Konstantin I. (Rom)

Konstantin I. (Rom)
Konstantin I.
Kapitolinische Museen

Flavius Valerius Constantinus (* an einem 27. Februar zwischen 272 und 285 in Naissus, Moesia Prima; † 22. Mai 337 bei Nikomedia, Bithynia et Pontus), auch bekannt als Konstantin der Große (griechisch Κωνσταντίνος ο Μέγας) oder Konstantin I., war von 306 bis 337 römischer Kaiser. Allein, das heißt ohne Mitherrscher oder Konkurrenten, herrschte er jedoch erst ab 324.

Historisch bedeutend ist Konstantins Regierungszeit vor allem wegen der von ihm eingeleiteten konstantinischen Wende, mit der der Siegeszug des Christentums begann. Diese nahm ihren Ursprung in der Verwendung des Christusmonogramms in der Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahr 312. Hier siegte Konstantin über seinen Rivalen Maxentius. Nach den Beschreibungen von Lactantius und Eusebius war der Christengott sein „Schlachtenhelfer“. 313 folgte die sogenannte Mailänder Vereinbarung, die im ganzen Reich die Religionsfreiheit garantierte und damit auch das Christentum erlaubte. Konstantin privilegierte das Christentum in der Folgezeit weiterhin. Er unterstützte den Wiederaufbau der Kirchen, förderte außerdem eine rechtliche Gleichstellung christlicher Geistlicher und berief 325 das erste Konzil von Nicäa ein, um innerchristliche Streitigkeiten (arianischer Streit) beizulegen.

324/26 verlegte Konstantin seine Residenz in den Osten des Reiches, nach Konstantinopel („Stadt des Konstantin“). Neben den historisch belegten Tatsachen gibt es viele Einzelheiten bezüglich Konstantin, die bis heute umstritten sind, besonders wie sein tatsächliches Verhältnis zum Christentum war.

Inhaltsverzeichnis

Das Römische Reich zur Zeit Konstantins

Das Imperium Romanum war im 3. Jahrhundert n. Chr. in eine Krisenzeit geraten, die von der modernen Forschung als Reichskrise des 3. Jahrhunderts bezeichnet wird, in der der Druck auf die Grenzen an Rhein, Donau und Euphrat unentwegt zunahm: Während verschiedene Germanenstämme wie die Franken, Alamannen und Goten im Norden für Unruhe sorgten, war im Osten 224/226 das Sassanidenreich entstanden, das sich als gleichwertiger Gegner erwies (siehe Römisch-Persische Kriege). Im Inneren des Imperiums wurden mehrere Usurpationen vor allem von den großen Heeresverbänden getragen, die nun Legitimation der Kaisermacht waren. Auch wenn diese Krisenzeit wohl nicht alle Lebensbereiche und Provinzen erfasste und keineswegs einen Dauerzustand darstellte, so erwies es sich doch als eine schwere Belastungsprobe.

Kaiser wie Aurelian leiteten darum seit den 270er Jahren Reformen ein, doch erst dem 284 zur Macht gekommenen Diokletian gelang es, das Reich auf ein neues Fundament zu stellen. Teils tiefgreifende Reformen wurden durchgeführt, die Grenzen gesichert und als Reaktion auf die vielen Brennpunkte an den Grenzen ein Mehrkaisertum eingeführt (siehe Römische Tetrarchie). Dennoch sollte sich nach dem Rücktritt Diokletians und seines Mitkaisers Maximian im Jahr 305 entgegen den Intentionen Diokletians wieder das dynastische Prinzip durchsetzen. Ein jahrelanger Bürgerkrieg entbrannte, an dessen Ende Konstantin Alleinherrscher des Imperiums war.

Leben

Jugend und der Weg zur Macht

Follis des Constantius Chlorus

Konstantin wurde am 27. Februar eines unbekannten Jahres in der Stadt Naissus (heute Niš in Serbien) geboren. Wahrscheinlich kam er um 280 zur Welt.[1] Seine Eltern waren Constantius Chlorus und Helena, die von sehr niedriger Herkunft war.[2] Wie lange die Beziehung zwischen Constantius und Helena hielt, ist unklar. Konstantin hatte sechs Halbgeschwister aus der spätestens 289 geschlossenen Ehe seines Vaters mit einer Stieftochter Kaiser Maximians, die Brüder Julius Constantius, Flavius Dalmatius und Flavius Hannibalianus und die Schwestern Constantia, Eutropia und Anastasia. Darüber hinaus ist über seine Kindheit und Jugend kaum etwas bekannt. Sein Vater war wohl unter den Kaisern Aurelian und Probus Offizier gewesen und erst unter Diokletian zu politischer Bedeutung gelangt.

Nachdem Constantius 293 in Diokletians Tetrarchie Caesar (Unterkaiser) geworden war, lebte Konstantin zuerst am Hof des Seniorkaisers Diokletian und begleitete dann Galerius in den Krieg an der Donau. 305 gelang es ihm, seinen Vater in Britannien aufzusuchen, wo er sich wohl auf dessen Feldzug gegen die Pikten so auszeichnete, dass er nach dessen Tod am 25. Juli 306 im heutigen York von den Truppen zum Augustus (Oberkaiser) ausgerufen wurde.[3] Er begnügte sich aber zunächst mit dem Caesarentitel, der ihm von Galerius, der nach Diokletians Rücktritt der ranghöchste Kaiser war, zugestanden wurde.

Statue Diokletians im Archäologischen Museum Istanbul

Damit war jedoch die tetrarchische Ordnung Diokletians durchbrochen, die trotz einiger zaghafter Restaurierungsbemühungen auch nicht wiederhergestellt werden konnte (siehe Kaiserkonferenz von Carnuntum 308), da nun die dynastische Idee, der die Soldaten ohnehin mehrheitlich anhingen, wieder an Boden gewann. Konstantins Mitkaiser in der Tetrarchie, in die er schließlich aufgenommen wurde, weil er sich mit dem Titel eines Caesar zufriedengab, waren Galerius (293/305–311), Severus (305/306–307), Maximinus Daia (305/310–313) und Licinius (308–324). Daneben führte Maximians Sohn Maxentius eine Usurpation durch (von Galerius nicht anerkannt, 306–312), sowie Domitius Alexander in Africa (Usurpator 308–309/310).

307 trennte sich Konstantin von Minervina, der Mutter seines Sohnes Crispus (305–326), und heiratete Fausta, die Tochter des mit Diokletian zurückgetretenen Kaisers Maximian. In diesem Zusammenhang erhob dieser Konstantin zum Augustus, ohne dazu tatsächlich befugt zu sein. Maximian selbst hatte wieder zum Purpur gegriffen, nachdem Maxentius von den Prätorianern und stadtrömischen Kreisen zum Kaiser erhoben worden war. Ein erster Angriff des Severus war ebenso wie ein zweiter durch Galerius vorgetragener Vorstoß noch relativ leicht abgewehrt worden. Nun suchte Maximian die Unterstützung Konstantins.

