Animeentwicklung

Die japanische Anime-Industrie zählt zu den größten Trickfilmindustrien weltweit und hat eine umfangreiche Geschichte.

Inhaltsverzeichnis

Die Anfänge

Die älteste gegenwärtig bekannte japanische Animation ist eine drei Sekunden lange Sequenz eines unbekannten Künstlers, die wenige Jahre nach 1900 entstanden sein dürfte. Die 50 von Hand direkt auf 35-mm-Film gezeichneten Bilder zeigen einen Jungen im Matrosenanzug, der den Schriftzug „活動写真“ (katsudō shashin, bewegte Bilder) auf eine Tafel schreibt, sich umdreht und den Zuschauer grüßt. Der Filmstreifen wurde im Juli 2005 in Kyōto in einem alten Filmprojektor entdeckt.[1]

10er- und 20er-Jahre

Im Jahr 1914 wurden in Japan erstmals US-amerikanische, britische und französische Kurztrickfilme gezeigt. Japanische Filmgesellschaften begannen daraufhin, Zeichner für die Produktion eigener Animationsfilme einzustellen. Die ersten drei japanischen Trickfilme, schwarz-weiß, stumm und mit einer Laufzeit von wenigen Minuten, wurden 1917 im Abstand von wenigen Wochen veröffentlicht:

  • Imokawa Mukuzō Genkanban no Maki (芋川椋三玄関番之巻, dt. „Mukuzō Imokawa der Portier“; Kreidezeichnungen auf Tafeln), vermutlich im Januar 1917, von Tenkatsu unter der Regie von Ōten Shimokawa (1892–1973). Shimokawa war zugleich auch der erste, dessen Trickfilme in japanischen Kinos vorgeführt wurden, zog sich aber noch 1917 nach der Herstellung von nur fünf Trickfilmen wieder aus diesem Bereich zurück.
  • Saru Kani Kassen (猿蟹合戦, dt. „Die Krabbe rächt sich am Affen“; Tintenzeichnungen auf Papier), Erstaufführung am 20. Mai 1917, von Nikkatsu unter der Regie von Seitarō Kitayama (1888–1945).
  • Hanawa Hekonai Meitō no Maki (塙凹内名刀之巻, dt. „Hanawa Hekonais berühmtes Schwert“; Alternativtitel: なまくら刀 Namakura Katana), im Juni 1917, von Kobayashi Shōkai unter der Regie von Kōuchi Jun'ichi (1886–1970). Dieser etwa zwei Minuten lange Stummfilm wurde im März 2008 in gutem Zustand in einem Antiquitätenladen in Ōsaka wiederentdeckt (zusammen mit dem Film Urashima Taro von Seitarō Kitayama aus dem Jahr 1918) und ist somit der älteste noch erhaltene japanische Trickfilm.[2]

Von den frühen Anime-Pionieren spielte Seitarō Kitayama die wichtigste Rolle. Sein Film Momotarō (Pfirsichjunge) aus dem Jahr 1918 lief 1921 in Paris und war damit der erste außerhalb Japans gezeigte japanische Trickfilm. 1921 gründete er das erste japanische Trickfilmstudio Kitayama Eiga Seisaku-sho, in dem nicht nur Unterhaltungsfilme, sondern auch Animationen für Lehr- und Ausbildungszwecke entstanden.

Sanae Yamamoto (1898–1981) lernte sein Handwerk bei Seitarō Kitayama. Zu seinen frühesten Filmen gehören Obasuteyama (jap. 姥捨山, Der Berg, an dem alte Frauen zurückgelassen werden) und Usagi To Kame (Der Hase und die Schildkröte)[3], beide aus dem Jahr 1924. Yamamoto wirkte Mitte der 1950er Jahre entscheidend beim Aufbau des Animationsstudios Toei Animation mit, einem Wegbereiter der modernen Anime-Industrie.

Die meisten frühen Trickfilme waren in traditionellem japanischen Stil gezeichnet, wobei häufig mehr Wert auf die Genauigkeit der Darstellung als auf das Erreichen flüssiger Bewegungsabläufe gelegt wurde. Häufig wurden klassische asiatische Märchen und Sagen geschildert, oft mit einem deutlichen moralischen Zeigefinger. Die Handlung setzte sich oft nur aus Andeutungen zusammen und verlangte von den Zuschauern umfangreiche Vorkenntnisse der jeweiligen Geschichten.[4] Vereinzelt gab es aber auch Adaptionen ausländischer Cartoons (z. B. von der US-Serie Felix the Cat).

