Anhausen (Diedorf)
Anhausen
Markt Diedorf
Koordinaten: 48° 21′ N, 10° 47′ O48.34166666666710.775517Koordinaten: 48° 20′ 30″ N, 10° 46′ 30″ O
Höhe: 517 m ü. NN
Eingemeindung: 1978
Eingemeindet nach: Diedorf
Postleitzahl: 86420
Vorwahl: 08238

Anhausen ist ein Ortsteil der Marktgemeinde Diedorf im Landkreis Augsburg in Bayern.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der Ort Anhausen hat ca. 1400 Einwohner und liegt wenige Kilometer südwestlich von Augsburg auf einer Höhe von 517 Metern am Rande des Anhauser Tals. Das Anhauser Tal erstreckt sich über 6,5 Kilometer in nord-südlicher Richtung. Ausgangspunkte sind Anhausen (im Norden) und Burgwalden (im Süden). Der Weg durch das Tal ist für den Auto- und Durchgangsverkehr gesperrt und deshalb beliebt bei Wanderern und Radfahrern. Durch das Anhauser Tal fließt der Anhauser Bach, der in Diedorf in die Schmutter mündet.

Geschichte

Gegründet wird der Ort im 6. bis 7. Jahrhundert: Der Alemanne Anno gründete mit seiner und zwei weiteren Familien südlich von Diedorf in einem Nebental der Schmutter eine Siedlung, die sich fortan Annohuson, Anneshusa, schließlich Anhausen (bei den Häusern des Anno) nennt.

Die erste schriftliche Erwähnung des Ortsnamens findet sich im Jahr 1067. Volcmar de Anneshusa ist Zeuge in einer Schenkungsurkunde des Augsburger Bischofs Embrico an das Kollegiatsstift St. Peter (am Perlachturm) in Augsburg. Die Bezeichnung de Anneshusa, also von Anhausen, ist kein Ortsadel, sondern nur Unterscheidung für Träger gleicher Vornamen aus verschiedenen Ortschaften. Bis zu seiner Aufhebung im Jahre 1803 hatte das Domstift Augsburg die Grund- und Ortsherrschaft inne.

Seit 1944 war Anhausen der Wohnsitz des Malers Otto Michael Schmitt. In seinem Anhauser Atelier entstanden u.a. auch die Entwürfe für die Augsburger Weberhausfresken (1959–61).

1978 verliert die Gemeinde Anhausen ihre Selbständigkeit und wird nach Diedorf eingemeindet. Diedorf ist seit 1996 Marktgemeinde mit ca. 10.000 Einwohnern.

Ortssagen

Zu Anhausen gibt es verschiedene Sagen[1]:

Sage über die Gründung des Klosters Oberschönenfeld

Graf Mangold, der auf einer Burg in Anhausen wohnte, verirrte sich während der Jagd im Walde. In der Wildnis traf er einen Einsiedler, der in einer hölzernen Klause wohnte. Im Gespräch erfuhr er, dass der Einsiedler ein tot geglaubter Vorfahre von ihm gewesen sei, der in der Einsamkeit für seine Sünden Buße tun wolle. Nach dem Tod des Einsiedlers ließ der Graf an der Stelle der Klause eine Kapelle errichten. Später zogen zwei adelige Kammerfräulein dort ein und haben schließlich das Kloster Oberschönenfeld gegründet.

Sage über die Zerstörung des Anhauser Schlosses durch die Steinekirchner

Im Anhauser Schloss wohnte ein strenger und eifersüchtiger Schlossherr. Seine Frau floh vor ihm auf das Schloss bei Steinekirchen. Er ließ sie deshalb verfolgen und heimtückisch ermorden. Die Steinekirchner zogen daraufhin aus, um das Schoss in Anhausen zu zerstören. Das ist ihnen schließlich gelungen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kirche St. Adelgundis

Kirche St. Adelgundis

Die katholische Pfarrkirche St. Adelgundis wurde 1716 eingeweiht. Turm, Chor und Langhaus sind Arbeiten des domkapitelischen Werkmeisters Hans Georg Mozart (Ur-Großonkel von Wolfgang Amadeus Mozart). Die quadratischen spätgotischen Turmgeschosse stammen von einem Vorgängerbau aus dem 15. Jahrhundert. Im Seitenaltar befindet sich der Sarkophag des sogen. „Adelgundisgrabes“ von 1496. Der weithin sichtbare Kirchturm mit seiner silbernen Zwiebelspitze ragt 37 Meter in die Höhe und trägt vier Glocken. Die drei größeren mussten im Zweiten Weltkrieg abgebaut und eingeschmolzen werden; sie wurden 1949 durch neu gegossene Glocken ersetzt.