Fausta gebar ihm bis zu ihrem Tod im Jahr 326 die drei Söhne Konstantin II., Constantius II. und Constans, die nach Konstantins Tod dessen Nachfolger als Kaiser wurden, sowie die beiden Töchter Constantina und Helena. Als Caesar blieb Konstantin zuerst in seinen Provinzen Gallien und Britannien (er residierte unter anderem in Trier) und überließ den Mitkaisern Galerius und Severus die Bekämpfung des Maxentius und des Domitius Alexander. 309 ließ Konstantin eine neue Goldmünze prägen, den Solidus.

Maximian hatte sich bereits 308 mit Maxentius zerstritten, war zur Flucht aus Italien gezwungen worden und hatte nun bei Konstantin Zuflucht gefunden. Konstantin war zwischenzeitlich auf der Kaiserkonferenz von Carnuntum der Augustustitel wieder aberkannt worden. 310 jedoch intrigierte Maximian gegen Konstantin, welcher an der Rheinfront gebunden war.[4] Das Komplott scheiterte, Maximian suchte in Massillia Zuflucht, wurde aber schließlich von seinen Truppen ausgeliefert. Nur wenig später beging der ehrgeizige Maximian Suizid. Nach diesem Ereignis nahm Konstantin offiziell und endgültig den Augustustitel an; er brach mit der dynastischen Verbindung zur „herculischen Dynastie“ Maximians und konstruierte eine Abstammung von Kaiser Claudius Gothicus. Nach dem Tod des Galerius 311 musste er sich außerdem mit Maxentius auseinandersetzen, der zuvor Severus geschlagen und getötet hatte.

Erringung der Herrschaft im Westen

Follis Konstantins I.

312 marschierte Konstantin, nachdem er bereits Hispanien seinem Herrschaftsbereich angeschlossen hatte, in Italien ein. Maxentius’ Truppen waren denen Konstantins zahlenmäßig wohl überlegen; nach einem namentlich nicht bekannten Panegyriker verfügte Maxentius angeblich über 100.000 Mann, wovon sich ein Teil in Oberitalien im Raum von Turin, Verona und Segusio versammelt hatte.[5] Konstantin hingegen konnte dem gleichen Panegyricus zufolge aufgrund der gefährdeten Rheingrenze nur ein Viertel seines Gesamtheeres mitführen, also etwa 40.000 Mann.[6] Dieses Heer setzte sich aus britannischen, gallischen und germanischen Truppen zusammen und war wesentlich kampferprobter als das italische Heer. Konstantin konnte die feindlichen Truppen bei Turin, Brescia und schließlich Verona schlagen. In der letzten Schlacht fiel auch der Prätorianerpräfekt des Maxentius, Ruricius Pompeianus. Konstantin marschierte nun nach Süden und schlug Maxentius in der Schlacht bei der Milvischen Brücke am 28. Oktober 312. Der Legende nach hatte Konstantin kurz zuvor eine Christuserscheinung bzw. Kreuzesvision. Die Berichte bei Eusebius – dessen Version wahrscheinlich auf Äußerungen Konstantins gegenüber Bischöfen beruhen, die dieser aber erst Jahre später getätigt hat – und Lactantius widersprechen sich teils, die Kernaussage bleibt jedoch, dass Konstantin seinen Sieg auf die Hilfe des Gottes der Christen zurückführte.[7] So lehnte er denn auch nach seinem Sieg an der Milvischen Brücke heidnische Opfer ab. Der Senat erkannte den Sieger nunmehr als ranghöchsten Augustus an.

Konstantin, der bereits vorher eher zum Monotheismus geneigt hatte (wie sein Vater hatte er den Sonnengott Sol Invictus verehrt) und das Christentum bereits seit seiner Jugend kannte, begünstigte es in der Folgezeit immer mehr. Allerdings lässt sich daraus nicht zuverlässig ableiten, ob und inwieweit er sich mit dem Glauben identifizierte. Wenn er seinen Sieg über seine Feinde auf göttlichen Beistand zurückführte, bewegte er sich durchaus in der Tradition der römischen Kaiser. Am ehesten kann man ihn wohl als einen Verehrer des Christengottes bezeichnen, nicht aber unbedingt als Christen im eigentlichen Sinne, auch wenn nicht wenige Forscher doch eben dieser Meinung sind.[8]

313 traf Konstantin mit Licinius zusammen, dem Kaiser des Ostens. Dieser heiratete Constantia, die Lieblingsschwester Konstantins. Die beiden Kaiser verabschiedeten die sogenannte Mailänder Vereinbarung (oft auch als Toleranzedikt von Mailand bezeichnet), die das Christentum den anderen Religionen gleichstellte und somit den Christen im ganzen Reich freie Religionsausübung zusicherte.[9] Damit wurde das Christentum aber noch keineswegs zur Staatsreligion erhoben, dies geschah erst Jahrzehnte später unter Theodosius I.

Konstantin selbst bekannte sich außerdem nicht öffentlich zum Christentum: Auf dem Konstantinsbogen, der seinen Sieg an der Milvischen Brücke feiert, fehlen zwar die meisten sonst üblichen heidnischen Motive bis auf die Siegesgöttin Viktoria und den Sonnengott, aber ebenso fehlen alle eindeutig christlichen Symbole. All dies lässt sich auf unterschiedliche Weise interpretieren, etwa so, dass Konstantin den Sieg nicht mit Sicherheit dem Gott der Christen zuschrieb, sondern eben nur einer obersten Gottheit. Möglich ist aber auch, dass Konstantin Rücksicht auf die Heiden nahm.[10] Konstantins Edikt bedeutete letztlich Freiheit der Glaubensentscheidung für alle Religionen. Er förderte aber auch die christliche Kirche, deren Infrastruktur im Reich sehr gut organisiert war, indem er die Stellung der Bischöfe stärkte. Ebenso beschenkte er die Kirche mit Ländereien und veranlasste gemäß Eusebius das Erstellen von fünfzig Bibelabschriften für die Kirchen in Konstantinopel, da viele Bibeln während der Verfolgung zerstört worden waren. Zudem – und dies erwies sich schließlich als entscheidend – ließ Konstantin seine Söhne im christlichen Glauben erziehen. Nach 324 verschwanden auch heidnische Münzembleme, außerdem wurden zunehmend Christen mit wichtigen Ämtern betraut, womit auch die Bedeutung der traditionellen Kulte mehr und mehr schwand. Ebenso wurden vereinzelt heidnische Tempel geplündert und private Haruspizien verboten.[11]

Bereits 316 gewann er im Krieg mit Licinius das Illyricum. Der Hintergrund war eine gegen Konstantin gerichtete Verschwörung, die wohl von einem Offizier des Licinius, einem gewissen Senecio, angezettelt worden war. Nachdem das Komplott aufgedeckt wurde, weigerte sich Licinius aber, Senecio auszuliefern. Dies musste Konstantin aber in der Vermutung bestärken, Licinius habe sich an der Verschwörung mehr oder minder beteiligt. Konstantin rückte mit seinen gallisch-germanischen Truppen, etwa 20.000 Mann, in Illyricum ein, Licinius trat ihm bei Cibalae (heute Vinkovci) mit 35.000 Mann entgegen, unterlag aber und musste in aller Eile nach Thrakien fliehen, wo weitere Truppen standen. In der Nähe der Stadt Adrianopel kam es zu einer Schlacht, die aber unentschieden endete. Am Ende einigten sich Konstantin und Licinius, wobei letzterer faktisch die gesamte Balkanhalbinsel räumen musste.