30er- und 40er-Jahre

Einer der Technikpioniere der 30er-Jahre war Kenzo Masaoka, der 1932 den ersten vollständig vertonten japanischen Trickfilm, Chikara to Onna no Yo no Naka (Die Welt der Macht und der Frauen)[5], produzierte. Von ihm stammte auch der erste ausschließlich in Folientechnik animierte japanische Trickfilm aus dem Jahr 1934. Masaokas Assistent Mitsuyo Seo, der 1933 sein eigenes Studio gründete, sollte in den 40er-Jahren eine wichtige Rolle bei animierten Kriegspropagandafilmen spielen.

Während der Tonfilm in den USA von Disney bereits regulär verwendet wurde, war er für den breitflächigen Einsatz bei japanischen Trickfilmen zunächst noch zu teuer und setzte sich erst Mitte der 30er-Jahre als Standard durch. 1937 drehte Noburō Ōfuji mit dem Film Katsura Hime den ersten farbigen Anime und auch den ersten japanischen Farbfilm, abgesehen von Propagandawerken. Der erste farbige japanische Spielfilm wurde erst 1951 gedreht, der Farbfilm jedoch schon in den 40er-Jahren für Propaganda genutzt.

In den 30er-Jahren begann die japanische Regierung mit einer verschärften Kontrolle aller Medieninhalte. Auch Trickfilmzeichner wurden angehalten, in ihren Werken vor allem nationale und kulturelle Elemente Japans hervorzuheben. Kleine Studios wurden geschlossen oder schlossen sich zu großen Unternehmen zusammen. In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg standen japanischen Animatoren nur begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung, so dass damalige Produktionen nur selten qualitativ hochwertig waren.

Größter Auftraggeber der Animationsstudios wurde das japanische Militär, das während des Krieges eine große Zahl an Propagandatrickfilmen produzieren und in den Kinos vor den Nachrichten zeigen ließ. Beliebt waren z. B. die vom Regisseur Mitsuyo Seo produzierten Filme mit Momotarō (Pfirsichjunge), einer in Japan altbekannten, heldenhaften Märchengestalt, die nun für ihr Land in den Krieg zog. Der 1942 produzierte und am 25. März 1943 uraufgeführte, 37-minütige Film Momotarō no Umiwashi [6] (桃太郎の海鷲, Momotarōs Seeadler) entstand unter Einsatz modernster technischer Mittel, und der am 12. April 1945 gestartete Film Momotarō Umi no Shinpei (桃太郎海の神兵, Momotarō, göttlicher Soldat des Meeres) war mit einer Laufzeit von 74 Minuten der erste abendfüllende Anime; eine Kopie des ursprünglich für vernichtet gehaltenen Films wurde 1983 wiederentdeckt.

Nach Kriegsende beschränkte sich die japanische Trickfilmindustrie für einige Jahre erneut auf die Produktion von Kurzfilmen. Während der Besatzung Japans durch alliierte Truppen von 1945 bis 1952 wachten ausländische Kontrollinstanzen darüber, dass die japanische Filmindustrie ausdrücklich eine demokratische Grundhaltung propagierte. Die Betonung typisch japanischer Elemente, vor dem Krieg noch Hauptinhalt der Trickfilme, wurde drastisch reduziert, stattdessen handelten die meisten Filme zunächst von Fantasiegeschichten mit moralischem Anspruch oder setzten international bekannte bzw. westliche Erzählungen und Kulturelemente um.[7]

50er- und 60er-Jahre

Noburō Ōfuji (1900–1961) gewann ab 1952 mit seinen Kurztrickfilmen Preise auf internationalen Filmfestivals.

Der erste animierte Nachkriegstrickfilm in Spielfilmlänge war Hakujaden (白蛇伝)[8], der vom 1956 gegründeten Anime-Studio Toei Animation produziert wurde und im Oktober 1958 in die japanischen Kinos kam. Hiroshi Okawa, der damalige Präsident von Toei Animation, schickte Hakujaden 1959 als Beitrag für das Kinderfilmfestival von Venedig ein, wo er einen Spezialpreis gewann; auch der mit eingesandte Toei-Anime Shōnen Sarutobi Sasuke (少年猿飛佐助, aus dem Jahr 1959) erhielt eine Auszeichnung. Daraufhin begannen sich internationale Filmverleihfirmen für japanische Zeichentrickfilme zu interessieren. Das Unternehmen Globe brachte Hakujaden 1961 unter dem Titel Panda and the Magic Serpent als ersten Anime in die US-amerikanischen Kinos, und Metro-Goldwyn-Mayer sicherte sich die Rechte an Shōnen Sarutobi Sasuke, der in den USA als Magic Boy lief und unter dem Titel Der Zauberer und die Banditen 1961 auch der erste Anime in Deutschland wurde.

