Konkret (Zeitschrift)
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konkret
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Beschreibung Zeitschrift für Politik und Kultur
Verlag KVV KONKRET GmbH & Co. KG
Erstausgabe 1957
Erscheinungsweise monatlich
Chefredakteur Wolfgang Schneider
Herausgeber Hermann L. Gremliza
Weblink konkret-verlage.de
ISSN 0023-3528

konkret ist eine 1957 gegründete deutsche Zeitschrift, die – mit einer Unterbrechung Anfang der 1970er Jahre – bis heute erscheint. Die monatlich erscheinende Zeitschrift für Politik und Kultur vertritt weit links angesiedelte Positionen; während sie selbst sich als „einzige linke Publikumszeitschrift Deutschlands“ versteht[1], wird sie vom Verfassungsschutz dem „undogmatischen Linksextremismus“ zugeordnet.[2]

Inhaltsverzeichnis

Vorläufer Studentenkurier

Der Studentenkurier, der Vorläufer der konkret, wurde 1955 von Klaus Rainer Röhl gegründet. Er erschien bis 1957 und wurde durch die Mitwirkung zahlreicher bedeutender Autoren (Werner Riegel, Peter Rühmkorf, Arno Schmidt, Kurt Hiller und vieler anderer, auch des Grafikers Vilhelm Witting) eine in der akademischen Jugend hoch wirkungsvolle Zeitung.

An den Gründungen war auch der Bremer Bauunternehmer Klaus Hübotter, der auch heute noch Rechte an konkret besitzt, beteiligt.

konkret von 1957 bis 1974

Bahnbrechend in ihrer Form der Kritik war konkret in den ersten Jahren ihres Bestehens insbesondere auf die gesellschaftskritische Studentenschaft von großem Einfluss. In der Hochphase der Studentenrevolte (vgl. 68er-Bewegung) erschien die Zeitschrift vierzehntäglich oder gar wöchentlich.

Anfänglich war die in „konkret“ umbenannte Zeitschrift eine Studentenzeitschrift, die an den Universitäten auch ihre Verbreitung fand. Klaus Rainer Röhl und einige andere Redakteure unterhielten bis 1964 finanzielle Beziehungen zur DDR, wobei diese auch versuchte, direkten Einfluss auf die Redaktionsarbeit zu nehmen. Röhl gab später an, die Redakteure seien durch Instrukteure der ab 1956 illegalen KPD angeleitet worden.

Da es in der Folgezeit beständig Probleme mit der Finanzierung der Zeitschrift gab, gleichzeitig deren Verbreitung und Bekanntheitsgrad sich enorm vergrößerte, suchte K. R. Röhl eine Möglichkeit zur sicheren Expansion und Verbreitung der Zeitschrift. Da auch immer DDR-kritische Artikel gedruckt wurden und die Zahlungen zuletzt ausblieben, wurde Aufmachung und Inhalt (in den Anfängen der sexuellen Emanzipation) auch immer stärker von sexuellen Themen auch unter Verwendung von Nacktfotos geprägt, da dies eine hohe Auflage erwarten ließ.

Peter Rühmkorf, von den engen Verbindungen zur SED nichts ahnend, schrieb am 19. Mai 1969 in konkret (Nr. 11 dieses Jahrgangs) in seiner Kolumne Agents provocateurs: „Das Schicksal der Zeitschrift konkret, ihre äußeren Anfechtungen und ihre inneren Irritationen sind nicht zu trennen von den Spannungen in der linken Bewegung überhaupt.“ Diese Charakteristierung der Zeitschrift trifft im Grunde bis in die Gegenwart zu.

Unter den Redakteuren sind Stefan Aust und Uwe Nettelbeck zu nennen. Doch war die damals bekannteste Mitarbeiterin der Zeitschrift Röhls Ehefrau Ulrike Meinhof, die von 1960 bis 1964 zudem Chefredakteurin war. Die Beendigung ihrer journalistischen Tätigkeit erfolgte nach der Befreiung von Andreas Baader während gemeinsamer Recherchen in einem Berliner Institut. Am 26. April 1969 schrieb sie in der Frankfurter Rundschau: „Ich stelle meine Mitarbeit jetzt ein, weil das Blatt im Begriff ist, ein Instrument der Konterrevolution zu werden, was ich durch meine Mitarbeit nicht verschleiern will“. Mit diesem Entschluss, für konkret keine Kolumnen mehr zu schreiben, hatte sich Meinhof auch entschieden, in den Untergrund zu gehen. Am 7. Mai 1969 wurde das Haus des konkret-Herausgebers Röhl in Blankenese von mehreren Aktivisten unter Meinhofs Leitung gestürmt, Fenster eingeschlagen, die Wohnung demoliert und Einrichtungsgegenstände aus dem Fenster geworfen.