Die Spannungen, bei denen auch die Religionspolitik Konstantins eine Rolle spielte, blieben jedoch bestehen. Ab 321 datierten beide Reichshälften nicht mehr einheitlich nach den gleichen Konsuln, und 322 residierte Konstantin in Thessaloniki, also unmittelbar an der Grenze beider Machtbereiche, was Licinius sicherlich provozierte. Als Konstantin dann noch mit seinen Eliteverbänden in Licinius’ Balkanprovinz eindrang, um die bedrohte Bevölkerung vor Übergriffen durch die Goten zu schützen, protestierte Licinius lautstark. Es folgte ein letztlich ergebnislos verlaufender diplomatischer Notenwechsel, 324 kam es zum entscheidenden Konflikt. Konstantin gelang es in einer kombinierten Land- und Seeoperation, Licinius’ Truppen in Thrakien zu schlagen (Konstantins ältester Sohn Crispus besiegte dabei Licinius' Flotte). Licinius selbst floh zunächst nach Byzantion und dann nach Kleinasien. Seine Flotte wurde jedoch in einer Seeschlacht vernichtet und im September 324 unterlag Licinius endgültig in der Schlacht bei Chrysopolis. Licinius kapitulierte schließlich, wobei Konstantin versprach, sein Leben zu schonen. 325 wurde er dennoch von Konstantin hingerichtet. Der Grund dafür war die wohl nicht ganz unbegründete Sorge Konstantins, dass Licinius, ähnlich wie Jahre zuvor Maximian, noch immer eine potentielle Bedrohung darstellte.[12]

Mit seinem Sieg über Licinius war Konstantin alleiniger Herrscher des Römischen Reiches. Er ließ seinen Triumph denn auch durch seinen neuen Beinamen Victor (der Sieger) feiern; damit legte er auch den heidnisch konnotierten Beinamen Invictus (der Unbesiegte) ab, der auch ein Beiname des Gottes Sol war.

Reichspolitik als Alleinherrscher

Konstantin der Große mit dem Stadtmodell Konstantinopels (Mosaik in der Hagia Sophia, um 1000)

Konstantin verlegte seine Hauptresidenz in den Osten, in die alte griechische Kolonie Byzanz (heute Istanbul), die er prächtig ausbaute und 330 feierlich einweihte. Die neue Hauptstadt wurde Konstantinopel genannt (aus Konstantin und griechisch πόλις/polis, Stadt), womit Konstantin der Tradition hellenistischer Könige und früherer römischer Kaiser folgte, neuen Stadtgründungen den eigenen Namen zu geben. Rom, schon seit Jahrzehnten nur noch pro forma Hauptstadt, verlor damit weiter an Bedeutung, wenn es auch weiterhin ein wichtiges Symbol für die Romidee blieb. Konstantins Schritt ist verständlich, da zum einen die strategische Lage der neuen Hauptstadt ungleich besser war (sie lag an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt und war von der gefährdeten Donau- und Ostgrenze etwa gleich weit entfernt; zudem war sie besser geschützt) und die Stadt zum anderen im wirtschaftlich weitaus wichtigeren Osten lag. Obwohl in der nun vergrößerten Stadt auch zahlreiche Kirchen gebaut wurden, waren auch noch zahlreiche heidnische Motive vorhanden. Die Stadt wurde Rom in vielerlei, wenn auch noch nicht in jeder Hinsicht gleichgestellt und erhielt etwa einen eigenen Stadtpräfekten, auch ein Senat wurde hier konstituiert. Zusätzlich sorgte Konstantin für Anreize, sich in Konstantinopel niederzulassen. Allerdings wurde die Stadt erst nach einigen Jahrzehnten zur faktischen Hauptstadt des östlichen Reichsteils, auch die städtische Entwicklung war erst im 5. Jahrhundert abgeschlossen. Hofrhetorik und Kirchenpolitik erhoben Konstantinopel dann sogar in den Status eines neuen Roms.

326 kam es zu einer Familientragödie: Konstantin ließ seinen ältesten Sohn Crispus und kurz darauf seine Frau Fausta töten. Dieses recht düstere Kapitel in der Regierungszeit Konstantins lässt sich jedoch kaum mehr sicher rekonstruieren: Zu verworren und teils widersprüchlich ist die Quellenlage. So variieren auch die modernen Erklärungsversuche. Fausta soll jedenfalls nach einer Quellenüberlieferung Crispus beschuldigt haben, ihr nachzustellen, worauf Konstantin seinen Sohn tötete. Als er dann – möglicherweise auf Hinweis seiner Mutter Helena – feststellte, dass die Anklage falsch war, tötete er auch die Urheberin der Intrige. Möglich sind jedoch auch ganz andere, plausiblere Erklärungen (denn der Vorwurf an sich trägt durchaus topische Züge, zumal es den antiken Autoren kaum möglich war, zuverlässige Nachrichten über die Vorgänge im Palast zu erhalten), etwa dass Crispus womöglich unzufrieden war mit seiner Stellung und (bewusst oder unbewusst) in eine Intrige verwickelt wurde, in die möglicherweise auch Fausta involviert war: 326 war Konstantin seit 20 Jahren Kaiser, und das diokletianische System hatte offenbar nach zwei Jahrzehnten den Rücktritt des Herrschers und das Aufrücken des Caesar zum Augustus vorgesehen. Vielleicht machte Crispus daher entsprechende Ansprüche geltend.[13] Wie dem auch sei: In jedem Fall zeigte sich, dass Konstantin im Zweifelsfall (wie so viele andere Kaiser vor und nach ihm) nicht zögerte, zur Gewalt zu greifen.

332 schlug Konstantin die Goten und sicherte durch einen Vertrag (foedus) die Donaugrenze ab.[14] 334 wurden die Sarmaten geschlagen. Konstantin, der militärisch einer der erfolgreichsten römischen Kaiser war, trieb auch ansonsten zahlreiche Maßnahmen zur Stabilisierung der Grenzen voran und sicherte auch noch einmal die Rhein- und Donaugrenze (Brückenbau bei Oescus an der Donau, wodurch ein befestigter Brückenkopf errichtet wurde) durch zusätzliche Befestigungen.