Bedeutenden Einfluss auf den weiteren Weg der Animationstechnik in Japan hatte Yasuo Ōtsuka (geboren 1931). Als Mitarbeiter von Toei Animation entwickelte er zusammen mit dem Anime-Regisseur Yasuji Mori (1925–1992) den für die ersten Jahre charakteristischen Zeichenstil des Studios und war Mentor von Zeichnern wie Hayao Miyazaki und Isao Takahata, die später mit der Gründung von Studio Ghibli Weltruhm erlangten. Auf Ōtsuka gehen auch die Techniken zurück, die Anzahl der Bilder pro Sekunde dynamisch an den Handlungsablauf anzupassen und wichtige Szenen oder Teilabschnitte eines Anime durch besonders sorgfältige Animation hervorzuheben und den Rest aus Kostengründen eher schlicht zu halten.

In den 60er-Jahren erlebte die japanische Anime-Industrie durch Osamu Tezuka einen großen Schub. Der ausgebildete Arzt, der bereits seit 1946 Manga zeichnete und von den Fans für seine Verdienste den Ehrentitel „Manga no Kamisama“ (Gott des Manga) erhalten hat, gründete 1961 sein Anime-Studio Tezuka Productions, das er im Januar 1962 in Mushi Productions umbenannte. Astro Boy, das sich an Tezukas gleichnamiger Manga-Serie orientierte und einen Umfang von 193 (zunächst noch schwarz-weißen) Folgen hatte, war die erste Anime-Fernsehserie mit fortgesetzter Handlung und lief ab dem 1. Januar 1963 im japanischen Fernsehen. (Die erste Anime-Fernsehserie überhaupt, Otogi Manga Calendar von Otogi Productions, bestehend aus 54 abgeschlossenen, fünfminütigen Episoden, war wenige Monate zuvor am 25. Juni 1962 gestartet.) Die ab dem 6. Oktober 1965 ausgestrahlte, ebenfalls von Osamu Tezuka produzierte Serie Kimba, der weiße Löwe war die erste vollständig farbige Anime-Fernsehserie.

Der Sender Fuji TV begann am 20. Oktober 1963 mit der Ausstrahlung der 83 Folgen langen Anime-Serie Tetsujin 28-gō, die auf der gleichnamigen, seit 1956 laufenden Manga-Serie des Zeichners Mitsuteru Yokoyama beruhte. Die Serie war der erste Anime mit einem Riesenroboter als Hauptfigur, der in diesem Fall von einem Jungen mithilfe einer Fernsteuerung kontrolliert wurde. Tetsujin 28-gō wurde zum Vorläufer des späteren so genannten Mecha-Genres, in dem Riesenroboter und mobile Kampfeinheiten im Vordergrund der Handlung stehen.

Wie stark sich die Rezeption von Anime in verschiedenen Ländern unterschied, mag die Anime-Serie Speed Racer von Tatsunoko Productions aus dem Jahr 1967 zeigen. Während die 52-teilige Fernsehserie um einen Rennfahrer und sein mit technischen Tricks versehenes Auto in Japan selbst nur bescheidenen Erfolg hatte, wurde sie in den USA begeistert aufgenommen und zum festen Bestandteil der amerikanischen Fernsehgeschichte. In Deutschland wurde Speed Racer 1971 zwar als erste Anime-Fernsehserie ausgestrahlt, aber nach nur drei Folgen aufgrund von Zuschauerprotesten wegen „zu großer Brutalität“ wieder aus dem Programm genommen.

Am 5. Oktober 1969 startete die Fernsehserie Sazae-san, die nach einer Manga-Serie von Machiko Hasegawa von den alltäglichen Erlebnissen einer japanischen Familie handelt. Auch heute noch produziert eine eigene Firma in Tokio jede Woche neue Kurzepisoden, die jeweils am Sonntag Abend auf Fuji TV gesendet werden, was Sazae-san zur am längsten laufenden Anime-Serie mit den meisten Episoden und zu einer der am längsten ununterbrochen laufenden Zeichentrickserien weltweit macht.