Kapelle "Zum Guten Hirten"

Kapelle "Zum Guten Hirten"

Die Kapelle "Zum Guten Hirten" steht außerhalb des Ortes an der heutigen B 300. Sie wurde vermutlich 1715 errichtet und gehört damit zu den ältesten Bauwerken in Anhausen. Durch den Orkan Wiebke 1990 schwer zerstört, wurde sie mit Hilfe von Spendengeldern saniert und wieder aufgebaut. Im Inneren sieht man eine Wandmalerei, die Jesus als Hirte darstellt. Er trägt ein Schaf auf seiner rechten Schulter und einen Hirtenstab in der linken Hand. Links und rechts von ihm stehen je zwei seiner Jünger und beweinen ihn. Die Inschrift weist auf das Jahr der Einweihung (1716) und auf das Jahr der Renovierung (1990) hin.

Das Mozart-Denkmal im Anhauser Tal

Mozart-Denkmal

Das Mozart-Denkmal im Anhauser Tal markiert den Mozart-Rundweg, der auch durch Anhausen führt. Der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart war selbst nicht in Anhausen, aber sein Ur-Großonkel hat an der Errichtung der Kirche St. Adeldundis mitgewirkt.

Langer-Stele vor der Mehrzweckhalle

Langer-Stele

Die Stele wurde im Juni 2008 im Beisein von Bernhard Langer und Bürgermeister Otto Völk eingeweiht. Anlass war der 50. Geburtstag des Golfprofis (geboren am 27. August 1957 in Anhausen). Gestaltet wurde das Werk von dem Anhauser Künstler und Bildhauer Friedrich Brenner. Die Stele zeigt auf drei Seiten den Golfer bei seinem Sport. Seite 1 würdigt den sechsfachen Deutschen Meister, Seite 2 verweist auf die US-Masters-Siege, Seite 3 erinnert an den Einsatz beim Rydercup. Der Platz um die Stele und die Mehrzweckhalle erhielt den Namen "Bernhard-Langer-Platz".

Biotopweiher im Winter

Biotopweiher

Am östlichen Ortsrand von Anhausen liegt ein kleiner Biotopweiher. Im Winter wird er zum Schlittschuhlaufen und zum Eishockeyspielen benutzt. Im Sommer dient er den Kindergartenkindern und Grundschülern als Anschauungsobjekt für den Naturkundeunterricht.

Naturdenkmal "Alte Eiche"

Naturdenkmal "Alte Eiche"

In der Nähe des Sportplatzes befindet sich der Standort einer alten Eiche. Der Baumumfang misst 6,20 Meter, daraus lässt sich ein Alter von etwa 310 Jahren ableiten. Die "Alte Eiche" ist im Verzeichnis der Naturdenkmale des Landkreises Augsburg aufgeführt und durch ein angebrachtes Hinweisschild (weißes Dreieck mit grünem Rand; Aufschrift "Naturdenkmal") gekennzeichnet.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft und Gewerbe

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betrieb hat in den letzten Jahren stetig abgenommen. Im Jahre 2011 gibt es noch fünf landwirtschaftliche Betriebe. Weiterhin gibt es drei Gaststätten, eine Schreinerei und ein Bauunternehmen.

Der Eingang zur Grundschule

Bildung

In Anhausen gibt es eine Grundschule und einen Kindergarten. Der Kindergarten wird von der Katholischen Kirchengemeinde betrieben und ist im Untergeschoss des Schulgebäudes untergebracht.

Die Grundschule Anhausen wurde 1965 erbaut; im Eingangsbereich befindet sich der Mosaikzyklus zum Märchen "Hans-im-Glück". Es wurde von dem Anhauser Kunstprofessor Otto Michael Schmitt (geb. 1904 in Laufen, gest. 1992 in Anhausen) gestaltet.


Friedhof mit Kapelle

Friedhof

Gleich gegenüber der Grundschule liegt der neue Friedhof mit der Aussegnungskapelle. Er wurde 1953 angelegt, da der bisherige Friedhof um die Kirche St. Adelgundis nicht mehr ausreichend Platz bot. Das Gelände des alten Friedhofs wurde eingeebnet, die Gräber entfernt und ein Gedenkstein für alle Verstorbenen aufgestellt.