konkret seit 1974

Der aktuelle Erscheinungsort von konkret ist Hamburg; ihr Herausgeber ist seit 1974 der Journalist Hermann L. Gremliza, der auch regelmäßig die Einleitungskolumne der Zeitschrift schreibt. Gremlizas Anliegen war, konkretzur publizistischen Speerspitze einer seriösen Linken zu machen (…), [nachdem] Röhl nach der Trennung von Ulrike Meinhof [konkret] zu einer Art Yellow-Press der Apo gemacht hatte“.[3]

konkret bezeichnet sich selbst und wird charakterisiert als eine (radikal) linke Zeitschrift, d.h. sie steht im politischen Spektrum links von den im Bundestag vertretenen Parteien (vgl. Neue Linke). Ein Leitspruch der Zeitschrift ist „lesen, was andere nicht wissen wollen“.

„konkret“ hält auch nach der Einführung der neuen deutschen Rechtschreibung an den alten Rechtschreibregeln fest.

Kontroverse um die Haltung zum Nahostkonflikt

In einem wesentlichen Teil der sich als antiimperialistisch verstehenden Fraktion der radikalen Linken wird konkret vor allem wegen der grundsätzlich pro-israelischen Haltung sowie der zustimmenden Haltung zum Irak-Krieg kritisiert.

Aus diesen Gründen endete auch die Arbeit Jürgen Elsässers bei konkret. Noch Ende 2002 hatte er in Bezug auf den bevorstehenden Irak-Krieg dem Vergleich der Methoden Hitlers und Bushs durch Herta Däubler-Gmelin zugestimmt, die Linke für ihr „in dubio pro bello“ kritisiert und geschrieben: „Bei Bush wie bei Hitler ist der Krieg nicht nur ein Ablenkungsmanöver von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten (gewesen), sondern die einzige Lösungsmöglichkeit einer säkularen Krise.“[4] In zwei Artikeln in der Zeitschrift junge Welt rechnete Elsässer einen Monat später mit „Kriegslügen von links“, insbesondere in konkret ab, und warf der Zeitschrift u.a. politischen Zynismus sowie eine unseriöse und groteske Aufblähung der „Opferbilanz der Baath-Partei“ vor.[5][6]

Konkret kündigte wenig später den Arbeitsvertrag mit Elsässer als Redakteur und schrieb Anfang 2003 dazu: „Die Gründe dafür waren arbeitstechnischer als auch politischer Art; […] die politischen betrafen Elsässers Versuch, seine eigene politische Neuorientierung gegen den Willen des Herausgebers und der Redaktion sowie auf Kosten anderer KONKRET-Autoren auf die Zeitschrift zu übertragen.“[7]

In einem Reader des Verfassungsschutzes wird resümiert:

Insbesondere die Monatszeitschrift ‚konkret‘ sowie die Bahamas-Gruppe erklärten nunmehr, zum Schutz Israels sei die militärische Intervention am Golf notwendig und richtig. Aus der Sicht des traditionellen Linksextremismus war dies ein Tabubruch, weil es die Befürwortung einer ‚imperialistischen Aggression‘ einschloss. Die ‚konkret‘-Fraktion erhielt von ihren Gegnern umgehend den Stempel ‚Bellizisten‘, um zu illustrieren, dass sie sich als Verräter vom antiimperialistischen ‚Friedenskampf‘ abgesetzt und das Lager gewechselt habe.

konkret-Herausgeber Gremliza wird von der Broschüre mit der Bemerkung zitiert:

Vom Irak, von den ungezählten Verbrechen, die das Regime Saddam Husseins angerichtet hat, darf am Friedenslager nicht gesprochen werden. Wer es dennoch tut, ist ein Kriegstreiber. Da mein diesbezüglicher Ruf hinreichend ruiniert ist, kann ich’s ja sagen: Wäre gewährleistet, dass Saddam Husseins Regime beseitigt und durch ein menschenfreundlicheres ersetzt werden könnte, ohne fünfzig-, hunderttausend oder mehr Iraker kollateral umzubringen und zugleich an anderen Orten andere Monster zu entfesseln, hätte ich keine Bedenken.“[8]

Autoren

Zu den konkret-Mitarbeitern gehörten über die Jahre viele bekannte freie Publizisten, z. B. Günter Amendt, Walter Boehlich, Martin Büsser, Diedrich Diederichsen, Sebastian Haffner, Ulrich Holbein, Günther Jacob, Reinhard Kahl, Otto Köhler, Erich Kuby, Dietrich Kuhlbrodt, Robert Kurz, Uwe Nettelbeck, Reinhard Opitz, Peggy Parnass, Wolfgang Pohrt, Karl Heinz Roth, Georg Seeßlen, Kay Sokolowsky, Ingrid Strobl und Oliver Tolmein.