Ende der 60er-Jahre wurden Anime-Serien mit sportlichen Inhalten zunehmend populär. Mila Superstar (Originaltitel Attack No. 1)[9], einer der herausragendsten Sport-Anime aus dieser Zeit, lief in Japan mit 104 Folgen von Dezember 1969 bis November 1971 und schildert die Erlebnisse einer Volleyballspielerin und ihrer Mannschaft. Der Anime und die zugehörige Manga-Serie sind in Japan nach wie vor so bekannt, dass 35 Jahre nach der Anime-Erstausstrahlung eine Real-Fernsehserie gedreht wurde.

70er-Jahre

Bislang waren Kinder das hauptsächliche Zielpublikum für Anime gewesen. Am 24. Oktober 1971 begann jedoch die Ausstrahlung der Serie Lupin III, die nach dem Vorbild der Arsène-Lupin-Romane des französischen Schriftstellers Maurice Leblanc die Abenteuer eines Meisterdiebes schilderte. Dies war die erste Anime-Serie, die sich gezielt an ein erwachsenes japanisches Publikum richtete und in einer realistisch angelegten Umgebung spielte. Obwohl die Serie zunächst schlechte Einschaltquoten hatte, wurde sie durch mehrere Wiederholungen schließlich zum Klassiker. Ihr Erfolg führte zu zwei weiteren Lupin-III-Fernsehserien, fünf Kinofilmen und noch heute in jährlichen Abständen produzierten Fernseh-Specials.

Obwohl bereits Ende der 60er-Jahre erste Science-Fiction-Anime wie etwa Cyborg 009 entstanden, begann sich diese Richtung erst in den 70er-Jahren dauerhaft zu etablieren. Dabei entwickelten sich die Geschichten, die ursprünglich zumeist auf den Sieg über einen zentralen Superschurken und dessen Helfer fixiert waren, weiter zu komplexeren Handlungen, in denen sich Gut und Böse oft nicht mehr eindeutig festlegen ließen. Das anfängliche Experimentieren mit Stil- und Handlungselementen führte zur Etablierung noch heute gültiger Standards, wobei sich gerade Endzeitutopien häufig im reichhaltigen geschichtlichen Fundus des Zweiten Weltkrieges bedienen.

Im Oktober 1972 startete der Science-Fiction-Anime Gatchaman, in dem zum ersten Mal das Sentai-Prinzip zum Tragen kam. Hauptfiguren in Sentai-Anime sind fünf (seltener vier) Personen, die bei Gefahr ein Alter Ego mit besonderen Fähigkeiten annehmen können, wobei jeder Figur eine charakteristische Farbe und ein Symbol zugeordnet werden. Das Sentai-Element, das auch die Festlegung bestimmter Charakter-Grundtypen sowie deren Umgang miteinander beinhaltet, ist seither immer wieder in Serien zu finden, von weltweiten Anime-Erfolgen wie Sailor Moon bis zu Realumsetzungen wie Power Rangers.

Wenige Wochen nach dem Start von Gatchaman kam, ausgehend von einer Manga-Serie des Zeichners Go Nagai aus den 60er-Jahren und beeinflusst durch frühere Robotergeschichten wie Astro Boy und Tetsujin 28-gō, von Dezember 1972 bis September 1974 Mazinger Z[10] auf die japanischen Fernsehschirme. Dies war die erste Anime-Serie, in der Kinder bzw. Jugendliche als Piloten Riesenroboter steuern, um die Welt vor nahezu unüberwindlichen Bedrohungen zu schützen. Dieses Grundthema wurde seither immer wieder abgewandelt und Mazinger Z damit zum Vorreiter eines neuen Genres, zu dem eine Vielzahl von Titeln wie etwa das Gundam-Universum (seit 1979), Saber Rider and the Starsheriffs (1984–1985), Kidō Keisatsu Patlabor (1989–1990), Neon Genesis Evangelion (1995–1996) und Candidate for Goddess (2000–2002) gehören. Mazinger Z ist in Japan auch heute noch so bekannt, dass 2004, also 32 Jahre nach dem Start der Serie, die 30-teilige Parodie Panda Z ausgestrahlt wurde, deren vielfältige Anspielungen ohne Kenntnis des Originals nicht zu verstehen sind.

Das von Osamu Tezuka 1961 gegründete Studio Mushi Productions ging 1973 in Konkurs (um bereits 1977 wieder neu aufgebaut zu werden), und seine ehemaligen Angestellten gründeten das Studio Madhouse oder wechselten zu ebenfalls neu gegründeten Studios wie Sunrise. Dadurch gelangten junge Talente in leitende Positionen, die experimentierfreudig und neuen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen waren.

