Angelina Jolie
Angelina Jolie bei den Filmfestspielen in Cannes (2011)

Angelina Jolie [æn.d͡ʒə.ˌli.na.d͡ʒoʊ̯.ˈli] (* 4. Juni 1975 als Angelina Jolie Voight in Los Angeles) ist eine US-amerikanische Schauspielerin, ein ehemaliges Fotomodel und Sonderbotschafterin für das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR).

Internationale Bekanntheit erlangte sie vor allem mit ihrer Darstellung der Videospielheldin Lara Croft in Lara Croft: Tomb Raider (2001). Ihren größten kommerziellen Erfolg hatte sie mit der Actionkomödie Mr. & Mrs. Smith (2005).

Mit ihren schauspielerischen Leistungen gewann Jolie drei Golden Globe Awards, zwei Screen Actors Guild Awards und für ihre Rolle einer psychisch Kranken im Film Durchgeknallt (1999) einen Oscar als beste Nebendarstellerin.

Jolie unterstützt humanitäre Projekte weltweit und ist besonders für ihre Arbeit mit Flüchtlingen für UNHCR bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Familie

Angelina Jolie Voight wurde in Los Angeles als Tochter der Schauspieler Jon Voight und Marcheline Bertrand geboren. Weiterhin ist sie die Nichte von Chip Taylor, die Schwester von James Haven Voight und die Patentochter von Jacqueline Bisset und Maximilian Schell.[1] Jolie hat deutsche und tschechoslowakische Vorfahren väterlicherseits und kanadische und angeblich irokesische Vorfahren mütterlicherseits.[2] Diese wurden allerdings vom Vater Jon Voight in einem Interview bestritten. Die irokesische Abstammung sei von ihm und seiner Ex-Frau nur erfunden worden, um ihr ein exotisches Image zu verleihen.[3]

Nach der Trennung ihrer Eltern 1976 lebte Jolie mit ihrem Bruder bei ihrer Mutter, die ihre Schauspielambitionen aufgab und mit ihren zwei Kindern nach Palisades im US-Bundesstaat New York zog.[4] Sie begleitete ihre Mutter regelmäßig ins Kino und erklärte später, dass dies ihr Interesse an der Schauspielerei weckte, nicht ihr berühmter Vater.[5]

Im Alter von elf Jahren zog sie mit ihrer Familie zurück nach Los Angeles und schrieb sich beim Lee Strasberg Theatre Institute ein, in dem sie für zwei Jahre trainierte und in mehreren Bühnenproduktionen auftrat. In ihrer Zeit an der Beverly Hills High School (später Moreno High School) fühlte sie sich oftmals isoliert unter ihren Mitschülern, die größtenteils aus wohlhabenden Familien stammten, während ihre Mutter mit einem bescheidenen Einkommen auskommen musste. Jolie trug Kleidung aus Secondhandläden und wurde von anderen Schülern auf Grund ihrer ausgeprägten Gesichtszüge und äußerst schlanken Erscheinung geneckt. Ihr Selbstwertgefühl erhielt einen weiteren Dämpfer, als ihre ersten Versuche, ins Modelgeschäft einzusteigen, erfolglos blieben. Mit wachsender Unzufriedenheit durchlebte sie in ihrer Jugend eine Phase autoaggressiven Verhaltens; sie beschrieb dies später mit den Worten: „Ich sammelte Messer und hatte immer bestimmte Dinge um mich. Aus irgendeinem Grund war das Ritual, mich selbst zu schneiden und die Schmerzen zu spüren, vielleicht sich lebendig zu fühlen und ein Gefühl der Befreiung zu verspüren, irgendwie therapeutisch für mich.“[6]

Mit vierzehn Jahren brach sie ihre Schauspielausbildung ab und dachte darüber nach, Bestattungsunternehmerin zu werden. Nachdem die Beziehung zu ihrem damaligen Freund zwei Jahre später gescheitert war, mietete sie sich in der Nähe der Wohnung ihrer Mutter ein Appartement. Sie kehrte zu ihrer Schauspielausbildung zurück und schloss die High School ab. Heute blickt Jolie auf diese Phase ihres Lebens mit der Bemerkung zurück: „Im Herzen bin ich noch immer nur ein Punk-Kid mit Tattoos.“[7]

Jolie hat seit langem ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihrem Vater. Beide versuchten eine Versöhnung, als Voight zusammen mit ihr in Lara Croft: Tomb Raider auftrat. Im Juli 2002 reichte Jolie einen Antrag zur Namensänderung ein, um Voight als Nachnamen zu streichen und ihren gesetzlichen Namen in Angelina Jolie zu ändern; die Namensänderung wurde am 12. September 2002 offiziell anerkannt.[8] Im August desselben Jahres behauptete Voight im amerikanischen Fernsehen, seine Tochter habe „ernste emotionale Schwierigkeiten“. Jolie erklärte im Jahr 2004, sie sei nicht länger an einer Beziehung zu ihrem Vater interessiert, und sagte: „Mein Vater und ich sprechen nicht miteinander. Ich ärgere mich nicht über ihn. Ich glaube nicht daran, dass man als Familie blutsverwandt sein muss, denn mein Sohn ist adoptiert, und eine Familie muss man sich verdienen.“ Sie gab an, dass sie die genauen Gründe für die Entfremdung von ihrem Vater nicht öffentlich machen wolle, aber sie glaube, es sei schädlich für sie, sich weiterhin mit ihrem Vater einzulassen, da sie gerade ihren Sohn adoptiert habe.[9]

Partnerschaften

Am 28. März 1996 heiratete Jolie den britischen Schauspieler Jonny Lee Miller, den sie während den Dreharbeiten zu Hackers – Im Netz des FBI kennengelernt hatte. Jolie und Miller trennten sich nur ein Jahr später und wurden schließlich am 3. Februar 1999 formell geschieden. Die beiden blieben jedoch befreundet, und Jolie erklärte später: „Es kommt auf das richtige Timing an. Ich denke, er ist der beste Ehemann, den sich ein Mädchen wünschen kann. Ich werde ihn immer lieben – wir waren einfach zu jung.“[10]