Doch nicht nur Berufs-Journalisten lieferten Beiträge zur konkret, sondern auch Hochschullehrer, wie u. a. die Professoren F. W. Bernstein, Georg Fülberth, Ernst Fürntratt-Kloep, Freerk Huisken, Oskar Negt und Klaus Theweleit, aber auch bekannte Schriftsteller wie Heinrich Böll, Peter O. Chotjewitz, Karlheinz Deschner, Hubert Fichte, Erich Fried, Gerd Fuchs, Robert Gernhardt, Peter Hacks, Eckhard Henscheid, Gerhard Henschel, Günter Herburger, Wladimir Kaminer, Yaak Karsunke, Brigitte Kronauer, Robert Neumann, Hermann Peter Piwitt, Ernst Alexander Rauter, Michael Scharang, Michael Schneider, Horst Tomayer, Henning Venske und Peter Paul Zahl, sowie (Ex-)Politiker wie Jutta Ditfurth, Rudi Dutschke, Thomas Ebermann, Karl-Heinz Hansen, Rainer Trampert, Jürgen Trittin, Sahra Wagenknecht und Winfried Wolf.

Unter den Autoren fanden sich auch solche, die in der Zeitschrift selbst an anderer Stelle zum Teil heftig kritisiert wurden; zu ihnen gehörten u. a. (in Klammern das Jahr ihres letzten Beitrags): Wolf Biermann (1980), Norbert Blüm (1976), Alice Schwarzer (1981), Günter Wallraff (1985) und Gerhard Zwerenz (1992).

Siehe auch

Literatur

  • Bettina Röhl: So macht Kommunismus Spaß! Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret. Europäische Verlagsanstalt, 2006.
  • Klaus Rainer Röhl: Fünf Finger sind keine Faust. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1974
  • Rosen aus Ost-Berlin in: Spiegel 11/2006.

Weblinks

  • konkret – Onlineausgabe der Zeitschrift

Einzelnachweise

  1. Selbstdarstellung auf Konkret Online
  2. Die Bundesregierung ordnete konkret 2003 auf die Schriftliche Frage des CDU-Abgeordneten Georg Schirmbeck hin, als „organisationsunabhängige linksextremistische/linksextremistisch beeinflusste Publikation“ ein, s. Antwort des Staatssekretärs Lutz Diwall vom 1. August 2003, Bundestagsdrucksache 15/1474, Nr. 40, S.21. 2004 ordnete das Bundesamt für Verfassungsschutz in dem Reader „Extremismus in Deutschland - Erscheinungsformen und aktuelle Bestandsaufnahme, Herausgegeben vom Bundesamt für Verfassungsschutz, Juni 2006, veröffentlicht auf Extremismus.com, S.202f.“ die Zeitschrift dem „undogmatischen Linksextremismus“ zu. Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz bezeichnet konkret als antideutsche Publikation „innerhalb des linksextremistischen Spektrums“, s. Innenministerium NRW - Antideutsch; zuletzt abgerufen am 31.07. 2006
  3. Im Gespräch. Das Gelächter des Sisyphos. DER POLEMIKER WIRD 60., Interview mit Hermann P. Piwitt, in Freitag vom 10.11. 2000.
  4. Jürgen Elsässer: „Deficit bombing“, in: Konkret 11/2002, S. 13
  5. Jürgen Elsässer: „Wie sie lernten, die Bombe zu lieben. Linke, Krieg und Antisemitismus, erster Teil“, in: junge Welt, 07.12. 2002.
  6. Jürgen Elsässer: „Mit Auschwitz lügen. Linke, Krieg und Antisemitismus, zweiter Teil“, in: junge Welt, 09.12. 2002.
  7. Konkret 1/2003, S. 4
  8. Extremismus in Deutschland - Erscheinungsformen und aktuelle Bestandsaufnahme, Herausgegeben vom Bundesministerium des Innern, S. 202, veröffentlicht auf Extremismus.com. Vgl. auch die Reaktion von konkret auf ihrer Internetseite.

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