Aneignung (Philosophie)

Das Wort Aneignung wird im philosophischen Kontext auf vier verschiedene Weisen benutzt.

  1. Als umgangssprachlicher, nicht terminologischer Ausdruck für das Studium oder die Durchdringung eines Fachgebietes oder der Texte einer Person. Beispiel:"Ich habe mir Kant angeeignet." Dann hat derjenige Texte von und über Immanuel Kant gelesen oder studiert und kennt sich nun recht gut mit Kant aus.
  2. Im Rahmen der Dialektik versteht man unter dem Prozess der Aneignung die bewusste Gestaltung der menschlichen Lebensbedingungen.
  3. In der dialogischen Anthropologie wird Aneignung als Pragmatisierung gefasst und der Vergegenständlichung als Semiotisierung komplementär gegenübergestellt. (vgl. Kuno Lorenz)
  4. Als Übersetzung des buddhistischen Wortes Upādāna ist Aneignung oder Anhaftung ein Festklammern (etwa an der Illusion des Ich) und stellt so als Gruppe von Daseinsfaktoren einen Ursachenzusammenhang für das Leid (dukkha) dar.

Im soziologischen Kontext tauchen weitere Bedeutungen auf:

  1. Die Kulturwissenschaft betrachtet die kreative Aneignung kultureller Güter und beschreibt damit, wie ein Leser einem Text Bedeutung zuweist. Im Fokus steht die Nutzung von (primär kulturellen) Produkten in einer anderen Weise als vom Produzenten vorgesehen (vgl. Stuart Hall und Michel de Certeau).
  2. Die Kommunikationswissenschaft greift dieses Konzept auf und untersucht, welche (praktische) Bedeutung ein Rezipient einem Medium, (zum Beispiel dem Fernsehen oder der Mobilkommunikation) zuweist, wie er die technischen Möglichkeiten im Alltag nutzt. Diese Perspektive liefert zum Beispiel eine Erklärung für den unerwarteten Erfolg der SMS.
  3. In der kulturhistorischen Schule bezeichnet Aneignung die Internalisierung spezifischer, menschlicher, gesellschaftlich-historischer Erfahrungen durch aktive Tätigkeit mit Hilfe spezifischer Werkzeuge wie der Sprache.

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