Am 5. Mai 2000 ging sie mit dem 20 Jahre älteren US-amerikanischen Schauspieler Billy Bob Thornton, ihrem Filmpartner aus Turbulenzen – und andere Katastrophen, ihre zweite Ehe ein. Die Ehe der beiden wurde am 27. Mai 2003 offiziell geschieden. Als Jolie über das plötzliche Ende ihrer Ehe befragt wurde, sagte sie: „Es hat mich selbst überrascht, fast über Nacht änderten wir uns völlig. Ich denke, irgendwann hatten wir einfach nichts mehr gemeinsam. Es ist unheimlich, aber … ich denke, dass es geschehen kann, wenn man sich aufeinander einlässt und sich selbst noch nicht kennt.“[11]

Jolie und Brad Pitt bei den Filmfestspielen in Cannes

Jolie erklärte in verschiedenen Interviews, bisexuell zu sein, und bestätigte bereits vor mehreren Jahren, dass sie eine sexuelle Beziehung zu ihrer Schauspielkollegin Jenny Shimizu aus Foxfire hatte. Als sie in einem Interview im Jahr 2003 gefragt wurde, ob sie bisexuell sei, antwortete Jolie: „Natürlich. Wenn ich mich morgen in eine Frau verlieben würde, fände ich es in Ordnung, sie küssen und berühren zu wollen. Wenn ich mich in sie verliebte? Absolut, ja!“[12]

Im Frühjahr 2005 geriet Jolie ins Visier der Boulevardpresse, weil sie beschuldigt wurde, der Trennungsgrund der Schauspieler Brad Pitt und Jennifer Aniston gewesen zu sein. Die Boulevardmedien spekulierten, ob sie und Pitt während der Dreharbeiten von Mr. & Mrs. Smith eine Affäre begonnen hatten. Jolie bestritt dies in verschiedenen Interviews. Im Jahr 2005 erklärte sie: „Mit einem verheirateten Mann intim zu sein, obwohl mein eigener Vater meine Mutter betrogen hat, könnte ich nicht verzeihen. Ich könnte danach morgens nicht mehr in den Spiegel sehen. Ich fände keinen Mann attraktiv, der seine Frau betrüge.“[13] Nach einem Jahr intensiver Berichterstattung der Boulevardmedien, in dem sich beide nie zum Wesen ihrer Beziehung äußerten, bestätigte Jolie am 11. Januar 2006 gegenüber People, dass sie von Pitt ein Kind erwartete, und bestätigte damit zum ersten Mal indirekt ihre Beziehung in der Öffentlichkeit.

In der Boulevardpresse werden die beiden häufig als „Brangelina“ bezeichnet. Trennungsgerüchte in den Medien kontert das Paar durch gemeinsame Auftritte wie bei den Filmfestspielen in Cannes im Mai 2009.[14]

Kinder

Jolie ist Mutter von sechs Kindern:

  • Maddox Chivan Jolie-Pitt (* 5. August 2001 in Kambodscha als Rath Vibol; adoptiert 2002)
  • Pax Thien Jolie-Pitt (* 29. November 2003 in Vietnam als Pham Quang Sang, adoptiert 2007) [15]
  • Zahara Marley Jolie-Pitt (* 8. Januar 2005 in Äthiopien als Yemsrach; adoptiert 2005) [16][17]
  • Shiloh Nouvel Jolie-Pitt (* 27. Mai 2006 in Swakopmund, Namibia; leibliche Tochter) [18]
  • Knox Léon Jolie-Pitt (* 12. Juli 2008 in Nizza; leiblicher Sohn)
  • Vivienne Marcheline Jolie-Pitt (* 12. Juli 2008 in Nizza; leibliche Tochter)[19]

Humanitäres Engagement

Bei den Dreharbeiten zu Lara Croft: Tomb Raider im zu großen Teilen verminten Kambodscha kam Jolie zum ersten Mal persönlich mit konkreten humanitären Problemen in Kontakt. Sie wandte sich an das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, um weitere Informationen über internationale Krisenherde zu erhalten und stimmte in den darauf folgenden Monaten zu, verschiedene Flüchtlingslager zu besuchen. Im Februar 2001 brach sie zu ihrer ersten Reise auf, einer achtzehntägigen Mission durch Sierra Leone und Tansania; sie erklärte später, wie schockiert sie von den Bedingungen war, die sie dort vorfand. Sie kehrte für zwei Wochen nach Kambodscha zurück und besuchte danach afghanische Flüchtlinge in Pakistan, für die sie im Rahmen eines internationalen UNHCR-Dringlichkeitsappells eine Million US-Dollar spendete.[20] Sie bestand darauf alle Kosten, die in Folge ihrer Reisen entstanden, selbst zu übernehmen und teilte bei ihren Besuchen die spärlichen Arbeitsbedingungen und Unterbringungen der Helfer vor Ort.[21]

UNHCR zeigte sich von Jolies Interesse für Flüchtlinge beeindruckt und ernannte sie am 27. August 2001 im Genfer Hauptquartier zur UNHCR-Sonderbotschafterin.[22] In einer Pressekonferenz erklärte sie ihre Beweggründe, der Flüchtlingsorganisation beizutreten: „Wir können uns nicht vor Informationen verschließen und die Tatsache ignorieren, dass es Millionen von Menschen auf der Welt gibt, die leiden. Ich möchte helfen. Ich glaube nicht, dass ich mich dabei von anderen Menschen unterscheide. Ich denke, wir wünschen uns alle Gerechtigkeit und Gleichheit, eine Chance für ein Leben mit Bedeutung. Wir alle würden gerne daran glauben, dass uns jemand beistände, sollten wir einmal in eine schlechte Situation geraten.“[21]

Während ihrer ersten drei Jahre als Sonderbotschafterin konzentrierte Jolie ihre Bemühungen auf Reisen und besuchte Flüchtlinge in verschiedenen Teilen der Welt. Auf die Frage, was sie zu erreichen erhoffe, antwortete sie: „Mehr Bewusstsein über die Lage dieser Menschen zu schaffen. Ich denke, sie sollten dafür gelobt werden, was sie überlebt haben und nicht auf sie herab gesehen werden.“[23] Im Jahr 2002 besuchte Jolie das Tham Hin Flüchtlingslager in Thailand und kolumbianische Flüchtlinge in Ecuador. Sie reiste außerdem zu UNHCR-Einrichtungen im Kosovo und stattete dem Kakuma-Flüchtlingslager in Kenia, das Vertriebene aus dem Sudan aufnahm, einen Besuch ab. Während der Dreharbeiten zu Jenseits aller Grenzen besuchte sie außerdem angolanische Flüchtlinge in Namibia.