Die schon vorher von Diokletian eingeleitete (oder besser: weiter vorangetriebene) Heeresreform wurde unter ihm weitgehend abgeschlossen. So gab es von nun an ein regelrechtes Bewegungsheer (Comitatenses) und ein Grenzheer (Limitanei). Zwar kritisieren einzelne Quellen diesen Schritt, Konstantin sorgte damit allerdings für eine nachhaltige Stabilisierung der Grenzregionen, da feindliche Armeen nach einem Grenzdurchbruch nun leichter abgefangen werden konnten. Auch das Amt des Heermeisters (magister militum) wurde von Konstantin geschaffen, ebenso neue Hofämter, wie das Amt des quaestor sacri palatii (Leiter der Kanzlei) und des magister officiorum (Leiter der Verwaltung, der allerdings schon unter Licinius belegt ist). Die vorerst drei Prätorianerpräfekten - nunmehr rein zivile Ämter - entwickelten sich in der Folgezeit zu den Leitern der Verwaltungsdistrikte des Reiches.[15] Im Inneren hielt Konstantin auch an Diokletians Kurs fest (sakrale, nun freilich nicht mehr heidnisch, sondern zunehmend christlich fundierte Stellung des Kaisertums; wachsende Bindung der Bauern an den Boden). Im gesetzlichen Bereich führte Konstantin zahlreiche Verschärfungen ein, so dass teils äußerst brutale Strafen erlassen wurden.[16] Konstantins Religionspolitik (siehe unten) zeigt einen bemühten Kaiser, der allerdings die teils sehr komplizierten theologischen Überlegungen kaum nachvollziehen konnte.

Kurz vor Beginn eines Feldzugs gegen die Sassaniden, vorgeblich zum Schutz der Christen in Persien (siehe auch Römisch-Persische Kriege), genauso gut kommt aber als Motiv die Alexander-Imitatio in Frage,[17] erkrankte Konstantin schwer und starb bald darauf am Pfingstfest 337 bei Nikomedia.[18] Wie es damals üblich war, hatte sich Konstantin erst kurz vor seinem Tod vom arianischen Bischof Eusebius von Nikomedia taufen lassen. Seine drei Söhne Konstantin II., Constantius II. und Constans hatte Konstantin schon früh zu Caesaren ernannt. Diesen Titel erhielt 335 auch sein Neffe Dalmatius. Doch kam es nach dem Tod Konstantins zu einem Blutbad innerhalb der Familie und einem Bruderkrieg unter den Söhnen Konstantins (siehe Morde nach dem Tod Konstantins des Großen).

Religionspolitik

Konstantin mit seiner Mutter Helena und der von ihr entdeckten Reliquie des angeblichen Hl. Kreuzes (Ikone aus dem 16. Jahrhundert)

Auf die Förderung der christlichen Kirche durch Konstantin den Großen nach seinem Einzug in Rom wurde bereits oben eingegangen. Doch ergaben sich bald auch ernsthafte Probleme: Bereits 313 war Konstantin mit den Problemen der Kirche in Africa konfrontiert worden, die sich in die traditionelle Kirche und die Donatisten gespalten hatte. Aufgrund der eher mangelhaften Quellenlage lässt sich kaum etwas genaueres über Hintergründe sagen, auch in der Forschung sind viele Details umstritten: Die Spaltung konnte jedenfalls nicht rückgängig gemacht werden, doch war das Eingreifen Konstantins in diesen Streit ein Zeichen für dessen neues Selbstverständnis, auch eine Art von Schutzfunktion über die Kirche auszuüben. 321 erklärte Konstantin die Duldung der Donatisten, doch sah sich der Kaiser schon bald darauf gezwungen, gegen die Donatisten erneut vorzugehen – allerdings ohne Erfolg.[19] Ebenfalls 321 erklärte Konstantin den dies solis, den „Sonnentag“, zum Feiertag: Konstantin verfügte die Schließung der Gerichte am verehrungswürdigen "Tag der Sonne“ und erklärte ihn zum Ruhetag.

Im östlichen Teil des Reiches waren die Christen zahlreicher als im westlichen Teil (trotzdem stellten sie auch dort eine Minderheit dar; die diesbezüglichen Schätzungen für die Gesamtbevölkerung des Imperium schwanken, etwa 10% dürften aber realistisch sein). Konstantin konnte sich daher in den letzten vierzehn Jahren seiner Regierung offen als Christ bzw. als Anhänger des Christengottes zeigen. Seine Protektion der Christen (in der modernen Forschung spricht man von der Konstantinischen Wende) gegenüber den Heiden löste zahlreiche Bekehrungen bei Hofe aus. Dennoch sind kaum Anzeichen dafür erkennbar, dass der Kaiser plante, die traditionellen Kulte zu benachteiligen oder gar zu verbieten – die gegenteiligen Behauptungen bei Eusebius von Caesarea sind von eher zweifelhafter Glaubwürdigkeit. Während die großen Kulte, die im Heer und in der Reichsverwaltung weiterhin zahlreiche Anhänger hatten, weitgehend unbehelligt blieben, ging Konstantin gegen vereinzelte Kulte (wie den mit Tempelprostitution verbundenen Aphroditetempel in Heliopolis) und christliche Häretiker rigoros vor, wie das Beispiel der Donatisten zeigt; um 326 erließ Konstantin ein allgemeines Edikt gegen die Häretiker (Versammlungsverbot, Güterkonfiskation und Aufforderung zur Bekehrung zur orthodoxen christlichen Lehre). Heidnische Opferdienste konnten aber in aller Regel auch weiterhin ausgeübt werden.[20] Als Berater des Kaisers übte Bischof Ossius von Córdoba bereits seit 312 einen gewissen Einfluss auf den Kaiser aus. Er hatte Konstantin unter anderem in der Donatistenfrage beraten. Daneben konnte sich Konstantin nun auch auf die gut organisierte kirchliche Infrastruktur stützen.

Darstellung des Sol Invictus mit christlichen Attributen auf dem Konstantinsbogen

Offenbar hatte der Kaiser kaum Verständnis für dogmatische und christologische Probleme, die auch seinen Nachfolgern so viele Probleme bereiten sollten. Vielmehr scheinen seine religiösen Vorstellungen wenigstens teilweise den älteren paganen (heidnischen) Traditionen verhaftet gewesen zu sein – nur dass er nun eben nicht mehr Jupiter (wie noch Diokletian) oder den Sonnengott (wie Aurelian oder sein eigener Vater) als persönlichen Schutzgott ansah, sondern eben den Gott der Christen. In der offiziellen Darstellung, wie auf dem Konstantinsbogen in Erinnerung an den Sieg gegen Maxentius, erscheint wohl aus Rücksicht auf die pagane Mehrheit Roms noch der Sonnengott, der in der Spätantike öfters mit dem Christengott gleichgesetzt wurde. Von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung war aber, dass Konstantin seine Söhne und Nachfolger christlich erziehen ließ.

