Angstsparen

Mit dem Ausdruck Angstsparen wird in der öffentlichen Debatte das Verhalten der Mitglieder einer Volkswirtschaft bezeichnet, aufgrund von Zukunftszweifeln mit Konsumverzicht zu reagieren und stattdessen die Bildung von Ersparnissen zu erhöhen.

Vor allem in der politischen Debatte ist Angstsparen als Ursache für anhaltend niedrigen Verbrauch benannt worden. Dabei schwingt oft eine vorwurfsvolle Konnotation mit, in dem Sinne, dass ein Großteil der Angstsparer gar nicht direkt von schlechten wirtschaftlichen Aussichten betroffen sei. Dass sich bei hoher Arbeitslosigkeit weit mehr Menschen um ihren Arbeitsplatz sorgen und dementsprechend zurückhaltend konsumieren, als tatsächlich von Arbeitslosigkeit bedroht sind, ist in mehreren Beispielen auch nachgewiesen worden.

In der Volkswirtschaftslehre sind solche Zusammenhänge zwar seit langem anerkannt. Sie werden dort aber nicht als Angstsparen, sondern als „Sparen aus Vorsicht“ (englisch: precautionary savings) bezeichnet. Volkswirte wie Hayne Leland haben einerseits Theorien entwickelt, die ein solches Verhalten als sinnvoll erklären, denn größeren Risiken in der Zukunft begegnet der rationale Verbraucher mit größeren Rücklagen in der Gegenwart. Andererseits muss es sich bei diesen Risiken nicht zwangsläufig um reale Risiken handeln. Vielmehr kann eine Vielzahl von Ereignissen dazu führen, dass die subjektiv empfundenen Risiken wachsen (unabhängig von den objektiven Risiken) und somit einen gleichsam irrationalen Konsumverzicht hervorrufen.

Literatur

Leland, Hayne (1968): „Saving and Uncertainty: The Precautionary Demand for Saving“, Quarterly Journal of Economics, Jg. 82, S. 465–473

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