Kraftwerk Neurath

f2

Kraftwerk Neurath
Bestandskraftwerk (ohne BoA-Neubau); Blöcke A (rechts) bis E (links)
Bestandskraftwerk (ohne BoA-Neubau); Blöcke A (rechts) bis E (links)
Lage
Kraftwerk Neurath (Nordrhein-Westfalen)
Kraftwerk Neurath
Lage in Nordrhein-WestfalenNordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen
Koordinaten 51° 2′ 22,1″ N, 6° 36′ 54,1″ O51.0394756.615041Koordinaten: 51° 2′ 22,1″ N, 6° 36′ 54,1″ O
Land Deutschland
Gewässer keines (Kühlung über Kühlturm, der aus Tagebau-Grundwasser gespeist wird)
Daten
Primärenergie Fossile Energie
Brennstoff Braunkohle
(Rheinisches Braunkohlerevier)
Leistung 2205 MW (elektrisch) brutto
2083 MW netto
(ohne BoA-Neubau)
Typ Kohlekraftwerk
Eigentümer RWE
Betreiber RWE Power
Betriebsaufnahme 1972

Das Kraftwerk Neurath ist ein Braunkohlekraftwerk des Betreibers RWE in Grevenbroich-Neurath (Rhein-Kreis Neuss). Es liegt im Süden von Grevenbroich und grenzt an das Gebiet der Gemeinde Rommerskirchen und der Stadt Bedburg an.

Das Kraftwerk dient der Erzeugung von Grundlaststrom und besitzt eine elektrische Brutto-Leistung von 2205 Megawatt. Die Kohle wird über Gleisanschluss an die Nord-Süd-Bahn aus den Tagebauen des Rheinischen Braunkohlereviers, insbesondere dem Tagebau Garzweiler bezogen.

Inhaltsverzeichnis

Bestandskraftwerk

Das Kraftwerk besteht aus fünf Blöcken (3 x 300 MW und 2 x 600 MW nominal), die zwischen 1972 und 1976 errichtet wurden, und besitzt eine Brutto-Leistung von 2205 MW.[1]

Block A B C D E
Inbetriebnahme 1972 1972 1973 1975 1976
Nominalleistung
Dampfturbine (MW elektrisch)
3 x 312 MW 2 x 633 MW
Kamin (Höhe) 3 x 160 m 2 x 170 m
Kühlturm (Höhe) 3 x 103 m 2 x 128 m

In den 1980er-Jahren wurde für alle Blöcke eine komplette Rauchgasreinigungsanlage nachgerüstet.

Neubau („BoA 2 und 3“)

Baustelle (August 2008)

Im September 2005 beschloss RWE, am Kraftwerk zwei neue Blöcke (F und G) vom Typ „Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik (BoA)“ zu bauen. Als Weiterentwicklung des BoA-Blockes im Kraftwerk Niederaußem (BoA 1) tragen die neuen Blöcke auch die Bezeichnung „BoA 2 und 3“. Im Januar 2006 begannen die Bauarbeiten.[2]

Die BoA-Blöcke sollen bei einem Wirkungsgrad von 43 %[3] eine Leistung von je 1100 MW haben. RWE gab 2008 an, der Bau umfasse eine Investition von 2,2 Milliarden Euro und es handele es sich um eine der größten Baustellen Europas[4].

Die ursprünglich geplante Inbetriebnahme Ende 2009 verzögerte sich aufgrund des unten genannten Unfalles mit Zerstörung eines erheblichen Teils des Neubaus. Mittlerweile befindet sich ein Block im Testbetrieb, die reguläre Inbetriebnahme ist für Ende 2011 vorgesehen. Der zweite Block soll im ersten Quartal 2012 ans Netz gehen[5].

Kritik

Alle Kohlekraftwerke stehen mit Verweis auf die Klimawandel in der Kritik bei Umweltverbänden und Naturschützern. Da die Stromerzeugung aus Braunkohle, trotz optimierter Anlagentechnik (BoA), weiterhin zu den Technologien der Energiegewinnung gehört, die den höchsten Ausstoß an CO2 haben, gilt dies in besonderen Maß für diesen Kraftwerktyp. So liegt der Verbrauch an Braunkohle pro BoA-Block bei 820 Tonnen pro Stunde[6]. Nach Ansicht von Umweltschützern führt der Neubau der Anlage bei einer geplanten Regellaufzeit von 40 Jahren zur unnötigen, langfristigen Festlegung auf klimaschädliche Technologien und verhindert damit den raschen Umstieg auf klima- und ressourcenschonende, erneuerbare Energien.

Es wird zudem kritisiert, dass der Anlagenwirkungsgrad nicht durch zusätzliche Maßnahmen wie Kraft-Wärme-Kopplung maximiert wird. Eines der vorgeschlagenen Projekte ist die Errichtung eines großflächigen Gewächshausparks, um die anfallende Abwärme zu nutzen und weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Die dafür geplante Gewerbefläche war allerdings für die Ansiedlung stromintensiver Industrien vorgesehen.[7]

Unfälle

Am Abend des 25. Oktober 2007 kam es auf dem Baustellengelände zu einem schweren Unfall. Eine über 100 Tonnen schwere Seitenwandbandage, ein Teilstück des Großgerüstes, riss ab und begrub mehrere Monteure unter sich. Drei Bauarbeiter konnten nur noch tot aus den Trümmern des Baugerüsts geborgen werden, sechs weitere wurden zum Teil schwer verletzt in umliegende Krankenhäuser eingeliefert. Fast 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Sanitätsorganisationen und Technischem Hilfswerk waren im Einsatz. Im Dezember 2008 wurde das eingeleitete Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung von der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach eingestellt. Laut Gutachten [8] waren die Knotenverbindungen der Bandagenunterkonstruktion zu schwach ausgelegt. Da es keinerlei Kenntnisse über die - in dieser Größe erstmals eingesetzten - Bauteile und deren Stabilitätsprobleme gegeben habe, sei der Unfall für die Fachleute nicht vorhersehbar gewesen, so die Staatsanwaltschaft. Vielmehr seien Auslegung und Konstruktion nach den Regeln der Technik erfolgt.[9]

Am 13. Januar 2008 starb bei einem Unfall ein Mitarbeiter einer Stahlbaufirma - der dritte tödliche Zwischenfall auf der Baustelle.[10][11]

Bilder

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. RWE-Informationsbroschüre Kraftwerke Frimmersdorf und Neurath auf rwe.com (PDF)
  2. rwe.com
  3. Christian Wieg: Neue Kraftwerksblöcke in Neurath arbeiten mit optimierter Anlagentechnik
  4. RWE-Website, zuletzt abgerufen am 6. November 2008
  5. http://www.ngz-online.de/grevenbroich/nachrichten/wie-die-boa-funktioniert-1.581133
  6. http://www.ngz-online.de/grevenbroich/nachrichten/wie-die-boa-funktioniert-1.581133
  7. http://www.ngz-online.de/public/article/regional/grevenbroich/nachrichten/550797
  8. Prof. Schmidt&Partner: Zusammenfassende Darstellung der Unfallursache gemäß Gutachten
  9. Website der Kölnischen Rundschau: Letzter Aufruf 12. Dezember 2008
  10. Erste Ergebnisse der Untersuchung des Unfalls auf der BoA-Baustelle Neurath durch Bezirksregierung Düsseldorf auf bezreg-duesseldorf.nrw.de
  11. Westdeutsche Zeitung: Erneut Unfall am Kraftwerk auf www.sg-kaarst.de

Weblinks


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