Im Jahr 2003 unternahm Jolie eine sechstägige Mission nach Tansania, wo sie Lager für kongolesische Flüchtlinge in der westlichen Grenzregion besuchte und sie reiste für eine Woche nach Sri Lanka. Sie begab sich außerdem auf eine viertägige Mission in den Nordkaukasus in Russland und veröffentlichte zum Kinostart von Jenseits aller Grenzen im Oktober 2003 das Buch Tagebuch einer Reise – Begegnungen mit Flüchtlingen in Afrika, Kambodscha, Pakistan und Ecuador, eine Zusammenstellung von Notizen ihrer frühen Reisen (2001–2002). Während eines privaten Aufenthalts in Jordanien im Dezember 2003 besuchte sie irakische Flüchtlinge in der jordanischen Wüste und sudanesische Flüchtlinge in Ägypten.

Auf ihrer ersten UNO-Reise innerhalb der Vereinigten Staaten begab sich Jolie im Jahr 2004 nach Arizona, wo sie Asylbewerber in drei Einrichtungen besuchte und besichtigte in Phoenix Unterbringungen für Kinder und Jugendliche ohne Begleitung oder rechtlichen Beistand. Als Reaktion auf die sich durch den Darfur-Konflikt verschlechternde humanitäre Situation im Westen Sudans flog sie im Juni 2004 nach Tschad und inspizierte Flüchtlingslager im Grenzgebiet zu Darfur. Vier Monate später kehrte sie in die Region zurück und begab sich direkt nach West-Darfur. Jolie besuchte 2004 auch afghanische Flüchtlinge in Thailand und stattete während eines privaten Aufenthalts zur Weihnachtszeit im Libanon dem regionalen UNHCR-Büro in Beirut einen Besuch ab und traf sich dort mit jungen Flüchtlingen und Krebspatienten.

Jolie besuchte im Mai 2005 afghanische Flüchtlinge in Pakistan und traf sich mit Pakistans Präsidenten Pervez Musharraf und Premierminister Shaukat Aziz. Sie kehrte im November zusammen mit Brad Pitt nach Pakistan zurück, um die Folgen des Erdbebens in Kaschmir zu sehen. Im Jahr 2006 besuchten Jolie und Pitt eine vom Hip-Hop-Musiker Wyclef Jean und seiner Wohltätigkeitsorganisation Yéle Haïti unterstützte Schule in Haiti und stattete während den Dreharbeiten zu Ein mutiger Weg im November 2006 in Indien afghanischen und birmanischen Flüchtlingen in Neu-Delhi einen Besuch ab. Jolie verbrachte den ersten Weihnachtstag 2006 mit kolumbianischen Flüchtlingen in San José, Costa Rica, wo sie Geschenke verteilte und sich mit Regierungsbeamten traf. Im Februar 2007 kehrte Jolie für eine zweitägige Mission nach Tschad zurück, um sich ein Bild von der sich verschlechternden Sicherheitslage für Flüchtlinge aus Darfur zu machen; Jolie und Pitt spendeten daraufhin eine Million US-Dollar an drei Hilfsorganisationen in Tschad und Darfur. Im August 2007 unternahm Jolie ihre erste Reise nach Syrien und in den Irak, wo sie neben irakischen Flüchtlingen auch US-Truppen traf. Sechs Monate später kehrte sie in den Irak zurück. Dabei reiste sie in die Grüne Zone nach Bagdad und traf sich unter anderem mit dem irakischen Ministerpräsidenten Dschawad al-Maliki und dem US-Oberbefehlshaber in der Region General David Petraeus.

Mit zunehmender Erfahrung begann Jolie humanitäre Probleme auch auf einer politischen Ebene zu thematisieren. Sie nimmt regelmäßig an den Feierlichkeiten zum Weltflüchtlingstag in Washington, D.C. teil und war 2005 und 2006 Gastrednerin auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Daneben versucht sie, Einfluss auf die Gesetzgebung in Washington zu nehmen und traf sich seit 2003 mindestens zwanzig Mal mit Kongressabgeordneten und Senatoren. Sie erklärte: „Auch wenn ich es vorziehen würde nie nach Washington kommen zu müssen, ist das der Ort um etwas zu bewegen.“[24]

Jolie unterstützte unter anderem ein Gesetz zum Schutz von minderjährigen Asylbewerbern und sie war im März 2005 an der Gründung einer nationalen Organisation beteiligt, die minderjährige Asylbewerber, welche ohne Eltern oder Verwandte in die USA einreisen, kostenlos vor Gericht vertritt; Jolie finanzierte die Einrichtung mit einer Spende von 500.000 US-Dollar für die ersten zwei Jahre.[25] Sie unterstützte daneben verschiedene Gesetzesvorhaben des US-Kongresses die Entwicklungshilfe für Kinder in der Dritten Welt zu verbessern.[24]

Neben ihren politischen Aktivitäten begann Jolie das öffentliche Interesse an ihrer Person darauf zu verwenden, humanitäre Probleme in den Massenmedien zu platzieren. Im Mai 2005 filmte sie die MTV-Sendung, The Diary Of Angelina Jolie & Dr. Jeffrey Sachs in Africa, eine Dokumentation, die sie und den bekannten Wirtschaftswissenschaftler Dr. Jeffrey Sachs auf einer Reise nach Sauri, einer entlegenen Gruppe von Dörfern im westlichen Kenia, begleitete. Dort arbeitet Sachs’ Team des UN Millennium-Projekts mit Einheimischen zusammen, um Armut, Hunger und Krankheiten zu beenden. Im September 2006 verkündigte Jolie die Schaffung der Jolie/Pitt Foundation; die Stiftung tätigte zur Gründung zwei Spenden von jeweils einer Million US-Dollar an Global Action for Children und Ärzte ohne Grenzen.[26]

Jolie erntete breite Anerkennung für ihre humanitäre Arbeit. Im Jahr 2003 war sie die erste Preisträgerin des neu geschaffenen Citizen of the World Award des Verbandes der UNO-Korrespondenten und 2005 erhielt Jolie den Global Humanitarian Award von der UNA-USA, einer amerikanischen Einrichtung zur Unterstützung der UNO.[27] Kambodschas König Norodom Sihamoni verlieh Jolie am 12. August 2005 die kambodschanische Staatsbürgerschaft für ihre Arbeit zur Erhaltung der Umwelt in seinem Land; sie sicherte fünf Millionen US-Dollar zu, um die Tierwelt innerhalb eines Nationalparks in der nordwestlichen Provinz Battambang zu erhalten, wo sie ein Haus besitzt. Im Jahr 2007 wurde Jolie ein Mitglied des Council on Foreign Relations und sie wurde mit dem Freedom Award des International Rescue Committee ausgezeichnet.

