Kriegskredite

Eine Kriegsanleihe (oder Kriegskredit) ist ein verzinsliches oder unverzinsliches Wertpapier, das der Finanzierung eines Krieges dient. Emittent ist in der Regel eine Regierung. Das Ankaufen der Anleihe kommt der Gewährung eines Kredits an die Regierung gleich.

Ring für Zeichner der österreichischen Kriegsanleihe; Aufschrift "Pro Patria 1914" (lat. "für das Vaterland".)

Kriegsanleihen werden meist von umfangreicher Propaganda begleitet, um auf diese Weise die Heimatfront direkt zur Unterstützung des Krieges zu gewinnen. Um möglichst viele Anleger zu finden, wird meist an deren Patriotismus mit dem Argument appelliert, dass der Absatz der Anleihe eine kriegsentscheidende Bedeutung habe. Kapitalgeber spekulieren auch auf die Zinsen, die der Staat bei einem Sieg durch Reparationszahlungen finanzieren will. Im Falle eines verlorenen Krieges besteht die Gefahr, dass die Anleihe nicht zurückgezahlt wird. Das angelegte Kapital geht dadurch verloren. Die Geschichte kennt viele Beispiele für solche Verluste.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

3. Österreichische Kriegsanleihe 1915

Kriegsanleihen gibt es, wenn auch früher unter anderem Namen, seit dem Mittelalter.

Liberty Bond Poster in den USA von Winsor McCay, 1. Weltkrieg

In der Schweiz wurden diese 1848 herausgegeben. 1936 gab die Schweiz eine Wehranleihe aus, die den Zweck hatte, in einem erwarteten Krieg möglichst gut gerüstet zu sein.

Erster Weltkrieg

Den Ersten Weltkrieg finanzierten vor allem Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland über Kriegsanleihen. Während die USA ihre Mittel über den Haushalt (13 Mrd US$) bereitstellten, sowie über vier Liberty Bonds (17 Mrd. US$) bei der Bevölkerung lieh, erhöhte England die Steuern, gab aber ebenfalls Anleihen heraus, die das Parliamentary War Savings Committee bewarb. Sowohl England als auch Frankreich erhielten zudem Kredite aus den USA.

In Deutschland wurden zwischen 1914 und 1918 insgesamt neun Kriegsanleihen ausgegeben, die 98 Milliarden Reichsmark einbrachten und etwa 60% der deutschen Kriegskosten deckten.

Als „die“ Kriegsanleihe wird in der deutschen Geschichte im allgemeinen jener Beschluss der SPD im Jahr 1914 bezeichnet, der die Finanzierung des Ersten Weltkriegs ermöglichte. In Folge der Burgfriedenspolitik kam es außerdem zur Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung. Diese Entwicklung machte die klassenübergreifende Zusammenarbeit von gemäßigter Arbeiterbewegung und gemäßigtem Bürgertum in der Weimarer Republik erst möglich. Zugleich sollte sie später aber auch den Aufstieg des Nationalsozialismus begünstigen.

Deutsche Kriegsanleihen und Schatzanweisungen im Ersten Weltkrieg (in Millionen Mark)[1]
Kriegsanleihe Nennbetrag der Zeichnung Ausstehende Schatzanweisungen Saldo
I. September 1914 4.460 2.632 +1.832
II. März 1915 9.060 7.209 +1.851
III. September 1915 12.101 9.691 +2.410
IV. März 1916 10.712 10.388 +324
V. September 1916 10.652 12.766 -2.114
VI. März 1917 13.122 14.855 -1.733
VII. September 1917 12.626 27.204 -14.578
VIII. März 1918 15.001 38.971 -23.970
IX. September 1918 10.443 49.414 -38.971

Zweiter Weltkrieg

Das United States Office of War Information tourte ab 1943 durch die USA und sammelte mit vier Gemälden von Norman Rockwell, die dieser nach einer Kongress-Rede des Präsidenten Franklin D. Roosevelt über die Die vier Freiheiten geschaffen hatte, 130 Mio $ für Kriegsanleihen ein. Diese deckten allerdings nur einen Bruchteil der Ausgaben. Allein das Leih- und Pachtgesetz verpflichteten die USA bereits vor Kriegseintritt zu 50 Mrd. $ Militärhilfe an die Alliierten. (Deutschland finanzierte den Krieg mit von Hjalmar Schacht entwickelten Mefo-Wechseln.)

Einzelnachweise

  1. Entnommen aus: Konrad Roessler: Die Finanzpolitik des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg. Berlin 1967, S. 79, Tabelle 5.

Weblinks


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