Mehr noch als der Konflikt mit den Donatisten, sollte der in der Moderne sogenannte Arianischer Streit als eine Belastung für die Religionspolitik Konstantins und die Kirche an sich erweisen. Arius, ein Presbyter aus Alexandria, hatte erklärt, dass es eine Zeit gegeben habe, in der Jesus nicht existiert habe; folglich konnten Gott-Vater und Sohn nicht wesensgleich sein. Diese Frage zielte auf einen Kernpunkt des christlichen Glaubens, der Frage nach dem „wahren Wesen Christi“ und wurde keineswegs nur von Theologen diskutiert. Vielmehr ergriff der Streit in der Folgezeit breitere Bevölkerungsschichten und wurde teils sehr verbissen geführt. Allerdings ist die Quellenüberlieferung bezüglich vieler damit verbundener Fragen problematisch und teils sehr tendenziös, zumal der Sammelbegriff „Arianismus“ sehr unscharf ist, da darunter teils äußerst unterschiedliche theologische Überlegungen verstanden wurden.

325 berief Konstantin das Erste Konzil von Nicäa ein, das erste ökumenische Konzil. Dieses lehnte einen von Konstantin unterstützten Kompromissvorschlag ab und wandte sich mit dem Bekenntnis von Nicäa klar gegen den „Arianismus“. Konstantin, der wohl weniger theologische als politische Ziele verfolgte, schickte in der Hoffnung auf eine Konsolidierung des Reiches Arius in die Verbannung. Alle vorhandenen Kopien arianischer Schriften sollten unter Androhung der Todesstrafe verbrannt werden.[21] Der arianische Streit war dadurch jedoch nicht beigelegt und belastete das Reich noch bis zum Ende des 4. Jahrhunderts. Unter dem Einfluss seiner Schwester Constantia und ihres arianischen Hofbischofs Eusebius von Nikomedia sowie seines Biografen Eusebius von Caesarea wechselte Konstantin die Seiten, verbannte 335 Athanasios, den Gegenspieler des Arius.[22] Insgesamt scheint Konstantin in vielen Fragen des christlichen Glaubens unsicher gewesen zu sein, was sein Verhalten bezüglich Arius erklärt: Dieser wurde 327 rehabilitiert, nur um 333 erneut verurteilt zu werden und nach der Verbannung des Athanasios erneut zurückgerufen zu werden. Eine klare Linie ist diesbezüglich nicht zu erkennen.

Die sogenannte Konstantinische Schenkung, der zufolge Konstantin von Papst Silvester I. getauft wurde und diesem bzw. der römischen Kirche zum Dank zahlreiche materielle und immaterielle Privilegien zugesprochen hat, ist eine Fälschung des 8./9. Jahrhunderts. Sie wurde zwar schon 1001 von Kaiser Otto III. verworfen, blieb aber bis über das Ende des Mittelalters hinaus Bestandteil des Kirchenrechts, obwohl die Unechtheit schon um 1440 von Nikolaus von Kues und Lorenzo Valla nachgewiesen wurde.

Beurteilung der Nachwelt

Moderne Bronzestatue Konstantins in York

Als bedeutende Gestalt in einer entscheidenden Epoche der Geschichte ist Konstantin sowohl von der Kirche einerseits als auch von Kirchengegnern und radikal anti-katholischen Christen andererseits instrumentalisiert worden, um unterschiedliche Sichtweisen zu begründen – dabei wurden jedoch von beiden Seiten Argumente aufgeführt, die bis heute historisch nur schwer belegbar sind. Offen ist z.B., was Konstantin unter Christentum verstand, ob er persönlich gläubiger Christ war und, wenn ja, seit wann, ob er theologisch auf der Seite der Trinitarier oder der Arianer stand oder letztlich gleichgültig gegenüber beiden theologischen Richtungen war. Als er kurz vor seinem Tod getauft wurde, empfing er das Sakrament jedenfalls von einem Arianer, Eusebius von Nikomedia.

Sein Biograf Eusebius von Caesarea war ihm immens dankbar für das Ende der Christenverfolgungen, die er selbst erlebt hatte, und schildert ihn panegyrisch als heiligen Christen mit dramatischer Bekehrung durch eine Vision vor der Schlacht an der Milvischen Brücke. Ob diese Schilderung im Kern auf ein reales Ereignis – vielleicht ein astronomisches Phänomen – zurückgeht, ist umstritten und kaum endgültig zu klären. In jedem Fall wollte Eusebius den Konstantin der Jahre nach 312 als idealen christlichen Kaiser darstellen. Doch betrachtet man den diesbezüglichen Triumphbogen und spätere Münzen, so zeigte sich Konstantin damals zumindest (noch) nicht als Christ – es gibt eher einige Hinweise auf den henotheistischen Mithras- bzw. Sonnenkult.

Jedenfalls zeigte er seine Verehrung des Christengottes im überwiegend heidnischen Westen nicht offen – im mehrheitlich christlichen Osten (und nach der Erringung der Alleinherrschaft) stellte er sich hingegen eher als Christ dar und bezeichnete sich als Isapostolos – als den Aposteln gleich. In beiden Fällen ist offen, was Politik ist und was persönliche religiöse Überzeugung. Tatsächlich nahm Konstantin für sich weiter ein sakrales Kaisertum in Anspruch, welches jedoch auch weiterhin nicht über dem Recht stand. Seine Nachfolger schritten auf diesem Weg zum Gottesgnadentum weiter.

Konstantins Mutter, Flavia Iulia Helena Augusta, dürfte Christin gewesen sein – bei ihr gibt es viele Aktivitäten, die sich sonst kaum erklären lassen (Bau von Kirchen wie beispielsweise der berühmten Geburts- sowie der Grabeskirche, Reise ins Heilige Land, Suche nach dem Kreuz Christi).

Obwohl Konstantin andere Religionen duldete und Konstantinopel sogar mit neuen Tempeln ausstatten ließ, bedeutete seine Herrschaft sowie seine – vermutlich letztlich doch am ehesten mit persönlichen Überzeugungen zu erklärende – Hinwendung zum Gott der Christen dennoch eine entscheidende Wende in der abendländischen Geschichte. Gerade weil Religion und Staat bei den Römern stets eng verknüpft waren, dauerte es nicht mehr lange, bis das Christentum zur einzigen religio licita im Imperium wurde. Dennoch bestand das Heidentum noch lange fort. Noch im frühen 6. Jahrhundert polemisierte der gebildete Heide Zosimos, Konstantin sei nur deshalb Christ geworden, weil er, besudelt mit dem Blut Unschuldiger, Vergebung gesucht habe: Weil eben nur die Christen bereit gewesen seien, dem verbrecherischen Kaiser mühelose Erlösung zu versprechen, habe er sich ihnen zugewandt.[23] Dies stellte freilich eine Verzerrung der Realität dar, da die Hinwendung zum Christentum bereits vor den düsteren Ereignissen im Jahre 326 stattfand.

