Anglisiert
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Als Anglisierung wird hauptsächlich das bewusste „Verenglischen“, also die Übernahme kultureller, wirtschaftlicher oder sozialer Eigenarten insbesondere aus dem US-Amerikanischen oder Britischen, bezeichnet. In Bezug auf die Sprache ist Anglisierung die bewusste und übermäßige Verwendung englischer Begriffe im deutschen Sprachgebrauch, etwa bei Werbeaktionen oder beim Gebrauch von Computern.

Inhaltsverzeichnis

Zum Begriff der „Anglisierung“

Das „normale“ Einfließen und Verwenden englischer Begriffe steht im Gegensatz zur Eindeutschung und wird als Anglizismus bezeichnet.

Ebenso wie der umgangssprachliche Begriff Denglisch ist Anglisierung negativ besetzt und soll ein Übermaß an Einfluss der englischen Sprache zum Ausdruck bringen, das von einigen als störend empfunden wird.

Beispiele

Häufig findet sich in Schaufenstern des Einzelhandels die Bezeichnung Sale statt „Ausverkauf“ oder „Schlussverkauf“.

Als Beispiel für einen Text, der unnötig viele Anglizismen enthält, wird auch oft folgender Ausspruch der Modedesignerin Jil Sander angeführt:
Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, dass man contemporary sein muss, das future-Denken haben muss. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, dass man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewusste Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muss Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.[1]

Ein kulturelles Beispiel für eine Anglisierung ist der Versuch, Bräuche wie den Valentinstag oder Halloween in Deutschland einzuführen. Gegner hegen hierbei die Vermutung, dass insbesondere wirtschaftliche Gründe die vermehrte Bewerbung der ursprünglich angelsächsischen Feiertage treiben.

Zu beobachten ist auch eine verstärkte betriebswirtschaftliche Ausrichtung an Methoden aus den USA und in diesem Zuge eine erhebliche Anglisierung der Wirtschaft. Die Einführung speziell amerikanischer Managementmethoden, insbesondere die konsequente Ausrichtung auf kurzfristige Gewinnmaximierung, sowie US-amerikanischer Führungsstil und die betonte Ausrichtung nach den Interessen der Unternehmenseigner („Shareholder Value“) haben die Kultur gerade in den großen und börsennotierten Unternehmen in den letzten Jahren verändert. Ein Faktor hierfür ist der zunehmende Einstieg US-amerikanischer Geldgeber in europäische Unternehmen und umgekehrt.

Ursachen und Motive der „Anglisierung“

Übernahmen geschehen beispielsweise, um sehr spezielle Sachverhalte oder Objekte mit einem deutlicheren (Fremd-)Wort zu bezeichnen und eine Nuancierung zu erreichen. Allerdings ist auch das Benutzen englischer Wörter anstelle schon vorhandener deutscher Wörter vermehrt aus modischen Gründen zu beobachten (z. B. wireless statt kabellos oder Funk-, catwalk statt Laufsteg). Analog werden Sozial- oder Wirtschaftsnormen integriert, die in Deutschland bisher unüblich waren, zum Beispiel CEO. Dies ist kein einmaliger Vorgang, sondern kam in der Sprachgeschichte des Deutschen und auch anderer Sprachen schon viele Male in dieser Weise vor. Es ist durchaus üblich, dass in einer Epoche viele Ausdrücke aus einer kulturell dominanten Sprache entlehnt werden, zum Beispiel im Mittelalter aus dem Lateinischen oder im 18. Jahrhundert aus dem Französischen. Auch hier gab es nicht nur „notwendige“ Entlehnungen, sondern es wurden möglichst viele Worte der dominanten Sprache verwendet, um mit der Mode zu gehen. Es handelt sich aus sprachwissenschaftlicher Sicht um einen normalen Vorgang, der nicht auf Gefährdung oder Aussterben des Deutschen schließen lässt.