Einer dieser neuen Versuche war die von Isao Takahata und Hayao Miyazaki gemeinsam geschaffene und von Zuiyo Enterprise produzierte Anime-Serie Heidi nach einem Roman der Schweizer Schriftstellerin Johanna Spyri, die Anfang Januar 1974 ins Fernsehen kam. Ihr Erfolg veranlasste das 1975 in Nippon Animation umbenannte Studio zur Gründung des Projektes World Masterpiece Theater (kurz WMT). Ab 1975 wurde unter diesem Namen jedes Jahr eine Fernsehserie auf der Grundlage eines internationalen literarischen Werkes produziert, so etwa Niklaas, ein Junge aus Flandern nach einem Roman der Engländerin Marie Louisa de la Ramée, Marco nach einem Buch des Italieners Edmondo de Amicis oder Anne mit den roten Haaren nach einem Roman der Kanadierin Lucy Maud Montgomery. Obwohl viele herausragende Animationskünstler an diesen Serien mitarbeiteten und deren internationale Popularität auch heute noch unvermindert anhält, musste Nippon Animation das WMT-Projekt 1997 aufgrund finanzieller Probleme und nachlassender Einschaltquoten einstellen.

Noch zu Zeiten von Zuiyo Enterprise unternahm das Studio auch die erste internationale Anime-Kooperation. Im Auftrag des deutschen ZDF und des österreichischen ORF entstanden unter der Regie von Hiroshi Saitō von 1974 bis 1977 die drei Serien Wickie und die starken Männer, Biene Maja und Pinocchio.

Ab Oktober 1974 wurde die von Yoshinobu Nishizaki unter der Regie von Leiji Matsumoto produzierte erste Staffel des Science-Fiction-Anime Space Battleship Yamato ausgestrahlt. Darin droht die auf einer weitgehend zerstörten Erde lebende Menschheit im Krieg gegen einen mächtigen außerirdischen Gegner zu unterliegen, als sich eine weitere Alien-Rasse einschaltet und den Menschen ihre Hilfe anbietet. Das Raumschlachtschiff Yamato hat jedoch nur ein Jahr Zeit, um zum anderen Ende der Galaxis zu fliegen und neue Technologie zurück zur Erde zu bringen. Anknüpfend an den weltweiten Erfolg der US-amerikanischen Fernsehserie Raumschiff Enterprise (1966–1969) übertrug Space Battleship Yamato historische Elemente des Zweiten Weltkriegs auf eine interstellare Auseinandersetzung. Der ernste Grundton der Handlung und die komplex gestalteten Charaktere der Serie lösten in Japan die erste große Anime-Fanbewegung aus.

Bei der 43-teiligen Serie Mobile Suit Gundam, die von Studio Sunrise produziert und ab April 1979 gezeigt wurde, spielte erstmals das Merchandising eine ebenso große Rolle wie die Anime-Serie selbst. Der Erfolg der Geschichte um einen zukünftigen Krieg zwischen Menschen und Außerirdischen, in dem die mobilen Gundam-Kampfeinheiten und ihre jugendlichen Piloten im Mittelpunkt stehen, bildete die Grundlage für die Erschaffung einer der umfangreichsten Science-Fiction-Sagas aller Zeiten. Die Produktionsfirma Bandai, die alle Gundam-Lizenzrechte hält, stellt zu den zahlreichen von Sunrise seither veröffentlichten Gundam-Serien und -Filmen ein nahezu unüberschaubar gewordenes Angebot an Gundam-Merchandising, -Modellbausätzen und -Figuren bereit.[11]

80er-Jahre

Die 80er-Jahre werden auch als das „Goldene Zeitalter“ des Anime bezeichnet. Zu den vielfältigen Gründen hierfür zählen u. a. die Gründung neuer Studios von Weltrang, die Entwicklung neuer Medien und die zunehmende internationale Wahrnehmung von Anime als ernst zu nehmendem Bestandteil der Unterhaltungsindustrie.

