Anfangszeitlücke

Die Anfangszeitlücke (ITDG = Initial Time Delay Gap) ist die Zeit, die zwischen dem Eintreffen des Direktschalls und dem Eintreffen der ersten starken Reflexion liegt. Sie entsteht beim natürlichen Hören in Räumen und Konzertsälen, aber auch bei der Lautsprecherstereofonie. Hier wird meistens innerhalb der aufgezeichneten ITDG eine zusätzliche erste Reflexion im Wiedergaberaum erzeugt.

Neben Frequenzgang und Pegel des Direktschalls D und des Raumschalls R bestimmt die ITDG die wahrgenommene Entfernung zur Schallquelle. In großen Konzertsälen werden die Anteile der hohen Frequenzen beim Direktschall und beim Raumschall von der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit beeinflusst. Das Verhältnis von Direktschall zu Raumschall ist für den Räumlichkeitseindruck von Bedeutung, wobei beim natürlichen Hören die Anfangszeitlücke mit den frühen Reflexionen eine große Rolle spielt.

Die Bedeutung der Anfangszeitlücke beim natürlichen Hören für den Näheeindruck einer Schallquelle

Die zum Entfernungshören gehörende Anfangszeitlücke ist unterschiedlich lang, je nach Entfernung der jeweiligen Schallquelle vom Zuhörer und dem Aufenthaltsort im Raum und der Gestalt des Raums mit seinen reflektierenden Flächen. Schallquellen machen im Raum dann einen klaren nahen Eindruck, wenn die Anfangszeitlücke lang ist und der Raumschall geringen Pegel hat und machen einen nebulösen und entfernten Eindruck, wenn die Anfangszeitlücke kurz oder nicht vorhanden ist und der Raumschall im Verhältnis zum Direktssignal hoch ist.

Ist die Anfangszeitlücke kleiner als 15 ms (Pre-Delay), so entsteht ein kleinräumiger Eindruck. Ist die Zeitlücke größer 30 ms bis etwa 60 ms, so entsteht ein großräumiger und durchsichtiger Klangeindruck. Es ist empfehlenswert, diese Anfangszeitlücke (engl. pre-delay gap) bei Nachhallgeräten groß einzustellen und erst bei Notwendigkeit zu verkürzen.

Bei einem Nachhallgerät entspricht das Pre-Delay nicht den natürlichen Gegebenheiten im Raum, weil es nur eine feste Zeiteinstellung ist. In einem Raum erzeugt jede Schallquelle je nach Standort eine eigene unterschiedlich große Anfangszeitlücke. Demnach ist es unrichtig, die Anfangszeitlücke als Raumkonstante zu bezeichnen, wie es in Lehrbüchern zu lesen ist. Die Anfangszeitlücke ist vom Ort der Schallquelle sowie dem Ort des Hörers, beziehungsweise dem Messort, abhängig. Für die klangliche Wirkung des künstlichen Nachhalls ist auf die besondere Bedeutung seines Zumischpegels hinzuweisen.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • ITDG — Die Anfangszeitlücke (ITDG = Initial Time Delay Gap) ist die Zeit, die zwischen dem Eintreffen des Direktschalls und dem Eintreffen der ersten starken Reflexion liegt. Sie entsteht beim natürlichen Hören in Räumen und Konzertsälen, aber auch bei… …   Deutsch Wikipedia

  • Initial time delay gap — Die Anfangszeitlücke (ITDG = Initial Time Delay Gap) ist die Zeit, die zwischen dem Eintreffen des Direktschalls und dem Eintreffen der ersten starken Reflexion liegt. Sie entsteht beim natürlichen Hören in Räumen und Konzertsälen, aber auch bei… …   Deutsch Wikipedia

  • Diffusfeld — Raumschall R ist im Gegensatz zum Direktschall D der Schall in einem geschlossenen Raum, der bei seinem Eintreffen am Hörort oder am Messort bereits mehrere Schallreflexionen erfahren hat. Das R wird auch durch das R in reflektiertem Schall… …   Deutsch Wikipedia

  • Diffusschall — Raumschall R ist im Gegensatz zum Direktschall D der Schall in einem geschlossenen Raum, der bei seinem Eintreffen am Hörort oder am Messort bereits mehrere Schallreflexionen erfahren hat. Das R wird auch durch das R in reflektiertem Schall… …   Deutsch Wikipedia

  • Raumschallfeld — Raumschall R ist im Gegensatz zum Direktschall D der Schall in einem geschlossenen Raum, der bei seinem Eintreffen am Hörort oder am Messort bereits mehrere Schallreflexionen erfahren hat. Das R wird auch durch das R in reflektiertem Schall… …   Deutsch Wikipedia

  • Raumsignal — Raumschall R ist im Gegensatz zum Direktschall D der Schall in einem geschlossenen Raum, der bei seinem Eintreffen am Hörort oder am Messort bereits mehrere Schallreflexionen erfahren hat. Das R wird auch durch das R in reflektiertem Schall… …   Deutsch Wikipedia

  • Tiefenstaffelung — ist eine Illusion bei der Stereo Tonaufnahme (Stereomix), die auf dem Entfernungshören basiert. Prinzipiell werden Phantomschallquellen nur eindimensional, auf einer Linie zwischen den Lautsprechern, erzeugt. Abhängig von Laufzeit und Richtung… …   Deutsch Wikipedia

  • Entfernungslokalisation — Das Entfernungshören ist eine abschätzende Bestimmung mit dem Gehör, wie weit eine Schallquelle vom Hörenden entfernt ist. Im Gegensatz zu der besonders gut ausgebildeten Fähigkeit des binokularen Entfernungssehens kann das Ohr des Menschen nur… …   Deutsch Wikipedia

  • Raumschall — R ist im Gegensatz zum Direktschall D der Schall in einem geschlossenen Raum, der bei seinem Eintreffen am Hörort oder am Messort bereits mehrere Schallreflexionen erfahren hat. Veranschaulichung der Vielfachreflexionen an den Wänden. Ohne… …   Deutsch Wikipedia

  • Lokalisation (Akustik) — Unter Lokalisation versteht man das Erkennen von Richtung und Entfernung einer Schallquelle als Richtungshören und Entfernungshören, also die Richtungslokalisation und die Entfernungslokalisation. Benennung der drei Ebenen oben: 1.… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”