Angewohnheit
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Als Gewohnheit (auch Usus, lat. uti - gebrauchen) wird eine unter gleichartigen Bedingungen entwickelte Reaktionsweise bezeichnet, die durch Wiederholung stereotypisiert wurde und beim Erleben gleichartiger Situationsbedingungen wie "automatisch" nach demselben Reaktionsschema ausgeführt wird, wenn sie nicht bewusst vermieden oder "unterdrückt" wird. Es gibt Gewohnheiten des Fühlens, Denkens und Verhaltens

In spielerischen Zusammenhängen oder absichtlich, also bewusst gelernte, insbesondere in Schule und Lehre gezielt eingeübte Verhaltensweisen werden dagegen wie alle irgendwie nützlichen Gewohnheiten (z. B. in der Muttersprache reden zu können) selbst bei größter Routine als Fähigkeiten oder - vor allem bei größerer Geschicklichkeit dabei - auch als Fertigkeit bezeichnet.

Die Ausbildung von Gewohnheiten besonders in der Form von Vorlieben und Abneigungen zeigen bereits Einzeller, die konditioniert werden können, also über eine für den Beobachter erkennbare Merkfähigkeit verfügen. Beim Menschen hat sich das Lernvermögen weit darüber hinaus zu einer ausgeprägten und aktiv beeinflussbaren Erinnerungsfähigkeit erweitert, die sich in den ersten Anzeichen allerdings erst im vierten bis fünften Lebensjahr eines Menschen zu zeigen beginnt. Ihre Bezeichnung als Gedächtnis verweist darauf, dass sie Voraussetzung allen Denkens ist, das als Tätigkeit allerdings seinerseits auch leicht "zu bloßer Gewohnheit" werden kann.

Wie die moderne Hirnforschung plausibel gemacht hat, bestehen bei der menschlichen Entwicklung im ersten Lebensjahrzehnt und dabei wiederum in dessen erster Hälfte besonders günstige neurobiologische Bedingungen für elementare Lernvorgänge mit der Folge, dass sich in diesen Lebensjahren Gewohnheiten besonders leicht und schnell ausbilden.

Die Redewendung von der Macht der Gewohnheit(en) bezieht sich dagegen auf die Tatsache, dass ein Tun oder Machen auf der Grundlage ausgeprägter Gewohnheiten immer schneller zustande kommt als ein bewusstes Handeln, das wegen der zu seiner Vorbereitung nötigen Überlegungen und Entscheidungen stets mehr Zeit in Anspruch nimmt als ein reflexhaft zustande kommendes gewohnheitsmäßiges Reagieren. Eine andere Redewendung - "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier" - gibt einen Hinweis auf die evolutionären Wurzeln der Gewohnheit. Konrad Lorenz hat unter anderem aus Beobachtungen seiner Gans Martina herausgefunden, dass bestimmte, auch nebensächliche Verhaltensweisen, die in einer als bedrohlich empfundenen Situation auch nur zufällig ausgeführt werden, zur Gewohnheit werden. Denn evolutionär steigt damit die Wahrscheinlichkeit eines Überlebens in ähnlichen Situationen. Ein Abweichen von Gewohnheiten ist vor diesem evolutionären Hintergrund mit inneren Spannungen verbunden.

Stark ausgeprägte oder starre Denk- und Verhaltensgewohnheiten können für die Kreativität abträglich sein und zu einem eingefahrenen, mehr oder weniger gedankenlosen Reagieren führen. Zudem erfordert gewohnheitsmäßiges Reagieren wegen seines reflexartigen Ablaufs wenig Aufmerksamkeit. Ausgeprägtes gewohnheitsmäßiges Reagieren kann daher zu höhergradiger selektiver Aufmerksamkeit führen und darüber zu gewohnheitsmäßiger Unaufmerksamkeit, wegen der wiederum ein gewohnheitsmäßiges Reagieren weiter gefördert wird.

Zeigt eine nennenswerte Anzahl von Angehörigen einer Gruppen dieselbe Gewohnheit, so kann diese zur unhinterfragten sozialen Sitte oder kollektiven Überzeugung werden. Aufwendigere Bräuche werden dagegen eher bewusst beibehalten, vor allem wenn sie eingeübt werden müssen und zu denselben Gelegenheiten wie etwa jahreszeitlichen Festen zu festen Zeiten oder zu festgelegten Zeitpunkten regelrecht gepflegt werden. Auf gemeinsamem Handeln beruhen auch Gewohnheitsrechte und Pflichten, die zurückgehen auf längere Zeit beibehaltenen Absprachen und gegenseitigen Verpflichtungen, die zunächst vielleicht nur einzelne Personen miteinander und vielleicht auch nur ad hoc eingegangen waren.

  • Von einer Gewohnheit zu unterscheiden ist die Gewöhnung oder Habituation. Damit ist das Phänomen gemeint, dass ein Individuum auf einen wiederholt erlebten Reiz zunehmend geringere oder im Extremfall gar keine Reaktionen mehr zeigt. Man spricht in derartigen Fällen auch von Desensibilisierung. Sie lässt sich in Form einer am besten systematischen Desensibilisierung auch gezielt nutzen; bei Menschen muss sie allerdings meist auch bewusste Einstellungsänderungen miteinschließen.

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