Allerdings sahen keineswegs alle heidnischen Autoren Konstantin in einem schlechten Licht, vielmehr erregten einzelne Handlungen Missfallen. Dem gegenüber steht die panegyrisch überzeichnete Sicht des Heiden Praxagoras, der wohl als Erster Konstantin den Beinamen „der Große“ zuerkannte.

In der Orthodoxen Kirche wird Konstantin hingegen als Heiliger verehrt. In der römisch-katholischen Kirche ist er zwar im Heiligenkalender aufgeführt, gilt aber nicht als Heiliger. Im Byzantinischen Reich galt Konstantin als das Ideal eines gerechten und starken Herrschers. Insgesamt trugen elf byzantinische Kaiser seinen Namen.

Konstantin blieb auch ein beliebtes Thema in Wissenschaft, Literatur und Kunst.[24] Die Forschung ist sich allerdings seit jeher nicht über die Person Konstantins einig – und wird es in vielen Punkten wohl auch nie werden: Zu verworren ist die Quellenlage, zumal die Selbstinszenierung Konstantins oft nur schwer zu durchschauen ist. Der problematischste Punkt ist sicherlich die nun mehrfach angesprochene Hinwendung Konstantins zum Christentum. Dabei sprechen manche Forscher von einem machtpolitisch kalkulierten Akt oder schenken den christlich tradierten Berichten keinen bzw. wenig Glauben (J. Burckhardt, ähnlich dann Grégoire).[25]

Sehr viel differenzierter beurteilte Jochen Bleicken (der zwar an Grégoire anknüpfte, ihm aber nicht in allen Punkten folgte) Konstantins Hinwendung zum Christentum, die für Bleicken aber erst lange nach 312 erfolgte, wobei er strikt zwischen der „Wende“ in der Religionspolitik und der persönlichen Religiosität Konstantins trennte: So glaubt zwar Bleicken, dass sich Konstantin schließlich aus religiösen Gründen dem Christentum zuwandte, verwirft aber das „Bekehrungserlebnis“ von 312 und dies diesbezüglichen Quellenaussagen. Vielmehr betrachtet Bleicken politische Gründe als ausschlaggebend für Konstantins neue Religionspolitik nach dem Sieg über Maxentius, wobei Bleicken vor allem an die Auseinandersetzung mit Licinius denkt, in dessen Reichsteil die Christen stärker vertreten waren.[26] Klaus Rosen wiederum sieht einen 312 beginnenden langsamen Entwicklungsprozess, der erst in den 20er Jahren abgeschlossen war und führt anderslautende Aussagen bei Eusebius auf spätere Interpolationen zurück.[27]

Andere Forscher nehmen Konstantins Bekenntnis zum Christentum bzw. seine christenfreundliche Politik ernst (etwa Joseph Vogt, Klaus Martin Girardet, Timothy Barnes, Hartwin Brandt), aber auch in dieser Gruppe herrscht faktisch kein Konsens, wann Konstantin sich zum Christentum bekannte.[28] Brandt etwa hält Konstantin für einen geschickten Taktiker, der aber wohl schon 312, zur Zeit der Schlacht an der Milvischen Brücke, dem christlichen Glauben anhing.[29]

Konstantin war jedenfalls einer der militärisch erfolgreichsten Kaiser und konnte auf die längste Regierungszeit seit Augustus zurückblicken. Zusammen mit Diokletian war er der Architekt des spätantiken römischen Staates, welcher durch seine Reformen noch einmal stabilisiert wurde.

Siehe auch

Literatur

Quellen

Mehrere Werke, die die Zeit Konstantins behandelten, sind nicht bzw. nur in Fragmenten erhalten (beispielsweise die Biographien des Bemarchios oder des Praxagoras von Athen). Eine sehr wichtige Quelle stellt eine von Eusebius von Caesarea verfasste Biographie Konstantins dar, die sogenannte Vita Constantini. Eusebius war ein glühender Bewunderer des Kaisers, sodass sein Werk mit entsprechender Vorsicht behandelt werden muss. Ihm war vor allem daran gelegen, den Kaiser als möglichst überzeugten Christen darzustellen und zu überhöhen. Allerdings ist das Werk gerade aufgrund der beigeordneten Aktenstücke (wie schon in Eusebs Kirchengeschichte), die wohl authentisch sind, von großem Wert.

Daneben sind vor allem die Bücher acht bis zehn der Kirchengeschichte Eusebs, verschiedene Panegyrici (siehe Nixon/Rodgers), LactantiusDe mortibus persecutorum, mehrere Breviarien (Aurelius Victor, Eutropius, Epitome de Caesaribus), die origo Constantini sowie das zweite Buch von ZosimosHistoria Nea von Bedeutung, wobei der Heide Zosimos Konstantin gegenüber extrem feindlich eingestellt und auch ansonsten oft eher wenig verlässlich ist. Auch in mehreren anderen Werken finden sich verstreute, teils aber sehr wertvolle Informationen, so etwa bei Ammianus Marcellinus, Petros Patrikios, Georgios Kedrenos oder Johannes Zonaras. Interessant ist außerdem die, allerdings nur als Epitome überlieferte, Kirchengeschichte des Arianers Philostorgios und das Werk eines anonymen Autors (siehe Gelasios von Kyzikos). Hinzu kommen zahlreiche nicht-literarische Quellen, darunter etwa Inschriften, Bauten und Münzen, die auch zur Selbstinszenierung dienten.[30]

  • Volkmar Keil (Übs.): Quellensammlung zur Religionspolitik Konstantins des Großen (Lateinisch/Griechisch/Deutsch). Texte zur Forschung, Darmstadt 1995, ISBN 3-534-02249-1.
  • Samuel N. C. Lieu, Dominic Montserrat: From Constantine to Julian: Pagan and Byzantine Views. A Source History. Routledge, New York 1996, ISBN 0-415-09336-8.
  • Charles E. Nixon, Barbara S. Rodgers: In Praise of Later Roman Emperors: The Panegyrici Latini. Introduction, Translation, and Historical Commentary with the Latin Text of R[oger] A. B. Mynors. UCP, Berkeley u. a. 1994, ISBN 0-520-08326-1.

Sekundärliteratur

Die folgenden Angaben stellen nur einen Auszug aus der sehr umfangreichen Fachliteratur zu Konstantin dar, die aufgrund des Jubiläums 2006/07 noch einmal beachtlich angewachsen ist. Weitere Literatur ist leicht anhand der dortigen Bibliographien erschließbar.

