Angeln (Gebiet)
Lage von Angeln und Schwansen
Maasholm in Angeln
Thingplatz in Gulde
Die schleswig-holsteinische Flagge mit dem Angler Wappen (Angeliter Flagge)

Die Landschaft Angeln (dänisch: Angel) liegt im Nordosten des Bundeslandes Schleswig-Holstein zwischen der Flensburger Förde und der Schlei. Im Westen geht Angeln in die Schleswigsche Geest über (siehe auch Luusangeln). Die Grenze zur Geest folgt dem historischen Ochsenweg. Angeln stellte zu keiner Zeit eine politische Einheit dar. Trotzdem ist die Landschaft für viele Bewohner eine identitätsstiftende Größe.

Um sich von der Bezeichnung der gleichlautenden Tätigkeit abzusetzen, werden die Einwohner auch Angelner oder Angeliter genannt.

Anders als das jenseits der Schlei gelegene Schwansen ist Angeln bis heute durch kleinere, selbständige Bauernhöfe gekennzeichnet. Anders als in Schwansen waren hier viele Bauern von Gutsherrschaft und Leibeigenschaft ausgenommen [1]. Eine Ausnahme bildet vor allem der Osten Angelns. Die Leibeigenschaft wurde hier 1805 aufgehoben. Als Hofform bildeten sich das jütische Geesthardenhaus und nach der Verkoppelung im 19. Jahrhundert im Osten Angelns der Dreiseithof heraus.

Typisch für Angelns Landschaftsbild sind die vielen relativ kleinen Felder, die mit Knicks voneinander getrennt sind. Das Hügelland (eine Endmoränenlandschaft als Resultat der letzten Eiszeit) mit seinen kurvenreichen Straßen wird häufig durch kleinere Buchenwälder unterbrochen, sodass diese Kulturlandschaft wie ein natürlicher Landschaftspark wirkt.

Die höchste Erhebung Angelns ist nicht, wie oft angenommen, der Scheersberg (71 m), auf dessen Kuppe sich eine alte germanische Thingstätte befand, sondern der Höckeberg in Freienwill mit 82 m.

Der Name der Landschaft geht auf den Volksstamm der Angeln zurück, der (unter anderem) in der Landschaft Angeln ansässig war. Kultisches Zentrum scheint das Thorsberger Moor bei Süderbrarup gewesen zu sein - darauf deutet nicht nur der Name hin, sondern auch zahlreiche archäologische Funde. Ab etwa circa 400 n. Chr. wanderte ein Großteil der Angeln nach Britannien aus und siedelte dort unter anderem in East Anglia. König Offa ist die große Sagengestalt des Volkes der Angeln.

Allem Anschein nach war das Gebiet um 500 dann weitgehend unbewohnt. Nach 600 siedelten sich Jüten und Dänen auf der Halbinsel an, was heute noch an den Ortsnamen in Angeln und im übrigen Schleswig deutlich wird, so enden viele Ortsnamen auf -by und -rup, was übersetzt 'Dorf' bzw. 'Siedlung' heißt. An die zwanzig Orts- oder Hofnamen enden auf -gaard, was soviel wie ’befestigte Hofanlage’ bedeutet (vergleiche englisch guard = beschützen). Noch heute bekennen sich zahlreiche Angeliter zur dänischen Volksgruppe. Allerdings begann sich in Angeln (wie im restlichen südlichen Schleswig) in der Neuzeit zunehmend die (nieder-)deutsche Sprache auszubreiten; nach 1800 wurde auch das Angeldänische vom Deutschen abgelöst. [2]

Das Angeliter Wappen wurde 1847 erstmals genutzt. Es besteht aus neun Feldern, die jeweils eines der Angeliter Harden symbolisieren. Einzig die Uggelharde ist nicht im Wappen enthalten, da nur ihre östlichen Teile zu Luusangeln gehören.

