, Fischarten, Krebstiere, Stachelhäuter und riffbildende Steinkorallen vor.[3]

Da die Kokosinseln zu keiner Zeit mit einem Festland verbunden waren, konnten Pflanzensamen vor der menschlichen Besiedlung lediglich durch Wind, Wasser oder Vögel eingetragen werden. In einem geologischen Umfeld, das durch Vulkanismus und Korallenwachstum geprägt ist, entwickelten sich verhältnismäßig wenige Pflanzenarten. 61 Arten von Pflanzen wurden auf den Kokosinseln gezählt, davon ist eine endemisch, die Pandanus tectorius. Auf den Atollen wachsen vor allem Pisonia, Kokospalmen- , Samtblatt, Teepflanzen und Gräser der Portulak-Keilmelde[4] und in den Gewässern der Atolle Kelpwälder, Seegraswiesen und tropische Meerespflanzen.[5]


Palmen auf den Kokosinseln

Geschichte

Entdeckung

Die Inseln sollen 1609 von William Keeling, einem Kapitän der Britischen Ostindien-Kompanie entdeckt worden sein. Beweise für diese These fehlen allerdings. Erst in einem niederländischen Atlas von 1659 ist erstmals von den „Cocos Eylanden“ die Rede, 1703 nannte sie der britische Hydrograph Thornton „Keeling Islands“. Eine erste genaue Beschreibung findet sich 1753 im Buch „Zeefakkel“ des Niederländers Gerard Hulst van Keulen. Der britische Hydrograph James Horsburgh fertigte 1805 genaue Seekarten dieser Gewässer an und bezeichnete die Inseln als „Cocos-Keeling-Islands“. In den Folgejahren strandeten mehrere Schiffe vor den Inseln (1825 die Mauritius aus Frankreich sowie 1826 die Sir Francis Nicholas Burton und 1834 die Earl of Liverpool aus Großbritannien).

Anfangszeit

Im Jahre 1826 siedelten die Niederländer den ehemaligen britischen Commissioner von Borneo, Alexander Hare, mit seinem Gefolge und malayischen Leibeigenen auf den ihrer Kolonie Java vorgelagerten Inseln an. Er kultivierte West Island, Horsburgh Island und Direction Island, auf denen er Kokosöl produzierte. 1831 verließ Hare die Inseln und starb auf dem Weg nach Großbritannien. Sein Verwalter John Clunies-Ross aus Schottland eignete sich daraufhin die Inseln an. Auch er produzierte Kokosöl, das er erfolgreich in Niederländisch-Java verkaufte. Außerdem dienten die Inseln als Zwischenstation für Walfangschiffe auf dem Weg in die Antarktis. Clunies-Ross errichtete auf den Inseln eine autoritäre Herrschaft mit eigenen Gesetzen und eigenem, nur auf seinen Inseln gültigem Geld, das erst 1978 abgeschafft wurde. Eine britische Kommission sollte die Zustände auf der Insel überprüfen. Die Briten fanden jedoch keinen Grund zum Eingreifen. Den Wunsch von Clunies-Ross nach britischer Herrschaft über die Insel lehnten die Briten jedoch ab. 1841 hisste er daher aufgrund seiner guten Handelsbeziehungen nach Java die niederländische Flagge, was ihm aber von der niederländischen Regierung verboten wurde.

Britische Inbesitznahme

Karte von 1889

Nach dem Tod von John Clunies-Ross im Jahre 1854 übernahm sein Sohn John George die Inseln. 1857 nahm Großbritannien die Cocos-Inseln versehentlich offiziell in Besitz. Eigentlich sollte das Schiff der Kolonialverwaltung die Cocos-Inseln in den Andamanen besetzen. John George Clunies-Ross holte weitere Arbeitskräfte, meist Gefangene aus Java, auf die Inseln. Es kam zu zahlreichen Aufständen und Plünderungen.

