Angle-Klassen
Vorbiß

Eine Zahnfehlstellung ist jegliche Stellung eines Zahnes außerhalb der idealen Zahnbogenform des Oberkiefers oder Unterkiefers, welche ästhetisch negativ auffällt, oder in der Okklusion eine Dysfunktion (Fehlfunktion) bewirkt. Man unterscheidet dentale Fehlstellungen von skelettalen Fehlstellungen und Kombinationen von beiden:

Dentale Fehlstellungen sind lokale Kippstellungen, sog. dentoalveoläre Fehlstellungen, welche nur im alveolären Bereich definiert sind.

Skelettale Fehlstellungen von Zähnen sind Zahnfehlstellungen, welche durch Lageanomalien des gesamten Oberkieferbereichs zum gesamten Unterkiefer inklusive ihrer Alveolarbereiche, dem Knochengewebe, in welchem die Zähne stehen, definiert sind. Eine dentale Fehlstellung eines oder mehrerer Zähne kann besonders während der Wachstumsphase zu (schweren) skelettalen Anomalien führen.

  • Eine Zahnfehlstellung wird einerseits durch die Angle Kl. I, II und III , der Beziehung / Position der Kronen der oberen Molaren zu den unteren Molaren objektiviert.
  • Andererseits werden Zahnfehlstellungen winkelmäßig, in ihrer Angulation zur Okklusionsebene definiert.
  • Schließlich werden Zahnfehlstellungen auch durch die Okklusionskurve (Spee-Kurve, Kompensationskurve) definiert, wenn z. B. keine Okklusionskurve vorliegt, sondern eine gerade Okklusionsebene.

Transversale Zahnfehlstellungen werden als Kreuzbiss oder Scherbiss / Bukkale Nonokklusion bezeichnet.

Eine sagittale Lageanomalie der Kiefer zueinander, wobei der gesamte Oberkieferkomplex hinter dem Unterkieferkomplex, oder der Unterkieferkomplex vor dem Oberkieferkomplex liegt oder verzahnt, wird als Progenie bezeichnet. Eine zur Progenie umgekehrte Lagebeziehung der Kiefer zueinander wird als Prognathie, Vorbiss – siehe Abbildung – bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Angle-Klasse I

Angle-Klasse I
Der vordere Höcker des oberen 6ers verzahnt zwischen den großen Höckern des unteren 6ers. – 6er gleich: erste Molaren, welche als erste Zähne der bleibenden Dentition mit ca. 6 Jahren hinter den Milchmolaren durchbrechen.

Angle-Klasse II/1

Angle-Klasse II/1
Der vordere Höcker des oberen 6ers verzahnt vor dem vorderen Höcker des unteren 6ers. Gleichzeitig sind die oberen Frontzähne stark nach vorne gekippt (protrudiert).

Angle-Klasse II/2

Angle-Klasse II/2
Der vordere Höcker des oberen 6ers verzahnt vor dem vorderen Höcker des unteren 6ers. Gleichzeitig sind die oberen Frontzähne stark nach distal (hinten) gekippt.

Angle-Klasse III

Angle-Klasse III
Der vordere Höcker des oberen 6ers verzahnt hinter dem zweiten Höcker des untern 6ers. Dabei können die unteren Frontzähne vor den oberen Frontzähnen stehen - Progenie.

Ursache von Zahnfehlstellungen

  • Hereditäre Ursachen (Vererbung)
  • Genetische Ursachen oder Schäden
  • Hormonelle Ursachen (Progenie, Akromegalie)
  • In Verbindung mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (vererbbar)
  • Erworbene Zahnfehlstellungen durch:
    • Fehlfunktion (Dysfunktion) der Schluckmuskulatur, Zungenmotorik
    • sog. Angewohnheiten, Habits, Fingerlutschen, Schnuller
    • Zahnextraktionen ohne anschließende prothetische Versorgung
    • Kieferorthopädie, durch Begradigung der Okklusionskurve oder/und durch falsche Ausrichtung der Winkelstellung
    • Angulation besonders der oberen Molaren mit den Wurzeln nach hinten / distal.

Bedeutung der Zahnfehlstellung

  1. Ästhetische Bedeutung: Wie aus obigem Foto ersichtlich, prägen Zahnstellungen bzw. Zahnfehlstellungen sehr stark oder wesentlich das Profil und das ästhetische, sympathische Erscheinungsbild sowie die Mimik und Ausdruckskraft des Gesichts. Hierdurch wird nachhaltig das Selbstbewusstsein, die Psyche (Depressionen) und der berufliche Erfolg bestimmt.
  2. Medizinische Bedeutung von Zahnfehlstellungen: Kleinste Fehlstellungen von Zähnen durch Kippung (Angulationsfehler) oder Verlagerung können die Okklusion besonders in der Dynamik beim Zubeißen nachhaltig stören. Hierbei kann eine Zahnfehlstellung zu Frühkontakten und zu Abgleitbewegungen wie Hebelmomenten führen, welche das Parodont, die Kiefergelenke und die Kaumuskulatur traumatisieren können. Neue Untersuchungen belegen laut DGZMK, Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, dass Zahnfehlstellungen und deren Dysfunktion zu über 50 % die Ursache für die vielfältigen Symptome der Kraniomandibuläre Dysfunktion, (CMD), sind. Aus diesem Grund schreibt die DGZMK eine Klinische Funktionsanalyse der Okklusion, Gelenke und Muskeln des Craniomandibulären Systems zwingend vor. Eine fehlende Klinische Funktionsanalyse vor einer zahnärztlichen wie kieferorthopädischen Behandlung kann juristisch als Unterlassung gewertet werden. Aus der Beziehung von Zahnfehlstellungen zur Kraniomandibuläre Dysfunktion hat sich zusätzlich zur bisherigen Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde eine Craniomandibuläre Zahnheilkunde bzw. Kieferorthopädie, KFO / Orthodontie, die sog. CMD-KFO entwickelt.

Da die Kieferorthopädie / Orthodontie (Multibandtechnik) im besonderen Maße (invasiv) Zahnstellungen und die Okklusionskurven (s.h. Okklusionskurve) korrigiert und definiert, kommt der Kieferorthopädie, KFO, im Rahmen der Kraniomandibuläre Dysfunktion, CMD, und deren Prophylaxe eine führende Rolle zu. Speziell festsitzende Multibandgeräte müssen geeignet sein, diese komplizierte und komplexe Aufgabenstellung durch besondere individuelle Beherrschbarkeit für feinste Zahnstellungskorrekturen gezielt vornehmen zu können.

Arten

bei Tieren:

Siehe auch


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