Angelo Mai
Kardinal Angelo Mai
Angelo Mai

Angelo Mai (* 7. März 1782 in Schilpario, Provinz Bergamo, Lombardei; † 8. September 1854 in Castel Gandolfo bei Albano) war ein italienischer Kardinal und Philologe.

Inhaltsverzeichnis

Leben

1799 trat er den Jesuiten bei und wurde 1804 Lehrer für klassische Philologie am Kollegium in Neapel. Nachdem er seine Ausbildung am Collegium Romanum vervollständigt hatte, lebte er einige Zeit als Lehrer in Orvieto, wo er sich mit paläographischen Studien befasste. Die politischen Ereignisse von 1808 zwangen ihn, sich aus Rom, wohin er in der Zwischenzeit zurückgekehrt war, nach Mailand zurückzuziehen, wo er 1813 zum Kustos der Ambrosianischen Bibliothek ernannt wurde.

Mit der ihm eigentümlichen Energie und Begeisterung wandte er sich nun der Untersuchung der zahlreichen Manuskripte zu, die ihm anvertraut waren, und war im Verlauf der nächsten sechs Jahre in der Lage, der Welt eine beträchtliche Anzahl von lange verloren geglaubten Werken zurückzugeben. Nach seinem Austritt aus der Societas Jesu wurde er 1819 als Präfekt der Vatikanischen Bibliothek nach Rom gerufen. 1833 wurde er ins Sekretariat der Congregatio de propaganda fide versetzt und am 2. Februar 1838 zum Kardinal, Titelkirche: Sant’Anastasia erhoben.

Leistungen

Angelo Mais Ruhm basiert im Wesentlichen auf seinen Fähigkeiten als Entzifferer von Palimpsesten. Aus seiner Zeit in Mailand stammen:

  • Fragmente von Ciceros Pro Scauro, Pro Tullio, Pro Flacco, In Clodium et Curionem, De aere alieno Milonis, De rege Alexandrino, 1814
  • M. Corn. Frontonis opera inedita, cum epistolis item ineditis, Antonini Pii, Marci Aurelii, Lucii Veri et Appiani, 1815; Neuausgabe 1823 mit über 100 weiteren Briefen aus der Vatikanischen Bibliothek
  • Teile von acht Reden von Quintus Aurelius Symmachus
  • Fragmente von Plautus
  • Isaios' Rede Über das Erbe des Kleonymos
  • die letzten neun Bücher des Geschichtswerks des Dionysios von Halikarnassos sowie eine Anzahl weiterer Werke.
  • M Tullii Ciceronis de republica quae supersunt, uns somit einen bedeutenden Teil der verloren geglaubten Staatstheorie Ciceros, entdeckt 1819
  • Scriptorum veterum nova collectio, e Vaticanis codicibus edita, 1825-1838
  • Classici scriptores e Vaticanis codicibus editi 1828-1838
  • Spicilegium Romanum 1839-1844
  • Patrum nova bibliotheca 1845-1853

Seine Ausgabe des Codex Vaticanus, 1838 fertiggestellt, angeblich aufgrund von Unkorrektheiten aber erst 1858, vier Jahre nach seinem Tod, veröffentlicht, ist die am wenigsten zufriedenstellende seiner Arbeiten und wurde 1868 von der Ausgabe von Vercellone und Cozza verdrängt, die selbst aber auch noch viele Wünsche offen ließ.

Obwohl Angelo Mai nicht als Textkritiker, sondern als Entzifferer von Manuskripten erfolgreich war, wird er als ausdauernder und beharrlicher Pionier in Erinnerung bleiben, dessen Anstrengungen viele antike Schriften vor der Vergessenheit bewahrte.

Literatur

  • B. Prina: Biografia del cardinale Angelo Mai, Bergamo 1882
  • J. Cozza-Luzi: Epistolario del cardinale Angelo Mai, Bergamo 1883
  • Gianni Gervasoni: Angelo Mai, Bergamo 1954

Weblinks


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