Nach dem Tod seines Vaters schaffte der neue Besitzer George Clunies-Ross 1871 die Zwangsarbeit ab und ersetzte die Gefangenen durch malayische Arbeiter. 1876 zerstörte ein Zyklon über die Hälfte der Kokosplantagen. Clunies-Ross baute die Infrastruktur der Inseln wieder auf. 1901 errichtete die „Eastern Extension Telegraphy Company“ auf Direction Island eine Relais-Station für ihr Unterwasserkabelnetz. Ein weiterer Zyklon verwüstete 1909 die Inseln vollständig, 90% der Palmen und 95 % der Häuser wurden zerstört. Nach der Zerstörung seines Lebenswerkes starb George Clunies-Ross im Jahre 1910, und sein Sohn Sydney Clunies-Ross übernahm die Herrschaft über die Inseln. Er ließ zwei Malayen, die einen Landsmann ermordet haben sollten, zum Tode verurteilen und mit Gewichten an den Füßen bei lebendigem Leib im Meer versenken.

Erster Weltkrieg

Der deutsche Landungstrupp der SMS Emden im November 1914

Auf Direction Island wurde 1910 auch eine Funkstation errichtet. Im Ersten Weltkrieg waren Kabel- und Funkstation auf der Insel am 9. November 1914 Ziel des Angriffs eines deutschen Landungsunternehmens des Kleinen Kreuzers SMS Emden. Während des Angriffes wurde die SMS Emden vom australischen Leichten Kreuzer HMAS Sydney entdeckt und angegriffen. Die kleine deutsche Restbesatzung erwiderte zwar das Feuer, und die Sydney drehte sogar ab, kehrte jedoch gleich um, als klar wurde, dass die Emden nicht folgte, und feuerte erneut auf die Emden, auf der es Tote gab. Das Schiff wurde in diesem Gefecht so stark beschädigt, dass es von der eigenen Besatzung auf das Riff gesetzt und aufgegeben werden musste. Das Landungskorps der Emden, das bei dem Gefecht der Kriegsschiffe zurückgeblieben war, setzte mit dem Schoner Ayesha nach Sumatra über und erreichte später unter außerordentlichen Schwierigkeiten mit dem deutschen Dampfer Choising die arabische Küste und von dort aus über Konstantinopel (Istanbul) die Heimat.

Zweiter Weltkrieg

Nach dem Ersten Weltkrieg waren alle Inseln besiedelt, und die Bevölkerung belief sich 1940 auf 1450 Menschen, deren Versorgung durch den Zweiten Weltkrieg zunehmend kritisch wurde. Aufgrund der Lebensbedingungen auf seinen Inseln entging Sydney Clunies-Ross nur knapp einer Anklage durch die britische Anti-Sklaven-Liga.

Der Flughafen auf der Hauptinsel West Island

Zum Schutz der Kabelstation vor den Japanern wurde Küstenartillerie auf Horsburgh Island und Infanterie auf Direction-Island stationiert. Trotzdem beschoss 1942 ein japanisches Kriegsschiff die Inseln, und bis Kriegsende erfolgten zahlreiche Luftangriffe. In der Nacht vom 8. Mai zum 9. Mai 1942 meuterten ceylonesische Artilleristen der Garnison auf Horsburgh Island. Ihr Führer war Artillerieunteroffizier Gratien Fernando, der seine Kameraden überzeugte, dass Asien den „Asiaten“ vorbehalten sein solle. Ihre als Kokosinseln-Meuterei bekannte Aktion wurde niedergeschlagen, und drei von ihnen, darunter Fernando, wurden zum Tode verurteilt. Sie waren die einzigen während des Zweiten Weltkrieges wegen Meuterei hingerichteten Soldaten des Britischen Commonwealth. Bei dem schwersten Luftangriff im August 1944 wurden 27 Häuser zerstört, und es gab mehrere Tote. Sydney Clunies-Ross starb kurz darauf. Von März bis Mai 1945 bauten die Alliierten auf West-Island eine Landebahn. Auf den Kokosinseln wurden 8300 Soldaten stationiert.

