Angelica Catalani
Angelica Catalani

Angelica Catalani (* 10. Mai 1780 in Senigallia bei Ancona; † 13. Juni 1849 in Paris) war eine italienische Opernsängerin in der Stimmlage Sopran.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Catalani kam als Pensionärin in das Kloster Santa Lucia bei Rom, wo sie als Chorsängerin bereits Aufsehen erregte. In ihrem 14. Lebensjahr war ihre Stimme vollkommen ausgebildet, und sie verließ nach eigenem Willen sowie auf den Rat ihres Musiklehrers Boselli das Kloster, um sich für das Theater vorzubereiten. Nachdem sie 1795 in Venedig am Teatro La Fenice debütiert und hier sowie in den anderen großen Städten Italiens glänzende Erfolge errungen hatte, erhielt sie 1801 ein Engagement in Lissabon, wo sie fünf Jahre hindurch das Publikum entzückte.

Mit 26 Jahren heiratete Catalani 1806 Paul de Valabrègue, einen ehemaligen französischen Kapitän, und reiste mit ihm über Madrid und Paris nach London. Der Eindruck, den sie hier machte, übertraf alles je Dagewesene, und ihr Gesang begeisterte fortdauernd die höchsten wie die untersten Stände. Nach einem achtjährigen Aufenthalt, während dessen sie sich ungeheure Summen Geldes erworben hatte, wandte sie sich wieder nach Paris, wo sie eine Zeitlang die Direktion der Italienischen Oper übernahm. Während Napoleons Herrschaft der Hundert Tage ging sie nach Belgien, kehrte dann nach Paris zurück und übernahm zum zweiten Mal die Leitung des italienischen Theaters, konnte sich aber mit den ihr vorgesetzten Behörden nicht vertragen und legte deshalb nach kurzer Zeit ihr Amt nieder.

Im Jahr 1816 trat sie eine Kunstreise an, besuchte die Hauptstädte Deutschlands, Dänemarks, Schwedens und Italiens und wurde überall mit Enthusiasmus aufgenommen. Als sie 1818 Europa wiederum bereiste, hatte sie schon bedeutend an Macht ihrer Stimme verloren und schwächte dadurch den Eindruck ihres ersten Auftretens. Vier Jahre später jedoch trat sie wieder mit dem früheren Erfolg in London auf, und erst 1827, nachdem sie noch in Polen, Russland und zuletzt in Berlin gesungen hatte, nahm sie von der Öffentlichkeit Abschied.

Sie lebte später teils auf ihrem Gut bei Florenz, wo sie auch eine Gesangschule stiftete, in der sie jungen Mädchen unentgeltlichen Unterricht erteilte, teils zu Paris, wo sie 1849 an der Cholera starb.

Wirken

Trotz mancherlei technischer Mängel war ihr Vortrag von so unbeschreiblichem Reiz, dass sie Kenner wie Laien unwiderstehlich zu fesseln wusste. Besonders leistete sie als Koloratursängerin Erstaunliches; in chromatischen Läufen z. B., sowohl auf- als absteigend, war ihre Sicherheit auch im schnellsten Tempo unfehlbar. Wie ihr Organ bezüglich der Geläufigkeit mit der der Instrumente wetteifern konnte, bewies sie unter anderem durch den Vortrag rodescher Violinvariationen, welches Kunststück von späteren Sängerinnen vielfach, doch nie mit ähnlichem Erfolg, versucht worden ist. Von Charakter edel und großartig, ließ sie die in ihrer Künstlerlaufbahn erworbenen Schätze größtenteils den Bedürftigen zugute kommen, und wenn sie z. B. in einer einzigen viermonatlichen Londoner Saison 240.000 Frank einnahm, so beziffert sich anderseits die von ihr den Armen gespendete Summe auf mehr als 2 Millionen.

Über die Koloratursopranistin Henriette Sontag hat sie gesagt:

Elle est grande dans son genre, mais son genre est petit.
Sie ist groß in ihrem Gebiete, aber ihr Gebiet ist klein.[1]


Literatur

  • Bernhard J. Docen: Madame Angelica Catalani in München. Eine Rhapsodie in sunderganischen Hexametern. München 1818.
  • Kurt Honolka: Die großen Primadonnen. Vom Barock bis zur Gegenwart. Verlag Heinrichshofen, Wilhelmshaven 1982, ISBN 3-7959-0279-7.
  • Anastasio Minoja/Maximilian Hörberg (Bearb./Hrsg.): Anleitung zur vollständigen Ausbildung im Gesange (basierend auf einem Manuskript der Angelica Catalani). Überarbeitung der 2. Aufl. Leipzig 1857: Verlag Maximilian Hörberg, München 2009, ISBN 978-3-00-023408-8.
  • Heinrich Satter: Angelica Catalani. Primadonna der Kaiser und Könige. Verlag der Frankfurter Bücher, Frankfurt/M. 1958.
  • Eberhard von Wintzigerode: Angelica Catalani-Valabrègue. Eine biographische Skizze. Verlag Luckhardt, Kassel 1825.

Einzelnachweis

  1. Holtei, Vierzig Jahre, IV, Berlin 1843/44, S. 33.
Meyers Konversationslexikons logo.svg Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890. Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn du den Artikel so weit überarbeitet oder neu geschrieben hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt und dies mit Quellen belegt ist, wenn der Artikel heutigen sprachlichen Anforderungen genügt und wenn er keine Wertungen enthält, die den Wikipedia-Grundsatz des neutralen Standpunkts verletzen.

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