Karriere

Karrierebeginn (1993–1997)

Mit 14 Jahren begann Jolie als Fotomodell zu arbeiten. Sie stand unter Vertrag bei Finesse Model Management und modelte sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa; sie arbeitete hauptsächlich in Los Angeles, New York und London. Jolie erschien außerdem in zahlreichen Musikvideos, u. a. in Meat Loafs Rock and Roll Dreams Come Through, Antonello Vendittis Alta Marea und Lenny KravitzStand by My Woman. Im Alter von 16 Jahren kehrte Jolie an das Theater zurück und spielte in ihrer ersten Rolle eine deutsche Domina. Sie lernte von ihrem Vater und studierte seine Methode, Menschen zu beobachten, um überzeugend in deren Rolle schlüpfen zu können. Ihre Beziehung zueinander war zu dieser Zeit noch weniger gespannt als später.

Jolie stand für fünf Studentenfilme ihres Bruders vor der Kamera, als dieser die USC School of Cinematic Arts besuchte, ihre professionelle Filmkarriere begann jedoch im Jahr 1993. Sie spielte in ihrer ersten Hauptrolle im Low-Budget-Film Cyborg 2 (1993) Casella „Cash“ Reese, einen menschenähnlichen Roboter, der darauf programmiert ist, sich mit Verführungskünsten den Weg ins Hauptquartier des Feindes zu bahnen und dort zu explodieren. Nach einigen kleineren Projekten trat sie zwei Jahre später in ihrem ersten Hollywood-Film als Kate „Acid Burn“ Libby in Hackers – Im Netz des FBI (1995) auf. Sie heiratete später ihren Schauspielkollegen Jonny Lee Miller, den sie am Filmset kennen gelernt hatte. Die New York Times schrieb: „Kate (Angelina Jolie) fällt auf. Sie zieht ein noch mürrischeres Gesicht als die übrigen Darsteller und sie ist diese seltene weibliche Hackerin, die bewusst in einem durchsichtigen Top an ihrer Tastatur sitzt. Trotz ihres verdrießlichen Auftretens, und das ist alles, was die Rolle erfordert, hat Frau Jolie das süße engelhafte Aussehen ihres Vaters Jon Voight.“ Der Film spielte keinen Gewinn an den Kinokassen ein, entwickelte sich aber zu einem Kulthit, nachdem er auf Video erschien.

Daraufhin trat sie als Gina Malacici in der Komödie Liebe und andere … (1996) vor die Kamera, einer modernen Adaption von Romeo und Julia unter zwei rivalisierenden italienischen Restauranteigentümern in der New Yorker Bronx. Im Roadmovie Nichts als Trouble mit den Frauen spielte sie den Teenager Eleanor Rigby, der sich in Danny Aiello verliebt, während dieser versucht, ihre Mutter (Anne Archer) zu erobern. Im Jahr 1996 erschien sie außerdem im Film Foxfire als Margret „Legs“ Sadovsky, eines von fünf Mädchen, die einen ungewöhnlichen Bund eingehen, nachdem sie einen Lehrer zusammengeschlagen haben, der sie sexuell belästigt hatte. Die Los Angeles Times schrieb über Jolies Leistung: „Es bedurfte einer Menge, diese Figur zu entwickeln, aber Jolie, Jon Voights umwerfende Tochter, hat die Präsenz, um den Stereotyp zu überwinden. Obwohl die Geschichte von Maddy erzählt wird, ist Legs das Thema und der Katalysator.“[28]

Im Jahr 1997 spielte Jolie gemeinsam mit David Duchovny im Thriller Playing God. Der Film erzählt die Geschichte eines Chirurgen, der seine Approbation verliert und tief in die kriminelle Unterwelt hineingezogen wird, wo er Jolies Figur Claire trifft. Der Film stieß auf wenig Gegenliebe bei den Kritikern, und Roger Ebert erklärte: „Angelina Jolie findet eine gewisse Wärme in einer Rolle, die normalerweise hart und aggressiv ist; sie erscheint zu nett, um die Freundin eines Verbrechers zu sein, und vielleicht ist sie es auch.“[29] Danach arbeitete sie im Fernsehfilm True Women (1997), einem historisch-romantischem Drama im Wilden Westen, basierend auf dem Buch von Janice Woods Windle. Im selben Jahr spielte sie außerdem eine Stripperin im Musikvideo des Liedes Anybody Seen My Baby? der Rolling Stones.

Schauspielerischer Durchbruch (1997–2000)

Jolies Karriereaussichten begannen sich zu verbessern, nachdem sie für ihre Darstellung von Cornelia Wallace in der Filmbiografie Wallace (1997) einen Golden Globe gewann und für einen Emmy nominiert worden war. Der mehrfach ausgezeichnete Film erhielt unter anderem den Golden Globe als bester Fernsehfilm. Sie spielte die zweite Ehefrau des Gouverneurs von Alabama, eines Anhängers der Rassentrennung, der angeschossen und querschnittsgelähmt wurde, als er für die amerikanische Präsidentschaft kandidierte. Der Film zeigte Gary Sinise in der Hauptrolle, Regie führte John Frankenheimer.

Im Jahr 1998 erschien Jolie im HBO-Projekt Gia – Preis der Schönheit, einem Film über das Leben des lesbischen Supermodels Gia Carangi. Der Film beschreibt eine Welt von Sex und Drogen und Carangis emotionalen Niedergang und ihren Tod durch AIDS. Vanessa Vance von Reel.com schrieb: „Angelina Jolie erntete große Anerkennung für ihre Rolle als Gia, und es ist leicht zu verstehen warum. Jolie ist ergreifend in ihrer Darstellung, die den Film mit Nerv, Charme und Verzweiflung füllt, und ihre Rolle ist möglicherweise das schönste Wrack, das jemals gefilmt wurde.“[30] Jolie gewann ihren zweiten Golden Globe und erhielt eine erneute Emmy-Nominierung. Sie bekam außerdem ihren ersten Screen Actors Guild Award. Jolie zog es in ihren Anfangsjahren häufig vor, entsprechend Lee Strasbergs Method Acting, auch in Drehpausen vollkommen in ihrer Rolle zu verbleiben. Während der Dreharbeiten zu Gia erklärte sie ihrem damaligen Ehemann Jonny Lee Miller, sie sei nicht in der Lage ihn anzurufen. „Ich sagte ihm: ‚Ich bin allein; ich sterbe; ich bin lesbisch; ich werde dich in den nächsten Wochen nicht sehen.‘“[31]