Australische Inbesitznahme

1946 wurde die Landebahn geschlossen, und das Militär zog ab. Die wirtschaftliche Situation der Inseln verschlechterte sich. Sydney Clunies-Ross’ Sohn John-Cecil übernahm die Inseln, konnte die Abwanderung der Arbeiter aber trotz neuer Häuser und Elektrizität kaum stoppen. Die Landebahn wurde 1952 als Zwischenstopp für den zivilen Luftverkehr wieder in Betrieb genommen. 1955 erklärte Australien die Inseln zu seinem Territorium. In den Folgejahren zerstörten Zyklone die nach dem Krieg wieder aufgebauten Kokosplantagen. Erst 1968 wurde die australische Regierung auf die feudalen Zustände auf den Inseln aufmerksam. Ein Regierungsmitglied fertigte nach einem Besuch 1971 einen Bericht über die Missstände auf den Inseln an. Die UNO forderte 1974 einen Bericht zu den Kokosinseln von Australien.

Karte der Kokosinseln, 1976

Schließlich kaufte die Regierung Australiens 1978 John-Cecil Clunies-Ross den größten Teil der Inseln für 6,25 Millionen australische Dollar ab. Erstmals wurden demokratische Wahlen abgehalten und das Inselgeld von Clunies-Ross wurde abgeschafft. Eine Schule wurde gebaut und die medizinische Versorgung sichergestellt. In der Volksabstimmung von 1984 stimmte eine Mehrheit der Inselbewohner für einen Verbleib bei Australien. Die Kopra-Produktion musste 1987 wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt werden. Die Bevölkerung hofft nun auf den Tourismus. Der ehemalige Insel-Besitzer John-Cecil Clunies-Ross verkaufte 1992 auch seinen letzten Grundbesitz auf den Inseln, nachdem er nach einer fehlgeschlagenen Investition in Schiffe insolvent geworden war.[6]

Wirtschaft

1979 wurde ein Postamt eingerichtet, das Briefmarken herausgibt und damit Erträge für die Inselgemeinschaft erwirtschaftet. 1987 wurde die Kopra- und Kokosölproduktion, bis dahin die hauptsächliche Einnahmequelle der Inselbewohner, eingestellt. Die lokale Fischerei und der Anbau von Bananen, Gemüse und Papayas tragen zur Ernährung bei, die meisten Lebensmittel müssen jedoch ebenso wie andere Konsumartikel importiert werden. 1999 beliefen sich die Importe auf 2 Millionen AUD, 2002 auf 11 Millionen AUD; ihnen standen keinerlei Exporte gegenüber. 2000 unterstützte die australische und die regionale Verwaltung ein Forschungsprojekt zur Herstellung hochwertiger Karbonfasern aus Kokosprodukten. 2000 wurde die inseleigene Internet-Domain .cc an einen US-amerikanischen Radiosender verkauft, was eine kontinuierliche Einnahmequelle darstellt. Die bei der Volkszählung von 2006 ermittelte Arbeitslosenquote von 11,3%[7] ist vermutlich zu niedrig angesetzt; Schätzungen gehen bis zu einer Quote von 65%.[8] Eine Entspannung des lokalen Arbeitsmarktes wird von der Etablierung eines Touristenzentrums mit 79 Arbeitsplätzen für muslimische Touristen aus dem pazifischen Raum erwartet.

Weblinks

 Commons: Kokosinseln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. laut CIA World Factbook (engl.)
  2. environment.gov.au: Pulu Keeling National Park. Geologie, in englischer Sprache, abgerufen am 11. September 2011
  3. enviroanment.gov.au: Pulu Keeling National Park. Fauna, in englischer Sprache, abgerufen am 11. September 2011
  4. environment.gov.au: Pulu Keeling National Park. Flora, in englischer Sprache, abgerufen am 11. September 2011
  5. environment.gov.au: Pulu Keeling Nationalpark: Overview, in englischer Sprache, abgerufen am 11. September 2011
  6. Regional Surveys of the World: The Far East and Australasia 2003. 34th Edition. S. 145 f. Routledge 2002. ISBN 1857431332 Online auf Google Books, in englischer Sprache, abgerufen am 19. September 2011
  7. Australian Bureau of Statistics: 2006 Census Quick Stats abgerufen am 2. Oktober 2011
  8. theaustralian,com.au: Paige Taylor: Administrator to head Cocos Islands, The Australian vom 1. September 2011, in englischer Sprache, abgerufen am 19. September 2011

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