  • Timothy D. Barnes: Constantine and Eusebius. Harvard University Press, Cambridge, Mass. 1981, ISBN 0-674-16530-6.
  • Bruno Bleckmann: Konstantin der Große. Rowohlt, Reinbek 1996, ISBN 3-499-50556-8 (knappe, problemorientierte Einführung mit vielen Abbildungen).
  • Alan Bowman u. a. (Hrsg.): The Cambridge Ancient History 12. The Crisis of Empire, AD 193–337. Cambridge University Press, Cambridge 2005, ISBN 0-521-30199-8.
  • Hartwin Brandt: Konstantin der Große. Der erste christliche Kaiser. C. H. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54058-9.
  • Klaus Bringmann: Die konstantinische Wende. Zum Verhältnis von politischer und religiöser Motivation. In: Historische Zeitschrift. Band 260, 1995, S. 21–47.
  • Jakob Burckhardt: Die Zeit Constantins des Großen. Basel 1853 (klassische Studie, die Konstantin eher negativ als Machtmensch bewertet; zahlreiche Nachdrucke; bei Gutenberg-DE).
  • Manfred Clauss: Konstantin der Große und seine Zeit. C. H. Beck, München 1996, ISBN 3-406-41042-1 (knappe Einführung in die Thematik).
  • Johannes G. Deckers: Der Koloss des Konstantin. In: Luca Giuliani (Hrsg.): Meisterwerke der antiken Kunst. C. H. Beck, München 2005, S. 158–177, ISBN 3-406-53095-X (formal falsche ISBN).
  • Alexander Demandt, Josef Engemann (Hrsg.): Konstantin der Große. Imperator Caesar Flavius Constantinus. Philipp von Zabern, Mainz 2007, ISBN 978-3-8053-3688-8 (reich bebildeter Katalog zur Konstantinausstellung in Trier mit Beiträgen namhafter Forscher).
  • Alexander Demandt, Josef Engemann (Hrsg.): Konstantin der Große. Geschichte – Archäologie – Rezeption. Rheinisches Landesmuseum, Trier 2006, ISBN 3-923319-67-3 (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier, Nr. 32; Kolloquiumsband zur Ausstellung).
  • Klaus Martin Girardet: Die konstantinische Wende. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-19116-1 (Publikation von zwei vorher unselbstständig erschienen Aufsätzen und mit recht umfassender und aktueller Bibliographie).
  • Elisabeth Herrmann-Otto: Konstantin der Große. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2007, ISBN 978-3-534-15428-9 (Gestalten der Antike; besonders hinsichtlich strukturgeschichtlicher Fragen informative und aktuelle Darstellung; Besprechung bei H-Soz-u-Kult).
  • Noel Lenski (Hrsg.): The Cambridge Companion to the Age of Constantine. Cambridge University Press, Cambridge 2006, ISBN 0-521-52157-2 (Aufsatzsammlung, die einen guten Überblick über die Materie verschafft).
  • Ramsay MacMullen: Constantine. Croom Helm, London 1987, ISBN 0-7099-4685-6 (Nachdruck der Ausgabe Dial Press, New York 1969).
  • Ekkehard Mühlenberg (Hrsg.): Die Konstantinische Wende. Kaiser, Gütersloh 1998, ISBN 3-579-01814-0 (Veröffentlichungen der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie, Band 13; Aufsatzsammlung mit Überlegungen zu den geistigen Grundlagen der Religionspolitik Konstantins).
  • Charles M. Odahl: Constantine and the Christian Empire. Routledge, London 2004, ISBN 0-415-17485-6.
  • Karen Piepenbrink: Konstantin der Große und seine Zeit. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2002, ISBN 3-534-15499-1 (Geschichte kompakt; wie Clauss eine Einführung, allerdings etwas systematischer und mit Glossar).
  • Heinrich Schlange-Schöningen (Hrsg.): Konstantin und das Christentum (Neue Wege der Forschung). WBG, Darmstadt 2007 (Aufsatzsammlung).
  • Oliver Schmitt: Constantin der Große (275–337). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 2007, ISBN 978-3-17-018307-0 (aktuelle Darstellung, in der besonders die politische Geschichte Beachtung findet. Einige Einzelbewertungen Schmitts sind allerdings kaum haltbar; fachwissen. Besprechung).
  • Peter Weiß: Die Vision Constantins. In: Jochen Bleicken (Hrsg.): Colloquium aus Anlass des 80. Geburtstages von Alfred Heuß. Lassleben, Kallmünz 1993, ISBN 3-7847-7113-0, S. 143–169. Englische (aktualisierte) Fassung: The vision of Constantine. In: Journal of Roman archaeology. Band 16, 2003, S. 237–259 (wichtiger, aber sehr umstrittener Aufsatz, der Konstantins Vision auf ein natürliches astronomisches Phänomen zurückführt).
  • Raymond Van Dam: The Roman Revolution of Constantine. Cambridge University Press, Cambridge 2007.
  • Paul Veyne: Als unsere Welt christlich wurde. Aufstieg einer Sekte zur Weltmacht. C.H. Beck, München 2008 (religionsgeschichtliche Darstellung mit dem Schwerpunkt der Zeit Konstantins).
  • Joseph Vogt: Constantin der Große und sein Jahrhundert. 2., neubearbeitete Auflage. Bruckmann, München 1960 (älteres Standardwerk).