Nach Gia zog Jolie kurzzeitig nach New York, da sie das Gefühl hatte, sie habe „nichts mehr zu geben.“ Sie schrieb sich an der New York University ein, um Film zu studieren, und besuchte Klassen für Drehbuchautoren. Später beschrieb sie diese Zeit als „einfach gut, um mich selbst zu finden.“[32]

Jolie kehrte als Gloria McNeary im Gangsterfilm Hell’s Kitchen – Vorhof zur Hölle (1998) auf die Leinwand zurück und trat im selben Jahr auch im Episodenfilm Leben und lieben in L.A. auf, in dem sie die junge Partygängerin Joan spielte. Das Ensemble umfasste unter anderem Sean Connery, Gillian Anderson, Ryan Phillippe und Jon Stewart. Der Film erhielt überwiegend positive Rezensionen und Jolie erntete besonderes Lob. Der San Francisco Chronicle schrieb: „Jolie, die sich durch ein überzogenes Skript kämpft, ist eine Sensation als die verzweifelte Klubgängerin, die lernen muss, was sie bereit ist, aufs Spiel zu setzen.“[33] Jolie wurde vom amerikanischen National Board of Review als beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet.

Im Jahr 1999 erschien sie neben John Cusack, Billy Bob Thornton und Cate Blanchett in Mike Newells Komödiendrama Turbulenzen – und andere Katastrophen, ein Film über die Rivalität zweier Fluglotsen. Jolie spielte Thorntons verführerische Ehefrau Mary Bell und sie heiratete im darauf folgenden Jahr Thornton auch im realen Leben. Der Film stieß auf gemischte Reaktionen und Jolies Figur wurde besonders kritisiert. Die Washington Post schrieb: „Mary (Angelina Jolie) ist eine völlig lächerliche Autorenkreation; eine Frau, die über sterbende Hibiskuspflanzen weint, eine Menge türkiser Ringe trägt und furchtbar einsam wird, wenn ihr Mann nachts nicht nach Hause kommt.“[34] Daraufhin arbeitete sie mit Denzel Washington in Der Knochenjäger (1999) zusammen, einer Adaption des gleichnamigen Romans von Jeffery Deaver. Jolie spielte Amelia Donaghy, eine Polizeibeamtin, die vom Selbstmord ihres Vaters gequält wird und nur widerwillig zustimmt, dem ehemaligen Detective Rhyme zu helfen, einen Serienmörder zu jagen. Der Film spielte weltweit 151 Mio. US-Dollar ein,[35] erhielt jedoch überwiegend negative Rezensionen. Die Detroit Free Press schrieb: „Jolie, auch wenn sie immer köstlich anzusehen ist, ist schlicht und einfach fehlbesetzt.“[36]

Danach nahm Jolie die Nebenrolle Lisa Rowe in Durchgeknallt (1999) an. Der Film erzählt die Geschichte der Psychiatriepatientin Susanna Kaysen und basiert auf Kaysens Memoiren Girl, Interrupted. Das Psychodrama war ursprünglich als Comeback für die Hauptdarstellerin Winona Ryder konzipiert, wurde aber stattdessen zu Jolies endgültiger Etablierung in Hollywood. Sie gewann ihren dritten Golden Globe, ihren zweiten Screen Actors Guild Award und den Oscar als beste Nebendarstellerin. Variety schrieb, „Jolie ist ausgezeichnet als das extravagante, unverantwortliche Mädchen, das sich letztendlich als viel entscheidender für Susannas Rehabilitation erweist als die Ärzte“[37] und Roger Ebert urteilte über ihre Leistung: „Jolie entwickelt sich zu einem der großen Freigeister gegenwärtiger Filme, eine lose Kanone, die dennoch tödlich ins Ziel trifft.“[38]

Im Sommer 2000 erschien Jolie in ihrem ersten Blockbuster, Nur noch 60 Sekunden, als Sarah „Sway“ Wayland, Ex-Freundin des Autodiebs Nicolas Cage. Die Rolle war verhältnismäßig klein und die Washington Post kritisierte: „Alles was sie in diesem Film tut, ist herumstehen, sich abkühlen und ihre fleischigen, pulsierenden Muskelröhren zur Schau stellen, die so provozierend um ihre Zähne herum nisten.“[39] Sie erklärte später, dass der Film für sie nach der anstrengenden Rolle in Durchgeknallt eine willkommene Abwechslung darstellte, und es wurde ihr bis dahin kommerziell erfolgreichster Film mit einem internationalen Einspielergebnis von 237 Mio. US-Dollar.[35]

Internationaler Erfolg (2001–heute)

Obwohl sie nach ihrem Oscargewinn für ihre Schauspielfähigkeiten bekannt war, hatten Jolies Filme bis dahin selten ein breites Publikum erreicht, aber Lara Croft: Tomb Raider (2001) machte sie zu einem internationalen Superstar. Die Titelrolle Lara Croft des bekannten Videospieles verlangte von Jolie einen britischen Akzent und ein umfassendes Martial-Arts-Training. Sie erhielt große Anerkennung für ihre physische Darbietung, der Film wurde jedoch im Allgemeinen negativ aufgenommen. Slant Magazine schrieb: „Angelina Jolie wurde geboren, um Lara Croft zu spielen, aber Regisseur Simon West erlaubt ihr nur einen Ausflug in ein billiges Computerspiel.“[40] Der Film wurde nichtsdestoweniger zu einem großen internationalen Erfolg, spielte weltweit 275 Millionen US-Dollar ein[35] und begründete ihre Reputation als weiblicher Action-Star.

