Angerapp (Ostpreußen)
Stadt
Osjorsk/Darkehmen
Озёрск
Wappen
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Osjorsk
Erste Erwähnung 1615
Frühere Namen Darkehmen (bis 1938)
Angerapp (1938–1946)
Stadt seit 1726
Fläche 12 km²
Höhe des Zentrums 80 m
Bevölkerung 5357 Einw. (Stand: 2006)
Bevölkerungsdichte 446 Ew./km²
Zeitzone UTC+2 (Sommerzeit: UTC+3)
Telefonvorwahl (+7) 40142
Postleitzahl 238120
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 227 501
Geographische Lage
Koordinaten: 54° 25′ N, 22° 1′ O54.41666666666722.01666666666780Koordinaten: 54° 25′ 0″ N, 22° 1′ 0″ O
Osjorsk (Kaliningrad) (Russland)
DEC
Osjorsk (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
DEC
Oblast Kaliningrad
Liste der Städte in Russland

Osjorsk (russisch Озёрск für „Stadt am See“, deutsch Darkehmen bzw. 1938–1946 Angerapp, litauisch Darkiemis, polnisch Darkiejmy) ist eine Kleinstadt im Süden der Oblast Kaliningrad, Russland mit 5357 Einwohnern (2006).

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Osjorsk liegt unweit der Grenze zur polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren am Fluss Angrapa (Angerapp), 30 km südöstlich des Mittelzentrums Tschernjachowsk (ehem. Insterburg).

Geschichte

Aus einer Urkunde des Jahres 1615 wird erwähnt, dass das Krugrecht in Dorekheim (Darkehmen) am 30. November 1604 von einem Hans Lengnick erworben wurde. Der Ortsname leitet sich von prußisch „darkus“ und „caymis, kaims“ ab und bedeutet „das häßliche Dorf, Dreckdorf“. In der Nähe befand sich eine prußische Wehrschanze sowie an der Straße nach Insterburg eine heidnische Kultstätte, der sogenannte „Potrimpos-Berg“. Am „Dreigötterkrug“ waren als Wirtshausschilder die drei prußischen Hauptgötter Perkunos, Potrimpos und Patolos (Pikollos) aufgehängt. Es ist anzunehmen, dass der Ort bereits im 16. Jahrhundert bestand, denn er lag an einem verkehrsmäßig günstig gelegenen Übergang über die Angerapp. 1615 wurde die erste Kirche, ein Fachwerkgebäude, errichtet. Die erste Schule für Darkehmen entstand 1706. Durch königliches Patent vom 10. Januar 1726 erhielt Darkehmen Stadtrecht.

Altes Stadtwappen

Mitte des 18. Jahrhunderts war das alte Kirchengebäude so baufällig geworden, dass es 1752 abgerissen werden musste. Aus seinen Steinen erbaute man eine neue Kirche, die am 15. September 1754 eingeweiht wurde. Zu dieser Zeit leben etwa 1.000 Einwohner in der Stadt. Unter ihnen lebten auch zahlreiche Einwanderer aus dem Salzburger Land, dessen Ansiedlung der preußische Staat initiiert hatte. Der Siebenjährige Krieg hinterließ der Stadt einen Schaden von 5.911 Talern. 1732 wurde in der Nähe das „Königliche Stutamt“ gegründet, das später zum Hauptgestüt Trakehnen wurde. Am 5. Mai 1777 legten die Darkehmener Bürger den Grundstein für ihr Rathaus, das nach einjähriger Bauzeit fertiggestellt war.

Aufgrund der preußischen Verwaltungsordnung von 1815 wurde Darkehmen im Jahre 1818 Kreisstadt des gleichnamigen Kreises. Die Einwohnerzahl hatte sich inzwischen auf 2.000 erhöht. 1836 musste das Kirchengebäude wegen Baufälligkeit erneut geschlossen werden, der dritte Neubau wurde am 9. Oktober 1842 eingeweiht. 1878 erfolgte der Anschluss an die Eisenbahnstrecke Insterburg–Goldap–Lyck, der Bahnhof für Darkehmen lag allerdings drei Kilometer entfernt in Ströpken. Erst 1913 erhielt die Stadt durch die Bahnlinie Gumbinnen–Angerburg einen eigenen Bahnhof. Die Elektrizität hielt im Jahre 1886 mit der Installation einer Straßenbeleuchtung Einzug, es war die erste in ganz Ostpreußen. Das städtische Elektrizitätswerk wurde 1907 gebaut. Darkehmen blieb auch nach dem Aufblühen neuer Industrien zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorwiegend eine Ackerbürgerstadt. Lediglich Tuchmacher- und Mühlenbetriebe sorgten für weitere Arbeitsplätze.

Rathaus und Post um 1910

Während des Ersten Weltkrieges musste die Stadt 1914 geräumt werden und wurde am 23. August 1914 von russischen Truppen plündernd und brandschatzend besetzt. Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht gekommen waren, befand man, dass der Name der Stadt nicht deutsch genug klang, und es erfolgte 1938 die Umbenennung in Angerapp. Zur Volkszählung von 1939 wurden 4.336 Einwohner ermittelt. Sie mussten im Oktober 1944 die Flucht vor der anrückenden russischen Front antreten, und am 22. Januar 1945 wurde die Stadt von der Roten Armee eingenommen. Nach Kriegsende kam die Stadt unter russische Verwaltung und wurde in Osjorsk umbenannt. Sie liegt seither in der Exklave Kaliningrad.

Heute ist Osjorsk Sitz des Rajons Osjorsk, die Eisenbahnstrecke wurde zwischenzeitlich demontiert.

Einwohnerentwicklung

Die Angrapa mit Staustufe in Osjorsk
Jahr Einwohnerzahlen
1754 1000
1818 2000
1875 2924 *
1890 3448 *
1925 3375 *
1933 3652 *
1939 4377 *
1959 3800 **
1979 6000 **
1989 6219 *
2002 5801 *
2006 5357

Anmerkung: * Volkszählung ** Volkszählung (gerundet)

Söhne und Töchter der Stadt

  • Gustav Bauer (*6. Januar 1870 in Darkehmen), deutscher Reichskanzler 1919–1920 (†1944)
  • Julius von Groß (*21. November 1812 in Darkehmen), preußischer General (†1881)
  • Manfred Peter Hein (*25. Mai 1931 in Darkehmen), Schriftsteller und Übersetzer
  • Martin-Michael Passauer (*20. Januar 1943 in Angerapp), evangelischer Theologe, Generalsuperintendent von Berlin

Patenschaft

Im Jahr 1954 hat die nordrhein-westfälische Stadt Mettmann die Patenschaft für die Kreisgemeinschaft Angerapp e.V. (im Bund der Vertriebenen) übernommen. In diesem Verein haben sich die aus dem Kreis Angerapp in Ostpreußen vertriebenen Deutschen zusammengeschlossen.

Siehe auch

Weblinks


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