Insbesondere in der Jugendsprache und in der Geschäftswelt ist eine starke Übernahme anglo-amerikanischer Wortelemente festzustellen. Dabei geschieht dies auf den ersten Blick aus ganz unterschiedlichen Gründen. So eifern Jugendliche ihren Idolen nach, die oft aus den USA kommen. In der Geschäftswelt dagegen wird die Anglisierung mit dem Zwang zur Globalisierung begründet. In jedem Fall kann jedoch die Anglisierung durch Gruppenzwang auf der einen Seite und das Streben nach Individualismus auf der anderen Seite verstärkt werden; insbesondere in gewissen sozialen Gruppen in Deutschland (etwa im Gegensatz zu Frankreich) mit starkem Konkurrenzdruck ist daher eine Anglisierung zu beobachten. Auf der anderen Seite werden Menschen, die einem tatsächlichen oder scheinbarem Druck zum Konformismus und dem Hang zur Anglisierung nicht bedingungslos folgen, teilweise als unkreativ und austauschbar angesehen.

Die zunehmende Dominanz von Fernsehproduktionen aus dem angelsächsischen Raum, insbesondere aus den USA, und die damit einhergehende Dauerkonfrontation der Fernsehkonsumenten mit der (tatsächlichen oder vermeintlichen) Alltagswelt der USA, wird von vielen ebenfalls als Faktor gesehen, der die Anglisierung fördert. Hierbei wird den Zuschauern ein Bild der USA vermittelt, das der Wirklichkeit nicht immer nahe kommt.

Kritik an der Anglisierung

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Kritiker argumentieren, dass durch die Anglisierung ein dauerhafter Verfall der deutschen Kultur zu befürchten sei. Im übrigen würden durch den häufigen Gebrauch englischer Wörter im Deutschen bestimmte Teile der Bevölkerung (insbesondere älteren Menschen) überfordert, ausgegrenzt und damit diskriminiert. Eine Übertragung englischer Begriffe ist zudem nicht immer problemlos möglich – ein CEO ist im angelsächsischen Gesellschaftsrecht hinsichtlich seiner Rechte und Pflichten deutlich anders ausgestattet als ein deutscher Vorstandsvorsitzender.

Das Unternehmen Porsche beispielsweise minimiert bewusst die Verwendung englischer (Fach-)Begriffe, um so die innerbetriebliche Kommunikation zu fördern und das soziale Umfeld zu verbessern.

In den letzten Jahren kam es zu einer Gegenbewegung, die insbesondere durch die Opposition vieler Menschen zu der US-amerikanischen Politik unter Präsident George W. Bush begünstigt wurde. Dies führte u. a. zu einer zunehmenden Verwendung altdeutscher Vornamen für Kinder bis hin zu einer unreflektierten Ablehnung jeglicher Facetten US-amerikanischer Kultur als Gegenbewegung zu einer Haltung der nahezu bedingungslosen Übernahme.

Eine Untersuchung von Bernd M. Samland, die Ende 2006 im Spiegel veröffentlicht wurde, kam zu dem Ergebnis, dass englischsprachige Werbesprüche in der Regel nur von einer Minderheit der Konsumenten korrekt verstanden werden. Dieses Phänomen führte dazu, dass mehrere Unternehmen (z. B. aus der Parfümeriebranche) wieder zu deutschen Texten zurückkehrten.

Quellen und Anmerkungen

  1. Sprachschuster des Jahres 1997 vergeben vom Verein Deutsche Sprache

Literatur

  • Rudolf Bartzsch/ Reiner Pogarell/ Markus Schröder (Hrsg.): Wörterbuch überflüssiger Anglizismen, Paderborn: IFB Verlag, 6. Auflage, 2004, 220 S., ISBN 3-931263-33-9
  • Christian Meier (Hrsg.): Sprache in Not? Zur Lage des heutigen Deutsch. Hrsg. von Christian Meier im Auftrag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zu Darmstadt. Göttingen: Wallstein Verlag, 1999, 112 S., ISBN 3-89244-341-6
  • Uwe Pörksen (Hrsg.): Die Wissenschaft spricht Englisch? Versuch einer Standortbestimmung. Göttingen: Wallstein-Verlag, 2005, 114 S., ISBN 3-89244-978-3 (Heftreihe „Valerio“ der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Band Nr. 1, 2005)

Siehe auch

Weblinks


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