Jolie erschien danach neben Antonio Banderas als Katalogbraut Julia Russell in Original Sin (2001), einem auf Cornell Woolrichs Roman Waltz into Darkness basierenden Thriller. Der Film fiel bei Filmkritikern weitestgehend durch und die New York Times bemerkte: „Die Geschichte sinkt steiler in sich zusammen als Frau Jolies gewagtes Dekolleté.“[41] Im Jahr 2002 spielte sie Lanie Kerrigan in Leben oder so ähnlich, einem Film über eine ehrgeizige Fernsehreporterin, der prophezeit wird, in einer Woche zu sterben. Der Film erhielt negative Rezensionen, auch wenn Jolies Darbietung häufig positiv hervorgehoben wurde. CNNs Paul Clinton urteilte: „Jolie ist ausgezeichnet in ihrer Rolle. Trotz eines teilweise lächerlichen Plots in der Mitte des Films ist die oscargekrönte Schauspielerin äußerst glaubhaft in ihrer Selbstfindung um die wahre Bedeutung vom erfüllten Leben.“[42]

Jolie (Cannes 2007)

Jolie kehrte 2003 zu ihrer Rolle als Lara Croft in Lara Croft: Tomb Raider – Die Wiege des Lebens zurück. Die Fortsetzung erwies sich als weniger lukrativ als das Original, nahm aber dennoch 157 Mio. US-Dollar an den internationalen Kinokassen ein.[35] Im selben Jahr trat sie außerdem in Jenseits aller Grenzen auf, einem Film über humanitäre Hilfe in Afrika. Der Film fiel bei Kritikern und Publikum durch und Jolie wurde für die Goldene Himbeere als schlechteste Schauspielerin nominiert. Die Los Angeles Times schrieb: „Jolie kann Lebhaftigkeit und Glaubwürdigkeit in Figuren bringen, die eine für sie nachvollziehbare Realität haben, wie sie es in ihrer Oscar-Rolle in ‚Durchgeknallt‘ bewies. Sie kann auch bekannte Cartoons spielen, was sie in den Lara-Croft-Filmen zeigte. Aber der Limbo eines gespaltenen Charakters, einer schlecht geschriebenen Figur in einer von Fliegen befallenen und mit Blut und Eingeweiden übersäten Welt, besiegt sie völlig.“[43] Weiterhin war sie im Musikvideo zu Did My Time der Band Korn zu sehen.

Im Jahr 2004 war Jolie zusammen mit Ethan Hawke und Kiefer Sutherland im Thriller Taking Lives auf der Leinwand zu sehen. Sie spielte Illeana Scott, eine FBI-Profilerin, die die Polizei in Montreal dabei unterstützen soll einen Serienmörder zu überführen. Der Film stieß auf gemischte Reaktionen und brachte ihr eine zweite Himbeeren-Nominierung ein. Der Hollywood Reporter schrieb: „Angelina Jolie spielt eine Rolle, die sich wie etwas anfühlt, das sie schon einmal getan hat, aber sie fügt einen unverkennbaren Schuss von Aufregung und Glamour hinzu.“[44] Jolie lieferte die Stimme für Lola, einem Fisch im DreamWorks SKG Animationsfilm Große Haie – Kleine Fische (2004); weitere Rollen wurden von Will Smith, Martin Scorsese, Renée Zellweger, Jack Black und Robert De Niro gesprochen. Jolie übernahm 2004 auch einen kurzen Gastauftritt als Franky in Sky Captain and the World of Tomorrow neben Jude Law, einem Sciencefiction-Film, der komplett vor einem Bluescreen gedreht wurde und bei dem fast alle Sets und Requisiten in der Nachbearbeitung computergeneriert eingefügt wurden. Jolie spielte außerdem Olympias in Alexander (2004), Oliver Stones Filmbiographie über das Leben von Alexander dem Großen. Der Film war in den Vereinigten Staaten wenig erfolgreich, was Stone mit der Darstellung von Alexander als homosexuell in Verbindung brachte,[45] aber außerhalb Nordamerikas spielte er 133 Mio. US-Dollar ein.[35] Newsday schrieb über Jolies Leistung: „Jolie ist die Einzige im gesamten Film, die Spaß mit ihrer Rolle zu haben scheint, und man vermisst sie jedes Mal, wenn sie nicht auf der Leinwand zu sehen ist.“[46]

Jolies einziger Film 2005, Doug Limans Actionkomödie Mr. & Mrs. Smith, ist ihr bis heute größter kommerzieller Erfolg. Der Film erzählt die Geschichte gelangweilter Eheleute, die herausfinden, dass sie beide ein Doppelleben als Profikiller führen. Jolie spielte Agentin Jane Smith neben Brad Pitt. Der Film wurde überwiegend positiv aufgenommen und besonders die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern wurde hervorgehoben. Die Star Tribune erklärte: „Während die Geschichte willkürlich erscheint, lebt der Film von seinem geselligen Charme, der galoppierenden Energie und der thermonuklearen Chemie zwischen den beiden Stars.“[47] Der Film spielte über 478 Mio. US-Dollar weltweit ein und wurde zu einem der größten Erfolge des Kinojahres.[35]

Im folgenden Jahr übernahm Jolie neben Matt Damon eine Nebenrolle in Robert De Niros Der gute Hirte (2006), einem Film über die frühe Geschichte der CIA, erzählt aus der Sicht von Edward Wilson. Jolie trat als Margaret Russell auf, Wilsons vernachlässigte Ehefrau, die zunehmend unter den Auswirkungen der Arbeit ihres Ehemanns leidet. Die Chicago Tribune kommentierte: „Jolie altert überzeugend im Laufe des Films und ist erfreulich unbesorgt, wie ihre spröde Figur beim Publikum ankommen könnte.“[48]

Mit dem Dokumentarfilm A Place in Time veröffentlichte Jolie 2007 ihr Regiedebüt. Es beschreibt das Geschehen an 27 verschiedenen Orten der Welt innerhalb einer Woche. An dem Projekt wirkten unter anderem ihre Schauspielkollegen Jude Law, Hilary Swank, Colin Farrell und Jonny Lee Miller mit und es soll vor allem an amerikanischen High Schools gezeigt werden. Jolie spielte außerdem Mariane Pearl in Michael Winterbottoms Dokumentardrama Ein mutiger Weg über die Entführung und Ermordung des Wall-Street-Journal-Reporters Daniel Pearl in Pakistan. Der Film basiert auf Mariane Pearls Memoiren Ein mutiges Herz: Leben und Tod des Journalisten Daniel Pearl und hatte seine Uraufführung bei den Filmfestspielen in Cannes. Der Hollywood Reporter beschrieb Jolies Darstellung als „akkurat und bewegend, respektvoll gespielt und den schwierigen Akzent dabei fest im Griff.“ Sie erhielt für die Rolle ihre vierte Golden Globe- und dritte Screen Actors Guild Award-Nominierung. Daneben trat sie als Grendels Mutter in einer Nebenrolle in Robert Zemeckis’ animiertem Epos Die Legende von Beowulf (2007) auf, der mit Hilfe der Motion-Capture-Technik verfilmt wurde.

