Anedjib
Namen von Anedjib
ClaySealImpressionWithNameOfAnedjib-BritishMuseum-August21-08.jpg
Tonsiegel des Anedjib mit dem Nebuinamn "Merbiape"; British Museum, London
Horusname
G5
V27
F34
Srxtail2.svg
Anedj-ib / Adj-ib
ˁḏnd-jb / ˁḏ-jb
Der mit kühnem Herzen / Willen
Nebtiname
G16
U6 N42
p
Nebui-meri-bia-pe
Nbwj-mr.j-bj3-p
Geliebter des ehernen Throns der beiden Herren [1]
Thronname
M23
X1
L2
X1
U6 N42
Q3
Meri-bia-pe
Mr.j-bj3-p
Geliebter des ehernen Throns
Eigenname
U6 N42
p

Meribiape
(Meri bia pe)
Mr.j bj3 p
Geliebter des ehernen Thrones
Königspapyrus Turin (Nr.II./17)
V10A U7
r
U17 p
n
HASH
[2]
Meri-gereg-ipen
Mr.j-grg-jpn
Erwählter des ehernen Throns
(stark beschädigt)
Königsliste von Abydos (Sethos I.) (Nr.6)
Hiero Ca1.svg
U6 r N42 Q3
Hiero Ca2.svg
Meri-bia-pe
Mr.j-bj3-p
Geliebter des ehernen Throns
Königsliste von Sakkara (Nr.1)
Hiero Ca1.svg
U7
r
Z4 N42 Q3
n
Hiero Ca2.svg
Meri-ba-pen
Mr.j-b3-pn
Der von ? gewünschte
Griechisch Manetho-Varianten:
Africanus: Miebidos [A 1]
Eusebius: Niebais [A 2]
Eusebius, AV: Niebais [A 2]

Anedjib, auch Adjib, (eigentlich Hor-anedj-ib oder Hor-adj-ib) ist der Horusname eines altägyptischen Königs (Pharaos) der 1. Dynastie (Frühdynastische Zeit), welcher um 2910 v. Chr.[3] regierte und sich wie seine Vorgänger um Neuerungen während seiner Amtszeit bemühte.

Die genaue Dauer seiner Herrschaft ist unbekannt. Im Turiner Königspapyrus werden ihm 74 Jahre bescheinigt[4], in den manethonischen Überlieferungen sind 20, beziehungsweise 26 Regierungsjahre vermerkt. Die Ägyptologie beurteilt beide Angaben bislang als Übertreibungen oder Fehldeutung der Originalquellen. Auswertungen und Rekonstruktionen des Annalensteins lassen eine Schätzung von etwa zehn Regierungsjahren zu.[5]

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Familie

Allgemein wird angenommen, dass Anedjib ein Sohn seines Vorgängers Den gewesen ist. Verheiratet war er vielleicht mit Batiires, die auf dem Kairostein als Mutter des Nachfolgers Semerchet und damit als mögliche Gemahlin von Anedjib angegeben wird.[6] Über Nachkommen wird nichts Konkretes überliefert, allgemein wird Qaa als ein Sohn vermutet.

Regierung

Schieferfragment mit der Darstellung einer Königsstatue, links der Name des Anedjib[7]
Schieferfragment mit der Darstellung einer Königsstatue, rechts der Name des Anedjib

Anedjib ergänzte den von Den in Verbindung der Doppelkrone neu eingeführten Thronnamen mit dem weiteren Epithetondie beiden Herren“ (Nebui). Der Zusatztitel, der die beiden Gottheiten Horus und Seth jeweils mit einer Falkenstandarte darstellte, symbolisierte die damaligen Regionen der roten sowie der weißen Krone, die später für Unter- und Oberägypten stehen sollten. Mit Aneignung des Nebui-Titels verfügte der König hinsichtlich seines Herrscheramtes über die wichtige göttliche Legitimation durch die beiden Gottheiten.[8][9]

Gegen Ende seiner Regierung vermerkte Anedjib den ersten Lauf des Apis-Stieres als Festakt.[10] Die Durchführung vom Horusgeleit in Verbindung einer regelmäßig-zweijährigen Steuererhebung kann allerdings erst bei Anedjibs Nachfolgern festgestellt werden.[11]

Über die politischen Verhältnisse zu Anedjibs Zeiten gibt es nur wenige Informationen. Zwar gibt es Steingefäße, auf denen ein erstes und sogar ein zweites Sed-Fest vermerkt sind, doch haben neueste Untersuchungen ergeben, dass sämtliche Gefäße ursprünglich seinem Vorgänger, König Den, gehört hatten.[5] Ägyptologen vermuten, dass Anedjib bereits hoch betagt war, als er den Thron bestieg. Um sich dennoch als Thronerbe und Nachfolgekönig zu legitimieren, verlegte Anedjib die Begehung des Sed-Festes in die des Sokar-Festes im sechsten Regierungsjahr.[9] Wolfgang Helck weist ergänzend auf die Merkwürdigkeit hin, dass sich bei allen Hebsed-Darstellungen die Eintragung Qesen, zu deutsch „Unheil“, nachweisen lässt, die den Thronstieg des Hebsed-Pavillons ausfüllt. Ähnlich wie Peter Kaplony vermutet Helck Krankheit oder ein landesinternes Unglück als Beweggrund, warum das Hebsed-Fest für Anedjib vorverlagert wurde. Umso mehr sieht sich die Ägyptologie darin bestätigt, das Anedjib nicht besonders lange geherrscht haben mag.[5]