Einer der wichtigsten Punkte ist jedoch die Entstehung einer neuen Subkultur in Japan. Im Zusammenhang mit Science-Fiction-Serien der 70er-Jahre mit ernsthaftem Grundton wie etwa Space Battleship Yamato hatten sich erste organisierte Anime-Fanbewegungen entwickelt, die sich zunehmend auf einzelne Aspekte ihres Hobbys konzentrierten. Dies war die Geburtsstunde der Otaku, hoch spezialisierter Fans mit einem gewissen Hang zum Fanatismus, die für ihre Leidenschaft viel Geld zu investieren bereit waren. Da sie auch aus anderen Bereichen des Science-Fiction-Fandoms Zustrom und Unterstützung erhielten, wuchs ihre Zahl in der Folge auf marktwirtschaftlich relevante Größenordnungen an. Schon bald bedienten neu gegründete Fachzeitschriften wie „Animage“ (ab 1978) und „Newtype“ (ab 1985) diesen rasch expandierenden Markt.


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90er-Jahre

Anfang der 90er-Jahre entstand der Magical-Girl-Anime Sailor Moon, in dem Elemente der griechischen Mythologie, des Shintō, der chinesischen Philosophie und der Astrologie verschmolzen. Die Serie wurde zu einem weltweiten Erfolg und ist nach den Simpsons und Familie Feuerstein die dritterfolgreichste und erfolgreichste nicht-amerikanische Zeichentrickserie aller Zeiten.

Einen „kulturellen Schock“ befürchtend, entschied sich allerdings das für die US-Fassung zuständige Synchronstudio WEP, sämtliche japanischen Kulturelemente aus Sailor Moon zu entfernen und die Handlung in die USA zu verlegen. Das ZDF und RTL 2 bemühten sich gleichermaßen um eine angepasste deutsche Umsetzung, wenn auch mit geringeren Änderungen.

Eine Sonderstellung in der Anime-Geschichte nimmt die Serie Neon Genesis Evangelion von Studio GAINAX ein, die auf der Grundlage der gesamten Weltgeschichte und mit Zitaten aus vielen Religionen, Philosophie und Naturwissenschaften eine komplexe Handlung aufbaut. Im Fokus stehen allerdings die Probleme und Zerwürfnisse der Figuren. Dies hat Neon Genesis Evangelion zur meistdiskutierten Anime-Serie aller Zeiten gemacht, deren Popularität auch heute noch unvermindert anhält.

Nicht minder komplex sind die Kinofilme Prinzessin Mononoke und Chihiros Reise ins Zauberland von Studio Ghibli, das bereits seit den 80er-Jahren schöpferisch tätig ist. Es sind moderne Märchen, durchdrungen von japanischer Kultur.

Als weitere Vertreter dieser Zeit entstanden unter anderem Ranma ½ (Satire auf das konservative Japan), Golden Boy und Dragonball.

Nach der Jahrtausendwende

Der in der vorangegangenen Generation üblich gewesene Genresynkretismus ist nun zu einer „ernsthaften“ Handlung geworden, die allerdings deshalb nicht klar und geradlinig verlaufen muss und sich folglich eindeutig in Schubladen einordnen ließe. Vielmehr werden durchaus komplexe Themen in konfliktreiche Handlungsstränge verflochten, die Tragik der Charaktere spiegelt die Tragik des menschlichen Seins wider. Teilweise wird mit Special Effects nicht gegeizt, auch nicht mit Brutalität bis hin zur Perversion.

Vertreter dieser Machart sind u.a. Arjuna, Inu Yasha, Hellsing, Cowboy Bebop, Noir, X und Detektiv Conan.

Mit der Verleihung des Goldenen Bären der Berlinale und des Oscars an den Anime Chihiros Reise ins Zauberland schaffte das Anime-Genre den endgültigen internationalen Durchbruch. Chihiro wurde zugleich auch zum meistausgezeichneten Animationsfilm aller Zeiten.

Quellen und Bilder

  1. Oldest Anime Found, Anime News Network, 7. August 2005
  2. Two Nine-Decade-Old Anime Films Discovered, Anime News Network, 27. März 2008
  3. Standbild aus Usagi to Kame, 1924
  4. Jasper Sharp: Pioneers of Japanese Animation (Part 1), Midnight Eye, 23. September 2004
  5. Standbild aus Chikara to Onna no Yo no Naka, 1932
  6. Standbilder aus Momotarō no Umiwashi, 1943 (mit japanischer Beschreibung)
  7. Jasper Sharp: Pioneers of Japanese Animation (Part 2), Midnight Eye, 1. November 2004
  8. Beschreibung von Hakujaden bei Toei (japanisch)
  9. Übersicht über alle Folgen von Mila Superstar bei TMS Entertainment (japanisch)
  10. Beschreibung von Mazinger Z bei Toei (japanisch)
  11. Übersicht von Bandai über aktuelle Gundam-Produkte (japanisch)

Weblinks


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