Jolie war im Sommer 2008 im Actionfilm Wanted, einer Adaption der gleichnamigen Graphic Novel von Mark Millar, zu sehen sowie im Animationsfilm Kung Fu Panda (DreamWorks SKG) als Stimme der Tigerin zu hören. Wanted, der in Deutschland keine Jugendfreigabe erhielt, löste eine mehr oder weniger große Kontroverse um die Darstellung von Gewalt im Kino aus, war mit einem Einspielergebnis von 343 Mio. US-Dollar[49] weltweit jedoch erfolgreich.

Jolie bei der Premiere von Salt 2010 in Moskau

Clint Eastwood wählte sie als Hauptdarstellerin für seinen Thriller Der fremde Sohn. Dieser Film erhielt sehr gute Kritiken und wurde während der Filmfestspiele von Cannes 2008 gezeigt. Jolie wurde für ihre Darstellung der um ihren Sohn kämpfenden Christine Collins erstmals für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert. 2009 begann sie mit den Dreharbeiten des Action-Thrillers Salt, in dem sie die Agentin Evelyn Salt spielt, die der Spionage bezichtigt wird und daraufhin eine neue Identität annehmen muss. Salt kam im Sommer 2010 in die deutschen Kinos.

Im Februar 2010 begannen die Dreharbeiten zu ihrem neuen Film The Tourist, in dem Florian Henckel von Donnersmarck Regie führt und Johnny Depp die männliche Hauptrolle spielt.[50] Der Film feierte seine Weltpremiere am 7. Dezember 2010 in New York.[51] Sowohl Johnny Depp als auch Jolie wurden jeweils für den Golden Globe für ihre schauspielerischen Leistungen in dem Thriller nominiert. Die Verleihung fand am 16. Januar 2011 statt.

Im Herbst 2010 fanden die Dreharbeiten zu In the Land of Blood and Honey in Budapest statt. Das Kriegsdrama, bei dem Jolie Regie führte und für welches sie das Drehbuch schrieb, erzählt eine Liebesgeschichte während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995. Jolie besetzte die Rollen ausschließlich mit bosnischen, serbischen und kroatischen Schauspielern wie Zana Marjanovic, Nikola Djuricko und Rade Šerbedžija, die den Krieg selbst miterlebt haben. „[Sie] waren außergewöhnlich. Ich fühlte mich privilegiert und geehrt, mit ihnen arbeiten zu dürfen und freue mich sehr darauf, dass alle bald deren unglaubliches Talent sehen können“, sagte Jolie der Branchenzeitschrift The Hollywood Reporter.[52] Nachdem Gerüchte über die Filmhandlung in Umlauf gebracht worden waren, wonach der Film die Liebe einer bosnischen Frau zu ihrem serbischen Vergewaltiger thematisieren würde, rief dies scharfe Kritik und Proteste der bosnischen Vereinigung Women Victims of War hervor. Bosniens Kulturminister Gavrilo Grahovac entzog Jolie daraufhin die Drehgenehmigung für die Hauptstadt Sarajevo. Die Gerüchte erwiesen sich später jedoch als falsch.[53] Der Film läuft am 23. Dezember 2011 in den US-amerikanischen Kinos an.[54] Wann und unter welchem Titel der Film im deutschsprachigen Raum erscheinen wird, ist noch unbekannt.

2008 zählte Jolie laut dem amerikanischen Forbes Magazine zu den am besten verdienenden Schauspielerinnen in Hollywood. Zwischen Juni 2007 und Juni 2008 erhielt sie Gagen in Höhe von 14 Mio. US-Dollar.[55] 2011 hatte sie in einem neuerlichen Forbes-Ranking die Spitzenposition durch ihr Mitwirken in Salt und The Tourist (30 Mio. US-Dollar) gemeinsam mit Sarah Jessica Parker inne.[56]

Medienpräsenz

Jolie ist heute einer der bekanntesten Menschen weltweit. Laut dem Q-Score-Index von Marketing Evaluations Inc. kannten Jolie im Jahr 2000 nach ihrem Oscargewinn 31 % der Befragten in den Vereinigten Staaten, 2006 war sie dagegen für 81 % der Amerikaner ein Begriff.[57] In einer globalen Studie von ACNielsen im Jahr 2006 auf 42 internationalen Märkten wurde Jolie zusammen mit Brad Pitt zur weltweit bevorzugten Werbeträgerin für Marken und Produkte ermittelt.[58] Daneben wurde Jolie 2006 und 2008 von Time in deren jährliche Liste der 100 einflussreichsten Personen der Welt aufgenommen.[59] Von amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes wurde Jolie auf der sogenannten „Celebrity 100“, einer Rangliste Prominenter, im Jahr 2006 auf Position 35 und 2007 auf Rang 14 geführt.

Im Februar 2007 wurde sie im Rahmen der britischen Fernsehshow The 100 Greatest Sex Symbols vor Elvis Presley und Marilyn Monroe zum größten Sexsymbol aller Zeiten gewählt.[60]

Im Jahr 2008 wählten die Leser der deutschen FHM Jolie auf der Liste der 100 schönsten Frauen auf Platz 12.

Filmografie

Schauspielerin

Die deutsche Synchronstimme von Jolie ist seit 2000 bis auf wenige Ausnahmen Claudia Urbschat-Mingues.

Synchronsprecherin

Angelina Jolie (2010)

Musikvideos

Produzentin

  • 2005: Lovesick
  • 2005: A Moment in The World

Auszeichnungen (Auswahl)

Academy Award of Merit („Oscar“)

British Academy Film Award

  • 2009: Nominierung als beste Hauptdarstellerin für Der fremde Sohn

Emmy Award

  • 1998: Nominierung als beste Hauptdarstellerin in einer Miniserie oder einem Fernsehfilm für Gia – Preis der Schönheit
  • 1998: Nominierung als beste Hauptdarstellerin in einer Miniserie oder einem Fernsehfilm für Wallace

Golden Globe Award

National Board of Review Award

Screen Actors Guild Award

  • 1999: Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin in einem Fernsehfilm für Gia – Preis der Schönheit
  • 2000: Auszeichnung als beste Nebendarstellerin für Durchgeknallt
  • 2008: Nominierung als beste Hauptdarstellerin für Ein mutiger Weg
  • 2009: Nominierung als beste Hauptdarstellerin für Der fremde Sohn