Sportplätze

Anhausen verfügt auf dem Sportgelände im Anhauser Tal über eine Tennisanlage mit drei Spielplätzen, einen Fußballplatz mit Übungsgelände und eine überdachte Bocciaanlage mit drei Bahnen. Im Ortsbereich befindet sich neben der Grundschule eine Mehrzweckhalle, die auch als Turnhalle und für öffentliche Veranstaltungen benutzt wird. Zwischen Mehrzweckhalle und Grundschule liegt eine Teerplatte, auf der Basketball und Fußball gespielt werden kann.

Rad- und Wanderwege

Drei beschilderte Radtouren und zwei Fernwanderwege führen durch Anhausen und das Anhauser Tal:

  • Rad-Rundtour "Schwäbischer Mozartwinkel" (46 km)
  • Rad-Rundtour "Waldidyllen" (49 km)
  • Radwanderweg "Freiherr von Zech"
  • Fernwanderweg Augsburg-Sonthofen
  • Jakobs-Pilgerweg (Jakobsweg)

Daneben gibt es noch Wanderwege in der näheren Umgebung des Ortes:

  • Nordic Walking Rundtour: Es gibt seit 2007 drei Tourvarianten: Die leichte Tour (blau, Länge 4,8 km), die mittlere Tour (rot, Länge 6,0 km) und die anstrengende Tour (schwarz, Länge 11,2 km). Ausgangspunkte sind jeweils der Parkplatz vor dem Fußballplatz.
  • Trimm-Dich-Pfad: Der Trimm-Dich-Pfad wurde 1970 durch freiwillige Helfer vom SSV-Anhausen errichtet und der Öffentlichkeit bereitgestellt. Der Start ist am Parkplatz hinter dem Fußballplatz. Der Pfad führt auf einer Länge von ca. 400 Meter durch den Wald. Auf Übungstafeln werden 11 verschiedene Übungen vorgestellt, die man an den einzelnen Stationen trainieren kann.
  • Biber-Tour: Seit ca. 1990 und wieder 2005 hat sich am Anhauser Bach eine Biber-Familie angesiedelt und mehrere Dämme gebaut. Man kann die Biber-Dämme und die Nagespuren entlang des Baches verfolgen.
  • Feldkreuze-Tour: In der näheren Umgebung um Anhausen finden sich dreizehn Feldkreuze und Kapellen. Auf einem sternförmigen Weg kann man diese Wegmarkierungen erwandern. Sechs Wege führen vom Ortszentrum aus zu den verschiedenen Zielen, die alle ca. 500 Meter bis zu einem Kilometer von der Ortsmitte entfernt liegen.

Ortsvereine

SSV Anhausen e.V.

Der SSV Anhausen wurde im Jahr 1946 von sieben Leuten gegründet und hieß damals Spiel- und Unterhaltungsverein Anhausen e.V. Als erstes wurde Fußball gespielt und schon bald eine eigene Jugendmannschaft aufgebaut. 1949 schlossen sich dem Verein bereits die Theaterfreunde an. Damit hatte man auch eine zusätzliche Finanzstütze für den Verein geschaffen. 1950 schlossen sich die Talschützen dem Verein an und bereits 1952 die Tischtennisabteilung. Erst einige Jahre später, 1963 wurde die Skiabteilung gegründet und 1966 der Turnbereich ins Leben gerufen. Es folgten 1972 die Tennis- und 1984 die Boccia-Abteilung. Dieser Stand ist seither gleich geblieben. Dem Verein mit seinen 8 Abteilungen gehören heute knapp 1100 Mitglieder an.

Feuerwehrhaus in Anhausen

Freiwillige Feuerwehr Anhausen e.V.

Die Freiwillige Feuerwehr Anhausen wurde im Januar 1875 gegründet. Bereits am 16. Mai 1875 rückte die Wehr zu ihrem ersten Einsatz, einem Brand in Gessertshausen, aus. Heute hat die Feuerwehr Anhausen 54 Feuerwehrmitglieder im aktiven Dienst. Der aktuelle Fuhrpark besteht aus zwei Fahrzeugen, einem Löschgruppenfahrzeug LF 8 sowie einem Mehrzweckfahrzeug.

Verein für Gartenbau und Landschaftspflege e.V.

Der Verein für Gartenbau und Landschaftspflege kümmert sich um das äußere Erscheinungsbild des Ortes. Er veranstaltet jährlich ein Kartoffelfest im Pfarrhof (im September) und eine Waldweihnacht (im Dezember).

Söhne und Töchter des Ortes

Einzelnachweise

  1. Walter Pötzel (2006): „Sagen und Legenden: Schwänke und Ortsneckereien“. Heimatverein für den Landkreis Augsburg.

Weblinks

 Commons: Diedorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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