Angehörige
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Als einen Angehörigen bezeichnet man eine zu einer anderen Person oder zu einer Gruppe von Personen in einem besonderen rechtlichen oder soziologischen Verhältnis stehende Person, wenn man dieses besondere Verhältnis hervorheben will. Zumeist sind Personen gemeint, die in engem familiären oder persönlichen Verhältnis zueinander stehen. Der Begriff ist weiter als der der Familie. Er schließt insbesondere den (i. d. R. nicht verwandten) Ehegatten (m/f) oder Lebenspartner oder verschwägerte Personen ein. Darüber hinaus kann der Begriff im Sinne von „zugehören“ auch Personen umfassen, die in das Lebensumfeld der betreffenden Person gehören. Das Wort für die Einzelperson gibt es in männlicher und weiblicher Form (Angehöriger, Angehörige), wird aber gelegentlich auch sächlich verwendet: das Angehörige, ein Angehöriges.

Inhaltsverzeichnis

Strafrecht

Nach § 11 (Strafgesetzbuch) zählen hierzu Verwandte und Verschwägerte gerader Linie, der Ehegatte, der Lebenspartner, der Verlobte, auch im Sinne des Lebenspartnerschaftsgesetzes, Geschwister, Ehegatten oder Lebenspartner der Geschwister, Geschwister der Ehegatten oder Lebenspartner, und zwar auch dann, wenn die Ehe oder die Lebenspartnerschaft, welche die Beziehung begründet hat, nicht mehr besteht oder wenn die Verwandtschaft oder Schwägerschaft erloschen ist, Pflegeeltern und Pflegekinder.

Zivilrecht

Die Gruppe der Angehörigen lässt sich zivilrechtlich ähnlich umschreiben, auch wenn im BGB der Begriff nicht definiert ist, sondern vorausgesetzt wird.

Öffentliches Recht

Im öffentlichen Recht findet sich der Angehörigenbegriff u.a. in § 16 Abs. 5 Zehntes Buch Sozialgesetzbuch (SGB X), in § 20 Abs. 5 VwVfG, in § 15Abgabenordnung sowie im KJHG in den § 33, § 44 Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII).

Prozessrecht

In der Zivilprozessordnung findet man den Angehörigenbegriff in § 383 ZPO.

Rechtsfolgen

Die Rechtsordnung knüpft an den juristisch engeren Begriff des Angehörigen Rechte (Zeugnisverweigerungsrecht § 52 StPO) und Pflichten (Wohlverhalten bei Schenkungen § 530 BGB)

Umgangssprache, weitere Bedeutungen

Der umgangssprachliche Gebrauch des Begriffs Angehörige schließt neben Verwandten auch Freunde, Bekannte ein. Damit können Nachbarn, Vereinsmitglieder oder Funktionsträger von Kirchengemeinschaften begrifflich in einer Gruppenbezeichnung zusammengefasst werden. Beispiel im Krankenhaus: „die Angehörigen von Frau Müller besuchen sie am Sonntag ...“. Fachsprachlich heißt das emotionaler Angehöriger.

Daneben kommt es zur Benutzung in einem weiteren Sinn der Zugehörigkeit, zum Beispiel in Verbindungen wie Angehöriger dieser oder jener Interessensgruppe oder Angehöriger einer Minderheit zu sein.

Bedeutung in der Kranken- und Altenpflege

Der Begriff hat in der Pflege keine rechtlichen Konsequenzen (z. B. im Sinne des Erbschaftsrechts oder der Betreuung). Er ist eine soziale Zuordnung wie der Begriff das Soziale Netz.

In der Altenpflege kommt es bei hochaltrigen Personen, die im Pflegeheim versorgt werden, häufig dazu, dass es keine Verwandten (mehr) gibt, die sich um die Person kümmern. Angehörige, die selbst in einem weit fortgeschrittenen Lebensalter sind, können die Pflege oft nicht leisten.

Bei der Betrachtung des Lebenslaufs (Biographie) und der Sozialanamnese gibt es gleichwohl häufig Angehörige, die zur Identität der gepflegten Person dazu gehören. So kann durchaus ein lang gewachsenes Vertrauensverhältnis mit einer Person bestehen, ohne dass eine Verwandtschaft vorliegt.

Eine weitere Besonderheit stellen Pflegende Angehörige dar. Diese haben bisher (vor der Aufnahme in eine Institution) Aufgaben der Betreuung und Pflege ehrenamtlich durchgeführt. Sehr oft besteht zwischen ihnen und der alten Person ein hohes Vertrauensverhältnis.

Im Krankenhaus übernehmen oftmals die grünen Damen einzelne Tätigkeiten, die sonst Angehörige erledigen würden, wenn diese regelmäßig zu Besuch kommen könnten.

Literatur zum Themenbereich "Pflegende Angehörige"

  • Ilse Biberti: Hilfe, meine Eltern sind alt. Wie ich lernte, Vater und Mutter mit Respekt und Humor zu begleiten. Ullstein, 2006. 272 Seiten. ISBN 3550078870
  • Elisabeth Bubolz-Lutz: Pflege in der Familie. Perspektiven. Lambertus, Freiburg, 2006. 224 Seiten. ISBN 978-3-7841-1662-4.
  • Sabine Kühnert: Das Verhältnis zwischen Angehörigen von Heimbewohnern und Mitarbeitern im Altenpflegeheim. Begegnungsformen , Konflikte, Kooperation. Lang, Frankfurt a / M, 1991.
  • Martha Meyer: Pflegende Angehörige in Deutschland. Ein Überblick über den derzeitigen Stand und zukünftige Entwicklungen. Hamburg, Lit-Verlag, 2006. ISBN 3-8258-9921-7
  • Verbraucher-Zentrale: Pflegende Angehörige - Balance zwischen Fürsorge und Entlastung. Verbraucherzentrale NRW, 2002

Weblinks

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