Anemone sylvestris
Großes Windröschen
Großes Windröschen (Anemone sylvestris)

Großes Windröschen (Anemone sylvestris)

Systematik
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Anemoneae
Gattung: Windröschen (Anemone)
Art: Großes Windröschen
Wissenschaftlicher Name
Anemone sylvestris
L.

Das Große Windröschen (Anemone sylvestris) ist eine Art der Gattung Windröschen (Anemone) aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Die ausdauernde Pflanze kommt auf eher hellen und trockenen Standorten vor und erreicht eine Höhe von 40 cm und darüber hinaus. Die früher häufige Pflanze ist in den vergangenen Jahrzehnten selten geworden, gefährdet, und daher geschützt. Das Große Windröschen wird wegen seines Vorkommens auch Wald-Windröschen oder Waldsteppen-Windröschen genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der abstehend behaarte, 15 bis 35 cm hohe aufrechte Stängel der krautigen Pflanze trägt die endständige weiße Blüte mit meist fünf breit-eiförmigen Blütenblättern. Eine Unterscheidung in Kelch und Krone erfolgt nicht- das große Windröschen besitzt eine einfache Blütenhülle. Die Blütenhüllblätter sind an ihrer Außenseite dicht seidig behaart und umgeben zahlreiche kurze gelbe Staubblätter. Diese säumen unzählige, kleine, flaumig behaarte Fruchtblätter, die mit ihren kurzen Griffeln der zapfenförmigen Blütenachse ansitzen. Botanisch gesehen handelt es sich um ein unverwachsenes (chorikarpes) Gynoeceum. Der Blütendurchmesser beträgt vier bis sieben cm. Die Pflanze entwickelt gewöhnlich nur eine Blüte, in äußerst seltenen Fällen werden zwei Blüten pro Pflanze gebildet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Vertretern aus der Familie der Hahnenfußgewächse sind die Blüten des Großen Windröschens duftend.
Unterhalb der Blüten findet man am Stängel drei wirtelig angeordnete Hochblätter. Diese sind rundlich, dreifach bis fünffach geteilt mit zwei- bis dreispaltigen Abschnitten. Sie weisen eine Breite von bis zu 10 cm. auf. Die sommergrünen Laubblätter sind grundständig, tief handförmig eingeschnitten und ungestielt. Sie breiten sich erst nach der Blütezeit vollständig aus. Drei Millimeter lange Nüsschen mit dicht wollfilziger Behaarung und kurzem Schnabel werden nach ihrer Reife als Schirmchenflieger über den Wind ausgebreitet (Anemochorie). Als Wasserhafter können sie sich bei Nässe auch an das Fell von Tieren anheften und so ausgebreitet werden (Epichorie).

Die Blütezeit ist von April bis Juni.

Die Pflanze ist giftig

Vorkommen, Verbreitung

.

Am Standort auf einem Halbtrockenrasen im Taubergrund

Diese wärmeliebende Art kommt vorwiegend in den Mittelgebirgen (kolline bis submontane Höhenstufe) Mittel- und Osteuropas sowie im Kaukasus vor, und fehlt in den Alpen, im nord- und westdeutschen Flachland, sowie auf den britischen Inseln und im Mittelmeerraum.

Die Pflanze benötigt kalkhaltigen, lockeren Boden, bevorzugt aber anders als das Buschwindröschen (Anemone nemorosa) eher trockene, helle Standorte. Die Pflanze ist in lichten Busch- und Kiefernwäldern, insbesondere in Schneeheide-Kiefernwäldern und Kiefern-Steppenwäldern, auf Halbtrockenrasen und in Heiden zu finden. Eichenwaldlichtungen, Waldsäume, Böschungen und Hohlwege zählen zu den gerne besiedelten Standorten. Man trifft sie bis zu einer Höhe von 1600 Metern an.

Das Große Windröschen gilt als Kennart des Wildanemonensaums (Geranio-Anemonetum sylvestris), eine Assoziation, die dem Verband Xerophile Saumgesellschaften (Geranion sanguinei) zugeordnet ist. Gemeinsam mit Berg-Haarstrang (Peucedanum oreoselinum) und Grauer Skabiose (Scabiosa canescens) bildet es auf tiefgründigeren Böden, wie Löss oder Pararendzinen eine Gesellschaft, deren Standorte oftmals anthropogen beeinflusst sind. Dieser weit verbreitete Saumtyp erstreckt sich im Norden bis ins Weser-Bergland, isolierte Vorkommen wurden auf Öland und Gotland nachgewiesen. Als Gehölz-Kontaktgesellschaften wurden Wärmeliebende Gebüsche, Wald-Kiefern-reiche Flaumeichenwälder, subkontinentale Kiefernwälder und Thermophile Buchenwälder festgestellt.[1]

Ökologie

Das Große Windröschen bietet als Pollen-Scheibenblume keinen Nektar an. Es wird von Insekten, wie Käfern, Bienen und Fliegen bestäubt. Auch Selbstbestäubung kommt vor. Die Samen werden über den Wind ausgebreitet. Für die Raupen des Dunkelbraunen Waldrebenspanners stellen die Blätter der Pflanze eine wichtige Nahrungsquelle dar.

Gefährdung

Blüte des Großen Windröschens

Die Intensivierung der Landwirtschaft mit Flurbereinigung, erhöhtem Nährstoffeintrag und Ausbau der Wege hat viele Standorte zerstört und zu einem enormen Rückgang der Populationen beigetragen, so dass die Pflanze in ganz Deutschland als gefährdet gilt.

Dem Konkurrenzdruck nichtheimischer Arten, welche die Standorte des großen Windröschens besiedelt haben, ist die Pflanze oftmals nicht gewachsen, was die Bestandssituation zusätzlich verschärft.



Quellen

  • Informationen bei Floraweb
  • Stinglwagner, Haseder, Erlbeck: Das Kosmos Wald-und Forstlexikon, Kosmos-Verlag, ISBN 978-3-440-10375-3
  • Düll, Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Quelle und Meyer, Wiesbaden 2005 (6.Aufl.). ISBN 3-494-01397-7

Einzelnachweise

  1. Heinrich E. Weber: Gebüsche, Hecken, Krautsäume, Ulmer Verlag 2003, S. 185 ISBN 3-8001-4163-9

Weblinks


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