Negativpreise

Literatur

  • Harald Keller: Angelina Jolie. Bertz + Fischer Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-929470-33-0.
  • Angelina Jolie: Tagebuch einer Reise – Begegnungen mit Flüchtlingen in Afrika, Kambodscha, Pakistan und Ecuador. Bombus, München 2004, ISBN 3-936261-31-8.
  • Brandon Hurst: Angelina Jolie. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2007, ISBN 3-89602-764-6.
  • Andrew Morton: Angelina Jolie. Droemer & Knaur, August 2010

Englischsprachige Literatur und Quellen

Weblinks

 Commons: Angelina Jolie – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wild at heart. Allure. November 2004.
  2. Inside the Actors Studio, Episode 169. Bravo. 5. Juni 2005.
  3. Telegraph Interview mit Jon Voight. The Daily Telegraph. 2. Oktober 2001. Abgerufen 14. April 2007.
  4. Angelina Jolie Biography The Biography Channel, abgerufen am 18. September 2011. (englisch)
  5. Dominic Wills: Angelina Jolie biography Tiscali.film & TV.
  6. Paula Zahn Now. CNN.com – Transcripts. 9. Juni 2005.
  7. Ginger Strejcek: Attracting the Eyes of the World. Season Magazine. Sommer 2005.
  8. [http://www.eonline.com/news/article/index.jsp?uuid=71ee1ce0-30ab-41c1-b600-eb381d91d427 Angelina Jolie’s Name Interrupted] (Link nicht abrufbar). E! Online. 17. September 2002.
  9. Premiere Magazine – Angelina Jolie. Premiere Magazine. Oktober 2004.
  10. Angelina Jolie interviews featuring Jonny Lee Miller jonnyleemiller.co.uk
  11. Learning To Fly. Vogue. März 2004.
  12. Angelina, saint vs. sinner. New York Daily News. 2. Februar 2006.
  13. Angelina, saint vs. sinner. Daily News, L.P. 2 February 2006. Retrieved 8. April 2006.
  14. Cannes - Special auf Gala.de
  15. Jolie sorry to throw media spotlight on adopted boy vom 17. März 2007
  16. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,363873,00.html (Link nicht abrufbar) Spiegel Online vom 6. Juli 2005
  17. The Daily Telegraph vom 21. November 2007, zuletzt abgerufen am 3. Mai 2009
  18. FAZ vom 28. Mai 2006, zuletzt abgerufen am 3. Mai 2009
  19. AFP Agence France-Presse GmbH: Angelina Jolie bringt gesunde Zwillinge zur Welt, vom 13. Juli 2008, abgerufen am 13. Juli 2008
  20. unhcr.org: Angelina Jolie responds to UNHCR emergency appeal
  21. a b Angelina Jolie named UNHCR Goodwill Ambassador for refugees. UNHCR.org. 23. August 2001.
  22. forbes.com: Bad Girl Interrupted
  23. Interview with Angelina Jolie. UNHCR.org. 21. Oktober 2002.
  24. a b Bad Girl Interrupted. Forbes. 12. Juni 2006.
  25. Angelina Jolie launches centre for unaccompanied children. UNHCR.org. 9. März 2005.
  26. [http://people.aol.com/people/article/0,26334,1537302,00.html Brad & Angelina Start Charitable Group] (Link nicht abrufbar). People. 20. September 2006.
  27. Jolie honoured for refugee role. BBC News. 12. Oktober 2005.
  28. calendarlive.com: Movie Review – Foxfire. The Los Angeles Times. 23. August 1996.
  29. Reviews: Playing God. Chicago Sun-Times. 17. Oktober 1997.
  30. Gia (1998). Reel.com.
  31. Angelina Jolie interviews featuring Jonny Lee Miller. JonnyLeeMiller.co.uk.
  32. Inside the Actors Studio, Episode 169 Bravo. June 5, 2005
  33. ‚Heart‘ Barely Misses a Beat, Small life stories come together. San Francisco Chronicle. 22. Januar 1999.
  34. 'Pushing Tin' (R). Washington Post. 23. April 1999.
  35. a b c d e f Boxofficemojo 16. April 2007
  36. The Bone Collector. Rotten Tomatoes.
  37. Variety.com – Reviews – Girl, Interrupted, Variety, Dec. 10, 1999.
  38. Reviews: Girl, Interrupted. Chicago Sun-Times. 14. Januar 2000.
  39. 'Gone in 60 Seconds': Lost in the Exhaust. Washington Post. 9. Juni 2000.
  40. Film Review – Lara Croft: Tomb Raider. Slant Magazine. 2001.
  41. Original Sin – Review. The New York Times. 3. August 2001.
  42. Jolie shines in up-and-down 'Life'. CNN.com. 25. April 2002.
  43. „Beyond Borders“ turns out to be an unreal film about a too-real situation.. Los Angeles Times. 24 October 2003.
  44. Taking Lives. The Hollywood Reporter. 15. März 2004.
  45. Stone blames 'moral fundamentalism' for US box office flop. The Guardian. January 6, 2005.
  46. 'Alexander' lacks greatness. Newsday. 24. November 2004.
  47. Mr. & Mrs. Smith. Rotten Tomatoes.
  48. Movie review: 'The Good Shepherd'. Chicago Tribune.
  49. boxofficemojo.com: “Wanted” (Stand: 30. Januar 2009)
  50. Donnersmarck dreht mit Angelina Jolie in Paris. Die Welt, 24. Februar 2010
  51. Bei Premiere zu "The Tourist". Angelina Jolie ganz Kuschelig. rp-online.de, 7. Dezember 2010, abgerufen am 7. Dezember 2010.
  52. Angelina Jolie’s Directorial Debut Lands U.S. Distributor The Hollywood Reporter, abgerufen am 18. September 2011. (englisch)
  53. Angelina Jolie findet Filmverleih für ihr Regiedebüt Stern, abgerufen am 18. September 2011.
  54. In the Land of Blood and Honey IMDb.com, abgerufen am 18. September 2011. (englisch)
  55. vgl. Johnson, Wesley: Hollywood's Top Earners. Press Association Newsfile, 23. Juli 2008, 4:38 PM BST
  56. "Forbes"-Millionen-Ranking. Reich, reicher, Angelina. Spiegel Online, 6. Juli 2011, abgerufen am 7. Juli 2011.
  57. Bad Girl Interrupted, Forbes, 12. Juni 2006
  58. Angelina Jolie, Brad Pitt top the charts, as favourite celebrity endorsers. AgencyFaqs.com.
  59. The Time 100. Time Magazine.
  60. FocusOnline: Angelina Jolie: Größtes Sexsymbol aller Zeiten

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