Angeln ist bekannt für seine Viehzucht und seine besonderen Nutztierrassen. So stammen das Angler Rind und das Angler Sattelschwein aus Angeln. Die Handelswege der Angeliter Bauern zum Ochsenweg und zu den Märkten in Flensburg und Schleswig wurden Angelbowege genannt (dän. angelbo Angeliter).

Inhaltsverzeichnis

Größere Orte in Angeln (Auswahl)

Sprachen

Die wichtigsten Sprachen in Angeln sind Hochdeutsch, Niederdeutsch (Schleswigsch) und Dänisch. Der alte angeldänische Dialekt starb im 19. Jahrhundert aus, hat sich jedoch in zahlreichen Ortsnamen erhalten. Das Angler Niederdeutsch unterlag lange noch dem Einfluss aus dem Dänischen und besitzt heute noch einige Eigenarten gegenüber anderen Varianten des Niederdeutschen. Beispielhaft wird oft der folgende Satz genannt: De chute Chegend, wo de chrossen cheelen Cheorchinen chanz chräsig chut chedeien (Die gute Gegend, wo die großen gelben Georginen besonders gut gedeihen).

Inoffizielles Wappen

Das Angler Wappen.

Das Wappen von Angeln ist kein hoheitliches Zeichen, erfreut sich aber unter den Bewohnern Angelns großer Beliebtheit. Weite Verbreitung findet es vor allem auf Flaggen mit den Landesfarben Schleswig-Holsteins und auf Schmucktellern. Es wurde von H.N.A. Jensen zusammengestellt und erschien 1847 erstmals in der Festgabe für die Mitglieder der XI. Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe.

Die Gestaltung des überfüllt wirkenden Wappens folgt nicht heraldischen Regeln. Es besteht aus neun Feldern, die bis auf eines die historischen Harden Angelns darstellen. Es sind die

  1. Husbyharde (stilisiertes Haus),
  2. Munkbrarupharde (Laurentiusrost),
  3. Nieharde (Stern mit Mondsichel),
  4. Schliesharde (Hering mit Wellenzeichen),
  5. der Ostangler Güterbezirk, der nicht der Hardengerichtsbarkeit sondern dem Landesherren direkt unterstellt war und erst in 1953 zur Kappelner Harde umgewandelt wurde (symbolisiert durch zwei Schleswigsche Löwen),
  6. Struxdorfharde (stilisierte Eiche),
  7. Satrupharde (Sense),
  8. Mohrkirchharde (Antoniuskreuz) und die
  9. Füsingharde (gekreuzte Schlüssel).

Im ursprünglichen Entwurf des Wappens wurde die Husbyharde durch ein von zwei Pfeilen durchbohrtes Herz dargestellt. Spätestens ab 1906 erschien das dem alten Hardensiegel entsprechende stilisierte Haus an dieser Stelle. Im Wappen fehlt das Zeichen für die Uggelharde, die nur zum Teil zu Angeln gehörte.

Literatur

  • Berthold Hamer: Biografien der Landschaft Angeln, Bd. I + II, Husum Verlagsgesellschaft, 2007, ISBN 978-3-89876-339-4
  • Berthold Hamer: Topografie der Landschaft Angeln, Bd. I + II, Husum Verlagsgesellschaft, 1995, ISBN 978-3-88042-749-5 und ISBN 978-3-88042-705-1
  • Hans Nicolai Andreas Jensen: Angeln: Zunächst für die Angler historisch beschrieben, S. 432, Flensburg: Andersen 1844. ISBN 3-921361-00-1
  • Erich Thiesen: Das neue Angelnbuch, S. 160, Neumünster: Wachholtz 2001. ISBN 3-529-06183-2
  • Paul Selk: Zum Angler Wappen, Jahrbuch des Angler Heimatvereins, 36. Jg., 1972, S. 7-12.
  • Bernhard Asmussen: 150 Jahre „Angelner Wappen“, Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angeln, 61. Jg., 1997, S. 185-188.

Einzelnachweise

  1. Gesellschaft für schleswig-holsteinische Geschichte
  2. Zeitschrift Slesvigland 1980-04

Siehe auch


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