Weblinks

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu etwa Schmitt, Constantin, S. 84f., der allerdings für das Jahr 275 plädiert.
  2. Anonymus Valesianus 2,2,2. Laut Ambrosius von Mailand, De obitu Theodosii 42 war Helena Stallwirtin.
  3. Genaue Angaben lassen sich aufgrund der Quellenlage kaum machen. Sehr wahrscheinlich hat Constantius seinen Sohn aber systematisch als seinen Nachfolger aufgebaut, siehe dazu zusammenfassend Schmitt, Constantin, S. 102–106. Angeblich kam die Kaisererhebung aufgrund der Einflussnahme eines Alamannenfürsten namens Crocus zustande (siehe Epitome de Caesaribus 41,3), was aber nicht beweisbar ist.
  4. Zu den Feldzügen gegen die Germanen: Schmitt, Constantin, S. 117f.
  5. Nixon/Rodgers, Panegyricus 12,3.
  6. Die Zahlenangaben schwanken in der modernen Literatur, nicht zuletzt aufgrund der recht ungenauen Quellenangaben, vgl. etwa Vogt, Constantin der Große, S. 158 (etwa 40.000 Mann) und Herrmann-Otto, Konstantin der Große, S. 39 (25.000 bis 30.000 Mann). Zum Verlauf des Feldzugs siehe die recht detaillierte Darstellung bei Schmitt, Constantin, S. 138ff.
  7. Eine „heidnische Variante“ bietet der Panegyricus des Nazarius aus dem Jahr 321. Vgl. allgemein zur diesbezüglichen Quellenüberlieferung knapp Herrmann-Otto, Konstantin der Große, S. 48ff. Beachtet werden sollte, dass Visionserscheinungen in der antiken Historiographie nicht selten postuliert wurden.
  8. Konstantin wandte sich wohl spätestens ab 312 dem Christentum zu, siehe etwa Barnes und Brandt. In der Forschung ist dieser Punkt aber von jeher strittig: Jacob Burckhardt sah die Hinwendung Konstantins zum Christentum als einen rein politisch kalkulierten Akt an, anders etwa Andreas Alföldi oder Joseph Vogt, die an eine echte religiöse Bekehrung Konstantins glaubten. Wichtig ist hier die Darstellung von Girardet, Die Konstantinische Wende. Zusammenfassend nun auch Herrmann-Otto, Konstantin der Große, S. 42ff., sowie Schmitt, Constantin, S. 155ff.
  9. Die Bezeichnung Edikt ist im Grunde falsch, vgl. dazu Otto Seeck: Das sogenannte Edikt von Mailand. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 12 (1891), S. 381–386.
  10. Zusammenfassend Bleckmann, Konstantin der Große, S. 58ff.
  11. Zusammenfassend Herrmann-Otto, Konstantin der Große, S. 164ff.
  12. Zu den Feldzügen und der Beziehung zwischen den beiden Kaisern vgl. etwa Schmitt, Constantin, S. 171ff.
  13. Herrmann-Otto, Konstantin der Große, S. 141ff.; Schmitt, Constantin, S. 221ff.
  14. Vgl. Jörg Spielvogel: Die Gotenpolitik Kaiser Konstantins I. zwischen altrömischer Tradition und christlicher Orientierung. In: Th. Hantos, G.A. Lehmann (Hrsg.): Althistorisches Kolloquium aus Anlaß des 70. Geburtstags von Jochen Bleicken. Stuttgart 1998, S. 225–238.
  15. Während früher die Einrichtung der regional zuständigen Prätorianerpräfekturen Konstantin zugeschrieben wurde, geht man heute davon aus, dass diese erst in den 360er Jahren ihre endgültige Form fanden, wenngleich es zweifellos Konstantin war, der dem Amt um 312 seine militärischen Aufgaben nahm. Einen Überblick über die Forschungsgeschichte und eine relativ aktuelle Darstellung des Forschungsstandes bietet Joachim Migl: Die Ordnung der Ämter. Prätorianerpräfektur und Vikariat in der Regionalverwaltung des Römischen Reiches von Konstantin bis zur Valentinianischen Dynastie. Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-631-47881-X.
  16. Herrmann-Otto, Konstantin der Große, S. 177ff.
  17. So etwa Schmitt, Constantin, S. 260ff. Der byzantinische Historiker Georgios Kedrenos überliefert eine unglaubhafte Episode, die sogenannten Lügen des Metrodoros, die Ammianus Marcellinus als Kriegsgrund anführt (Ammian 25,4,23), wohl um so Konstantin (dem Ammianus keine Sympathie entgegenbrachte) indirekt anzugreifen und gleichzeitig Julian gegen Vorwürfe bezüglich des späteren Perserkriegs in Schutz zu nehmen. Demnach kam ein aus Persien stammender Philosoph namens Metrodoros, der längere Zeit in Indien gelebt hatte, mit wertvollen Geschenken indischer Fürsten zu Konstantin. Metrodoros behauptete nun, mehrere Geschenke seien ihm von den Persern abgenommen worden. Daraufhin forderte Konstantin diese von Schapur zurück und rüstete, als dieser nicht antwortete, zum Krieg. Siehe B. H. Warmington: Ammianus Marcellinus and the Lies of Metrodorus. In: The Classical Quarterly, New Series 31 (1981), S. 464–468. Englische Übersetzung der Quellen bei Michael H. Dodgeon, Samuel N. C. Lieu: The Roman Eastern Frontier and the Persian Wars. Bd. 1, London-New York 1991, S. 153. Vgl. ebd., S. 143ff. zu den Beziehungen zwischen Rom und Persien in der Zeit Konstantins.
  18. Siehe dazu auch den Brief Konstantins an Schapur II.: Eusebius, Vita Constantini, 4,9–13; vgl. dazu Miriam Raub Vivian: Eusebius and Constantine’s Letter to Shapur: Its Place in the Vita Constantini. In: Studia Patristica 29, 1997, S. 164–169.
  19. Herrmann-Otto, Konstantin der Große, S. 80ff., mit weiterer Literatur ebd., S. 225ff.
  20. Eusebius, Vita Constantini, 2,45,1, spricht zwar von einem generellen Verbot im Jahr 324 (siehe auch Codex Theodosianus 16,10), doch ist dies sehr umstritten und eher unwahrscheinlich. Vgl. Herrmann-Otto, Konstantin der Große, S. 171f. (ablehnend, mit Bezug auf Girardet); eher befürwortend und als Warnung interpretierend: Scott Bradbury: Constantine and the Problem of Anti-Pagan Legislation in the Fourth Century. In: Classical Philology 89 (1994), S. 120–139. Siehe zusammenfassend auch den Kommentar in Averil Cameron, Stuart Hall (Hrsg.): Eusebius. Life of Constantine. Oxford/New York 1999, S. 243f.
  21. Sozomenos, Historia Ecclesiastica 1,21,4.
  22. Herrmann-Otto, Konstantin der Große, S. 118ff.
  23. Zosimos 2,29.
  24. Vgl. zur Rezeptionsgeschichte unter anderem Klaus M. Girardet (Hrsg.): Kaiser Konstantin der Große. Historische Leistung und Rezeption in Europa. Bonn 2007; Andreas Goltz, Heinrich Schlange-Schöningen (Hrsg.): Konstantin der Große. Das Bild des Kaisers im Wandel der Zeiten. Köln 2008.
  25. Henri Grégoire: Die „Bekehrung“ Konstantins des Großen. In: H. Kraft (Hrsg.): Konstantin der Große. Darmstadt 1974, S. 175–233.
  26. Jochen Bleicken: Constantin der Große und die Christen. München 1992. Bleickens Interpretation wurde etwa von Klaus Bringmann angegriffen: Bringmann, Die konstantinische Wende.
  27. Klaus Rosen: Cor regum inscrutabile. Eine quellenkritische Untersuchung zur Bekehrung Constantins des Großen. In: Humanitas. Beiträge zur antiken Kulturgeschichte. Festschrift für Gunther Gottlieb zum 65. Geburtstag. München 2001, S. 247–281.
  28. Vgl. zusammenfassend Girardet, Die konstantische Wende, wo auch ein guter Überblick über die Forschung gegeben wird. Sehr knapp, aber informativ: Herrmann-Otto, Konstantin der Große, S. 42–48.
  29. Brandt, Konstantin der Große, insb. S. 65, 101. Vgl. Besprechung bei H-Soz-u-Kult
  30. Für einen detaillierteren Quellenüberblick siehe: Bruno Bleckmann, Sources for the History of Constantine, in: Noel Lenski (Hrsg.), The Cambridge Companion to the Age of Constantine, S. 14ff. Allgemein wird die Quellensituation jedoch in allen einschlägigen Biographien (Vogt, Bleckmann, Brandt, Herrmann-Otto, Schmitt etc.) – mehr oder minder ausführlich – skizziert.



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