Während der Herrschaft von Anedjib wurden ungewöhnlich viele Kult-Statuen in Auftrag gegeben. Sechs verschiedene Steingefäße weisen die unverkennbare Darstellungen von Standstatuen auf, die den König mit unterschiedlichen Insignien zeigen.[12]

In die Regierungszeit des Anedjib fallen außerdem die Gründung der neuen Götterfestung „Hor-nebu-chet“ (Horus, Goldener der Götterschaft)[13] und der neuen königlichen Residenz „Hor-seba-chet“ (Horus, Stern der Götterschaft).[14]

Grab

Das Grabmal des Anedjib liegt in Umm el-Qaab bei Abydos unter der Bezeichnung Tomb X. Es ist das kleinste aller abydenischen Königsgräber und misst etwa 16,4 m × 9,0 m. Die Anlage, die von 64 Nebengräbern umgeben ist, besteht aus einem Grabraum, der lediglich durch eine Querwand getrennt wird. Von Osten her führt eine Treppe in die Grabkammer.

Neben den Gräbern von Abydos datiert man weitere Grabanlagen von Sakkara in die Zeit des Anedjib, hier die Nummern S 3507 (Ser Inpu) und S 3038 (Nebit-ka).

Literatur

  • Walter Bryan Emery: Ägypten, Geschichte und Kultur der Frühzeit, 3200-2800 v. Chr. München 1964,
  • Günter Dreyer: Zur Rekonstruktion der Oberbauten der Königsgräber der 1. Dynastie in Abydos (Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo 47). Zabern, Mainz 1991
  • Iorwerth Eiddon Stephen Edwards: Early history of the Middle East (The Cambridge ancient History; Vol. 1, Pt. 2). Cambridge University Press, Cambridge 2006, ISBN 0-521-07791-5
  • Gerhard Gordon: Etudes sur l´Horus Den et quelques problémes der lÉgypt archaique. 1990
  • Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. In: Ägyptologische Abhandlungen Band 45, Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4
  • Peter Kaplony: Anedjib. In: Lexikon der Ägyptologie Band I, Harrassowitz, Wiesbaden 2000, ISBN 3-447-04468-3
  • Peter Kaplony: Inschriften der ägyptischen Frühzeit. Band III, Harrassowitz, Wiesbaden 1963, ISBN 3-447-00052-X
  • William Matthew Flinders Petrie, Francis Llewellyn Griffith: Royal Tombs of First Dynasty. Trübner, London 1900
  • Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3
  • Rainer Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden. Zabern, Maninz 1997, ISBN 3-8053-1142-7
  • Jürgen von Beckerath: Handbuch der Ägyptischen Königsnamen, Deutscher Kunstverlag, München/ Berlin, S. 46, 172, ISBN 3-422-00832-2
  • Jürgen von Beckerath: Chronologie des pharaonischen Ägypten. Zabern, Mainz 1997, ISBN 3-8053-2310-7
  • Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0-415-18633-1

Weblinks

 Commons: Anedjib – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Regierungsdauer: 20 Jahre.
  2. a b Regierungsdauer: 26 Jahre.

Einzelnachweise

  1. Die Darstellung der beiden Kronengöttinnen existierte zu Anedjibs Regierungszeit noch nicht, da er den Nebui-Titel benutzte und die Gottheiten Horus sowie Seth auf Falkenstandarten darstellte. Der Infobox-Eintrag Nebtiname ist daher hier mit Nebuiname zu ersetzen.
  2. Alan H. Gardiner: The royal canon of Turin. Bildtafel 1; Die hier von den sonst üblichen Syntax für Hieroboxen abweichende Darstellung des Eintrags im Turiner Papyrus ist auf den Umstand gemünzt, dass im Hieratischen offene Kartuschen zur Verwendung kamen. Das abwechselnde Mal-fehlen-mal-vorhandensein bestimmter Namenselemente ist auf Materialschäden im Papyrus zurückzuführen.
  3. Jahreszahlen nach Schneider: Lexikon der Pharaonen.
  4. Turin kinglist
  5. a b c Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Seite 124.
  6. I.E.S. Edwards: The early dynastic period in Egypt. S. 31.
  7. vergl. William Matthew Flinders Petrie & Francis Llewellyn Griffith: Royal Tombs of First Dynasty. Abb.42.
  8. Iorwerth Eiddon Stephen Edwards: Early history of the Middle East. S. 27.
  9. a b Nicolas Grimal: A History of Ancient Egypt. S. 53.
  10. Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. S. 57.
  11. Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. S. 58.
  12. Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. S. 275 & 276ff.
  13. Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. S. 78-79.
  14. Stan Hendrickx, Barbara Adams & K. M. Cialowicz: Egypt at its origins. S. 1137.


Vorgänger Amt Nachfolger
Den König von Ägypten
1. Dynastie
Semerchet

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